Zukunftsfelder

Dritter Berliner Innovationsbericht

Ergebnisse der Zusammenarbeit in den länderübergreifenden Zukunftsfeldern region in der Logistik aktiven Hochschulen zusammengeschlossen, um das einrichtungsübergreifende Profil der Logistikwissenschaft den Unternehmen gebündelt zu vermitteln und im Dialog weiter zu entwickeln.

Handlungsfeld Luft- und Raumfahrttechnik

Die Luft- und Raumfahrtkompetenz der Region wird geprägt durch das Spektrum der in der Region ansässigen Unternehmen, die sich für die Luftfahrt hauptsächlich in den Bereichen Triebwerksentwicklung und -fertigung, Leichtflugzeugbau, Flugzeugwartung und -instandhaltung, Avionik und entwicklungsbezogenen Dienstleistungen engagieren. Das GRW-Branchennetzwerk BBAA bringt seit ca. zehn Jahren Wirtschaft, Wissenschaft und Beratung des Luftfahrtsektors unter einem Dach zusammen.

In der Raumfahrt liegt der Schwerpunkt bei modernen Kompaktsatelliten für die Erdbeobachtung. Mit bereits 9 gestarteten Satelliten und der Beteiligung an wichtigen Missionen von DLR, der Europäischen Weltraumbehörde ESA und der Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde der USA (NASA) gehört die Hauptstadtregion auf dem Gebiet der miniaturisierten Raumfahrtsysteme seit mehr als 15 Jahren zu den internationalen Technologieführern. Unter dem Dach des GRW-Netzwerkes RiBB kooperieren Unternehmen und Wissenschaftler, um Wertschöpfungsketten der satellitengestützten Erdbeobachtung vollständig abdecken zu können. Die Firma Astro- und Feinwerktechnik Adlershof hat mit ihrem Produkt „PicoSatellite Launcher" zum zuverlässigen Transport kleiner Satelliten in den Weltraum in 2010 den Lilienthalpreis Berlin-Brandenburg sowie den Bayerischen Staatspreis gewonnen.

Für zusätzliche Schubkraft sorgt die Realisierung des Großflughafens Willy Brandt, eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands. Daraus resultieren gute Möglichkeiten, die technologische Innovationsstärke der Region anschaulich zu präsentieren, z. B. bei modernen Informations-, Logistik- und Sicherheitstechnologien. Für die Moderation des Dialogs zwischen innovativen Unternehmen und Wissenschaftlern sowie der Flughafengesellschaft wurde das Projekt Modern Airport/Sustainable Airport ­ Testbed for New Efficient Technologies als länderübergreifendes Leitprojekt gestartet. Diese Art der Methodik Innovationsprozesse anzustoßen und damit den Technologietransfer zu befördern, stößt auch international zunehmend auf Interesse.

Der am Berliner IPK angesiedelte FhG-Innovationscluster MRO weist einen Anwendungsschwerpunkt in der Luftfahrttechnik auf und dient z. B. dazu, Flugzeugmotoren über ihre Betriebsdauer noch effizienter, zuverlässiger und sicherer zu machen.

Internationalisierung Verstärkte Internationalisierung ist nach wie vor eine Leitlinie für die Entwicklung des Zukunftsfeldes. Trotz erkennbarer Fortschritte in den letzten Jahren offenbart der Vergleich der Exportquoten auch heute noch einen Rückstand der Unternehmen aus Berlin und Brandenburg gegenüber anderen Bundesländern. Die Notwendigkeit verstärkter Internationalisierung gilt für die Gesamtwirtschaft, aber auch für viele Akteure des Zukunftsfeldes Verkehrssystemtechnik. Ein bewährtes Mittel ist die Einbindung von Unternehmen der Region in internationale Entwicklungspartnerschaften, z. B. über FuE-Vorhaben der EU. Der Zukunftsfeldkoordinator TSB GmbH bindet seit einigen Jahren Akteure der Region in Schlüsselpositionen von Projekten der EU Rahmenprogramme ein, womit auch zusätzliche Mittel für die Region akquiriert werden können. Wichtiger als die Einwerbung von Fördermitteln sind allerdings die Zugänge zu Entscheidungsträgern ausländischer Projektpartnerinnen und -partner.

Im Verkehrsbereich weist die Region Berlin-Brandenburg international bedeutende Leitmessen auf. Die ILA (Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung) zählt zu den wichtigsten Messen der Luftfahrt und konnte mit dem im Frühjahr 2010 präsentierten Konzept auf Dauer für die Hauptstadtregion gesichert werden. Die InnoTrans hat sich in den wenigen Jahren seit ihrer Gründung 1996 zur weltweiten Leitmesse der Schienenverkehrstechnik entwickelt.

In 2010 zählte die InnoTrans über 106.000 Fachbesucherinnen und -besucher und damit erneut eine Rekordzahl. Beide Messen finden im zweijährlichen Rhythmus statt ­ jeweils in den „geraden Jahren". Jährlich findet der Deutsche Logistikkongress der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Berlin statt ­ die wichtigste regelmäßig durchgeführte Logistikveranstaltung in Europa (3.100 Teilnehmer in 2009). Weitere regelmäßige Messe- und Kongressformate runden das Bild ab.

Hierzu zählt z. B. der jährliche Tag der Verkehrswirtschaft (IHK Berlin und TSB GmbH).

Leitprojekt/Leitbild:

Im Zukunftsfeld Verkehrssystemtechnik laufen derzeit drei länderübergreifende Leitprojekte, die im Folgenden kurz skizziert werden sollen.

MATNET-SustAir: Modern Airport ­ Testbed for New Efficient Technologies ­ Sustainable Airport

Im Jahr 2012 wird der neue Flughafen Willy Brandt in Betrieb gehen. Die Berliner Flughäfen, zusammen mit weiteren Partnern aus Berlin-Brandenburg beabsichtigen den Neubau als einen weit beachteten modernen und hocheffizienten Flughafen in Europa gestalten. Das Leitprojekt MATNET-SustAir versteht sich dabei als die Diskussionsplattform für neue Flughafentechnologien.

MATNET-SustAir fördert damit die Nutzung des technologischen Know-hows von Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Region für die Realisierung eines zukunftsgerichteten neuen Flughafens. Kern des MATNET-SustAir Prozesses sind Werkstattgespräche zu Themen, die für die Realisierung des Flughafens Willy Brandt von besonderer Bedeutung sind. Zu folgenden Aktionsfeldern fanden bereits Werkstattgespräche statt:

· Nahfeldkommunikation (RFID etc.)

· Intermodaler Verkehr ­ mobile Informationsangebote für Passagiere

· Videoüberwachung als Kernelement der Flughafensicherheit

· Biometrie für Zugangskontrollen

· Beleuchtungstechnologien und Berücksichtigung der Energieeffizienz

· Ortung auf dem Vorfeld zur Verbesserung von Sicherheit und Ressourcennutzung Dritter Berliner Innovationsbericht

· „Business continuity" nach Störereignissen

· IT Prozesse am Flughafen

Im November 2009 hatte MATNET-SustAir das Forum „Flughafeninnovationen" in der Airportworld BBI durchgeführt. Bis Ende des Jahres 2010 fanden Werkstattgespräche zu den Themen „Algorithmen zur Videoanalyse" und „Clean Technologies am Flughafen" statt. Für 2011 sind weitere Gespräche geplant.

Darüber hinaus erfährt die methodische Herangehensweise als neue Form des Innovationsmanagements auch auf internationaler Bühne zunehmend Aufmerksamkeit, so dass sich das Projekt auf verschiedenen nationalen und internationalen Tagungen präsentiert hat.

Berlin-Brandenburg als Hub im Seehafenhinterlandverkehr (SHV)

Das Thema „Seehafenhinterlandverkehr" versteht sich als ein programmatisches, integrierendes Dach, unter dem organisatorische und infrastrukturelle Maßnahmen genauso zusammenwirken wie technologieorientierte Verbundprojekte und konzertierte Aktionen des Standortmarketings. Ziele des Leitprojekts sind:

· Die Verlagerung von Seehafenhinterlandverkehren und der damit verbunden logistischen Mehrwert-Services in die Region Berlin-Brandenburg => Entwicklung zum Seehafenhinterland-Hub.

· Bessere Auslastung der Kapazitäten der Güterverkehrszentren, Binnenhäfen und anderen logistischen Standorte der Region; Bündelung von Containertransporten per Bahn

· Stärkung der Gateway-Funktion Berlin-Brandenburgs für Verkehre nach Osteuropa und Asien

· Ansiedlung weiterer Zentrallager mit Verteilfunktionen auch über die Region hinaus (z. B. Westpolen)

· Erhöhung der logistischen Wertschöpfung in der Region durch Serviceleistungen Aufbauend auf den Ergebnissen der Machbarkeitsuntersuchung im Auftrag des Brandenburger Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung (jetzt Infrastruktur und Landwirtschaft), die Mitte 2008 fertig gestellt wurde, hat ein länderübergreifendes Konsortium unter Leitung des Logistiknetzwerks LN-BB das Leitprojekt SHV als Umsetzungsvorhaben weiterentwickelt und die Teilprojekte:

· Betriebskonzepte und IKT-Struktur

· Umsetzungsvorbereitung/Marketing und Infrastrukturaspekte ausgearbeitet.

Die ersten Arbeitspakete sind im Juni 2010 gestartet, sukzessive gingen die anderen Pakete im Laufe des Jahres 2010 in die Umsetzung.