Möglichkeiten des Verkehrsmanagements

Ergänzende verkehrsorganisatorische Maßnahmen sowie Maßnahmen des Verkehrsmanagements (z.B. Information zu alternativen Routen) sind dort einzusetzen, wo die Belastungen aufgrund von Durchgangsverkehren hoch sind. Dazu gehören insbesondere Maßnahmen zur Neuorganisation des Straßengüterverkehrs, der in der Innenstadt Quelle und/oder Ziel hat und die äußeren Stadträume durchquert.

5. Den funktionalen Stadt-Umland-Verflechtungen mit zusätzlichem Verkehrsbedarf muss durch eine qualitative Verbesserung der Stadt-Umland-Verknüpfung folgendermaßen Rechnung getragen werden:

· Ergänzung des regionalen und des Stadt-Umland-Schienenverkehrsangebotes und Attraktivitätssteigerung als Anreiz für Berufspendler-, Personenwirtschafts- und Freizeitverkehr,

· bessere Verknüpfung der öffentlichen Verkehrsangebote, insbesondere an den räumlichen Schnittstellen zwischen den Zuständigkeitsgebieten unterschiedlicher Aufgabenträger; Entwicklung gemeinsamer Bedien- und Finanzierungsmodelle,

· Sicherung und Umsetzung der schienen- und wasserseitig angebundenen Güterverkehrssubzentren als Ausgangspunkte für die Feinverteilung im Stadtgebiet, dadurch Entlastung radialer StadtUmland-Straßen vom schweren Güterverkehr,

· Überarbeitung der P&R-Konzeption als gemeinsame Maßnahme der Länder Berlin und Brandenburg,

· Nutzung von Möglichkeiten des Verkehrsmanagements und neuer Technologien zur stadtverträglichen Führung des Schwerlast-Fernverkehrs zu den innerstädtischen Zielen.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Zielerreichung

· Abbau des strukturellen Arbeitsplatzdefizits in den östlichen Stadtteilen mit dem Ziel der Verkehrsvermeidung

· Konsequente Konzentration der Siedlungsentwicklung auf Siedlungsachsen entlang von Schienenkorridoren

· Integrierte Standortplanung bei Ansiedlung von Unternehmen mit erheblicher Verkehrserzeugung

· Stärkung der Nahversorgung und Sicherung der kleinteiligen Erschließung in den bezirklichen Zentren u.a. auf Grundlage der Ausführungsvorschriften für bezirkliche Zentrenkonzepte und des StEP Zentren

· Fortschreibung und Weiterführung der Radverkehrsstrategie; Umsetzung mit dem bewährten Maßnahmerepertoire sowie Vorbereitung und Begleitung von Modellprojekten, Erhöhung der Netzdichte für den Radverkehr, Umsetzung von Pilotprojekten, Ausbau des Angebots an öffentlichen Leihfahrrädern

· Entwicklung und Weiterführung und Umsetzung der Fußverkehrsstrategie

· Verbesserung der länderübergreifenden Verkehrsbeziehungen zwischen Berlin und Brandenburg, Verbesserung der ÖV-Angebote vor allem im Busverkehr, Förderung von Fahrgemeinschaften für Berufspendler

· Verbesserung der verkehrsträger- und unternehmensübergreifenden Anschlusssicherung im ÖPNV/SPNV Stadtentwicklungsplan Verkehr Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ­ Abt. VII Seite 87

· Mobilitätsdienstleistungen für die ältere Bevölkerung

· Strecken und Bahnhöfe für den Regionalverkehr

· Neubau von Straßenbahnstrecken und Netzergänzung tangentialer Straßenbahnstrecken, z.B. Wissenschaftsstadt-Schöneweide-Sterndamm

· Straßenbaumaßnahmen zur Verbesserung der Stadt-Umland-Verbindungen

· Straßenbaumaßnahmen im Zuge des mittleren Ringes in Verbindung mit Entlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr, Weiterbau der Bundesautobahn A 100 (16. und 17. BA)

· Umgestaltung diverser Straßen als Komplementärmaßnahmen zu Netzergänzungen, z. B. Umgestaltung B 96a, Am Treptower Park, Puschkinallee, Grenzallee, Elsenstraße (südlich Am Treptower Park) als Komplementär zum 16. BA der A 100; Umgestaltung B 96a Am Seegraben, Adlergestell, Grünauer Schleife, Schnellerstraße zur Stadtstraße als Komplementär zur A 113, Verkehrslösung Schöneweide

· Straßenbaumaßnahmen zur Beseitigung struktureller Netzprobleme und zur Entlastung von Wohngebieten, z. B. Teilabschnitte der Süd-Ost-Verbindung; Teilabschnitte der Tangentialverbindung Ost, Teilabschnitt der Ost-West-Trasse (Nordumfahrung Köpenick)

· Förderung der Kombination von Pkw- bzw. Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung, Überarbeitung der Park&Ride-Konzeption zusammen mit Brandenburg und Umsetzung (Berliner Teil), Bau zusätzlicher und Ausbau vorhandener Fahrradabstellplätze; Ausbau des Angebots öffentlicher Leihfahrräder mit tariflicher Integration in den ÖPNV

Teilstrategie Verkehrsverknüpfung der Hauptstadtregion Deutschland und Europa Analyse: Probleme und Handlungsbedarf

1. Dank großer Ausbauanstrengungen seit 1990 konnte die Fernerreichbarkeit Berlins erheblich verbessert werden. Allerdings bestehen weiterhin Defizite bei der Anbindung an internationale Verkehrsnetze sowie in der Qualität vorhandener Netze und Zugangsstellen. Diese Defizite tragen dazu bei, dass die internationale Konkurrenzfähigkeit Berlins als Wirtschaftsmetropole immer noch beeinträchtigt ist. Eine gute Fernerreichbarkeit mit allen Verkehrsträgern ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmensentscheidungen. Der Wandel zur „Wissensgesellschaft" gelingt nur im internationalen Austausch. Die notwendige Umsetzung der vorhandenen Wissenschafts- und Forschungspotenziale in produktionsnahe Dienstleistungen und in Produktion zur Steigerung der Wertschöpfung in Berlin setzen eine konkurrenzfähige Fernerreichbarkeit voraus. Die Verbesserung der Fernerreichbarkeit durch Infrastrukturausbau ist jedoch ein Anreiz zur Erhöhung des Verkehrsaufwandes und steht deshalb im Konflikt mit den Zielen nachhaltiger Verkehrsentwicklung. Dieser Zielkonflikt zwischen Wirtschafts- und Verkehrspolitik ist nicht auflösbar, kann und muss aber durch Stärkung umweltverträglicher Verkehrsträger begrenzt werden.

· In Berlin enden die Hochgeschwindigkeitsstrecken im Schienenverkehr aus dem übrigen Bundesgebiet. Der Netzzustand der Bahnstrecken in Richtung Norden (Skandinavien/Öresund-Region), Osten und Südosten (Mittel-Ost-Europa) befindet sich noch auf einem zu niedrigen Qualitätsniveau; Stadtentwicklungsplan Verkehr Seite 88 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ­ Abt. VII das Zugangebot, die Fahrplanabstimmung und die Transparenz der Tarife sind insbesondere in Richtung der benachbarten polnischen Metropolregionen unzureichend.

· Die Autobahnen nach Osten enden hinter der polnischen Grenze, und die Autobahnanbindung an Mittel-Osteuropa ist nicht durchgängig vorhanden.

· Das bestehende Flughafensystem ist als internationales Drehkreuz noch nicht hinreichend leistungsfähig; Direktverbindungen zu Fernzentren werden nicht ausreichend angeboten. Durch den derzeit in Bau befindlichen neuen Flughafen Berlin Brandenburg wird die Leistungsfähigkeit und Anbindung Berlins über die Luft stark verbessert.

· Die Wasserwege (Westanbindung und Verbindung mit Polen) sind zu wenig leistungsfähig; die Modernisierung der Westanbindung (Projekt 17) verzögert sich.

2. Berlin ist dem Ziel einer besseren internationalen Verknüpfung mit den neuen Bauten im Schienenverkehr (der Nord-Süd-Verbindung und der Fernbahnhöfe) näher gekommen. Eine weitere Entwicklung im Personenfernverkehr wird es mit der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg geben. Die überregionalen Entwicklungen im Güterfernverkehr zeigen, dass der Metropolraum Berlin überwiegend Quelle und Ziel von Waren- und Güterströmen und nur in geringerem Umfang Umschlagort für Transitverkehre (mit keiner oder geringer Wertschöpfung) ist. Diese Funktionen werden vorwiegend im Umland und dort zum großen Teil in den Güterverkehrszentren wahrgenommen. Diese Entwicklungen werden voraussichtlich auch zukünftig andauern.

3. Das anhaltende Wachstum des Straßengüterfernverkehrs mit erheblichen Zielkonflikten (Umweltbelastung, Ressourcenverbrauch, Gesundheitsgefährdung) ist auch Resultat nicht ausreichend konkurrenzfähiger Alternativen durch Schienengüterverkehr und Binnenschiff (Mängel bestehen beim Netz, bei den Umschlagstellen, im Kostengefüge und bei den Dienstleistungsqualitäten). Lösungsstrategie Anmerkung: Im Vergleich zu anderen Teilstrategien ist hier die Handlungskompetenz der Berliner Landespolitik begrenzt und liegt im Wesentlichen in der Mitwirkung an der Meinungsbildung, der Planung und der Programmerstellung insbesondere des Bundes und der Abstimmung mit dem Land Brandenburg.

1. Zur Begrenzung des Zielkonfliktes zwischen notwendiger Erreichbarkeitsverbesserung und unerwünschtem Verkehrszuwachs ist es notwendig, bessere Verknüpfungen zwischen den Verkehrsnetzen herzustellen und umwelt- und stadtverträglichere Verkehrsträger mit Priorität auszubauen. Dies ist für den Personen- und Güterverkehr vor allem das Eisenbahnnetz. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Qualifizierung der großräumigen West-Ost- und Nord-Süd-Verbindungen. Aus Umwelt- und Ressourcengesichtspunkten hat dabei vor allem für mittlere Distanzen der Schienenverkehr Priorität vor dem Luftverkehr. Für die transnationale Anbindung ist besonders die Erreichbarkeit im Schienenverkehr nach Skandinavien (über die geplante Fehmarnbelt-Brücke und über die Ostseehäfen Rostock, Mukran und Swinemünde) sowie nach Posen/Warschau/Baltikum/Russland (über den „Rail BalticaKorridor") und Breslau/Ukraine/Südosteuropa (über den „Via Regia-Korridor") zu verbessern.

Berlin muss sich daher, insbesondere im Rahmen der Oder-Partnerschaft mit den polnischen Partnern, weiterhin für eine stärkere Priorisierung des Ausbaus der grenzüberschreitenden Verkehrsinfrastruktur und für die Lösung aller organisatorischen Probleme in den Grenzbahnhöfen einsetzen.