Parallel zum Schuldenstand ist auch die Schuldenstandsquote in Deutschland stark angestiegen

Den heftigsten Schuldenstandszuwachs hat dabei der Bund zu verzeichnen (von rd. 930 Mrd Euro auf rund 1 270 Mrd Euro; Abb. 5). Dabei handelt es sich jedoch nicht durchgängig um Kreditaufnahmen, die im Kernhaushalt des Bundes entstanden sind; vielmehr wurden dem Bund auch die beiden Abwicklungsanstalten für die HRE und die WestLB (»bad banks«) zugerechnet.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich die Verbindlichkeiten der Abwicklungsanstalten in den kommenden Jahren wieder vermindern.

Parallel zum Schuldenstand ist auch die Schuldenstandsquote in Deutschland stark angestiegen. Belief sie sich im Jahre 2008 noch auf lediglich 66,3 %, erreichte sie in nur zwei Jahren einen Spitzenwert von 83,2 % (2010). Die Maastricht-Grenze liegt bei 60 %. Die Schuldenstandsquote misst das Verhältnis des Schuldenstandes der öffentlichen Hand ­ also Bund, Länder und Gemeinden ­ zum Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen; mit einbezogen sind auch hier die beiden Abwicklungsanstalten für die HRE und die WestLB.

Die Bundesregierung erwartet, dass sich die Schuldenstandsquote bis zum Ende des mittelfristigen Zeitraums im Jahre 2015 auf etwa 75 1/2 % zurückbildet. Dies ist aber immer noch weit von der Maastricht-Grenze entfernt. Sollte die Abbaurate nicht beschleunigt werden, dann würde es selbst bei vergleichsweise guter konjunktureller Entwicklung mindestens weitere zehn Jahre dauern, bis die Schuldenstandsquote auf die geforderten 60 % abgesunken sein wird. Mrd Euro. Kreditmarktschulden im weiteren Sinne. Statistisches Bundesamt. 1 einschl. der vom Bund übernommenen Schulden (1980, 1999 und 2005) sowie der Veräußerungserlöse aus UMTS (2000) sowie der Banken-Abwicklungsanstalten Verschuldung der Gebietskörperschaften

Die wirtschaftliche Entwicklung in Berlin Berlin hat im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt bereits im Jahre 2010 das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 wieder übertroffen. Das reale Bruttoinlandsprodukt stieg 2010 um 2,7 %, nachdem es im Krisenjahr 2009 in vorläufiger Berechnung um lediglich 0,5 % gesunken war. Nach Einschätzung des Senats stimmen Frühindikatoren wie die Geschäftserwartungen in den Unternehmen, das auch am Jahresanfang höhere Auftragsvolumen bei Industrie und Bau sowie der anhaltende Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zuversichtlich. Die Berliner Wirtschaft wird daher auf klarem Kurs weiter wachsen können.

Im Jahre 2011 dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt nach heutiger Einschätzung erneut um 2,5 % und damit ähnlich stark wie im Vorjahr zunehmen (Abb. 6). Günstig sind die Vorzeichen für Wachstum ebenfalls im Jahre 2012, wobei davon ausgegangen werden kann, dass auch der private Konsum weiter expandiert.

Dies löst nicht zuletzt angesichts des überdurchschnittlichen Dienstleistungsanteils in Berlin weitere Impulse aus. Insgesamt erscheint im Jahre 2012 eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts in einer Größenordnung von 2 % nicht unwahrscheinlich. Die weitere Wirtschaftsentwicklung ist jedoch angesichts globaler Unsicherheiten auch in Berlin mit besonderen Risiken behaftet.

Die Wachstumsdifferenzen in Berlin gegenüber der bundesweiten Entwicklung sind Ausdruck unterschiedlicher Entwicklungen bei regionaler Wirtschaft und BeFinanzplanung 2011 bis 2015 Abb. Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr. Statistisches Bundesamt schäftigung. Dass Berlin den Einbruch durch die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise besser und schneller überstanden hat, ist dabei erfreulich. Gleichwohl ist darauf hinzuweisen, dass die günstigere Wachstumsentwicklung letztlich nur ein Teilschritt ist, um den insgesamt bestehenden Rückstand der wirtschaftlichen Entwicklung in Berlin aufzuholen.

Geht man vom Jahre 1991 aus (Abb. 7), dann ist die Berliner Wirtschaft bis zum Jahr 2010 um gerade 12,6 % gewachsen, der Bundesdurchschnitt jedoch um mehr als den doppelten Anteil (27,7 %). Ursächlich für den Berliner Wachstumsrückstand war ein Einbruch in den Jahren 1996 und folgende, der durch tiefgreifende Strukturumbrüche in der Berliner Wirtschaft bedingt war. In den ersten fünf Jahren unmittelbar nach der Wende hatte Berlin demgegenüber einen erheblichen Wachstumsvorsprung gegenüber dem restlichen Bundesgebiet erwirtschaften können, der in einer Größenordnung von etwa sechs Prozentpunkten lag.

Im Vergleich des Bruttoinlandsprodukts je Einwohner lag Berlin im Vergleich unter den Ländern im zurückliegenden Jahr an achter Stelle und damit auf einem mittleren Platz. Mit rund 27 500 Euro je Einwohner lag das Bruttoinlandsprodukt jedoch bei nur 90 % des deutschlandweiten Durchschnitts, und zwar noch nach dem Saarland (Abb. 8).

Diese unterdurchschnittliche Wirtschaftskraft ist in jeder Hinsicht atypisch für ein Ballungszentrum, das zugleich Hauptstadt ist. Zum Teil deutlich über dem Durchschnitt lagen Hamburg, Bremen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.