Dennoch hat die oberflächennahe Geothermie mit Sonden bis 100 Metern Tiefe in Berlin während der letzten Jahre zugenommen

Geothermie Seine geologische Lage macht Berlin zwar nicht zum idealen, doch prinzipiell geeigneten Standort für Erdwärmenutzung. Allerdings gewinnt Berlin sein Trinkwasser auf eigener Fläche. Das macht einen besonders restriktiven Grundwasserschutz und Einschränkungen bei Erdbohrungen nötig.

Dennoch hat die oberflächennahe Geothermie mit Sonden bis 100 Metern Tiefe in Berlin während der letzten Jahre zugenommen. Weit über 1.000 Bauten, vor allem Einfamilienhäuser, nutzen mittels Wärmepumpen oder thermischer Gründungsaktivierung diese Energiequelle.

Welche weiteren Potenziale es gibt, klärt derzeit eine von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie.

Sie soll Aussagen liefern, wie viel geothermische Energie nachhaltig nutzbar ist und wie groß die Mindestabstände benachbarter Erdwärmeanlagen sein müssen. Im Rahmen der Studie werden zudem Karten zur geothermischen Ergiebigkeit erstellt, die für die quantitative Beurteilung von Erdwärmesonden-Standorten nützlich sind. Das Gutachten kann damit die Grundlage für den erweiterten Einsatz der Technik in geeigneten Teilbereichen der Stadt liefern.

Energiegewinnung aus Biomasse

Das Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) und besonders seine Novellierung im Jahr 2008 hat die Nachfrage nach Biomasse zur Energieerzeugung erheblich steigen lassen. Dies führt bereits zu Flächenkonkurrenzen mit Landwirtschaft und Naturschutz, aber auch zu fragwürdigen Biomasseimporten. Hinzu kommt: ein Einsatz von Techniken wie der Holzpelletsheizung, die in Regionen mit starker Holzindustrie als Abfallverwertung durchaus nachhaltig sein kann, stößt in der Stadt angesichts erhöhter Feinstaubbelastung an Grenzen.

Berlin setzt stattdessen auf die natur- und klimaverträgliche Verwertung von Abfall und Reststoffen. Fast 1,2 Millionen Tonnen solcher biogener Abfälle fallen in Berlin jährlich an.

Das belegt eine Studie im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.

Sie untersuchte alle Arten von Biomasseabfällen ­ vom Küchenabfall bis zum Altholz, von Laub und Rasenschnitt bis Pferdemist und vom Frittierfett aus Restaurants bis zum Klärschlamm. Das Ergebnis: Besonders im Ausbau der Vergärung liegen Chancen. Je nach Szenario könnte Berlin durch Biomassenutzung im Jahr bis zu 419. Tonnen CO2 sparen.

Besonders die Kompostierung setzt Klimagase frei und verschwendet Energie. Die Senatsumweltverwaltung lässt deshalb zur Zeit ein auf die Studie aufsetzendes Konzept zur Nutzung von Mähgut erarbeiten, das in Berlin Jahr für Jahr in großen Mengen anfällt.

Das Prinzip lässt sich aber nicht nur in großen Heizkraftwerken anwenden. Blockheizkraftwerke (BHKW) erlauben einen Einsatz unabhängig vom Fernwärmenetz. Sie eröffnen dabei ein Leistungsspektrum, das von der Mikro-KWK-Anlage fürs Einfamilienhaus bis zu BHKW für ganze Wohnblöcke, Hotels, Krankenhäuser, Hallenbäder und Industriebetrieben reicht. Mehr als 280 solcher BHKW sind derzeit in Berlin im Betrieb. Insgesamt liegt der KWK-Anteil am Berliner Wärmemarkt bei 30 Prozent.

Wärmerückgewinnung aus Abwasser und Abluft Wärme in Abluft und Abwasser verpufft vielerorts noch ungenutzt, stellt aber eine durchaus ernstzunehmende Energiequelle der Zukunft dar. Lange Zeit war die Nutzung nur im individuellen Projekt üblich ­ als Wärmerückgewinnung, vornehmlich in Objekten mit stark wärmeproduzierender Nutzung wie Schwimmhallen, Industrie- oder Laborbauten, aber auch in Einfamilienhäusern.

Im Dezember 2010 ging in Lichtenberg eine Anlage in Betrieb, die die Wärme des kommunalen Abwassers zum Beheizen und Kühlen nutzt. Die mit diesem Pilotprojekt verfügbare Technologie zum Wärmeaustausch an Abwasserdruckleitungen eröffnet für die Abwasserwärmenutzung in der Stadt neue Perspektiven: 1.200 Kilometer solcher Druckrohrleitungen gibt es in Berlin.

Verkehrspolitische Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen

Der Ausstoß von CO2 ist in Berlin seit Jahren rückläufig. Bezogen auf den Primärenergieverbrauch sank er von 26,9 Millionen Tonnen 1990 auf 17,5 Millionen Tonnen im Jahr 2007.

Dies ist vor allem auf höhere Energieeffizienz im Umwandlungssektor und Einsparungen im verarbeitenden Gewerbe zurückzuführen.

Doch auch der CO2-Ausstoß von Haushalten, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen nahm nach den aktuellen vorliegenden Zahlen von 2007 seit 1990 um 25 Prozent ab.

Dagegen stiegen die CO2-Emissionen durch den Verkehr um vier Prozent.

Bezogen auf CO2-Emissionen aus dem Endenergieverbrauch, in deren Berechnung der Umwandlungssektor entfällt, ist bei Haushalten, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen ein erheblicher Rückgang von 19,2 Millionen Tonnen 1990 auf 13,2 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2007 festzustellen.

Dem Verkehrssektor werden (nach der Methode des Länderarbeitskreises Energiebilanzen) im Referenzjahr 2007 rund 28,8 Prozent des Endenergieverbrauchs und 24,9 Prozent der CO2-Emissionen in Berlin zugerechnet. Damit lagen seine CO2-Emissionen auf dem Niveau von 1990.

Damit hat der Verkehrssektor ­ im Gegensatz zu den übrigen Energieverbrauchssektoren

­ nur einen marginalen Beitrag zum Erreichen der klimapolitischen Ziele des Landes geleistet.

Innerhalb des Verkehrssektors gibt es gegenläufige Entwicklungen. Zwar dominiert noch immer der Kraftfahrzeugverkehr den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen in diesem Sektor, doch werden seit 2000 kontinuierliche Rückgänge im Kfz-Verkehr ausgewiesen.

Diese Rückgänge werden indes durch die stetigen Zuwächse des Flugverkehrs ausgeglichen. Bereits für 2005 wurde dem Flugverkehr der dreieinhalbfache Endenergieverbrauch des Schienenverkehrs zugerechnet. Dabei leistet der Flugverkehr nur einen geringen Beitrag zur Alltagsmobilität. Maßnahmen zur Begrenzung der CO2-Emissionen durch den Flugverkehr sind deshalb genauso wichtig wie die sonstigen Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung.

Klimaschonende Verkehrsentwicklung

Die Berliner Stadtentwicklung ist seit langem den Leitlinien der kompakten Stadt und der Stadt der kurzen Wege verpflichtet. Beide tragen dazu bei, den Verkehr und damit den Ausstoß von Treibhausgasen und Luftschadstoffen zu minimieren.

In Berlin sind die Voraussetzungen für eine energieeffiziente und klimaschonende Gestaltung des Verkehrs überdurchschnittlich günstig. Die Motorisierung ist ­ typisch für eine Metropole ­ gering. 42 Prozent der Haushalte verfügen über kein eigenes Kraftfahrzeug.

Dadurch werden rund zwei Drittel aller Wege in der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt. Der Radverkehr hat seit Ender der 1990er Jahre um mehr als 50 Prozent zugenommen.

Auch die Raumstruktur des Metropolenraums schafft günstige Voraussetzungen. Gemessen an der Zahl der Arbeitsplätze in Berlin ist die Zahl an Arbeitspendlern sehr gering ­ auch im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen. Dadurch nimmt der entfernungs- und energieintensive Stadt-Umland-Verkehr nur einen eher unbedeutenden Teil des Verkehrsaufkommens ein.

Vertiefende Aussagen zu einer klimaschonenden Verkehrsentwicklung trifft der parallel erarbeitete StEP Verkehr. Er stellt klar: Treibhausgasemissionen aus dem Verkehrssektor lassen sich vor allem durch eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs vermeiden, mithin durch die Förderung des ÖPNV, des Fuß- und Radwegeverkehrs, insbesondere jedoch durch die Stärkung intermodaler Verkehrsangebote.

Neubaugebiete vorrangig in ÖPNV-Nähe entwickeln

Die Orientierung auf das Netz des Öffentlichen Nahverkehrs ist schon heute ein Grundzug der Berliner Stadtplanung. Viele Potenzialflächen für die Siedlungsentwicklung, die der FNP darstellt, liegen in fußläufiger Entfernung zu Haltestellen des schienengebundenen ÖPNV. Auch künftig sollen vorrangig jene Bauflächen entwickelt werden, die mit U-Bahn, S-Bahn oder Straßenbahn gut zu erreichen sind. Bei der örtlichen städtebaulichen Planung gilt es, verkehrsreduzierende Siedlungsstrukturen und eine gute Erreichbarkeit für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.