Einzelbegründung Artikel I enthält die Verordnung über das Naturschutzgebiet Baumberge im Bezirk Reinickendorf von Berlin

Artikel III Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach der Verkündung im Gesetz- und Verordnungsblatt für Berlin in Kraft. Das FFH-Gebiet mit der Bezeichnung „Baumberge" wurde auf der Grundlage von Senatsbeschlüssen an die Europäische Kommission gemeldet. Die Meldung wurde von der Kommission bestätigt und das Gebiet in die Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung eingetragen; es ist somit Bestandteil des kohärenten Europäischen Netzes „Natura 2000".

Nach § 32 Absatz 2 und 3 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) erklärt das für Naturschutz und Landschaftspflege zuständige Mitglied des Senats die in die Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung eingetragenen Gebiete zu geschützten Teilen von Natur und Landschaft im Sinne von § 20 Absatz 2 BNatSchG.

Die Baumberge sind bereits durch Verordnung zum Schutz der Landschaft des Tegeler Forstes (südlicher Teil) im Bezirk Reinickendorf von Berlin als Landschaftsschutzgebiet unter besonderen Schutz gestellt worden. Diese Landschaftsschutzgebietsverordnung von 1990 genügt den weitergehenden Anforderungen nach der FFH-Richtlinie bzgl. des Schutzzweckes, der Entwicklungsziele / maßnahmen und der Verbote nicht.

b) Einzelbegründung Artikel I enthält die Verordnung über das Naturschutzgebiet Baumberge im Bezirk Reinickendorf von Berlin. Auf die Begründung unter Ziffer II wird verwiesen. Durch die in Artikel II enthaltene Verordnung zur Änderung der Verordnung zum Schutz der Landschaft des Tegeler Forstes (südlicher Teil) im Bezirk Reinickendorf von Berlin wird die Fläche des Natura2000-Gebietes aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen und es werden die auf die Baumberge verweisenden Regelungen angepasst und gestrichen. Artikel III regelt das Inkrafttreten der Verordnung zur Sicherung des Natura2000-Gebietes Baumberge als Naturschutzgebiet.

II Verordnung über das Naturschutzgebiet Baumberge im Bezirk Reinickendorf von Berlin

a) Allgemeines:

Das Naturschutzgebiet liegt im Nord-Westen von Berlin im Bezirk Reinickendorf im Ortsteil Heiligensee und ist Teil des Tegeler Forstes. Es umfasst eine Fläche von ca. 42,5 ha.

Die Baumberge sind Teil eines Binnendünengebietes, das sich vom Flussbett der Havel bis zum West-Barnim, einer eiszeitlich geprägten Hochfläche, erstreckt. Das Gebiet ist der naturräumlichen Haupteinheit „Mecklenburg-Brandenburgisches Platten- und Hügelland" (D 05) zuzuordnen.

Nach der letzten Eiszeit und dem Rückgang der Inlandeisdecke bliesen starke Westwinde freiliegende Sande aus dem Berlin-Warschauer Urstromtal aus, die sich hier vor der Hangkante der Barnim-Hochfläche in west-östlicher Richtung anlagerten. Die Baumberge weisen Geländehöhen zwischen 32 m ü. NN (Lingenpfuhl) und 62 m ü. NN (Hauptdüne) auf.

Im westlichen Teil des Gebietes befindet sich eine Hauptdüne und im östlichen Teil verlaufen parallel zum Elchdamm zwei Strichdünen, die durch einen hohlwegartigen künstlichen Einschnitt voneinander getrennt sind. Die Mächtigkeit der Dünensande reicht von wenigen Dezimetern bis etwa 20 m.

Im Vergleich zu anderen Dünenstandorten ist der Gehalt des in den Baumbergen angelagerten Flugsandes an CaCO3 hervorzuheben. Der Kalkanteil des Bodens ist unregelmäßig verteilt und tritt ebenso unregelmäßig an die Oberfläche. Die Zusammensetzung der Vegetation wird somit unterschiedlich beeinflusst.

Eine weitere Besonderheit der Bodenverhältnisse besteht in der Bildung von Tonablagerungen in den Dünentälern. Hierdurch kam es in diesem Gebiet schon vor Beginn der forstwirtschaftlichen Tätigkeit zur Ansiedlung der Buche, die sich hier am südlichen Rand ihres nordostdeutschen Verbreitungsgebietes befindet. Die Dünenbildung war vor etwa 12.000 Jahren weitgehend abgeschlossen, als sich eine geschlossene Pflanzendecke entwickeln konnte, u.a. mit Weiden und Wacholder.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde das Gebiet um Heiligensee im Gegensatz zum angrenzenden Tegeler Forst von Bauern intensiv genutzt : einzelne Abschnitte der inzwischen bewaldeten Flugsanddüne („Baumberge") wurden wiederholt zur Ackerland- oder Teergewinnung gerodet und / oder zur Bau- und Brennholzgewinnung sowie zur Nutzung als Waldweide für Kühe, Schweine, Schafe und Bienen stark ausgelichtet. Laubäste wurden geschnitten und als Viehfutter genutzt, wodurch die natürliche Humusbildung eingeschränkt wurde; der Oberboden blieb nährstoffarm und ohne Wasserhaltekapazität.

Sobald diese Nutzungen eingeschränkt oder aufgegeben wurden, haben sich entstandene Trockenrasen noch über Jahrzehnte mehr oder weniger stabil erhalten können. Durch Nährstoffeintrag über den Luftstickstoff, Laub und Gartenabfälle sowie durch Gehölzanpflanzungen setzte jedoch Verbuschung und erneute Bewaldung ein.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden große Schneisen in den wieder aufgewachsenen Baumbestand gerodet und Sande für Bauzwecke entnommen. Während des 1. und 2. Weltkrieges erfolgten weitere Rodungen und landwirtschaftliche Nutzungen.

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte die Französische Armee das Gebiet als militärisches Übungsgelände; es entstanden erneut große Schneisen in der Vegetation und die Krautschicht wurde flächenhaft zerstört. Seltene Arten wurden auf immer kleinere, inselartige Flächen zurückgedrängt. 1989 wurde der westliche Teil des Gebietes aus der militärischen Nutzung entlassen, 1994 der östliche Teil. Seitdem werden die Baumberge intensiv als Erholungsgebiet genutzt und weisen durch die Düne und die abwechslungsreiche Vegetation einen hohen landschaftlichen Reiz auf.

Heute wechseln sich offene Sandflächen ab mit Pioniergesellschaften, lichten Waldbeständen und Flächen mit Einzelbaumbestand. Vegetationskundlich sind die Baumberge ein Binnendünengebiet mit seltenen Pflanzengesellschaften der Trockenrasen, Wärme liebenden Gebüsch- und Vorwaldgesellschaften.

Die noch im Gebiet vorhandenen großen offenen Sandflächen stellen im Vergleich zu den zumeist inzwischen bewaldeten Dünengebieten Berlins eine Besonderheit dar. Die trockenwarmen, nährstoffarmen Standorte bieten auch heute noch solchen Arten günstige Lebensräume, die mit der ersten nachkaltzeitlichen Erwärmung aus Gebieten Süd- und Osteuropas wieder oder neu eingewandert sind. In Mitteleuropa sind heute lediglich 25

Pflanzenarten diesen extremen Standortbedingungen auf Binnendünen gewachsen. Dabei handelt es sich um verschiedene Gräser, Arten der Sandtrockenrasen, Zwergsträucher und Gebüsche.

Auf den wertvollen Sandtrockenrasen der Baumberge kommen einige kontinentale Pflanzenarten vor, die in Berlin ihren westlichsten Vorposten besitzen. Zu nennen ist vor allem Grünblütiges Leimkraut (Silene chlorantha), Wiesen-Küchenschelle (Pulsatilla pratensis nigricans), Blauschillergras (Koeleria glauca), Dünen-Schwingel (Festuca polesiaca), Graue Skabiose (Scabiosa canescens) und Astlose Graslilie (Anthericum liliago).

Für den floristischen Artenschutz handelt es sich damit um ein überregionales Schwerpunktgebiet.