Dienstleistungssektor

Eine leistungsfähige regionale Wirtschaft zeichnet sich durch tragfähige Säulen sowie durch starke Antriebskräfte sowohl im produzierenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor aus.

Das Berliner Handwerk steht gleichermaßen für Stabilität, Vielfalt und Innovation. Mit einem Anteil von fast 13 Prozent an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist das Handwerk eine tragende Säule der Berliner Wirtschaft. Darüber hinaus ist das Handwerk mit 151 verschiedenen Gewerken eine Querschnittsbranche: Handwerk ist Dienstleistungsgewerbe ebenso wie Produktion oder Manufaktur, Bauwirtschaft ebenso wie Gesundheitswirtschaft.

Gemeinsam ist den Unternehmen ihre überwiegend regionale Ausrichtung sowie eine Struktur als kleiner oder mittlerer Betrieb. Eine Stärkung des Handwerks bedeutet daher auch immer eine breite Stärkung des Standorts.

Ziel regionaler Handwerkspolitik muss es daher sein, der Vielfalt dieses Sektors und seinem branchenübergreifenden Charakter ebenso Rechnung zu tragen wie der kleinbetrieblichen Struktur. Das Aktionsprogramm Handwerk bzw. seine Fortschreibung ist daher vor allem ein konkretes, umsetzungsorientiertes Arbeitsprogramm, das auf der Grundlage von bestehenden wirtschafts- und fachpolitischen Initiativen1 und gemeinsam von Handwerk und Senat entwickelt wurde. Ziel des ersten Aktionsprogramms, das vom Senat im Jahr 2000 beschlossen wurde, war es, den Ende der 1990er-Jahre einsetzenden gravierenden Strukturwandel im Handwerk zu begleiten. Der Anpassungsprozess ist vollzogen, in den letzten Jahren entwickelt sich das Berliner Handwerk wieder positiv. Gerade in der Finanzund Wirtschaftskrise hat es sich nicht zuletzt aufgrund seiner starken Verankerung im Binnenmarkt als stabile und stabilisierende Wirtschaftskraft erwiesen. Ungeachtet dessen muss sich das Handwerk ­ wie die Wirtschaft insgesamt ­ zunehmend mit Einflussfaktoren auseinandersetzen, die mittel- und langfristig die Perspektiven des Handwerks bestimmen werden. Hierzu zählen der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftebedarf, die weiter rasant voranschreitende technologische Entwicklung sowie die Anforderungen an eine ressourcenschonende und nachhaltige Wirtschaft.

1 Wichtige Initiativen, an deren Entwicklung und Umsetzung das Handwerk beteiligt war bzw. ist, sind z.B die Innovationsstrategie, die Transfer-Allianz, der Masterplan Industrie oder der Masterplan Qualifizierung.

Das Aktionsprogramm Handwerk 2011 ist an diesen Schwerpunktthemen ausgerichtet und umfasst die Handlungsfelder Rahmenbedingungen, Innovation/Umwelt, Fachkräfte und Kommunikation. In diesen vier Handlungsfeldern haben ­ moderiert durch die Prognos AG ­ Expertinnen und Experten aus Handwerksbetrieben, Berliner Institutionen, Berliner Innungen, der Handwerkskammer Berlin und der Verwaltung in einem dialogorientierten Verfahren insgesamt 24 Maßnahmen entwickelt, die die Standortbedingungen für Unternehmen verbessern und das Handwerk in Berlin bei der Bewältigung der anstehenden Zukunftsfragen unterstützen. Dabei liegt der Fokus auf den Themenbereichen, die von den verantwortlichen Akteuren in Berlin direkt gestaltet werden können.

Zudem waren für die Entwicklung und Priorisierung der Maßnahmen folgende Aspekte wichtig:

Die Maßnahmen knüpfen an bestehende Initiativen und Aktivitäten an, sie werden bezogen auf die Bedarfe des Handwerks mit eindeutiger Zielsetzung formuliert, sie werden im Konsens zwischen Handwerk und Politik vereinbart, sie sind nach Möglichkeit innerhalb der nächsten drei Jahre umzusetzen, sie können mit konkreten Verantwortlichkeiten unterlegt werden.

Um die Standortbedingungen für das Handwerk zu verbessern und komplexe Zukunftsfragen bewältigen zu können, ist ein gemeinsames Vorgehen von Wirtschaft und Politik unabdingbar. Nur so können für beide Seiten optimale Lösungen entwickelt und umgesetzt werden. Das Aktionsprogramm Handwerk ist ein Maßnahmenprogramm, das gemeinsam von Handwerk und Politik erarbeitet wurde. Für seine Umsetzung zeichnen die Handwerkskammer Berlin und der Senat verantwortlich.

Im Kapitel Handlungsfelder wird zwischen Maßnahmen unterschieden, die kurz- oder mittelfristig angelegt sind. Dabei umfasst der Begriff kurzfristig einen Zeitraum von einem bis zu eineinhalb Jahren, der Begriff mittelfristig eine Spanne von bis zu drei Jahren.