Innovationsförderung

Aktionsprogramm Handwerk 2011

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Eine zentrale und praxisorientierte Plattform für die Intensivierung der Kooperation von Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen ist die Transfer-Allianz4. Die Transfer-Allianz ist ein Bündnis von rund 40 Einrichtungen aus Wirtschaft/Industrie und Wissenschaft, das konkrete Maßnahmen des Technologietransfers vereinbart und umsetzt. Die Handwerkskammer ist Partner der Transfer-Allianz. Ziel ist es, die aktive Rolle des Handwerks in dem Bündnis zu stärken.

Ein Innovationshemmnis des Handwerks ist die Finanzierung entsprechender Aktivitäten.

Berlin verfügt über ein abgestimmtes Instrumentarium zur Förderung von technologieorientierten Unternehmen, bevorzugt im Verbund mit Wissenschaftseinrichtungen. Grundsätzlich stehen diese Maßnahmen der Technologie- und Innovationsförderung auch Handwerksbetrieben offen. Aufgrund der konsequenten Ausrichtung auf technologieorientierte Unternehmen und hoher Anforderungen an das Innovationsniveau der Produkte und Dienstleistungen sind Handwerksbetriebe in diesen Programmen jedoch stark unterrepräsentiert. Zukünftige innovationspolitische Aktivitäten sollten daher die spezifischen Potenziale des Handwerks berücksichtigen.

Einen ersten Ansatz stellt dabei der Transfer BONUS dar: Das Programm bezuschusst die Inanspruchnahme von Leistungen von Wissenschaftseinrichtungen zur Realisierung von kleinen Projekten der angewandten Forschung und Entwicklung. Ziel ist die Unterstützung des Technologie- und Wissenstransfers aus den Wissenschaftseinrichtungen in kleine und mittlere Unternehmen (KMU.

Maßnahmen:

I. Innovationspotenziale des Berliner Handwerks für Kompetenzfeldstrategie nutzen

Mit der Gemeinsamen Innovationsstrategie für Berlin und Brandenburg innoBB verfolgen beide Länder wirtschaftliches Wachstum durch das Setzen von Wachstumsimpulsen und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen in den länderübergreifenden, technologieorientierten Clustern/Zukunftsfeldern Gesundheitswirtschaft Verkehr, Mobilität und Logistik, Energietechnik IKT/Medien und Optik/Mikrosystemtechnik.

4 http://www.innovationsagentur-berlin.de/de/innovationsagentur/technologietransfer/transfer-allianz Aktionsprogramm Handwerk 2011

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Bislang werden die Potenziale des Handwerks in diesem Kontext jedoch noch nicht hinreichend berücksichtigt. Selten partizipieren Handwerksbetriebe unmittelbar an den Förderoptionen oder werden als Technologiepartner oder Innovationsdienstleister in ihrer Rolle als Träger des Diffusionsprozesses in entsprechende Aktivitäten angemessen einbezogen.

Ziel der Maßnahme ist es, die Einbindung des innovativen Handwerks in die Gemeinsame Innovationsstrategie innoBB zu gewährleisten. Dazu sollten die relevanten Betriebe hinsichtlich ihrer technischen Leistungsangebote abgebildet und ihre Leistungsangebote offensiv bei Unternehmen und Forschungseinrichtungen vermarktet werden. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und die Handwerkskammer verständigen sich darauf, diese Informationen in einer „Kompetenzlandkarte" zusammenzustellen. In Abstimmung mit den Managements der Cluster/Zukunftsfelder werden kurzfristig jene Bereiche identifiziert, in denen ein solches Kompetenzmapping notwendig und sinnvoll ist. Die Handwerkskammer erarbeitet mittelfristig ein Konzept für die Erstellung der Kompetenzlandkarten und ist verantwortlich für dessen Realisierung.

II. Handwerksorganisationen frühzeitig in Modellstadt-Initiativen der Umwelttechnologien einbinden Ziel von Modellstadt-Initiativen ist die Planung und Organisation einer idealen Verknüpfung der am Ort vorhandenen Forschungsinfrastruktur sowie der entsprechenden Technologiebranchen. Ein Beispiel dafür sind die Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität.

Handwerksunternehmen werden für die Nutzung und Wartung der in diesem Zusammenhang relevanten Technologien eine wichtige Rolle als Technologiemittler spielen und zugleich Anregungen für Innovationen geben.

Ziel ist es daher, eine Beteiligung der Handwerksorganisationen und ­betriebe auch bei jenen Zukunftsstrategien zu sichern, die den Bereich der Hoch- und Zukunftstechnologien adressieren. Ein frühzeitiger Informationsaustausch zwischen Handwerkskammer und den zuständigen Gremien ermöglicht Synergie-Effekte zwischen Technologie ­ Industrie ­ Handwerk. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen beteiligt und informiert die Handwerkskammer zu zukünftigen und bereits angelaufenen Initiativen.

Auch in Standortinitiativen wie der Nachnutzung des Flughafens Tegel als Forschungs- und Industriepark Zukunftstechnologien gilt es, im Rahmen der Standortentwicklung das forschungs- und technologienahe Handwerk frühzeitig einzubinden.

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III. Themenführerschaft in der energetischen Gebäudesanierung anstreben

Die energetische Gebäudesanierung ist einer der wichtigsten Zukunfts- und Wachstumsmärkte für das Berliner Handwerk. Die absehbar steigenden Energiekosten und die flankierenden Förderprogramme werden die Amortisationszeiten für private und gewerbliche Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer weiter verkürzen. Neben den notwendigen Umweltentlastungen führen energetische Sanierungsmaßnahmen ebenfalls zu langfristig wirksamen wirtschaftlichen Einspareffekten. Diese Entwicklungen erfordern beim Handwerk vor allem gut ausgebildetes und stetig weiterqualifiziertes Fachpersonal sowie die pilotmäßige Erprobung neuer Verfahren. Demgegenüber steht ein großer Informationsbedarf auf Kundenseite.

Ziel der Maßnahme ist sowohl die Erprobung von innovativen Modellprojekten als auch die verbesserte Information der Kundinnen und Kunden.

Zur Erprobung der Zusammenarbeit verschiedener Akteure wird die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM GmbH) unter Einbeziehung des Berliner Handwerks ein Pilotprojekt zum Building Information Modelling (BIM) am Beispiel eines öffentlichen Gebäudes durchführen. Dabei geht es um die Erprobung neuer Methoden, die über die energetische Gebäudesanierung hinaus eine optimierte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden ermöglichen. Die Erfahrungen werden dokumentiert, systematisiert und analysiert, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten."

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, für Stadtentwicklung und für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz prüfen derzeit, ob eine neutrale „Beratungsstelle Energetische Gebäudesanierung" eingerichtet werden soll. Dabei sollen zwei Zielgruppen im Fokus stehen: Eigentümerinnen und Eigentümer von Einfamilienhäusern sowie von einzelnen oder wenigen Mehrfamilienhäusern. Mit Unterstützung der Berliner Handwerkskammer baut diese Beratungsstelle eine Know-howPartnerschaft mit den Handwerksunternehmen auf.

IV. Modellprojekte zur Sicherung der Chancen aus dem demografischen Wandel

Der demografische Wandel birgt nicht alleine Risiken wie etwa den Fachkräftemangel, von dem mittelfristig auch das Berliner Handwerk betroffen sein wird.