Ausbildung

BERLINER MASTERPLAN QUALIFIZIERUNG Handlungsfeld „Berufsbezogene Bildungsberatung"

5 Handlungsfeld „Berufsbezogene Bildungsberatung"

Ausgangslage

Eine zunehmend wissensbasierte Gesellschaft mit steigenden und sich schnell wandelnden Anforderungen im Berufsleben macht stetiges berufsbezogenes Lernen im Lebenslauf für alle Menschen immer bedeutsamer. Ein wichtiges Element zur Unterstützung des lebenslangen Lernens und insbesondere der beruflichen Bildung und Weiterbildung ist die Bildungsberatung. Sie geht aus von den Fähigkeiten und Interessen der Bürgerinnen und Bürger und informiert über die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und die Möglichkeiten, durch Bildungsangebote Beschäftigungsfähigkeit herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern.

In einem umfassenden Sinne definiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) 2004 Bildungsberatung als ein Dienstleistungsangebot, „das darauf ausgerichtet ist, Individuen jedes Alters und zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens dabei zu unterstützen, Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen auf einer gut vorbereiteten und informierten Basis eigenständig zu treffen und ihr Berufsleben selbst in die Hand zu nehmen". Bildungsberatung als Dienstleistung für Unternehmen dient zur Unterstützung und Begleitung von Personalentwicklungsmaßnahmen und Weiterbildungsaktivitäten. Sie hat die Aufgabe, Unternehmen den Zusammenhang zwischen betrieblichen Funktionsproblemen und Qualifikationsdefiziten näherzubringen, die Anbieter-, Themen- und Methodenvielfalt in der Weiterbildung transparent und handhabbar zu machen sowie Weiterbildung mit den Unternehmenszielen zu verknüpfen.

Bildungsberatung soll berufs- und bildungsbezogene Entscheidungsprozesse begleiten und helfen, Entscheidungen bewusst und eigenverantwortlich treffen und umsetzen zu können.

Sie gibt Orientierung bei biografischen und beruflichen Übergängen und bei der Planung des Bildungs- und Berufsweges. Aufgabe der Bildungsberatung ist es, ergebnisorientierte und vertrauliche Beratung über geeignete und arbeitsmarktpolitisch sinnvolle Weiterbildungsmöglichkeiten zum Erhalt oder Erwerb eines Arbeitsplatzes zu bieten.

Berufsbezogene Bildungsberatung wird explizit oder als Element der Beratungstätigkeit von dafür spezialisierten Trägern, der Bundesagentur für Arbeit (Berufsberatung, Arbeitsberatung), den Trägern der Grundsicherung (Arbeitsberatung), den Schulen, den Hochschulen, den Kammern, den Sozialpartnern, den öffentlich geförderten Beratungsstellen, den Bildungsanbietern und den Volkshochschulen angeboten. Mit diesen Angeboten werden junge Menschen und Arbeitslose zureichend, sehr viele Menschen und Zielgruppen im erwerbsfähigen Alter jedoch noch nicht genügend erreicht.

Vor diesem Hintergrund hat Berlin die Initiative ergriffen und fördert mit inzwischen 31 Beratungsstellen eine unabhängige, neutrale, beitragsfreie, offen zugängliche und an den Interessen von Bürgern und Bürgerinnen und von Unternehmen orientierte Bildungsberatung.

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Die Koordinierungs- und Evaluierungsstelle für öffentlich finanzierte Bildungs- und Weiterbildungsberatungsstellen im Land Berlin (KES) gewährleistet den einheitlichen Internetauftritt dieser Beratungsstellen, die Koordinierungsstelle Qualität (KOS) berät und begleitet die Beratungsstellen bei der Qualitätssicherung und -entwicklung. Über die Infoline FIONA sind die Beratungsstellen, die sich gezielt an Frauen richten, vernetzt und zentral erreichbar. Die Transparenz der Weiterbildungsangebote in Berlin wird von der ebenfalls vom Land geförderten Weiterbildungsdatenbank Berlin mit ihrem für alle frei zugänglichen Internetportal unterstützt.

Herausforderungen Obgleich verschiedene Träger von Angeboten der berufsbezogenen Bildungsberatung Informationen austauschen und bestimmte Formen der Zusammenarbeit pflegen, besteht die Notwendigkeit, ihre Beratungsangebote besser aufeinander abzustimmen. Der weitere Ausbau von Kommunikation, Vernetzung und Kooperation sind geeignete Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen.

Die demografische Entwicklung und der als Folge prognostizierte Fachkräftebedarf erfordert von der Bildungsberatung in den nächsten Jahren eine stärkere Orientierung auf die Förderung der Weiterbildungsbereitschaft und die gezielte Planung und Förderung der beruflichen Entwicklung aller Beschäftigten.

Die unterdurchschnittliche Beteiligung von Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen an Weiterbildung und die eingeschränkten Möglichkeiten kleiner Betriebe, die Weiterbildung zu fördern machen es notwendig, eine betriebsbezogene Bildungsberatung zu unterstützen. Die Beratung in Unternehmen erfordert zusätzlich zu personenorientierten auch Konzepte und Kompetenzen zur Unterstützung und Begleitung von Personalentwicklungsmaßnahmen und betrieblicher Weiterbildungsplanungen.

Es bleibt Aufgabe der fördernden Institutionen und der Träger von Bildungsberatung zu prüfen, ob die Beratungsangebote den Kreis der Beratungskundinnen und -kunden erreichen, der mit dem jeweiligen Angebot angesprochen werden soll. Werden einzelne Gruppen der erwerbstätigen Bevölkerung nur unzureichend von den Beratungsangeboten erreicht, sollen Angebote und Ansätze entwickelt werden, die bislang unterversorgte Zielgruppen bedarfsgerecht ansprechen.

Ziele Leitziel

In Berlin setzt sich der Senat dafür ein, den Bürgerinnen und Bürgern ein kohärentes, bedarfsgerechtes, nachfrageorientiertes und geschlechtergerechtes Angebot berufsbezogener Bildungsberatung bereit zu stellen.

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Einzelziele

1. Angebote und Durchführung der Bildungsberatung orientieren sich an den Grundsätzen der Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Vertraulichkeit, Chancengleichheit und Ganzheitlichkeit.

2. Bildungsberatung befähigt die Ratsuchenden zur eigenständigen Gestaltung ihrer Bildungs- und Berufslaufbahn und ihrer Lebensplanung und unterstützt sie bei ihren Entscheidungen für Weiterbildung und berufliche Entwicklung.

3. Bildungsberatung fördert den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit von Bürgerinnen und Bürgern und trägt damit zur Sicherung des Fachkräftebedarfs der Wirtschaft bei.

4. Berufsbezogene Bildungsberatung schafft für die Ratsuchenden Transparenz über die Angebote der beruflichen Aus- und Weiterbildung und informiert sie über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes für ihre berufliche Entwicklung. Sie fördert damit die Weiterbildungsbereitschaft aller Bürgerinnen und Bürger, aber insbesondere auch der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Motivation neuer Zielgruppen zu Bildungsaktivitäten bzw. Weiterbildungsbeteiligung.

5. Die weitere Vernetzung und der Ausbau der Zusammenarbeit der Anbieter von berufsbezogener Bildungsberatung fördert die Schaffung eines differenzierten und abgestimmten Beratungsangebots in Berlin.

6. Die berufsbezogene Bildungsberatung für Beschäftigte und Personalverantwortliche in kleinen und mittleren Unternehmen auf der Grundlage eines von den relevanten Akteurinnen und Akteuren abgestimmten Konzeptes (Professionalisierung der Beratung, Vernetzung der Beratungsbeteiligten) ist auszubauen.

7. Berufsbezogene Bildungsberatung berücksichtigt den besonderen Bedarf benachteiligter Bevölkerungsgruppen (z.B. von Migrantinnen/ Migranten) und entwickelt für diese bedarfsgerechte Angebote.