Spenden

StEP Klima ­ Seite 65

In der Summe aber ist klar: Weniger Niederschläge, Hitze und die daraus resultierende schlechtere Versorgung mit Wasser werden die Berliner Grün- und Freiflächen in Zukunft stärker belasten als bisher.

Besonders gravierend fallen die Folgen dort aus, wo die Standortbedingungen der Pflanzen ohnehin nicht optimal sind: zu kleine und ungesicherte Baumscheiben, zu wenig durchwurzelbares Substrat und unzureichende Nährstoffversorgung sind nur einige Beispiel für solche Stressfaktoren.

Zwei Kulissen der Empfindlichkeit Pflanzen in der Stadt versorgen sich auf unterschiedliche Art mit Wasser. Wichtigste Quelle ist Sickerwasser aus Niederschlägen. Wo Regen fehlt, kann künstliche Bewässerung diese natürliche Quelle ergänzen und zeitweise ersetzen.

Steht das Grundwasser hoch genug an, kann sich das Grün auch aus diesem natürlichen Reservoir versorgen. Nach heutigem Stand des Wissens können Gehölze in Grünflächen Wasser aus bis zu vier Metern Tiefe fördern.

Damit lassen sich die Grün- und Freiflächen Berlins in zwei Kulissen aufteilen (Karte 04): 66

· in Stadtgrün, das empfindlich auf einen Rückgang des Grundwasserspiegels reagieren könnte,

· und in Stadtgrün, das durch zurückgehende Niederschläge belastet sein könnte

Die Scheidemarke bildet ein Grundwasserabstand von vier Metern.

Abbildung 20 Stadtgrün ­ Anteile nach Art der Wasserversorgung 67

Balder, H. (1998): Die Wurzeln der Stadtbäume. Berlin, S. 180

Beide Kulissen beschreiben indes nur potenzielle Empfindlichkeiten. Die tatsächliche Betroffenheit hängt von vielen weiteren, kleinräumigen Faktoren ab, die im Rahmen des StEP Klima nicht zu ermitteln sind.

Datenquelle: TU Berlin Fachgebiet Landschaftsplanung und Landschaftsentwicklung/Herwarth + Holz (2010): Fachgutachten zum Stadtentwicklungsplan Klima Berlin. Berlin, S. 51

StEP Klima ­ Seite 66

Niederschlagswasserabhängiges Stadtgrün findet sich danach vor allem auf der Barnimer Hochfläche im Nordosten, der Teltower Hochfläche im Süden und der Nauener Platte im Südwesten der Stadt. Außerdem gehören größere innerstädtische Parks und Freiflächen wie das Tempelhofer Feld, der Volkspark Friedrichshain, der Görlitzer Park oder das Gleisdreieck hierzu (Karte 04). Grundwasserversorgtes Stadtgrün konzentriert sich dagegen an Standorten im Berliner Urstromtal. Dazu gehören etwa der Große und Kleine Tiergarten und der Schlossgarten Charlottenburg. In Waldgebieten liegen weitere, relativ kleine Flächen in der Nähe von Gewässern, wie etwa im Köpenicker Forst nahe des Müggelsees (Karte 04).

Viele Grünflächen mit hoher und sehr hoher stadtklimatischer Bedeutung gehören dabei zur Grundwasserkulisse. Anders gesagt: Gerade die für das Stadtklima bedeutsameren Grün- und Freiflächen sind überdurchschnittlich empfindlich gegenüber Grundwasserabsenkungen (Abbildung 20). Grundwasserabhängige Biotope Biotope wie Moore und Feuchtwiesen sind Kohlenstoffspeicher und spielen für den Klimaschutz eine wichtige Rolle. In Berlin findet man sie vor allem in den Wäldern (wie im Spandauer Forst, im Grunewald oder im Bucher Forst) und entlang der größeren Gewässer (wie das Naturschutzgebiet Gosener Wiesen zwischen Seddin- und Dämeritzsee).

In diesen Biotopen steht das Grundwasser nur wenige Zentimeter unter Flur an. Entsprechend empfindlich reagieren diese Bereiche auf Grundwasseränderungen (Karte 04). Stadtbäume

Bei Straßenbäumen mit ihrem eingeschränkten Substratvolumen muss das Grundwasser höher als drei Meter anstehen, damit sie von diesem Reservoir zehren können.

Für Bäume in Höfen dürfte dasselbe gelten. In Karte 04 sind deshalb eigene Raumkulissen zur Niederschlags- bzw. Grundwasserabhängigkeit von Stadtbäumen ausgewiesen.

Bemerkenswert ist, dass die meisten Stadtbäume schon heute ohne Grundwasser auskommen müssen und daher auf ausreichende Niederschläge angewiesen sind. Sie werden also noch empfindlicher auf Niederschlagsrückgänge reagieren als Grünflächen.

Räume, in denen das Grundwasser die Stadtbäume versorgen kann, gibt es wenige und eher kleine. Sie liegen meist nahe Gewässern ­ etwa an der Dahme oder am östlichen Teltowkanal ­ und im Urstromtal ­ zum Beispiel in Heiligensee und Hakenfelde, in Reinickendorf, Rahnsdorf und Neu-Venedig (Karte 04). Prioritäre Handlungsräume Prioritärer Handlungsbedarf entsteht in Grün- und Freiflächen, die heute und in Zukunft eine besondere Bedeutung für das Stadtklima haben. Das gilt besonders für die Stadtbäume und die Grün- und Freiflächen in der Innenstadt (Karte 05).

Balder, H. (1998): Die Wurzeln der Stadtbäume. Berlin, S. 180

StEP Klima ­ Seite 67

Ziele und Maßnahmen im Handlungsfeld städtisches Grün Berlin muss Vorsorge treffen, dass seine Grün- und Freiflächen trotz Klimawandel auch in Zukunft ihre Funktionen für die Stadt erfüllen können ­ als Ort für Erholung, Freizeit und Sport, als Refugium von Flora und Fauna, aber auch als kühlender Gegenpol zum Siedlungsraum.

Dafür gilt es...

· bestehende Grün- und Freiflächen zu erhalten und klimawandelgerecht zu optimieren,

· den Bestand kleinflächiger Grünflächen im Siedlungsraum zu ergänzen,

· und den Bestand an Straßenbäumen im Siedlungsraum zu erhalten, auf den Klimawandel vorzubereiten und zu erweitern.

Die räumliche Kulisse für entsprechende Maßnahmen zeigt Karte 06.

Maßnahmen im Siedlungsraum

Den bioklimatischen Ausgleich stärken

Eine Reihe von Maßnahmen, die dem städtischen Grün zu Gute kommen, wurde im Handlungsfeld Bioklima behandelt:

· Stadtbäume sichern und neue pflanzen,

· Flächen entsiegeln,

· kleinere Grün- und Freiflächen im Siedlungsraum schaffen und qualifizieren,

· auf geeigneten Flächen schattenspendende Gehölze pflanzen,

· hitze- und trockenstresstolerante Gehölze bevorzugen,

· offene Wiesenflächen erhalten und zum Stadtraum öffnen,

· Kaltluftentstehungsgebiete sichern,

· Kaltluftzustrom sichern und verbessern.

Sie alle dienen letztlich dazu, die Stadt weniger anfällig für den Wärmeinseleffekt zu machen, und belegen exemplarisch die vielfältigen Synergien zwischen den Handlungsfeldern des StEP Klima.

Grün- und Freiflächen vernetzen

Neben der Hitzeentlastung erfüllen die Maßnahmen im Siedlungsraum eine weitere Aufgabe: Sie helfen, bestehende Grünräume weiter zu vernetzen und so das Berliner Grünsystem zu stabilisieren.

Berlin hat in dieser Hinsicht bereits eine Menge erreicht, muss aber den eingeschlagenen Weg mit unvermindertem Elan weiter gehen ­ auch mit kleinen Schritten wie der Teilentsiegelung von Parkplätzen oder der Zwischennutzung von Baulücken als Nachbarschaftsgärten.