Wohnhaus

Begründung Bebauungsplan I-218 „Petriplatz / Breite Straße" 6 16.3.

Wohnungen geprägt, die einen großen begrünten Hofbereich umfasst. An der Friedrichsgracht setzt sich das 1886 errichtete, ebenfalls denkmalgeschützte Gemeindehaus St. Petri von den Rasterfassaden der beidseitig angrenzenden 60er-Jahre-Bebauung ab.

I.3.3.2 Nutzungsstruktur

Die Nutzungsstruktur im nördlichen Teil des Plangebietes wird geprägt durch Gemeinbedarfs-, Büro- und Verwaltungsnutzungen auf der nordöstlichen Seite der Breite Straße. Eine wichtige Nutzung stellt hier die Zentral- und Landesbibliothek dar, die neben ihrem Haupthaus (Breite Straße 32 - 34) auch im angrenzenden Ribbeckhaus und in Teilen des Neuen Marstalls untergebracht ist. Der Neue Marstall am Schloßplatz ist in den vergangenen Jahren für eine Nutzung durch die Hochschule für Musik umgebaut worden. Im südlichen Bereich des zwischen Spree und Breiter Straße gelegenen Blockes befindet sich ein siebengeschossiger Neubau, in dem die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (DIHT, BDI, BDA) ihren Sitz haben.

Die westlich der Breiten Straße zwischen Neumannsgasse und Scharrenstraße gelegenen früheren Ministerialgebäude der DDR werden gegenwärtig durch Bundesbehörden genutzt.

Der an der Ecke Brüderstraße / Scharrenstraße gelegene Gebäudeteil des ehemaligen Kaufhauses Hertzog steht seit Jahren leer.

Der Baublock zwischen Friedrichsgracht und Brüderstraße wird vor allem durch Wohnungen geprägt. Das Gebäude Brüderstraße 11 - 12 dient heute der Sächsischen Landesvertretung, die Nachbarhäuser Brüderstraße 10 (Galgenhaus) und 13 (Nicolai-Haus), die bis vor wenigen Jahren durch die Stiftung Stadtmuseum Berlin als Ausstellungsgebäude genutzt worden waren, wurden bzw. werden durch die Liegenschaftsfonds GmbH an Privatinvestoren vermarktet.

Die zwischen Scharrenstraße und Gertraudenstraße gelegenen Gebäude des Denkmalbereichs am Spreekanal stehen teilweise leer, teilweise werden sie für Wohnen, Büros und Einzelhandel sowie durch eine Gaststätte genutzt.

I.3.3.3 Denkmalbereiche, Baudenkmale und Bodendenkmale

In der Denkmalliste des Landes Berlin werden die folgenden im Plangebiet gelegenen Orte und Gebäude als geschützte Denkmalbereiche, Baudenkmale und Bodendenkmale aufgeführt (s. Abschn. II.3.3.6):

Bodendenkmal

- Petriplatz, mehrere Bauphasen der Petrikirche, Friedhof, 13. Jahrhundert bis Neuzeit

Im Folgenden werden die denkmalgeschützten Anlagen näher erläutert:

(a) Denkmalbereich Breite Straße

Am nördlichen Ende der Breiten Straße ist der Neue Marstall (Schloßplatz 7) das letzte aus der Kaiserzeit erhaltene Bauwerk auf der Südseite des ehemaligen Schlossareals. Der 1896

- 1901 vom Hofbaurat Ernst von Ihne errichtete neobarocke viergeschossige Sandsteinbau umfasst mit dem lang gestreckten Spreeflügel und drei Innenhöfen kammartig die älteren Gebäude an der Breiten Straße: den alten Marstall und das Ribbeckhaus sowie ursprünglich auch die im Krieg zerstörte Ritterakademie. Der wilhelminische Repräsentationsbau ist in seinem heutigen Erscheinungsbild geprägt durch die Neugestaltung im Zuge des Wiederaufbaus von 1950 - 54 und 1961 - 65. An der Breiten Straße erhielt die ursprünglich dreiachsige Fassade 1952 zwei zusätzliche Achsen. Als Hauptwerk der wilhelminischen Staatsarchitektur ist der Neue Marstall von großer Bedeutung für die Berliner Baugeschichte. Darüber hinaus hat das Gebäude wegen seiner Nutzung als Hauptquartier des „Volksmarinerates" während der Novemberrevolution auch für die Stadtgeschichte eine besondere Bedeutung.

Südlich an den Neuen Marstall schließt unmittelbar der Alte Marstall (Breite Straße 36) an.

Der dreigeschossige Putzbau gilt als das einzige erhaltene frühbarocke Bauwerk Berlins.

Das straßenseitige Hauptgebäude ist der letzte erhaltene Teil der 1665 - 70 von Michael Matthias Smids errichteten Vierflügelanlage mit zwei Innenhöfen und einem Quergebäude.

Für den Bau des Neuen Marstalls wurden 1896 - 1901 die Hofgebäude abgerissen. Nach mehrfachen Veränderungen im 19. Jahrhundert und starker Kriegszerstörung wurde beim Wiederaufbau bis 1961 die ursprüngliche frühbarocke Fassadengestaltung weitgehend wieder hergestellt.

Das südlich anschließende Ribbeck-Haus (Breite Straße 35) hat trotz zahlreicher Überformungen den Charakter eines adligen Wohnhauses des 17. Jahrhunderts bewahrt und ist heute das einzig erhaltene Spätrenaissancegebäude Berlins. Der 1624 für den kurfürstlichen Kammerherrn Georg von Ribbeck errichtete und 1629 vom Dresdener Baumeister Balthasar Benzelt umgestaltete Putzbau war eines der ersten Traufhäuser im alten Berlin. Mit seiner Einbeziehung in den Neubau des Alten Marstalls 1659 wurde das ursprüngliche Wohnhaus als Behördengebäude umgenutzt. Das heutige Erscheinungsbild entspricht weitgehend dem Zustand von 1804, als das dritte Geschoss aufgesetzt und die vier Zwerchgiebel in veränderter Form wieder aufgebaut wurden. Die Restaurierung der Fassade nach 1959 orientierte sich am Zustand des 17. Jahrhunderts. Das Innere wurde beim Wiederaufbau 1964 - 66 gänzlich neu gestaltet. Aufgrund seiner Einbeziehung in den Marstallkomplex und seiner Nutzung als Königliche Oberrechnungskammer seit Beginn des 19. Jahrhunderts kommt dem Ribbeck-Haus auch eine stadthistorische Bedeutung zu.

Das Haus der 1961 - 66 zeitgleich mit dem Staatsratsgebäude errichteten Berliner Stadtbibliothek (Breite Straße 32 - 34) ersetzte die im Krieg zerstörte Ritterakademie. Der dreigeschossige Stahlbetonskelettbau entstand nach dem Entwurf eines Architektenkollektivs unter Leitung von Heinz Mehlan. Die vorgehängte dreigeschossige Glasrasterfassade und das ziegelgedeckte Satteldach nehmen die Dachlinien des benachbarten Ribbeck-Hauses und des Alten Marstalls auf und binden den Neubau in das historische Straßenensemble ein.

Rückwärtig stellt ein 1964 - 66 errichteter eingeschossiger Trakt (mit Katalogräumen und Lesesaal) die Verbindung zu dem als Büchermagazin ausgebauten Spreeflügel des Neuen Marstalls her. Auch das Quergebäude des neuen Marstalls wurde 1967/68 für Nebenbibliotheken ausgebaut.

Den südlichen Abschluss des Denkmalensembles an der Breiten Straße bildet die viergeschossige Bebauung des Grundstücks Breite Straße 30/31, die im Zusammenhang mit dem Begründung Bebauungsplan I-218 „Petriplatz / Breite Straße" 8 16.3.

Neuen Marstall errichtet wurde. Der überwiegend als Wohnanlage für die Bediensteten des Marstalls errichtete Gebäudeteil zeigt eine weniger monumentale Fassadengestaltung als der zum Schloßplatz ausgerichtete Hauptbauteil des Neuen Marstalls. Auf der Spreeseite weisen die unteren Geschosse jedoch eine gemeinsame Gestaltung mit dem Querflügel des Neuen Marstalls auf. Die Gebäudeteile Breite Straße 30/31 werden heute ebenfalls durch die Zentral- und Landesbibliothek genutzt.

Südöstlich dieses Ensembles liegt die denkmalgeschützte Mühlendammschleuse, die mit einem kleinen Teilbereich in das Plangebiet hineinragt.

(b) Einzeldenkmale in der Brüderstraße Eines der beiden letzten erhaltenen barocken Bürgerhäuser in Alt-Cölln ist das im Volksmund „Galgenhaus" genannte, 1688 für den Kammerrat von Happe errichtete Wohnhaus Brüderstraße 10. Die heutige klassizistische Fassadengestaltung des dreigeschossigen, fünfachsigen Putzbaus stammt von 1805. Nach seiner klassizistischen Umgestaltung diente das Gebäude der nahen Petrikirche als Propstei. Im Inneren des Gebäudes sind zahlreiche barocke Ausstattungselemente erhalten geblieben. Als eines der wenigen erhaltenen Berliner Beispiele der gehobenen Wohnkultur um 1800 besitzt das Gebäude zugleich stadt- und baugeschichtliche Bedeutung.

Das Nicolai-Haus (Brüderstraße 13) ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der Berliner Architektur und Kulturgeschichte. Zusammen mit dem Galgenhaus vermittelt es einen Eindruck von Aussehen und Ausstattung barocker Bürgerhäuser in Berlin. Der Schriftsteller, Verleger und Buchhändler Friedrich Nicolai, der das Haus 1787 kaufte, und sein Schwiegersohn Gustav Parthey machten es im frühen 19. Jahrhundert zu einem geistigen Mittelpunkt der Berliner Aufklärung. 1674 auf zwei mittelalterlichen Grundstücken unter Verwendung älterer Bausubstanz errichtet, erhielt das dreigeschossige Gebäude seine heutige Gestalt bei einem Umbau um 1710. Die den Hof rahmenden Neben- und Rückflügel entstanden, wie auch die siebenachsige Hauptfassade, um 1787. Sie umgrenzen eine der letzten erhaltenen barocken Hofanlagen in Berlin. Seine baugeschichtliche Bedeutung bezieht das Haus weiterhin aus seiner teilweise originalen Innenausstattung sowie dem 1968 eingebauten Treppenhaus des von Schinkel errichteten Weydinger-Hauses an der Unterwasserstraße. Der Garten hinter dem Haus wurde mit den Rückgebäuden im Krieg zerstört. Seit 2000 wird das Gebäude von der Stiftung Stadtmuseum Berlin genutzt.

Das Wohn- und Geschäftshaus Brüderstraße 11/12 wurde 1905 vom Architekturbüro Reimer & Körte für die Berlinische Feuer-Versicherungsanstalt entworfen. Das anstelle von zwei schmalen Bürgerhäusern errichtete repräsentative Gebäude überragt mit seinen vier hohen Geschossen die älteren Nachbarhäuser deutlich, nimmt jedoch in der neobarocken Gliederung der siebenachsigen Sandsteinfassade auf diese Bezug. Das Gebäude steht für den Wandel der Brüderstraße vom Wohngebiet zum Geschäftsviertel Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute hat die Landesvertretung des Freistaates Sachsen hier ihren Sitz.

Ein weiteres Zeugnis der Entwicklung zum Geschäftsviertel Anfang des 20. Jahrhunderts ist der auf dem Grundstück Brüderstraße 26 / Ecke Scharrenstraße erhaltene Bauteil des Kaufhauses Hertzog. Das 1908/09 errichtete viergeschossige Gebäude mit seinen nach Kriegszerstörung um 1960 vereinfacht wieder aufgebauten repräsentativen Neobarockfassaden ist der letzte erhaltene Bestandteil des Kaufhauskomplexes, der noch in den 1930er Jahren den gesamten Baublock sowie Teile des südöstlich angrenzenden Blocks zwischen Scharrenstraße und Gertraudenstraße einnahm, und gehört zu den letzten historischen Vertretern dieser Baugattung in Berlin.

(c) Denkmalbereich Gertraudenstraße/ Friedrichsgracht

An der Gertraudenbrücke besetzt das Geschäftsgebäude Gertraudenstraße 10 - 12 mit seinen markanten Giebeln wirkungsvoll den Übergang auf die Spreeinsel.