Gastronomie

Häufig fehlen an diesen Straßen Querungshilfen oder die Querungen sind unzureichend gestaltet. Zudem mangelt es an einer attraktiven Verknüpfung der Fuß- und der Radverkehrswege. Die höchsten Verkehrslasten weisen die Stromstraße und die Beusselstraße auf, die mit 40.000 45.000 bzw. 25.000-30.000 Kfz/Tag in Nord-Süd-Richtung verlaufende Barrieren darstellen.

Umwelt und Natur

Die Lärmbelastung und Schadstoffemissionen der Hauptverkehrsstraßen wirkt sich negativ auf die Aufenthaltsqualität insbesondere in der zentralen, westlichen Geschäftsstraße (Turmstraße), Straße Alt-Moabit Moabit und auf die Wohnqualität im Untersuchungsgebiet aus.

Technische Infrastruktur

Das Gebiet ist flächendeckend mit allen wesentlichen Medien versorgt. Im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange wurden keine besonderen Problemsituationen im Gebiet benannt.

2. Ergebnisse der Stärken-/Schwächenanalyse

Die mit der Situationsanalyse (unter 1) beschriebenen, vorgefundenen Sachlagen werden hier ressortübergreifend zusammengefasst und den wesentlichen Stärken und Schwächen zugeordnet.

Stärken Wesentliche Potenziale des Gebietes liegen in den größeren, zusammenhängenden, zentralen Grünflächen des Kleinen Tiergartens und Ottoparks sowie den städtebaulich markanten Gebäuden, der historischen Arminiusmarkthalle, Galerie Turmstraße (Turmstraße 75), Heilandskirche und der Schinkelschen St. Johannis Kirche, die der Turmstraße und ihrem Umfeld im Vergleich zu anderen Stadtteilzentren eine individuelle Eigenart verleihen. Ihre Betonung bzw. Gestaltung kann der künftigen Gebietsentwicklung dienen.

Ein weiteres wichtiges Potenzial stellen untergenutzte Grundstücke und bestehende Infrastrukturstandorte (Gesundheitszentrum Moabit, Kultur- und Bildungsstandort Turmstraße 75) dar. Die Qualifizierung und Entwicklung dieser Standorte kann einen wesentlichen Beitrag zur erforderlichen Stärkung der Zentrumsfunktion leisten.

Die deutlich stabilere soziale Situation und höhere Kaufkraft in den Quartieren südlich der Straße Alt-Moabit eröffnet die Möglichkeit, bei einer Orientierung auf das Stadtteilzentrum Turmstraße eine positive Entwicklung der Geschäftsstraße einzuleiten und den Segregationstendenzen entgegenzuwirken. Auch unter dieser Zielsetzung besitzt die Entwicklung der zentralen Grün- und Platzflächen - als Bindeglied zwischen den Quartieren - eine wesentliche Bedeutung.

Potenziale für die Stabilisierung und Entwicklung der Turmstraße als Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort liegen in dem hohen Anteil der ethnisch geprägten Unternehmen (insbesondere im Bereich der Gastronomie), der hohen Anzahl gesundheitsorientierter Einrichtungen und Dienstleistungsangebote und vor allem in der berlinweit bekannten ArminiusMarkthalle. Im Rahmen eines Geschäftsstraßenmanagements können diese Faktoren gemeinsam mit den zentralen Grünanlagen als Alleinstellungsmerkmal der Geschäftsstraße weiter qualifiziert werden.

Nicht zuletzt stellt die hohe Mitwirkungsbereitschaft der Anwohnerinnen und Anwohner und Gewerbetreibenden, die sich in der Wahl einer Stadtteilvertretung mit 33 Mitgliedern dokumentiert hat, ein wichtiges Potenzial dar, eine konsensgetragene, gesteuerte Entwicklung des Gebietes einzuleiten.

Schwächen

Das Untersuchungsgebiet Turmstraße weist erhebliche Funktionsschwächen auf, die sich im fortschreitenden Verlust seiner vielfältigen Nutzungen und der Funktion als Einkaufs-, Versorgungs- und Wohnstandort sowie in seinem zunehmenden Bedeutungsverlust als Zentrum Moabits zeigen.

Die Funktion als Einkaufs- und Versorgungsstandort der Moabiter Insel erfüllt die Turmstraße mittlerweile nur noch unzureichend. Ursachen liegen in den qualitativen und quantitativen Defiziten im Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot, aber auch im Attraktivitätsverlust der Geschäftsstraße durch untergenutzte Grundstücke, durch eine geringe Aufenthaltsqualität aufgrund der Verkehrsbelastung und der auf die Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs zugeschnittene Straßenraumgestaltung mit negativen Folgen für deren Nutzbarkeit für Passanten.

Die für die Versorgung der Wohnfunktion relevanten Einrichtungen der sozialen und kulturellen Infrastruktur wie Schulen, Kitas, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Weiterbildungsund Kultureinrichtungen und öffentliche Sportanlagen sind sanierungs- oder umbaubedürftig.

Das Fehlen von Angeboten wie Kino oder Theater entspricht nicht der Funktion des Gebiets als Zentrum der Moabiter Insel.

Die Grünanlagen weisen Nutzungs- und Gestaltdefizite auf, die sie als Angsträume und Barrieren zwischen den Wohnquartieren wirken lassen. Ihre Gestaltung und unzureichenden Nutzungsangebote schwächen ihre Funktion als zentraler Grünraum Moabits. Auch die Spielplätze im Gebiet und dessen Umfeld weisen quantitative und qualitative Mängel auf und sind in erheblichem Umfang erneuerungs- und ergänzungsbedürftig.

Ein deutliches Zeichen für die fortschreitenden Funktions- und Bedeutungsverluste des Gebiets ist auch das immer stärkere sozio-ökonomische Auseinanderdriften der nördlichen und südlichen Wohnquartiere Moabits. Das Stadtteilzentrum Turmstraße hat in dieser Hinsicht erheblich an Kohäsions-/Bindungskraft verloren.

3. Leitbild und integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept

Leitbild und Entwicklungsziele

Die Turmstraße und ihr Umfeld - soll ein funktionsfähiges und vielfältiges Stadtteilzentrum der Moabiter Insel werden

Das Stadtteilzentrum Turmstraße ist als räumlicher, funktionaler und identitätsstiftender Kern Moabits wiederzugewinnen. Die funktionale Vielfalt der Turmstraße und ihres Umfelds - als Einkaufs und Dienstleistungsstandort, als Wohn- und Unternehmensstandort, als Ort der Versorgung mit sozialer und medizinischer Infrastruktur, mit Kultur- und Freizeitangeboten und als Ort der Kommunikation und der Identifikation mit dem Stadtteil ­ ist zu erhalten, zu stabilisieren und auf Basis der bestehenden Potenziale weiterzuentwickeln. Dabei wird der Unterstützung von Nachbarschaften und des Gemeinwesens sowie der Aktivierung und Einbeziehung der mitwirkungsbereiten Akteure und Akteurinnen eine besondere Rolle beigemessen.

1. Das Stadtteilzentrum Turmstraße wird zu einem funktionsfähigen und attraktiven zentralen Einkaufs- und Versorgungsstandort für den Stadtteil entwickelt. Die gewerbliche Entwicklung wird durch ein Geschäftsstraßenmanagement unterstützt.

2. Die Aufenthaltsqualität in der Turmstraße wird durch Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr, die Schaffung neuer Aufenthalts- und Kommunikationsmöglichkeiten wesentlich gesteigert.

3. Die Parkanlagen des Ottoparks und des Kleinen Tiergartens mit neuen Nutzungsangeboten und qualifizierten Plätzen werden dem Gebiet und dem Stadtteilzentrum einen unverwechselbaren Charakter geben. Ihre Funktion als Mittelpunkt des Gebietes, Ort der Kommunikation und Freizeitgestaltung und als Bindeglied zwischen den Stadtquartieren wird erheblich gestärkt.

4. Die Wohnquartiere an der Turmstraße werden erhalten und stabilisiert und den zu beobachtenden Segregationstendenzen wird entgegengewirkt. Die Aufwertung des Wohnumfeldes (Spielplätze, Straßenräume, Wegeverbindungen, Stadtplätze und Parkanlagen), die Schaffung eines attraktiven Lebensumfeldes (kulturelle Angebote, soziale und medizinische Infrastruktur) und die Verknüpfung der Quartiere über die zentralen Parkanlagen leisten hierzu einen Beitrag.

5. Durch die Gestaltung und Nutzung der denkmalgeschützten und städtebaulich markanten Gebäude werden Identifikationspunkte geschaffen bzw. betont, die zu einem attraktiven Erscheinungsbild der Geschäftsstraße beitragen und die Bindungen der Bewohnerinnen und Bewohner an Ihren Wohnstandort stärken.

6. Die Verwaltung und alle Interessierten aus dem Gebiet mit einer Stadtteilvertretung als Bindeglied agieren miteinander für eine Weiterentwicklung des Stadtteilzentrums Turmstraße. Ein besonderes Instrument der Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren und Akteurinnen ist der Verfügungsfonds des „Aktiven Stadtzentrums", über den private Investitionen zur Entwicklung des Gebiets mit Städtebaufördermitteln unterstützt werden.

Handlungsfelder Aktionsfeld A umfasst die Aktivitäten zur Prozesssteuerung, zur Aktivierung und Beratung der Eigentümer und Eigentümerinnen, zum Geschäftsstraßenmanagement und zur Öffentlichkeitsarbeit sowie kleinteilige Projekte zur Förderung der Image- und Zentrumsentwicklung.

Aktionsfeld B beinhaltet die Maßnahmen zur Aufwertung der Grün- und Freiflächen im Gebiet.

Als Grundlage für diese Maßnahmen wird ein landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb für den Kleinen Tiergarten und Ottopark durchgeführt. Es sind Maßnahmen zur Gestaltung der Parkanlagen Ottopark und Kleiner Tiergarten, die Anlage bzw. bessere Gestaltung von z. T. neuen Plätzen und Wegeverbindungen (Ottoplatz, Stadtplatz Thusneldaallee, NordSüd-Wegeverbindung am U-Bahnhof Turmstraße), die Aufwertung des Zugangs zum Ottopark, die Prüfung einer Durchwegung des Geländes des Gesundheitszentrums Moabit und die Qualifizierung von Spielplätzen vorgesehen.

Im Aktionsfeld C finden sich Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Straßenräume auf Grundlage des Verkehrs- und Gestaltungskonzeptes. Es sollen Maßnahmen zum Umbau der Turmstraße und der Straße Alt-Moabit, zur Aufwertung der Straßenräume im Bereich der Arminius-Markthalle bzw. des neu anzulegenden Stadtplatzes vor der Markthalle und zur Gestaltung der Lübecker Straße durchgeführt werden. Weiterhin sind die Instandsetzung der Straßenräume nördlich der Turmstraße und die Aufwertung der Promenade Waldstraße vorgesehen. Im Aktionsfeld C finden sich zudem Maßnahmen zur Herstellung und Qualifizierung von sicheren Schulwegen, Grün- und Radwegeverbindungen im Gebiet.

Aktionsfeld D umfasst Einzelmaßnahmen im Gebiet, u. a. Sanierungs- und Aufwertungsmaßnahmen an Standorten der sozialen und kulturellen Infrastruktur, zur Revitalisierung der Arminius-Markthalle und zur Konzeptentwicklung für die Nachnutzung der unter- oder ungenutzten Grundstücke.

Beteiligung und Abstimmung Einbeziehung der Öffentlichkeit

Vor Beginn der Vorbereitenden Untersuchungen fanden zwei Mentorenrunden mit einer Auswahl von Geschäftstreibenden der Turmstraße statt (Ende 2008 und Anfang 2009). Eine Werkstatt, die alle Gewerbetreibenden am 10.02.2009 einlud, diente dazu, gemeinsame Ziele und Prioritäten für das Ortsteilzentrum Turmstraße zu erarbeiten.

Zur Vorstellung der ersten Ergebnisse der Vorbereitenden Untersuchungen und der Ziele des Bund-Länderprogramms „Aktive Stadtzentren" fand am 19.10.2009 eine öffentliche Veranstaltung in der Heilandskirche statt. Dazu wurden alle eingeladen, die im Gebiet wohnen und arbeiten, sowie die Eigentümer und Eigentümerinnen von Grundstücken. Anlässlich dieser Veranstaltung wurden Informationstafeln zu Inhalten und Verfahren ausgestellt und eine Stadtteilvertretung gewählt.