Wohnquartiere

Zwischen 1870 bis 1911 entstehen mit dem Bau der Berliner Ringbahn, des Charlottenburger Verbindungskanals und des Westhafens günstige Standortvoraussetzungen für Gewerbe und Industrie. In diese Zeitspanne fällt die Ansiedlung ausgedehnter Fabrikationsstätten in den westlich an den Beusselkiez angrenzenden Blöcken.

Zeitgleich entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft der Industrie-Areale die beiden Wohnquartiere Beusselkiez und Huttenkiez. Das Gebiet zwischen Beussel-, Berlichingen-, Hutten- und Sickingenstraße wird 1890 parzelliert und bis 1912 dicht bebaut. Um 1900 gehören der Beusselkiez ­ wie Moabit insgesamt ­ zu den am dichtest besiedelten Wohnquartieren Berlins. Zu dieser Zeit leben allein in der Rostocker Straße über 8.

Menschen. Die Ausstattung mit Infrastruktureinrichtungen ist außerordentlich schlecht, Grünanlagen und Kinderspielplätze fehlen vollständig. Erste Verbesserungen in dem traditionellen Arbeiterwohnquartier ergeben sich mit den 1894 in der Sickingenstraße errichteten Wohnbauten des Berliner Spar- und Bauvereins und dem Bau einer Grundschule in der Rostocker Straße.

Während des 2. Weltkriegs ist das benachbarte Industriegebiet ­ nicht zuletzt wegen der dort ansässigen Rüstungsindustrie ­ Hauptziel heftiger Bombenangriffe. In einigen der Baulücken entsteht seit Beginn der 1950-er Jahre 5-6 geschossiger Wohnungsbau in Zeilenbauweise und soziale Infrastruktur: So wird das ehemalige Schulgelände in der Rostocker Straße Standort einer Bücherei, einer Kindertagesstätte und eines öffentlichen Kinderspielplatzes. Das ehemalige Rektorengebäude der zerstörten Schule ­ zunächst Jugendfreizeitheim ­ wird von der Volkshochschule übernommen. Die noch verbliebenen Lücken werden später mit einer 6-8 geschossigen Randbebauung geschlossen. Die Einwohnerzahl im Beusselkiez geht über lange Zeit stetig zurück. Die durchschnittliche Belegung ­ 1905 noch mehr als vier Personen pro Wohnung ­ ist 1970 auf gut zwei Personen gesunken.

Dieser Prozess hat sich seit der Mitte der achtziger Jahre mit dem Zuzug ausländischer Haushalte umgekehrt. Das Gebiet gehört heute mit 300 EW/ha wieder zu den am dichtesten bewohnten Quartieren Berlins.

Das Sanierungsgebiet ist seit 1999 Bestandteil des Quartiersmanagementgebietes Moabit West.

Gebietsdaten:

Das Sanierungsgebiet Beusselstraße wurde im Rahmen der 10. Rechtsverordnung vom 18. November 1994 (GVBl. S. 472) förmlich festgelegt. Es liegt am westlichen Rand des Bezirkes Mitte im Stadtteil Moabit.

Es umfasst 93 Grundstücke und eine Gesamtfläche von 10,6 ha. Das Sanierungsgebiet wird gebildet von sechs Baublöcken mit heterogener Bau- und Nutzungsstruktur. Sie ist durch Gründerzeitbebauung, Nachkriegswohnungsbau, Gewerbe- und Industrieareale sowie als Parkplätze genutzte Brachflächen gekennzeichnet.

Zu Beginn der Sanierung wurden 3.487 Einwohnerinnen und Einwohner in 2.314 Wohnungen ermittelt. Die Einwohnerzahl ist bis Ende 2004 um 15% auf 2.

Der südliche Gebietsteil ist größtenteils gewerblich genutzt, während im übrigen Gebiet überwiegende Wohnnutzung in kleinteiliger Mischung mit Kleingewerbe und Einzelhandel vorherrschen. Im Bereich der Rostocker Straße als zentraler Achse des Sanierungsgebiets befinden sich drei Kindertagesstätten und ein Nachbarschaftshaus. Das Gebiet wird in ost-westlicher Richtung von der Huttenstraße als Durchgangsstraße und in Nord-SüdRichtung von der stark befahrenen Beusselstraße tangiert.

Durch Instandsetzung und Ausstattungsverbesserungen der Wohnungen mit besonderem Augenmerk auf Sicherung des Mietwohnungsbestandes ist eine Stabilisierung des Quartiers beabsichtigt. Mit Blick auf die soziale Lage der Bewohnerinnen und Bewohner soll die Erneuerung in ein Sozialplanverfahren eingebettet sein und sich an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Mieter orientieren.

Gewerbe:

Die Mischung von Wohnen und wohnungsbezogenem Gewerbe soll erhalten und gefördert werden. Die Betriebsparkplätze an der Berlichingenstraße werden für die Versorgung des Quartiers mit Gemeinbedarfseinrichtungen (Schule und Kindertagesstätten) und öffentlichen Grünflächen benötigt. Die Gemengelage im Mischgebiet (Block 80) bedarf einer städtebaulichen Qualifizierung, wobei die Wohnnutzung an den ruhigen Blockrändern gestärkt werden soll.

Grün- und Freiflächen:

Die Verbesserung der Grün- und Freiflächen und der Spielplätze im Gebiet hat besonderen Vorrang. Dazu zählt u.a. die Bereitstellung und Nutzbarmachung von Flächen im Ergänzungsbereich und deren Erschließung durch gefahrlose Verbindungswege. Letztere sind auch erforderlich zur Anbindung des Quartiers an die Spreeufer-Promenade.

Zwischen dem geplanten Infrastrukturpark auf dem Gelände des heutigen Güterbahnhofs Moabit und dem Sanierungsgebiet soll eine Grünverbindung geschaffen werden.

Die Nutzung der Freiflächen der Gemeinbedarfseinrichtungen soll auch außerhalb ihrer Öffnungszeiten ermöglicht werden.

Verkehr Ziel ist eine Entlastung der Hauptverkehrsstraßen von Schwerlastverkehr, Verringerung der Lärm- und Abgasbelastungen, Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer, sowie flächenhafte Verkehrsberuhigung mit Ausnahme der Kaiserin-AugustaAllee.