Integration

Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, für die auf verschiedenen Verwaltungsebenen mit der Integration gleichstellungsorientierter Perspektiven Befassten eine Handreichung anzubieten, die

- ein gemeinsames Verständnis der Grundbegriffe vermittelt;

- entsprechend der Handlungsfelder und Fachgebiete des Verwaltungshandelns aufgearbeitete Genderinformationen zur Verfügung stellt;

- auf die Bedürfnisse der Berliner Verwaltungen zugeschnittene Leitfäden und Arbeitshilfen bietet;

- weiterführende Quellen und Lesehinweise zur Vertiefung nach Bedarf zur Verfügung stellt.

Ein solches Kompendium schafft eine gute Grundlage für die Umsetzung von gleichstellungspolitischen Maßnahmen, Gender Mainstreaming und Gender Budgeting und setzt Standards. Es kann konkrete Fortbildungsmaßnahmen nicht ersetzen, bietet jedoch einen Ausgangspunkt für Dozentinnen und Dozenten bei der Ausgestaltung von Seminaren. Die Erstellung des Kompendiums als umfassendes Dokumentations- und Arbeitsinstrument hat begonnen und wird für die künftige Umsetzung gleichstellungspolitischer Maßnahmen von zentraler Bedeutung sein.

Kommunikation

Von besonderer Bedeutung für die Umsetzung des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms ist die intensive öffentliche Diskussion der gleichstellungspolitischen Erfordernisse in den prioritären Handlungsfeldern in Verwaltung, Politik und (Fach-)Öffentlichkeit. Mit öffentlichen Veranstaltungen, Präsentationen und Fachdebatten, aber auch mit internen Konsultationen mit allen Beteiligten in Senats- und Bezirksverwaltungen wird der kontinuierliche Austausch zur Weiterentwicklung des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms gesucht. Der Einbezug von Nichtregierungsorganisationen in die fachliche Beratung und Auseinandersetzung stellt einen wesentlichen Punkt der fachlichen Weiterentwicklung der gleichstellungspolitischen Aktivitäten der Verwaltung dar.

Ebenso neu und produktiv gestalteten sich die von der Geschäftsstelle angeregten fachbezogenen Konsultationen, in denen aus jeweils einer Verwaltung Gender- und Gender Budgeting Beauftragte und die mit GPR und GM/GB-Projekten befassten Fachreferentinnen und ­referenten zusammen mit der Geschäftsstelle Gleichstellung die Vorhaben und spezifischen Problemstellungen des jeweiligen Hauses erörtern.

Die aktive Kommunikation der Anliegen des GPR in verschiedenen Foren der Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Wissenschaft sowie in den fachbezogenen Konsultationen mit den Senats- und Bezirksverwaltungen hat sich als erforderlich und zielführend erwiesen. Künftig sollte die Vernetzung mit Ländern und Kommunen, die ebenfalls Gleichstellungspolitische Rahmenprogramme erproben und entwerfen, ausgebaut werden.

5. Resümee und Ausblick

Die Erfahrungen der Geschäftsstelle und die Berichte der Senats- und Bezirksverwaltungen ergeben ein breites, vielfältiges und detailreiches Spektrum gleichstellungspolitischer Vorhaben im Land Berlin. Vieles ist weitgehend auf die Situation von Mädchen und Frauen und deren Verbesserung ausgerichtet. Dies muss und wird auch künftig der Fall sein, weil es sich bei den strukturellen Benachteiligungen in der Regel um BeSeite 17 nachteiligungen von Frauen handelt. Es ist zu erwarten und anzustreben, dass der weitere Prozess die notwendigen Veränderungsprozesse auch für Jungen und Männer stärker zum Gegenstand hat.

Das Land Berlin hat mit dem Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm einen viel beachteten Schritt zur Weiterentwicklung der Frauen- und Gleichstellungspolitik unternommen. Sowohl auf Bundesebene wie auch in anderen Bundesländern und in der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen, -minister, -senatorinnen und senatoren der Länder (GFMK) wurde das GPR mit großem Interesse beobachtet und in kollegialen Kontakten erörtert. Das Land Brandenburg hat die Idee aufgegriffen und ebenfalls ein Gleichstellungspolitisches Rahmenprogramm entwickelt. Berlin darf damit für sich in Anspruch nehmen, strukturell und fachlich eine gebotene und sinnvolle Entwicklung mit auf den Weg gebracht zu haben.

Für das Gelingen gleichstellungspolitischer Vorhaben ist das politische und fachliche Engagement von Parlament, Amtsleitungen und Fachebene gleichermaßen erforderlich. Ein funktionierendes Top-down-Prinzip zur Verankerung der Gleichstellung ist der Schlüssel zur engagierten Entwicklung und Durchführung fachlich erforderlicher Gleichstellungsmaßnahmen. Die Unterstützung von Politik und Amtsleitungen für die Durchsetzung von Gleichstellung gilt es zu stärken und zu verstetigen. Gleiche Bedeutung kommt der Entwicklung allgemeiner und vor allem fachpolitischer Genderkompetenz zu. Der Einbezug externer Expertise, wie im Prozess des Gender Mainstreaming und Gender Budgeting bereits erprobt, ist von daher auch zukünftig dringend erforderlich. Darüber hinaus ist es sinnvoll, bereits vorliegende Fachkompetenz und vorhandenes Organisationswissen für Genderpolitiken zu bündeln und anderen Akteurinnen und Akteuren in der Verwaltung zur Verfügung zu stellen. Zur verbindlichen fachlichen Entwicklung von Genderkompetenz bietet sich an, diese grundsätzlich in die Verfahren der Ziel- und Leistungsvereinbarung einzubinden.

Im Zuge von Fachtagen, in Kooperation mit der Verwaltungsakademie des Landes Berlin, und in der Erstellung praxisbezogener Handreichungen wird die Kommunikation und Nachvollziehbarkeit bisheriger Ergebnisse künftig systematisch ermöglicht.

Ziel des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms ist die Integration geschlechterbewussten Handelns in die regulären Abläufe, Programme und Maßnahmen der jeweiligen Fachverwaltung. Dennoch bedeutet die Herstellung dieser Integration, dass Programme reflektiert, Genderkompetenz erworben und Verfahrensprozedere erarbeitet werden müssen. Damit erfordert die Umsetzung des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms in vielen Fällen einen zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Beschäftigten. Angesichts von Arbeitsverdichtung und Personalknappheit ist die Ausweisung von Personalkapazitäten für Aufgaben, die sich aus dem GPR ergeben, für deren Realisierung und auch für die Akzeptanz in den Arbeitseinheiten von großer Bedeutung. Legislaturperiode Dokumentation der Einzelberichte.