Wohnungen

Die Ostseite des rückwärtigen Anbaus erhält Morgensonne zwischen 9:00 und 10:00 Uhr, die durch die Eigenverschattung des breiteren südlichen Gebäudeteils allerdings teilweise eingeschränkt wird.

Für die Westseite des rückwärtigen Anbaus gilt hingegen, dass ihre Verschattung ausschließlich auf die geplante Bebauung auf dem Grundstück Leipziger Platz 12zurückzuführen sein wird. Die Besonnungsdauer beträgt zukünftig noch 0,5 Std. in den unteren vier Geschossen und 1,0 Std. im 5.-6. Vollgeschoss. Allerdings würde es zu einer Reduzierung der Besonnung gegenüber dem aktuellen Zustand auch bei Einhaltung der Abstandsflächen kommen, da durch Kriegseinwirkung und die Beräumung des Umfeldes wegen der Nähe zur ehemaligen DDR-Grenze der Gebäudeteil frei steht und gegenwärtig eine Sondersituation (Brache) vorhanden ist.

Die Westfassade des Anbaus stellt sich nicht als ausgestaltete Fassade dar, sondern als Putzfläche mit einfachen Fensteröffnungen. Hinzu kommt, dass ein 5-6 m breiter Fassadenabschnitt des Anbauteiles keine Fenster aufweist. Hier sind die Fenster der dahinter liegenden Aufenthaltsräume nach Süden orientiert. Mit Ausnahme des obersten 6. Geschosses des Anbaus dienen die Fensteröffnungen an der gesamten Westseite vom ersten bis zum fünften Vollgeschoss lediglich der Belichtung von Fluren und nicht von Aufenthaltsräumen. Die Aufenthaltsräume im schmalen Gebäudeteil des Anbaus sind zum Osten hin orientiert. Das unterste Sockelgeschoss hat zum Westen hin keine Fensteröffnungen, da das erste Geschoss mit Aufenthaltsräumen als Hochparterre ausgebildet ist. Lediglich im 6.

Vollgeschoss sind der Flur nach Osten und die Aufenthaltsräume nach Westen hin orientiert. Hier ist zwar für die Aufenthaltsräume nur eine Besonnungszeit von einer Stunde gegeben, doch ist die Belichtungssituation in diesem obersten Geschoss gut und durch die Baugrenze im Bebauungsplan I-15b durch die Berücksichtigung der Mindestabstandsfläche gesichert, die oberhalb von 50 m ü NHN einen Abstand von 15,5 m zum Altbau gewährleistet und demzufolge die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse berücksichtigt.

Prüfung für den Stichtag 17. Januar

Nach DIN 5034-1 „Tageslicht in Innenräumen" vom Oktober 1999 besteht die Mindestanforderung an die Besonnung von Wohnungen dergestalt, dass ein Fenster eines Wohnraumes jeder Wohnung am 17. Januar in Brüstungshöhe in seiner Mitte wenigstens 1 Stunde besonnbar sein soll. Für Arbeitsräume formuliert die DIN keine diesbezüglichen Anforderungen.

Für die konkreten örtlichen Verhältnisse bedeutet dies: Voßstraße

Die vorhandene Nordbebauung an der Voßstraße wird durch die Blockrandbebauung des Vorhabens Leipziger Platz 12-13 in den unteren 6-7

Geschossen verschattet und zwar so, dass die einstündige Besonnung nicht erreicht wird. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass durch eine planungsrechtlich bereits zulässige Blockrandbebauung (ohne Türme) die Straßenmitte durch die Abstandsflächen nicht überschritten werden würde. Da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass bei Einhaltung der Mindestabstandsflächen gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse vorliegen, kann keine Beeinträchtigung durch die Nichteinhaltung der DIN diesbezüglich festgestellt werden.

Die Verschattung bzw. die Beeinträchtigung der Besonnung, die auf diejenigen Gebäudeteile zurückzuführen sind, deren Abstandflächen über die Straßenmitte hinausreichen, betreffen nur die obersten 2-3 Geschosse. Hier wandert der Schatten der Türme des Vorhabens über die gegenüberliegenden Gebäude in einem Zeitraum von 3,5 Std., in dem ansonsten eine Besonnung gegeben ist. Weil der Schatten wandert, kann von einer einstündigen Besonnung jeden Teils der Südfassaden ausgegangen werden. Die Belichtungssituation in den obersten Geschossen ist zudem insgesamt als besonders günstig anzusehen, so dass eine Beeinträchtigung gesunder Wohnverhältnisse nicht vorliegt.

Bei der planungsrechtlich durch den Bebauungsplan I-202b ermöglichten Bebauung Voßstraße 13-15 wird zwar nur das oberste Geschoss von einer Besonnung über einen Zeitraum von einer guten Stunde gestreift, allerdings würde die Nichtbesonnung der übrigen Fassade auch bei Einhaltung der Abstandsflächen durch eine Blockrandbebauung ohne Türme im Plangebiet eintreten.

Innerhalb des Geltungsbereiches I-15b

Durch die Anordnung der Wohnnutzung in den Türmen und den Hochhausscheiben stellt sich die Situation im geplanten Gebäudekomplex hinsichtlich der Einhaltung der Anforderungen der DIN günstig dar. Sollte sich die Wohnnutzungsanordnung demgegenüber partiell ändern, ist im Baugenehmigungsverfahren über die ausreichende Belichtung zu befinden.

Die beiden westlichen Türme erhalten in einem Zeitraum von 11:00 ­ 15.00 Uhr Sonnenlicht und zwar nicht nur an der Südfassade. Der westlich der Passage errichtete Turm wird an seiner Westseite und teilweise Südseite zwischen 14:30 und 16.00 Uhr besonnt. Der östlich der Passage angeordnete Turm erhält an der Westund teilweise Südseite von 14.00 bis 15.00 Uhr Sonnenlicht und an seiner Ostseite zwischen 9.00 Uhr und 11.00 Uhr.

Letzteres gilt auch für die Hochhausscheibe östlich der Durchwegung im Zeitraum von 9.00 bis 10.30 Uhr.

Die westliche Seite der westlichen Hochhausscheibe ist im Zeitraum von 14.00 bis 16:00 Uhr fast vollständig besonnt, erhält aber zusätzlich in der Bebauung oberhalb der Sockelbebauung in den Vormittagstunden zwischen 9.30 und 10:00Uhr und in den tiefer gelegenen Wohngeschossen zwischen 10.30 und 11.30Uhr Sonnenlicht.

Damit verfügen alle Gebäudeteile, die von Abstandsflächenreduzierung betroffen sind über die Möglichkeit, Wohnungen so anzuordnen, dass die Anforderungen der DIN 5034-1 eingehalten sind.

Nachbargrundstücke Leipziger Straße 128 und Voßstraße 33

Aufgrund der durch die zum Grundstück Leipziger Platz hin ausgebildeten Brandwand und der daraus resultierenden Anbauverpflichtung können Wohnungen im Gebäude Leipziger Straße 128 gar nicht von Abstandsflächenüberschreitungen unmittelbar betroffen sein.

Der rückwärtige Anbau auf dem Grundstück Voßstraße 33 ist ein Verwaltungsgebäudetrakt der ehemaligen Deutschen Reichsbahn, der derzeit nicht genutzt wird.

Eine ausgeübte Wohnnutzung liegt zur Zeit nicht vor. Das oberste Geschoß des südlichen Anbaus verfügt jedoch über eine Besonnungsdauer von annähernd 2 Stunden. Hier ist die Unterbringung von Wohnungen bei Einhaltung der DIN 5034-1 möglich.

Das ehemalige Vorderhaus an der Voßstraße erhält an der Südseite in den Bereichen außerhalb des eigenen Anbaus eine Besonnung der oberen beiden Geschosse zwischen 10.00 und 14.30 Uhr, so dass hier die Wiedernutzung für Wohnen bei Einhaltung der DIN 5034-1 möglich wäre. Letzteres gilt auch für die beiden darunter liegenden Geschosse westlich des Anbaus. Lediglich im untersten Geschoss (Hochparterre) können hier die Anforderungen der DIN nicht berücksichtigt werden. Östlich des Anbaus kann die Südfassade im 3. Vollgeschoss über eine Stunde besonnt werden. Auch hier wären die Anforderungen der DIN eingehalten.

Abschließende Abwägung der Abstandsflächenthematik

Die detaillierten Einzelbetrachtungen haben gezeigt, dass trotz der teilweise gegenüber den Vorschriften der Bauordnung verkürzten Abstandsflächen die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse gewahrt sind und ein städtebaulicher Missstand nicht zu befürchten ist. Alle Gebäudeteile innerhalb des Geltungsbereiches des Bebauungsplanes I-15b und die von der hier zulässigen Bebauung betroffenen Gebäude außerhalb des Plangebiets erhalten unter Berücksichtigung der jeweils zulässigen Nutzung ausreichend Licht und Sonne, auch die Belüftung und die Sozialabstände sind ausreichend.

Das gilt zunächst für die Belichtung und Besonnung. Schwerer wiegende Beeinträchtigungen treten insoweit nur im Grenzbereich zur Voßstraße 33 auf; dort kommt es bei Beibehaltung der gegenwärtigen Bebauungsstruktur auf diesem Grundstück (Denkmal) zur Entstehung eines über 30 m langen und nur gut 5,5 m breiten Hofes. Dieser wird durch die Festsetzungen des Planes so gestaltet, dass die mit ihm verbundenen Nachteile nach Abwägung aller Belange hinnehmbar sind:

- Die dem Hof zugewandte Ostwand des Gebäudes im Plangebiet bis zu einer Höhe von 15 m über Gelände auf der Nachbargrenze ist ­ weil es sich im eine Brandwand handelt - fensterlos auszubilden (§ 30 Abs. 2 Nr. 1 BauO Bln), so dass der geringe Abstand nicht dazu führt, dass von der Grenzbebauung Geruchs- oder Geräuschemissionen ausgehen. Die Einsehbarkeit auf das Grundstück Voßstraße 33 ist hier nicht gegeben, so dass der Sozialabstand gewahrt bleibt.

- Hinter der gegenüberliegende Westfassade des Anbaus Voßstraße 33 liegen in den von der Verschattung betroffenen Geschossen Flure, das Sockelgeschoss ist fensterlos. Die ausreichende Besonnung des obersten Geschosse, in dem nach Westen orientierte Aufenthaltsräume liegen, ist gewahrt, weil die westliche Hofbebauung durch den Bebauungsplan auf eine Höhe von 15 m begrenzt ist; der ursprünglich in diesem Bereich geplante vorspringende Bauteil mit einer Höhe von ca. 23 m (58 m über NHN) wurde im Laufe des Verfahrens zurückgenommen.

- Die Südfassade des Vorderhauses Voßsstraße 33 westlich des Anbaus ist noch ausreichend besonnt, so dass insgesamt von einer ausreichenden Belichtung ausgegangen werden kann.

- Die Ostseite des Anbaus verfügt gegenwärtig über eine günstige Belichtungssituation. Hier ist der vorhandene Hof 10 m breit bzw. 8 m in einem kleineren Teil. Die vorhandene Bebauung ist auch bei künftigen Genehmigungen auf der Grundlage des festgesetzten Bebauungsplans I-15a zu berücksichtigen, so dass sich die Belichtungssituation nicht erheblich verschlechtern wird. Der nur etwa 8 m Tiefe Anbauteil ist somit keineswegs auf eine Belichtung von Westen angewiesen.

- Hinsichtlich der Belüftung wird zwar die Situation gegenüber dem IstZustand stark eingeschränkt, dieser ist durch die angrenzende große Brache aber absolut atypisch für eine Innenstadtlage. Die Belüftung in der zukünftigen Hofsituation wäre auch unter Einhaltung der Abstandsflächen im Grundsatz gleich, das heißt, gegenüber dem Ist-Zustand stark eingeschränkt.