Professorinnen zusätzlich in Forschung und Lehre tätig

Deutliche Fortschritte sind bei der Qualifizierung von Frauen für eine wissenschaftliche Tätigkeit zu verzeichnen.

Der Frauenanteil bei den Promotionen wurde von 39,1 % im Jahr 2001 auf 46,9 % im Jahr 2009 erhöht. Bei den Habilitationen konnte ebenfalls eine deutliche Steigerung von 17,7 % auf 32,2 % erreicht werden. Im Jahr 2009 betrug der Frauenanteil an den Juniorprofessuren bereits 55,5 %.

Eine Erhöhung der Teilhabe von Frauen wurde auch bei den Professuren insgesamt von 14,3 % im Jahr 2001 auf 27,5 % im Jahr 2009 erzielt. Dazu hat insbesondere die Steigerung des Professorinnenanteils bei den Neuberufungen beigetragen. Er liegt seit 2006 bei durchschnittlich 37 %. Im Vergleich zum Jahr 2001 waren acht Jahre später 393

Professorinnen zusätzlich in Forschung und Lehre tätig. Damit ist in Berlin mittlerweile mehr als jede vierte Professur mit einer Frau besetzt.

Die Leistungen Berlins wurden im bundesweiten Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten des Center of Excellence Women and Science (CEWS) seit 2005 in Folge mit einem Spitzenplatz bestätigt.

Ungeachtet der Fortschritte ist die Situation von Frauen in den obersten Positionen der Hochschullaufbahn noch nicht zufriedenstellend. Der Frauenanteil an den C 4- und W 3 Professuren beispielsweise lag im Jahr 2009 bei lediglich 13,0 % bzw. 19,7 %. Diese Daten zeigen den weiteren Handlungsbedarf.

Die Hochschulgleichstellungspolitik in Berlin muss auch zukünftig Rahmenbedingungen schaffen, damit sich mehr qualifizierte Frauen für eine Karriere in der Wissenschaft entscheiden und in angemessenem Umfang in Führungspositionen in Forschung und Lehre gelangen. Exzellenz und Effizienz in Wissenschaft und Forschung können nur durch eine umfassende Beteiligung von Frauen und die Nutzung ihres Innovationspotentials erreicht werden. Die Gewinnung herausragenden wissenschaftlichen und künstlerischen Personals ist ein zentrales Instrument zur Steuerung und Profilbildung von Hochschulen. Maßnahmen zum Verbleib hochqualifizierter Frauen in der Wissenschaft sind deshalb weiterhin dringend erforderlich, das gilt insbesondere für Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften.

Die Berücksichtigung der Geschlechterdimension, vorwiegend in den Sozial- und Geisteswissenschaften und der Medizin, hat in den letzten Jahren einen wichtigen Paradigmenwechsel in der Wissenschaft eingeleitet, den es zu verstetigen gilt. Zunehmend wird die Integration von relevanten Genderaspekten in den Natur- und Technikwissenschaften als ein wesentliches Element qualitativ hochwertiger Forschung und Lehre anerkannt. Für die Bewertung der Qualität von Studienreformmaßnahmen haben Genderaspekte als fachspezifischer Bestandteil von Lehre und Studium an Bedeutung gewonnen.

Handlungsbedarf besteht auch bei der Förderung eines professionellen Dual CareerAngebotes in Berlin. Mobile Doppelkarrierepaare sind zukünftig eine wichtige Zielgruppe bei der Rekrutierung von internationalen Spitzenkräften und für die Stärkung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Berlin. Die Berücksichtigung von Interessen dieser Paare nach Vereinbarkeit von Doppelkarriere und Familie erfordern eine neue Kultur der Dienstleistungsorientierung in der Personalrekrutierung und -bindung.

Der Senat von Berlin hat deshalb die Fortsetzung des Berliner ChancengleichheitsProgramms mit bewährter sowie neuer Schwerpunktsetzung für den Zeitraum 2012 bis 2015 beschlossen.

Die Daten erfassen die staatlichen Hochschulen des Landes Berlin, die beiden konfessionellen Hochschulen sowie die Charite ­ Universitätsmedizin Berlin.

Quelle: Berichte des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg

1. Förderziele

Mit dem Programm werden folgende Förderziele angestrebt:

· Überwindung bestehender struktureller Hemmnisse bei der Verwirklichung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre,

· Erhöhung der Zahl von Frauen auf Professuren sowie Führungspositionen in Forschung und Lehre,

· Erhöhung der Anteile von Frauen in allen Qualifikationsstufen und bei den jeweiligen Abschlüssen insbesondere in den Disziplinen, in denen eine Unterrepräsentanz besteht,

· Implementierung von Genderaspekten in Forschung und Lehre.

2. Förderschwerpunkte

Vorgezogene Nachfolgeberufungen von Frauen auf W 2- und W 3-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach

Berufungen auf befristete W 2-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach

Förderung von Maßnahmen zur

· Qualifizierung und Professionalisierung von Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen für eine Professur an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen,

· Stabilisierung der wissenschaftlichen Karriere von Frauen in der Postdoktorandenphase,

· Implementierung von Genderaspekten in Forschung und Lehre,

· Qualifizierung von Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften.

Aufbau eines Dual Career Netzwerkes

3. Finanzierung des Programms

Zur Finanzierung des Programms werden Fördermittel in Höhe von bis zu 3.398.000 Euro jährlich benötigt:

· 1.023.000 Euro Landesmittel der für Frauen zuständigen Senatsverwaltung (Kapitel 1350, Titel 685 00),

· 875.000 Euro Mittel der Hochschulen im Rahmen der ihnen zugewiesenen Globalzuschüsse.

· 1.500.000 Euro Landesmittel der für Wissenschaft zuständigen Senatsverwaltung

Für die Schwerpunkte 2.1 und 2.2 werden Fördermittel in Höhe von ca. 1.000.000 Euro vorgehalten.

Die Hochschulen können zu 2.3 nur Anträge auf Zuweisung von Mitteln in einem vorgegebenen Finanzvolumen stellen, wenn sie diese jeweils zu mindestens einem Drittel mitfinanzieren. Damit wird die Anreizfunktion des Programms erhalten.

4. Laufzeit des Programms

Die Laufzeit wird für die Haushaltsjahre 2012 bis 2015 festgesetzt.

5. Förderverfahren und Vergabe der Fördermittel

Die Vergabe der Fördermittel erfolgt im Auftrag der für Frauen und für Wissenschaft zuständigen Senatsverwaltungen durch eine Auswahlkommission. Die Auswahlkommission setzt sich zusammen aus je drei Vertreterinnen bzw. Vertretern der Landeskonferenz der Frauenbeauftragten und der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Hochschulen, einer Wissenschaftlerin aus dem Bereich Frauen- und Geschlechterforschung und einer Wissenschaftlerin bzw. einem Wissenschaftler aus den Natur- und Technikwissenschaften sowie einer Künstlerin. Die für Frauen und für Wissenschaft zuständigen Senatsverwaltungen sind jeweils mit einer Person vertreten.

6. Berichterstattung

Im Jahr 2013 erfolgt eine Evaluierung des Programms insbesondere im Hinblick auf Zielerreichung und Wirkung. Die Ergebnisse sollen zum Ende des Jahres 2013 vorliegen.

Die für Frauen und für Wissenschaft zuständigen Senatsverwaltungen berichten Ende des Jahres 2013 dem Abgeordnetenhaus über die Durchführung des Programms auf der Grundlage der jährlichen Berichte der Hochschulen und der Ergebnisse der vorgenommen Evaluierung.

Auswirkungen auf den Haushaltsplan und die Finanzplanung

a) Auswirkungen auf die Einnahmen und Ausgaben:

Aus der Fortsetzung des Programms resultieren für die Jahre 2012 bis 2015 im Einzelplan 13 (Kapitel 1350, Titel 685 00) jährliche Ausgaben i.H.v. 1.023.000 Euro und im Einzelplan 10 (Kapitel 1070, Titel 685 21) jährliche Ausgaben i.H.v 1.500.000 Euro, die jeweils im Entwurf des Haushaltsplans 2012 / 2013 bzw. der Finanzplanung 2011 ­ 2015 berücksichtigt sind. Zur Sicherstellung der Programmfinanzierung zunächst für die Jahre 2012 und 2013 sollen im Haushaltsjahr 2011 außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigungen bei Kapitel 1350, Titel 685 00 in Höhe von 2.046.000 Euro und bei Kapitel 1070, Titel 685 21 in Höhe von 3.000.000 Euro bewilligt werden.

Auswirkungen auf die Einnahmen ergeben sich nicht.