Medizinstudium

Die Approbationsordnung der Ärzte wurde geändert (s. 2.4). Sie enthält die Forderung, dass Lehrbeauftragte die geforderten Inhalte vermitteln, um Menschen kompetent und würdevoll medizinisch zu betreuen, wenn keine Aussicht mehr auf Heilung besteht, solange kein Lehrstuhl für Palliativmedizin existiert. Langfristig sollen eigene Lehrstühle für Palliativmedizin den Unterricht sichern. Damit erhält der Gedanke eines eigenen Lehrstuhls für Palliativmedizin in Berlin aktuell wiederum einen besonderen Stellenwert.

Fort- und Weiterbildungen Fort- und Weiterbildungen sind Maßnahmen der internen Qualitätssicherung und daher für alle Einrichtungen und Professionen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich verbindlich zu planen und durchzuführen, um in der Praxis nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse handeln zu können. Während Fortbildungen die durch die Ausbildung bzw. berufliche Tätigkeit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern sollen, zielen Weiterbildungen auf eine Weiterqualifizierung, also eine berufliche Weiterentwicklung und / oder einen beruflichen Aufstieg ab.

Um Hospiz- und Palliativkenntnisse nicht nur in den spezialisierten Einrichtungen anzuwenden, sondern sie in alle Versorgungsstrukturen zu integrieren, müssen Fort- und Weiterbildungen zu diesen Themen fortlaufend geplant werden. Die unter 3.3.1 und 3.12 dargestellten Weiterbildungsinstitutionen in Berlin leisten ihren Beitrag, den Fort- und Weiterbildungsbedarf in Berlin auch zukünftig auf hohem Niveau zu decken.

Darüber hinaus gehört es bei allen Hospizstrukturen zum Grundverständnis ihrer Arbeit, dass sie als Fortbildungseinrichtungen durch Vortragstätigkeit, Einrichten von Praktikumsplätzen (z.B. für Auszubildende in der Altenpflege), Hospitationsmöglichkeiten usw. wirken.

Als Praxisbeispiel sollen die Aktivitäten des UNIONHILFSWERKES im Rahmen des Kompetenzzentrums Palliative Geriatrie (s. 3.4) zum Schwerpunkt der stationären Pflege etwas ausführlicher dargestellt werden: KPG Bildung: Fort- und Weiterbildung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der palliativgeriatrischen Pflege und Betreuung, Medizin und Ethik sowie Organisation der jährlich stattfindenden Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin und Autorenschaft in Fachbüchern und -zeitschriften (weitere Infos: http://www.palliative-geriatrie.de/bildung und http://www.palliativegeriatrie.de/fachtagung).

Seit 2004 entwickelt das KPG für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Altenpflege vielseitige Bildungsangebote und setzt diese um. In die Gestaltung von KPG I Bildung sind über die Jahre vielfältigen Erfahrungen und know how in die Palliative Geriatrie eingeflossen: Ergebnisse aus Forschung und Praxis, Impulse aus der Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin, sowie aus der nationalen und internationalen Netzwerkarbeit des KPG.

Im Rahmen des Managements von KPG I Bildung arbeitet das KPG mit der VIA Verbund für Integrative Angebote Berlin gGmbH zusammen.

Unter dem Dach von KPG I Bildung werden ab 2011 palliativgeriatrische Bildungsangebote

(Seminare, Lehrgänge, Lesungen und Workshops) zur Palliativen Geriatrie an drei Berliner Standorten angeboten:

- KPG Bildung Südost (in Treptow)

- KPG Bildung Mitte (in Prenzlauer Berg)

- KPG Bildung Wannsee (in Zehlendorf) Folgende Maßnahmen werden speziell den vollstationären Pflegeeinrichtungen empfohlen; sie sind jedoch auch auf andere Einrichtungen übertragbar:

Die Umsetzung und Gewährleistung einer würdevollen Sterbebegleitung und Palliativversorgung sind im Konzept der Einrichtungsträger zu verankern. Neben der Berücksichtigung im Leitbild der Einrichtung werden entsprechende Standards und Richtlinien für den Pflegeprozess entwickelt. Es obliegt den Einrichtungsträgern, im Rahmen der internen Qualitätssicherung das Personal hierzu regelmäßig fortzubilden.

Die Einrichtungsträger haben auf der Grundlage der bei den Vergütungsverhandlungen seit 2008 berücksichtigten Fortbildungskosten in Höhe von 0,30 Euro/Tag/Platz in Personalgesprächen den Fortbildungsbedarf zu ermitteln und danach ihre Fortbildungspläne auszurichten.

Gleiches gilt für die Palliative Care-Weiterbildung, die gezielt einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angeboten werden sollte, um langfristig die entsprechende Versorgungsqualität in der Einrichtung bzgl. der Palliativkompetenz sicherstellen zu können.

Forschung Wünschenswert wäre eine regere Forschungstätigkeit in Berlin, insbesondere vor dem Hintergrund der oben beschriebenen neuen Aufgabenschwerpunkte: Umsetzung der SAPV und Umsetzung von Sterbekultur und Palliativkompetenz in vollstationären Pflegeeinrichtungen.

Maßnahmen:

- Das Land wird eine Erhebung zur Situation der Sterbekultur und Palliativkompetenz in vollstationären Pflegeeinrichtungen durchführen (s. 3.5 und 3.13). Vor dem Hintergrund des Berichtsauftrages, der u.a. fordert, dass in den Einrichtungen eine Sterbe- und Abschiedskultur etabliert werden soll, die der Würde der sterbenden Menschen entspricht und Angehörige mit einbezieht, die Vernetzung zwischen den bestehenden Strukturen optimiert und das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Angehörigen im Rahmen der Sterbebegleitung unabhängig vom Sterbeort durch geeignete Maßnahmen befördert werden sollen, ist vom vierten Runden Tisch Hospiz- und Palliativversorgung am 29. Juli 2010 eine "Arbeitsgruppe Hospizkultur und Palliativversorgung in vollstationären Pflegeeinrichtungen" eingesetzt und die Durchführung einer Erhebung beschlossen worden. Mit der Evaluation soll der aktuelle Ist-Stand zur Umsetzung von Hospizkultur und Palliativversorgung in allen Berliner vollstationären Pflegeeinrichtungen erhoben werden. Die Ergebnisse der Erhebung sollen der Arbeitsgruppe als Grundlage zur Erarbeitung von Empfehlungen und Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der umfassenden palliativgeriatrischen Versorgung aller Heimbewohnerinnen und Bewohner dienen.

Grundlage der Erhebung sollen die "Indikatoren und Empfehlungen zur Palliativkompetenz in Pflegeheimen der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz (2006)" - jetzt Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V. bilden. Bei der Implementierung von Palliativkompetenz handelt es sich um ein sehr komplexes Geschehen, in dem alle Bereiche der Einrichtung involviert sind: Heimleitung, Pflegedienstleitung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer, Berücksichtigung der Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter / Kooperation mit Hospizdiensten, Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäusern, Seelsorge, Bestattungsinstitute, Hauswirtschaft usw., insofern ist die Erhebung entsprechend umfangreich.

Da in der Fachverwaltung kein Personal zur Verfügung steht, um diese Aufgabe übernehmen zu können, soll die geplante Evaluation an externe Experten vergeben werden, die bereits Erfahrungen in diesem Arbeitsfeld gesammelt haben.

o. Die für Soziales zuständige Senatsverwaltung wird durch regelmäßige Abstimmungsgespräche, insbesondere mit den in Berlin ansässigen Fachhochschulen, darauf hinwirken, dass z. B. durch Semester- und Abschlussarbeiten sie interessierende Themen in dem breitgefächerten Aufgabenfeld im Zusammenhang mit Sterben und Tod bearbeitet werden.

o. Die seit 2006 laufenden Untersuchungen im Rahmen des Kompetenzzentrums Palliative Geriatrie in den vollstationären Pflegeeinrichtungen der UNIONHILFSWERK Senioreneinrichtungen gGmbH in Zusammenarbeit mit dem PalliativZentrum Berlin-Brandenburg e.V. zu dem Thema „Wie und wo sterben unsere Heimbewohner?" wird fortgesetzt.

o. Das PalliativZentrum Berlin-Brandenburg e.V. wird ebenfalls seine Forschungstätigkeit fortsetzen.