Pflege

Als wasserwirtschaftliche Anforderung an das schadlose Versickern gilt weiterhin, dass bei der Mulden- sowie Mulden-Rigolen-Versickerung der Abstand zwischen der Geländeoberkante und dem Bemessungsgrundwasserstand mindestens eineinhalb Meter beträgt und der Versickerungsraum frei von Altlasten ist. Unter Berücksichtigung der aktuellen Geländehöhen zwischen 34,2 und 35,0 m ü.NHN und bei einem angenommenen HGW von 32,7 m ü.NHN kann es daher in Teilbereichen erforderlich werden, bei der Neuanlage von Gewerbeflächen dass Gelände anzuschütten, um den erforderlichen Abstand zum Grundwasserspiegel einzuhalten.

In den Baugebieten verbleiben mindestens 20 % nicht überbaubare Flächen, so dass prinzipiell ausreichend Freiflächen für die Anlage von Versickerungseinrichtungen zur Verfügung stehen.

Da bezogen auf die maximale Regenwasserableitung davon auszugehen ist, dass mindestens der Status quo des Anschlussgrades im Gebiet beibehalten und das weitere Niederschlagswasser örtlich über Vegetationsflächen versickert werden wird, sind in Folge der geplanten Festsetzungen keine erheblichen negativen Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt zu erwarten (Neubildung und Retention). Die vorgesehene extensive Dachbegrünung wird darüber hinaus zu einer Verzögerung des Regenwasserabflusses und damit zur Entlastung der Regenwasserentsorgungssysteme beitragen.

II. 3.2.2.5 Schutzgüter Klima und Luft

Durch die Entwicklung der kompakten Gewerbegebiete findet eine Nutzungsintensivierung statt, die gemäß den Planungshinweisen zum Stadtklima (Umweltatlas Berlin) für solche Siedlungsgebiete vermieden werden sollte.

Andererseits wird mit der Festsetzung der Ostfuge als öffentliche Grünfläche eine Freifläche dauerhaft gesichert, die aufgrund ihrer Ost-West- Ausrichtung besondere Durchlüftungsfunktionen aufweist. Sie stellt zudem die Verbindung zu den Bahnflächen her, die als Kernbereich der Belüftungsbahn erhalten bleiben. Die Festsetzung eines unmittelbar angrenzenden und damit im Zusammenhang mit den Bahnflächen wirkenden 15 m breiten Streifens als nicht überbaubare, begrünte Fläche stützt diese Belüftungsfunktion zusätzlich. Eine Vernetzung der Grünflächen im Geltungsbereich mit den Bahnflächen als klimatisch wirksame Kernflächen für den Luftaustausch ist somit gewährleistet.

Den Anforderungen der Vermeidung von Austauschbarrieren und der Vernetzung mit angrenzenden Grünräumen kann damit als weiteren Anforderungen aus den Planungshinweisen zum Stadtklima Rechnung getragen werden. Es bleiben somit wichtige Klimafunktionen erhalten. Eine weitere Minderung klimatischer Negativentwicklungen wird durch die Festsetzung zur Dachbegrünung und zu Baumpflanzungen in den Baugebieten erreicht. Insgesamt verbleiben die Beeinträchtigungen der Klimafunktionen unterhalb der Erheblichkeitsschwelle.

II. 3.2.2.6 Schutzgut Tiere und Pflanzen - Biotopstruktur / Eingriffsbewertung Bezogen auf das Schutzgut Tiere und Pflanzen werden zum einen ausgehend von der aktuellen Bestandssituation die Auswirkungen auf die Biotopstruktur beurteilt.

Des weiteren erfolgt die Beurteilung des Planvorhabens im Rahmen der naturschutzrechtlichen Eingriffsbewertung. Hier bildet dann das geltende Planungsrecht den Bewertungsmaßstab und die Grundlage für den rechtlich notwendigen Kompensationsbedarf. Gesondert betrachtet wird weiterhin der Eingriff in den gemäß der BaumSchutzVO Berlin geschützten Baumbestand.

Biotopstruktur

Von der zukünftigen Gewerbegebietsentwicklung betroffen, sind im wesentlichen die auf den bereits länger brachliegenden oder vor ein paar Jahren beräumten Flächen. Die vorhandene unterschiedlich ausgeprägte Ruderalvegetation wird bis auf Teilflächen im Verlauf der Ostfuge und der Fläche für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft am Ostrand des Gebietes überformt.

Betroffen sind dabei von kleinflächigen Rohbodenstandorten mit Pioniervegetation über mehrjährige ruderale Staudenfluren (Möhren-Steinklee-Fluren), ruderale Halbtrockenrasen (ruderale Rispengrasfluren) bis hin zu ruderalen Wiesen mit Gehölzaufwuchs ein breites Spektrum der offenen bzw. halboffenen Landschaft in einer Größenordnung von ca. 11 ha.

Der Wert der Flächen liegt in vor allem in der komplexen Biotopstruktur und der damit einhergehenden Habitatqualität für Tierarten des Offenlandes.

Faunistisch von Bedeutung ist auch die Biotopverbundfunktion der Flächen, die sie als Verbindungsglied zwischen dem Landschaftspark und den Bahnflächen haben.

Neben der Festsetzung zur Grünflächenentwicklung im Bereich der Ostfuge (2,0 ha) (unter örtlicher Verlagerung der Festsetzung des gültigen Bebauungsplans XV-68a) wird im Be45 bauungsplan 9-16 ergänzend ein Randstreifen an der Bahnfläche als Fläche zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft (0,4 ha) festgesetzt. Damit können Biotopstrukturen auf einer zusammenhängenden Fläche von 2,4 ha neu entwickelt bzw. vorhandene Strukturen erhalten werden. Im Bereich des Randstreifens an der Bahn werden durch die Festsetzung nunmehr die Voraussetzungen geschaffen, um dauerhaft Pflegemaßnahmen durchführen zu können, die die Qualität der Flächen nachhaltig sichern. Ohne Pflege würde sich die Qualität sukzessionsbedingt verschlechtern. Im Bereich der Ostfuge ist eine Entwicklung als Offenlandfläche mit entsprechender Biotopstruktur durch bereits vorliegende Bauplanungsunterlagen gesichert. Auf etwa der Hälfte der Fläche werden Sammelausgleichsmaßnahmen für Eingriffe an anderer Stelle des Entwicklungsbereichs umgesetzt.

Im Ergebnis der vorgenanten Grünflächenentwicklungen kann der Biotopverbund zwischen Landschaftspark und Bahnfläche aufrecht erhalten werden.

Ergänzt durch weitere 2,5 ha Flächen mit offenem Landschaftscharakter (Rasen- und Wiesenflächen) auf den nicht überbaubaren Grundstücksflächen der Gewerbegebieten, stehen dann zukünftig Biotopflächen in einer Größenordnung von 5 ha wieder zur Verfügung. Auch die Entwicklung von 4,3 ha extensiv begrünten Dachflächen hat positive Wirkungen auf die Biotopstruktur im Gebiet, da hierdurch Sekundärlebensräume entstehen, die für die Fauna des Offenlandes ebenfalls von Bedeutung sind.

Im Gesamtergebnis werden die Flächenverluste der Ruderalbiotope begrenzt. Da zudem der Biotopverbund als eine Kernfunktion aufrechterhalten werden kann und durch eine zukünftig mögliche Pflege der Wert der Flächen nachhaltig gesichert werden kann, sind die verbleibenden Eingriffe in die Biotopstruktur bezogen auf den realen Zustand deutlich minimiert worden. Im Sinne der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung und der angewandten Bewertungsmethodik nach AUHAGEN wird durch die o.g. Maßnahmen eine vollständige Kompensation des Eingriffs erreicht (siehe unten). Bewertung des Eingriffs in den Baumbestand (BaumSchVO Bln)

Im Geltungsbereich des Bebauungsplans 9-16 wurden insgesamt 65 Bäume kartiert, die unter den Schutzstatus der Baumschutzverordnung Berlin fallen. Der geschützte Baumbestand befindet sich v.a. im nördlichen und südlichen Randbereich des Bebauungsplanes. Der überwiegende Teil des Geltungsbereiches ist gehölzfrei.

Der Baumbestand wird von Pappeln dominiert (Pyramidenpappel, Kanadische und BalsamPappel). Daneben kommen Stieleichen und Winterlinden (Anpflanzungen) und vereinzelt Spitz-Ahorn und Eschenahorn vor.