Grundstück

Aufgrund des vegetationsarmen, in westlichen Bereich vegetationsfreien, Zustandes der Fläche sowie der von Verkehrsflächen eingeschlossenen Insellage des Areals kommt dem Plangebiet nur eine geringe Bedeutung als Lebensraum für Vögel, Insekten und anderer Kleinstlebewesen zu.

Außerhalb des Geltungsbereiches des Bebauungsplans II-201c, auf der nördlich an die Minna-Cauer-Straße angrenzenden Fläche, ist das Vorkommen des Steinschmätzers und des Brachpiepers nachgewiesen worden. Beide Arten unterfallen als heimischen Vogelarten dem Schutz EU-Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG). Der Brachpieper ist nach Bundesartenschutzverordnung (BArtScHV) zusätzlich auch streng geschützt. Die möglicherweise als Lebensraum für Steinschmätzer und Brachpieper in Betracht kommende Sandfläche an der Minna-Cauer-Straße diente bis zur Fertigstellung des Hauptbahnhofs 2006 als Baustelleneinrichtungsfläche. Infolge der direkten Straßenlage und starken athropogenen Überprägung der Freiflächen konnten sich innerhalb der kurzen Zeit nach Beendigung der Bautätigkeiten am Hauptbahnhof keine nennenswerten ungestörten Lebensräume für geschützte Vogelarten entwickeln. Die Empfindlichkeit von Steinschmätzer und Brachpieper gegenüber verkehrsbedingten Lärmbelastungen lassen einen Ausfall als potentielles Brut- und Nahrungshabitat mit großer Wahrscheinlichkeit folgern. Derzeit liegen keine Nachweise über ein Vorkommen dieser Vogelarten im Planungsgebiet vor. Ein Ausfall als Nahrungshabitat wäre zudem als unproblematisch zu bewerten, da auf den nördlich der Minna-Cauer-Straße angrenzenden Bahnbrachen ausreichend Flächen als Lebensraum für Brachpieper und Steinschmätzer zur Verfügung stehen. Über das Vorkommen weiterer geschützter Tierarten im Bebauungsplangebiet gibt es keine Hinweise und Erkenntnisse.

Schutzgut Boden

Das Plangebiet ist Teil des in Ost-West-Richtung verlaufenden Berliner Urstromtals. Im Verlauf der eiszeitlichen Entwicklung wurden in der Spreeniederung ausgedehnte Talsande abgelagert, die zum Teil von Geschiebemergel unterlagert werden. Der Umweltatlas Berlin weist die Flächen des Bebauungsplans II-201c als Sande (mS, fS, Sl3) und sandige Lehme (SL3) mit einem hohen Anteil eckig-kantiger Steine im Ober- und Unterboden aus. Als Folge von Bautätigkeiten und Gebäudeabrissen auf der Fläche ist der Boden gekennzeichnet durch einen starken Anteil an Schutt, Schotter und Kies. Sie sind im digitalen Umweltatlas (KONZEPTKARTE BODENGESELLSCHAFTEN 01.01, 2005) überwiegend als LockersyrosemRegosol-Pararedzina auf Industriestandorten mit Aufschüttungs- bzw. Abtragungsflächen kartiert worden. Die Leistungsfähigkeit der Böden im Plangebiet ist gering (KONZEPTKARTE LEISTUNGSFÄHIGKEIT DER BÖDEN 1.12.6, 2006).

Die Beprobung des Bodens im Zuge weiterführender Altlastenuntersuchungen im November 2009 zeigte eine inhomogene sandige Auffüllungsschicht mit einem unterschiedlichen Gehalt an Bauschutt. Die Bauschuttanteile variieren stark und liegen zwischen Infolge kriegsbedingter Ablagerungen und späterer Gebäudeabrisse weisen die Böden im gesamten Berliner Stadtgebiet Schuttablagerungen und andere anthropogene Überformungen auf. Auch der Bereich Lehrter Bahnhof und Lehrter Güterbahnhof wurde im

2. Weltkrieg erheblich zerstört. Zudem ist der Boden des Grundstücks aufgrund der intensiven Bauarbeiten im Umfeld des Hauptbahnhofs stark verdichtet und anthropogen beeinflusst. Es wurde ein hoher Anteil von Bauschutt im Oberboden nachgewiesen (URS Altlastengutachten 2009, S. 14).

Die Grundstücke des Bebauungsplangebietes II-201c sind flächendeckend im Bodenbelastungskataster Berlin eingetragen. Im Bodenbelastungskataster für Berlin werden altlastenverdächtige Flächen, Verdachtsflächen, schädliche Bodenveränderungen, Altlasten und Flächen, auf denen das Entstehen einer schädlichen Bodenveränderung zu besorgen ist, geführt. Rechtsgrundlage ist das Berliner Bodenschutzgesetz (§ 6 des BlnBodSchG vom 24. Juni 2004).

Im westlichen Bereich erfolgte bereits ein großflächiger Austausch des Bodens bei der Untertunnelung mit Verkehrsanlagen. Zur Verfüllung der Baugruben wurde nur unverunreinigtes Material eingebaut. Eine Altlastenbelastung kann hier ausgeschlossen werden. Im Bodenbelastungskataster des Bezirksamts Mitte werden vier Grundstücke des Bebauungsplangebietes als Verdachtsflächen oder Altlasten geführt.

· Katasternummer 2079

Auf dem Tankstellengrundstück Heidestraße 65-69 sind schädliche Bodenveränderungen als Folge der Nutzung (Mineralölschaden) festgestellt worden. Hier wurde bereits in den Jahren 1996 und 1999 ein teilweiser Bodenaustausch, eine kurzfristige Grundwassersanierung und Bodenluftabsaugung vorgenommen. Beim Abbruch der Tankstelle soll eine abschließende Sanierung des lokalen Schadens erfolgen.

· Katasternummer 10761

Für das zuletzt als Betriebstankstelle genutzte ehemalige Industrie- und Gewerbegrundstück Heidestraße 73 zeigten Boden- und Grundwasseruntersuchungen aus den Jahren 1993/1994 eine Überschreitung der Geringfügigkeitsschwellenwerte für MKW (Mineralölkohlenwasserstoffe) und PAK (Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe). Es ist daher als Altlast im Kataster eingetragen.

· Katasternummer 10762

Das Grundstück Heidestrasse 61 bildet den südlichen Teil der Altlastenfläche, die sich im Wesentlichen auf die nördlich der Minna-Cauer-Straße gelegenen Bereich erstreckt. Im Bereich der Einmündung der B 96 in die Heidestraße wurde im Jahr 2005 ein Grundwasserschaden nachgewiesen.

· Katasternummer 831

Auch das zuletzt als Containerbahnhof genutzte Grundstück Heidestraße 30 wird als Altlastenverdachtsfläche geführt, wobei Teile der Fläche bereits die Kriterien einer Altlast erfüllen. Hier liegt eine Belastung des Grundwassers mit Pestiziden und MKW vor (ALTLASTENAUSKUNFT, BEZIRKSAMT MITTE, ABT. STADTENTWICKLUNG).

Schutzgut Wasser Grundwasser

Die quartären Kiese und Sande bilden einen über 50 m mächtigen Grundwasserleiter. Als Entwässerungsbahn der Schmelzwasser sind die Böden des Berliner Urstromtals durch eine gute Grundwasserspeicherfähigkeit gekennzeichnet. Die Flächen des Bebauungsplans II-201c bestehen aus Talsanden (GEOLOGISCHER ATLAS VON BERLIN, GRUNDWASSERGLEICHENKARTE 2008). Der Boden ist natürlicherweise grundwasserbeeinflusst.

Der Umweltatlas Berlin (Konzeptkarte Grundwasserflurabstand 02.07, 2008) weist für das Plangebiet einen geringen Grundwasserflurabstand von 2-4 m aus. Für den Bereich der an der Invalidenstraße werden Werte von 4-10 m gemessen. Im Plangebiet verlaufen zwei Grundwasserleiter. Der erste liegt oberhalb der Torfschicht bei 31,87 m über NN bis 32,11 m über NN. Der Grundwasserabfluss erfolgt entsprechend der regionalen Fließrichtung nach Südosten. Der untere Grundwasserleiter besitzt praktisch kein Gefälle und liegt bei ca. 31,07 m über NN (URS 12/2009, S. 15). Die Grundwasserneubildungsrate (Konzeptkarte Grundwasserneubildung 02.17, 2007) liegt mit 150-200 mm/a im mittleren Bereich. Das Areal ist zudem gekennzeichnet durch eine äußerst hohe Wasserdurchlässigkeit von mehr als 300 cm/d (KONZEPTKARTE FILTERVERMÖGEN VON BÖDEN, 2006).

Da die oberen Bodenschichten infolge kriegs- und baubedingter Schuttablagerungen auch durch Verunreinigungen belastet sind, kann eine Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser nicht ausgeschlossen werden. Bestätigt wird diese Annahme durch die Erhebungen des Umweltatlas Berlin (KONZEPTKARTE VERSCHMUTZUNGSEMPFINDLICHKEIT 02.05, 2004), der insbesondere für die westlichen Bereiche des Plangebietes eine hohe Verschmutzungsempfindlichkeit des Grundwassers ausweist.

Eine Beprobung des Plangebietes zur detaillierten Untersuchung des Grundwassers (INTERGEO 11/2009, URS 12/2009) zeigte nur geringe Schadstoffbelastungen des Grundwassers.

Im mittleren Bereich des Plangebietes (Katasterfläche 10761) wurden sehr geringe Konzentrationen von LHKW, Quecksilber und LHKW gemessen. Der Arsen- und PAK-Gehalt im Grundwasser überschritt hingegen die Geringfügigkeitsschwelle.

Die Katasterfläche 831 wies bei zwei Proben PAK-, Arsen- und Quecksilberbelastungen sowie sehr geringe Konzentrationen von BTEX und LHKW auf. Der PAK- und Bleigehalt lag über der Geringfügigkeitsschwelle der Berliner Liste.

Das Tankstellengrundstück 2079 zeigte eine Belastung mit PAK, Arsen und Quecksilber. Die vorangegangene Nutzung als Tankstelle und der damit verbundene Umgang mit Kraft- und Schmierstoffen hat jedoch keine größeren Grundwasserverunreinigungen verursacht.

Bei der Beprobung des im Geltungsbereich gelegenen schmalen Streifens der Katasterfläche 10762 wurde eine geringe PAK-Belastung und eine sehr geringe Konzentration von LHKW gemessen. Eine Belastung mit BTEX und MKW liegt nicht vor.

Im Ergebnis liegt entsprechend der „Beurteilungskriterien für die Beurteilung von Grundwasserverunreinigungen in Berlin" (Berliner Liste 2005) durch die Überschreitung des