Fachkräfte

Hintergrund Deutschland steuert auf einen Fachkräftemangel zu: Laut Studien der Prognos AG fehlen bis 2030 insgesamt 5,2 Millionen Fachkräfte für Deutschland. Davon entfallen auf Berlin-Brandenburg 460.000 nicht besetzte Arbeitsplätze bis 2030, insgesamt 18% der 2,3 Mio. benötigten Erwerbstätigen. Für das Berliner Handwerk bedeutete das, dass 2009 erstmals angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren verschärfen wird. Dabei steht das Handwerk vor besonderen Herausforderungen:

Einer Forsa-Umfrage von 2008 zufolge attestieren insbesondere junge Menschen dem Handwerk ein eher negatives Image. Die beruflichen Möglichkeiten, die mit Handwerksberufen verbunden sind, beispielsweise gute Chancen einmal einen eigenen Betrieb zu führen, werden nicht ausreichend wahrgenommen. Gleichzeitig herrscht oft der Eindruck vor, das Handwerk sei veraltet. Die weitestgehend erfolgte Modernisierung und Technisierung vieler Gewerke ist nur den wenigsten jungen Menschen bekannt.

Daher ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung des Fachkräftebedarfs im Berliner Handwerk der Zugriff auf das gesamte Erwerbspersonenpotenzial Berlins: Dazu zählen sowohl Frauen, Ältere als auch Menschen mit Migrationshintergrund.

So verfügen beispielsweise Mädchen und junge Frauen im Schnitt über sehr gute Schulabschlüsse und eine hohe Motivation zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ihr Berufswahlspektrum ist dagegen auch heute noch eher eingeschränkt. Die Perspektive, die eine Ausbildung im Handwerk bietet, wie z. B. die Chance zur Gründung einer eigenen Existenz bzw. die Übernahme von Führungsverantwortung wird noch zu wenig erkannt.

Jugendliche mit Migrationshintergrund sind trotz vielfältiger Maßnahmen und Angebote zur Beratung und Information nach wie vor in der beruflichen Ausbildung im Handwerk unterrepräsentiert. Ein grundsätzliches Ziel muss auch sein, die Attraktivität der Handwerksberufe für junge Nachwuchskräfte zu steigern. Insbesondere muss eine höhere Anschlussfähigkeit zur akademischen Ausbildung geschaffen werden.

Charakterisierend für den aktuellen und zukünftigen Fachkräftemangel ist, dass Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt häufig nicht zusammenpassen. So steht einer großen Anzahl offener Ausbildungsstellen oftmals ein zu geringer Anteil an qualifizierten Schulabgängern gegenüber. Folglich muss die Frage nach dem Umgang mit dem drohenden Fachkräftemangel auch eine Perspektive aufzeigen, wie Jugendliche mit besonderem Aktionsprogramm Handwerk 2011

Unterstützungsbedarf integriert werden können. In dieser Hinsicht richtungweisend ist beispielsweise ein Projekt der Berliner Handwerkskammer: „Berufliche Orientierung in Berlin" bringt Schulen und Betriebe als Partner zusammen ­ gemeinsam werden Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf durch Schnupperpraktika in Betrieben an die Arbeitswelt herangeführt und haben so die Möglichkeit, frühzeitig mögliche Berufswege erkunden zu können. Das Projekt wurde mit Ablauf des Jahres 2010 beendet. Dieses Instrument hat sich als sehr erfolgreich an der Schnittstelle Schule und Betrieb erwiesen. Es ist wichtig, dass die Ergebnisse und Erfahrungen mit einem Nachfolgeprojekt verstetigt werden.

Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer beteiligt sich die Berliner Handwerkskammer bereits seit vielen Jahren an der Initiative „Partnerschaft: Schule ­ Betrieb" und baut so auch Partnerschaften auch für andere Zielgruppen auf.

Maßnahmen:

I. Ansprache von Migrantinnen und Migranten für eine Ausbildung im Handwerk

Die Handwerkskammer Berlin und die IHK Berlin führen gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales bereits die erfolgreiche Kampagne „Berlins Wirtschaft braucht dich" zur Ansprache von Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch. Die Handwerkskammer und die Berliner Innungen haben eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Ansprache von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für eine Ausbildung im Handwerk beschäftigt.

Ziel der Maßnahme ist es, verstärkt Jugendliche mit Migrationshintergrund für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. Hierfür soll im Rahmen des Aktionsprogramms Handwerk und auf Grundlage bestehender Initiativen ein Konzept für Maßnahmen entwickelt werden, welches Jugendliche und Betriebe anspricht. Dabei sollen unterschiedliche innovative Kommunikationswege geprüft werden, z. B. die gezielte Ansprache der Elterngeneration mit Werbe-, Image- und Informationsmaterialien in ihrer Muttersprache oder die Zusammenarbeit mit den populären Idolen der Jugendkultur. In die weitere Umsetzung des Konzeptes werden die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales einbezogen. Zentrale Aktivitäten des Konzeptes sind Beratungsgespräche. Begleitend werden Informationsmaterialien zu den Berufen des Handwerks erarbeitet, die dem kulturellen Verständnis von Migrantinnen und Migranten und ihren sprachlichen Fähigkeiten angepasst sind. Darin werden die Karrieremöglichkeiten mit einer handwerklichen Ausbildung beschrieben und kompetente Stellen genannt. Gleichzeitig ist zu prüfen, ob eine Koppelung Aktionsprogramm Handwerk 2011 dieser Aktivitäten mit der Maßnahme „Berliner Vertiefte Berufsorientierung BVBO" der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Agentur für Arbeit möglich und sinnvoll ist. So könnten Informationsmaterialien der Handwerkskammer in den Schulen bekannt gemacht und in die Berufsorientierung einbezogen werden.

II. Ansprache von Mädchen und Frauen für das Handwerk

Eine Reihe von Aktivitäten setzen hier an: Beispielsweise erhalten im Rahmen des jährlich stattfindenden Girls Day Mädchen der fünften bis 10 Klassenstufen einen Einblick in Berufe, die außerhalb ihrer typischen Berufsorientierung liegen. Darüber hinaus bietet das Kompetenzzentrum für Handwerkerinnen z. B. gezielte Beratungs- und Coachingangebote für angestellte Handwerkerinnen zur beruflichen Weiterqualifizierung oder Gründung eines Betriebes an.

III. Zulassung und Anerkennung von Vorleistungen beruflicher Bildungen im Hochschulbereich

Auch um die Wertigkeit der handwerklichen Ausbildung zu steigern und somit die Attraktivität für eine betriebliche Ausbildung im Handwerk zu erhöhen, ist der Zugang für beruflich Qualifizierte zu Hochschulen im Jahre 2011 deutlich erleichtert worden. Auf der Grundlage des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom März 2009 ist das Berliner Hochschulgesetz so geändert worden, dass viele Fachkräfte, die bisher eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung über ihre berufliche Qualifikation haben, eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erhalten. Dadurch, dass die Hochschulen in diesen Fällen nicht mehr die Affinität zwischen Berufsausbildung und Studium prüfen müssen, vereinfacht sich das Zugangsverfahren..Zugleich kann der betroffene Personenkreis nunmehr auf das volle Studienangebot der Hochschulen zugreifen, so dass die individuellen Auswahlmöglichkeiten ganz erheblich ausgeweitet werden.. Studienbewerberinnen und Studienbewerber mit einer abgeschlossenen zweijährigen Berufsausbildung und drei Jahren Berufserfahrung erhalten eine fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung für affine Studiengänge. Künftig können diese Studienbewerberinnen und -bewerber ihre Studierfähigkeit aber auch in anderen Fächern in einer Zugangsprüfung nachweisen.

In den Prüfungsordnungen der Hochschulen vorgesehene Kompetenzen, die außerhalb der Hochschulen erworben worden sind, sind künftig bis zur Hälfte der für den Studiengang vorgesehenen Leistungspunkte anzurechnen.

In diesem Zusammenhang unterstützt die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung die Initiative von Handwerkskammer, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) sowie Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR).