Integration

Allerdings profitieren noch zu wenige Menschen hiervon. Es gilt, die Berliner Versorgungsstrukturen im Sinne einer integrativen palliativen Versorgung fortzuentwickeln. Folgende Ansätze der integrativen palliativen Versorgung sind zu gewährleisten:

Öffentlichkeitsarbeit zu leisten

Die Selbstbestimmung des Menschen zu respektieren und ihn zu befähigen, für sich selbst zu entscheiden

Eine flächendeckende hospizliche sowie palliativmedizinische und palliativpflegerische übergreifende Versorgung im Land Berlin zu gewährleisten eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Qualität zu sichern

Krisenintervention Rund-um-die-Uhr (Pflege und Medizin) sicherzustellen, um mehr Menschen als bisher ein Sterben zu Hause zu ermöglichen

Beratung und Konsiliartätigkeit, z. B. für Hausärzte, Pflegedienste u.a. anzubieten

Das Familiensystem zu unterstützen und zu stärken

Die ehrenamtliche Hospizarbeit zu würdigen und weiterhin stärker zu fördern

Netzwerkbildung, d.h. Kooperation und Integration verschiedener Institutionen untereinander bzw. in einer bestimmten Region, zu fördern

Koordinierungszentren, -teams, bestehend aus erfahrenen Personen, z. B. aus der Pflege, Medizin, Sozialarbeit u.a., und regionale Netzwerke der bestehenden Hospizund Palliativstrukturen zu bilden.

Diese werden in folgenden Handlungsfeldern in Berlin verfolgt:

Enttabuisierung der Themen Sterben, Tod und Trauer

Stärkung der Patientenrechte

Verbesserung der allgemeinen und spezialisierten Palliativversorgung

Stärkung der bestehenden Hospiz- und Palliativstrukturen

Ehrung des bürgerschaftlichen Engagements

Optimierung der Vernetzung

Fortsetzung des Runden Tisches Hospiz- und Palliativversorgung

Bedarfsgerechte Ausgestaltung der Aus-, Fort- und Weiterbildung

Forschung

Enttabuisierung der Themen Sterben, Tod und Trauer Jeder Mensch weiß, dass er sterblich ist. Dieses Wissen zwingt ihn, sich mit dem Sinn des Lebens auseinander zu setzen. Er kann dem Tod nicht entfliehen. Viele philosophische Richtungen und auch die Religionen haben aus diesem Wissen und dieser Erfahrung heraus Hinweise, ja Lebenshaltungen zu einer "richtigen" Einstellung zum Sterben entwickelt. Im christlichen Europa gab es seit dem Mittelalter neben einer eigenen "Kunst des Lebens" auch eine "Kunst des Sterbens". In Regeln, Riten und Ratschlägen wurden die Menschen angehalten, sich das ganze Leben hindurch immer wieder mit ihrem Tod zu beschäftigen, um ihnen die Angst vor Sterben und Tod zu nehmen.

Die Überzeugung, dass zu einem sinnvollen und geglückten Leben die Annahme der eigenen Sterblichkeit gehört, ist heute vielen Menschen nicht mehr bewusst. Sie erfahren Sterben und Tod häufig erst dann, wenn Angehörige davon betroffen sind.

Seit einigen Jahren lässt sich aber ein neues und großes Interesse an diesen Fragen feststellen. Immer mehr Menschen spüren, dass sie nur dann wirklich als Menschen leben, wenn sie sich mit der Frage des Sterbens befassen.

Es gibt aber auch bei allen in dem Bereich der Hospiz- und Palliativstrukturen Tätigen die Einsicht, dass es ein fortwährender und stetiger Prozess sein muss, diese Themen und den Hospizgedanken in die Öffentlichkeit zu tragen und immer wieder neu zu problematisieren.

Dieser Prozess ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess und kann deshalb nicht allein durch die Hospizbewegung getragen werden. Diese Fragen gehen jeden Menschen in unserer Ge64 sellschaft an und deshalb muss auch die Öffentlichkeitsarbeit auf breite Schultern verteilt werden.

Vor dem Hintergrund der Kenntnis über Inanspruchnahme und Bedarf an hospizlicher Begleitung scheint es offenbar so zu sein, dass der Informationsgrad über die Angebote ambulanter Hospizdienste und stationärer Hospize noch nicht überall ausreichend ist und die Aufgabe, den Hospizgedanken in die Gesellschaft zu tragen und dort nachhaltig zu verankern, noch nicht erfüllt ist.

Folgende Teilmaßnahmen können einen Beitrag dazu leisten:

Hospizwoche

Die Hospizwoche ist eine mittlerweile seit 13 Jahren eingeführte Veranstaltung, um den Hospizgedanken in Berlin weiter zu verbreiten und die Beteiligten - sowohl Laien als auch das Fachpublikum zusammen zu führen.

o. Es wird angeregt, in der jährlichen Hospizwoche eine Veranstaltung im Parlament durchzuführen, die in Anlehnung an „Senioren debattieren im Parlament" im Rahmen der Seniorenwoche ­„Hospize debattieren im Parlament" heißen könnte.

o. Das Land Berlin wird weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit zur Hospizwoche über Sondermittel unterstützen.

Broschüren

- Nach dem Erscheinen in den Jahren 2006 und 2008 wird die dritte und erweiterte Auflage der von der ZAH erarbeiteten Broschüre „Wenn der Arzt nicht mehr heilen kann..." in die von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales herausgegebene Schriftenreihe „Gut altern in Berlin" aufgenommen (Ausgaben in Höhe von 7.500 Euro). Bei den früheren Auflagen entstand regelmäßig ein Finanzierungsproblem. Das Land Berlin unterstützte hier durch Befürwortung von Sondermitteln.

o. Der Arbeitskreis Trauer Berlin der ZAH wird eine eigene Broschüre zum Thema Trauer mit Selbstdarstellungen der Angebote derjenigen Träger, die im AK Trauer Berlin vertreten sind, herausgeben.

Informationsplattform

- Eine Informationsplattform soll durch einen weiteren niedrigschwelligen Zugang unter Federführung und mit den Erfahrungen der ZAH im Internet auf www.hospiz-aktuell.de alle in Berlin tätigen Hospizstrukturen abbilden. Hierzu sind in Zusammenarbeit mit der zuständigen Senatsverwaltung und unter Einbezug des HPV B die notwendigen konzeptionellen Voraussetzungen abzustimmen.

Ziel der neuen Informationsplattform soll ein einheitliches Erscheinungsbild mit einheitlichen Aussagen aller hospizlichen Strukturen mit einer Verlinkung zu den entsprechenden individuellen Internetpräsentationen der Träger sowie zum Pflegeportal des Landes Berlin: http://www.berlin.de/pflege/ sein.

Von der ZAH wurden, wie bereits unter 3.8 ausgeführt, die Daten über die Strukturen in die Datenbank des Hilfelotsen eingepflegt und somit auch den landeseigenen Berliner Pflegestützpunkten zugänglich gemacht. Im Hilfelotsen sind jedoch unter diesem Stichwort auch Angebote enthalten, die nicht zu den hier dargestellten Hospizstrukturen gehören.

o. Es sollen Abstimmungen erfolgen, um im Rahmen des Hilfelotsen für die Verbraucher die Hinleitung zu den Hospizstrukturen einerseits und zu den dort zu findenden weiteren Angeboten andererseits besser zu gestalten.

Insgesamt zielen diese Aktivitäten darauf ab, dass die Transparenz erhöht wird und die Verbraucher sowie Beratungsstellen, wie z. B. die Pflegestützpunkte, auf solide qualitätsgesicherte Datensammlungen zurückgreifen können.

Initiierung eines Fernseh-Thementages

- Das Land wird sich für die Einführung eines Thementages Hospiz bei der ARD oder dem RBB einsetzen. Das Medium Fernsehen erreicht insgesamt die größte Zahl der Menschen und kann somit die wichtigen Ziele, wie Enttabuisierung von Sterben, Tod und Trauer und Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, am effektivsten und nachhaltigsten befördern sowie auf sehr unterschiedliche Art und Weise transportieren:

Vorstellung einzelner Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung,

Interviews mit Haupt- und Ehrenamtlichen,

Interviews mit Betroffenen und Angehörigen,

Diskussion zu palliativmedizinischen, palliativpflegerischen, aber auch ethischen und rechtlichen Fragestellungen unter Hinzuziehung von Vertreterinnen und Vertretern der Praxis und der Wissenschaft,

Buch- und Filmvorstellungen,

Ausstellungen und Reportagen

Best Practice-Beispiele, z. B. Gewinnung von Ehrenamtlichen, Spendern, Sponsoren, Netzwerken,

Vorstellung von Trauerangeboten,

Vorstellung von die Hospizarbeit unterstützenden Projekten/Maßnahmen: Hospizwoche, Tätigkeit der Schirmherrinnen und Schirmherren, das Theater „Carpe diem" u.a. Fachtagungen und Veranstaltungen einzelner Träger

Die Fachtagungsreihe „Palliative Geriatrie Berlin"

Die Fachtagung „Palliative Geriatrie", organisiert vom UNIONHILFSWERK, wird weiterhin einmal jährlich durchgeführt. Ziel ist es, dem Thema der Versorgung hochbetagter Menschen am Lebensende ein besonderes Gewicht zu verleihen und sich darüber auch mit Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum (andere Bundesländer, Schweiz und Österreich) zu verknüpfen und deren Wissen in Berlin nutzbar zu machen (s. 3.4). Bundesweite Fachtagung Palliative Care

Diese bereits fest etablierte bundesweite Fachtagung Palliative Care (s. 3.10.5 und 3.12) wird weiterhin an der Wannseeakademie in Zusammenarbeit mit dem AK Palliative Pflege alle zwei Jahre konzipiert und durchgeführt.

Infobörse des Arbeitskreises Palliative Pflege

Alle zwei Jahre führt der AK Palliative Pflege (s. 3.10.5) eine Infobörse, alternierend mit der in Zusammenarbeit mit der Wannsee-Akademie organisierten bundesweiten PalliativFachtagung, durch.

Bundesweite Tagung zur Thematik der interkulturellen Sterbe- und Trauerbegleitung

Der Humanistische Verband Deutschlands Landesverband Berlin e.V. mit seinem Interkulturellen Hospizdienst Dong Ban Ja plant für das Jahr 2011 gemeinsam mit der Friedrich-EbertStiftung eine bundesweite Tagung zur Thematik der interkulturellen Sterbe- und Trauerbegleitung, getragen von dem Wunsch auf weitere Verbreitung der Erfahrungen und Arbeit dieses Hospizdienstes auch über die Grenzen Berlins hinaus (3.2.1).

9. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Im Jahr 2012 wird in Berlin der 9. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin stattfinden. Die in Berlin tätigen Mitglieder dieser Gesellschaft (s.