Der Reaktorkern wird zunächst auf diejenige Seite gebracht auf der nicht gearbeitet werden

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Wenn Wartungen oder Arbeiten in einem Teil des Beckens durchgeführt werden sollen, ist es hilfreich, unterschiedliche Wasserstände in den beiden Teilen des Beckens realisieren zu können.

Der Reaktorkern wird zunächst auf diejenige Seite gebracht, auf der nicht gearbeitet werden soll.

Anschließend wird das so genannte Trenntor gesetzt, das die beiden Beckenteile voneinander trennt. So kann in dem betreffenden Beckenteil der Wasserspiegel so weit gesenkt werden, dass die Arbeiten möglich sind, während sich in dem anderen Teil der Reaktorkern unter voller Wasserüberdeckung befindet.

Das Trenntor selbst wird, nachdem es gesetzt wurde, nur mit aufblasbaren Gummidichtungen abgedichtet. Es darf auch nicht ohne Weiteres bei beliebigen Betriebszuständen gesetzt werden.

Das Umsetzen des Reaktors in den anderen Beckenteil und das Einsetzen des Trenntors erfordert einige Zeit. Dies wurde so vorgesehen, weil die Möglichkeit einer vorübergehenden Trennung der beiden Beckenhälften nur aus Gründen des betrieblichen Komforts besteht. Es handelt sich also nicht um sicherheitsrelevante Maßnahmen bzw. Einrichtungen. Eine solche müsste bei den Ereignissen, bei denen dies erforderlich wäre, sicher angewendet werden können. In den Unterlagen zur Anlagensicherheit werden sie als zusätzliche Maßnahmen empfohlen, die man durchführen kann, falls das Ereignis es zulässt.

Im Bereich des Trenntores liegt in der Tat eine Undichtigkeit vor, die allerdings keine Sicherheitsrelevanz besitzen kann, da ja die Trennung der Becken grundsätzlich keine besitzt: Zwischen einer seitlichen Führung des Trenntores und der Beckenwand gibt es auf einer Seite einen Aluminiumsteg, durch den zwei Leitungsrohre der Wasserumwälzeinrichtung durch eine Durchführung von einer Beckenhälfte in die andere geführt sind. Im Bereich dieses Steges gibt es eine Tropfstelle.

Was sind die Konsequenzen?

- Wenn der Reaktor in Betrieb ist, ist das Trenntor nicht gesetzt, die Beckenteile sind miteinander verbunden, der Wasserstand ist überall gleich und die Tropfstelle ist belanglos.

- Wenn der Reaktor nicht in Betrieb ist und der Kern in die Absetzposition gefahren wurde, dann das Trenntor gesetzt wurde und der Wasserspiegel in den beiden Beckenteilen unterschiedlich hoch ist, kann Wasser durch die Tropfstelle von einer Beckenhälfte in die andere dringen. Die durch diese Stelle dringende Wassermenge ist dann etwa so hoch, dass sich der Wasserstand in einem der Beckenteile um rund einen Zentimeter pro Tag ändert. Das ist angesichts von etwa 7,5 Metern Wasser über dem Reaktorkern eine niedrige Leckrate, die tolerierbar ist, auch wenn im leeren Beckenteil gearbeitet werden soll.

- Der Wasserstand kann sich hierbei allenfalls angleichen. Die Wasserüberdeckung des Kerns bliebe erhalten.

Das Becken ist nicht undicht, Wasser geht nicht verloren. Das Kühlsystem hat keinen Riss.

Jede auch nur vermutete Undichtigkeit, durch die Wasser das Becken verlassen könnte, hätte ein SOFORTIGES Abfahren der Anlage zur Folge. In diesem Falle wäre es auch völlig unstrittig, dass der Reaktor bis zur Klärung der Sachlage, der Behebung der Undichtigkeit und der Erbringung aller erforderlichen Nachweise außer Betrieb bliebe.

Vorwurf: Das Beckenwasser kann auslaufen, wenn das konische Strahlrohr beschädigt wird ­ etwa durch eine Knallgasexplosion des dort vorhandenen tiefkalten Wasserstoffs.

Der vorige Vorwurf wurde dahingehend ausgeweitet, dass die nicht vollständig dichte Trennung der beiden Beckenteile dann wichtig würde, wenn bei einem Unfall das Betriebsbeckenteil so massiv beschädigt worden wäre, dass Wasser in großem Maße aus dem Becken verloren ginge.

In diesem Zusammenhang wurde eine Wasserstoffexplosion auf Grund einer Beschädigung des konischen Strahlrohrs als hoch wahrscheinlich postuliert.

Stellungnahme:

Wie in der Kerntechnik bei jeder sicherheitskritischen Anordnung ist auch für das konische Strahlrohr und seine Einbauten durchgehend das Mehrbarrierenprinzip umgesetzt: Es gibt immer mehrere unabhängig voneinander wirkende Barrieren.

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Die Aussage, dass es bei einer Leckage zu einer Wasserstoffexplosion kommen könne, ist nicht richtig.

Wasserstoffexplosionen sind nur möglich, wenn Wasserstoff mit einem anderen Gas wie Luft oder Sauerstoff ein explosionsfähiges Gemisch bildet. Dass sich so ein Gemisch bilden kann, wird durch den Aufbau des Konischen Strahlrohrs und seiner Einbauten verhindert. (Anmerkung: In der Schemazeichnung entspricht das nach rechts vom Reaktorkern wegführende Rohr dem Konischen Strahlrohr)

Das Konische Strahlrohr mit einem Volumen von rund 0,3 m³ umschließt einen Behälter, das sogenannte Vakuumgefäß, in dessen Innerem sich ein weiterer Behälter mit ca. 1,4 Litern Volumen befindet, das Moderatorgefäß.

Das konische Strahlrohr ist mit Helium gefüllt, dieses weist im Normalbetrieb einen geringen Überdruck auf. Damit bildet das Konische Strahlrohr die erste Barriere gegen Beckenwasserverlust.

Das Vakuumgefäß ist innen evakuiert; von außen wirkt der Betriebsdruck des Heliums.

Durch das innerste Gefäß, das Moderatorgefäß, wird bei Betrieb der sogenannten Kalten Neutronenquelle Wasserstoff unter Druck geleitet. Das Moderatorgefäß ist daher als Druckbehälter ausgelegt und nach den entsprechenden Vorschriften gefertigt und geprüft worden.

Würde das Moderatorgefäß versagen, träte der Wasserstoff in das Vakuumgefäß aus. Er würde dabei nicht explodieren, weil das Vakuumgefäß evakuiert ist und deshalb keine zweite Komponente zum explosionsfähigen Gemisch vorliegt. Das Vakuumgefäß ist gegen den Druck ausgelegt, der durch den austretenden Wasserstoff entstünde.

Würde auch das Vakuumgefäß versagen, träte der Wasserstoff in den Heliumraum des Konischen Strahlrohrs aus. Da Helium nicht zu chemischen Reaktionen in der Lage ist, würde sich auch hier kein explosionsfähiges Gemisch bilden.

Das Konische Strahlrohr ist gleichwohl für einen Störfalldruck von 30 bar ausgelegt und wäre daher in der Lage, einer Explosion der gesamten vorhandenen Wasserstoffmenge standzuhalten.

Der Wasserstoff befindet sich also im Bereich des Konischen Strahlrohrs auslegungsgemäß in einem Drei-Barrieren-Einschluss. Er kann nicht ins Beckenwasser und dann in die Halle austreten (wo erstmals ein Zusammentreffen mit Luft stattfände). Störungen und Undichtigkeiten würden an Druckschwankungen in den Systemräumen erkannt und zum automatischen Herunterfahren der Kalten Neutronenquelle führen.

Bezüglich der in dem oben zitierten Vorwurf unterstellten Leckage des Konischen Strahlrohrs ist zunächst festzuhalten, dass hier das so genannte Zwei-Barrieren-Prinzip gegen Beckenwasserverlust realisiert ist. Das bedeutet, dass beim Versagen der ersten Barriere, der des Konischen Strahlrohres, die dahinter liegende zweite Barriere einen weiteren Austritt von Beckenwasser verhindern würde. Diese zweite Barriere ist in der gleichen Qualität ausgeführt wie die erste Barriere.

Wenn dem zufolge durch irgendeinen Unfall das Konische Strahlrohr stark beschädigt würde, würde mithin nur der Raum bis zur zweiten Barriere geflutet. Dieses Volumen beträgt 300 l, was zu einer Absenkung des Beckenwasserstandes um rund eineinhalb Zentimeter führen würde.

Auch Einwirkungen von außen würden in praktisch allen denkbaren Fällen zwar möglicherweise das Reaktorgebäude aufbrechen, aber nicht die Beckenwand in einem Ausmaß zerstören, dass die Wasserüberdeckung des Reaktorkerns gefährdet wäre.

Ereignisse, die zu solchen Folgen führen können, dass Personen außerhalb des Instituts betroffen sein würden, sind für den BER II dem sogenannten Restrisikobereich zuzuordnen. Diese Einschätzung wurde im Zuge der Genehmigungsverfahren untersucht, im Klagewege angezweifelt, mehrfach vom Oberverwaltungsgericht geprüft und schlussendlich als korrekt eingestuft.

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Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass weder der Unfall in Tschernobyl noch der in Fukushima auf Ereignisse im Restrisikobereich zurückzuführen waren! Im ersten Fall war eine bewusste regelwidrige Fehlsteuerung nach Überbrückung von Schutzeinrichtungen die Ursache, im zweiten eine ungenügende Auslegung gegen Hochwasserwellen, denn die Höhe des am 11. März aufgetretenen Tsunami war keineswegs eine bisher ungekannte.