Karl-Marx-Straße

Das Stadtbild prägenden Immobilien im zentralen Bereich und die unzureichende Aufenthaltsqualität des Straßenraumes.

Intensive Einkaufsorientierungen auf den Standort Karl-Marx-Straße hat vor allem die Bevölkerung des nördlichen Teils von Neukölln. Dabei wirkt sich die niedrige Kaufkraft in Nordneukölln sich auf den Einkaufsstandort ebenso schwächend aus, wie der Kaufkraftabfluss im Neuköllner Süden.

Die Ausstrahlungskraft des Einkaufsstandorts Karl-Marx-Straße geht von mehreren großflächigen Textilkaufhäusern (u. a. C&A, H&M) im zentralen Bereich sowie vom Shopping Center Neukölln Arcaden aus. Kleinflächige Betriebseinheiten prägen die nördlichen und südlichen Abschnitte der Karl-Marx-Straße und die Nebenlagen.

Es gibt eine große Breite verschiedener Angebote, Branchen und Betriebstypen. Angebote des Niedrigpreissegments dominieren, was sich in einigen Abschnitten der Karl-Marx-Straße im Erscheinungsbild der Läden und ihrer Auslagen widerspiegelt.

Ca. 16 % der Ladenlokale in Erdgeschosslagen im Gesamtgebiet stehen leer. Im interkommunalen Vergleich ist dies eine überdurchschnittliche Leerstandsquote. Der größte Teil der leer stehenden Ladenlokale liegt in Streulagen der Seitenstraßen. Entlang der Karl-MarxStraße und in den direkt angrenzenden Gebäuden der abzweigenden Straßen ist der Leerstand gering bzw. entfaltet keinen akuten Handlungsdruck.

Die künftigen Aktivitäten an der Karl-Marx-Straße müssen in die bezirkliche Zentrenpolitik und -planung eingebettet werden, die auch die Entwicklung der benachbarten Versorgungsbereiche Sonnenallee und Hermannstraße einbezieht. Die Weiterentwicklung des Einzelhandelsangebotes sollte sich auf den Kernbereich der Karl-Marx-Straße konzentrieren und primär den bestehenden Einzelhandel qualitativ ergänzen. Unzureichende Aufenthaltsqualität und die Qualität des Handelsbesatzes beeinflussen sich wechselseitig. Für eine dauerhafte Attraktivitätssteigerung der Karl-Marx-Straße sind wesentliche Veränderungen im städtebaulichen Kontext vorzubereiten; kurzfristige Marketingprojekte allein sind nicht Erfolg versprechend.

Im Untersuchungsgebiet gehören knapp ein Fünftel der Betriebe zum ethnischen Einzelhandel. Die Angebote dieser überwiegend kleinteilig strukturierten Geschäfte sind verstärkt auf die Einkaufsbedürfnisse von Konsumenten mit Migrationshintergrund ausgerichtet und häufig im Niedrigpreissegment angesiedelt. Der Großteil dieser Geschäfte liegt in den Seitenstraßen und im nördlichen und südlichen Teil der Karl-Marx-Straße.

In den Quartieren abseits der Karl-Marx-Straße hat sich in den vergangenen Jahren eine „lokale Ökonomie", insbesondere der Kultur- und Kreativwirtschaft entwickelt. Dieses Zukunftspotenzial ist bisher an der Karl-Marx-Straße kaum wahrnehmbar. Synergien für ein besonderes Angebot und Image des Zentrums sollten herausgearbeitet werden.

Die Karl-Marx-Straße ist ein wichtiger Gesundheitsstandort. Im untersuchten Gebiet haben ca. ein Drittel der 517 im Bezirk Neukölln eingetragenen Ärzte ihren Standort. Diese werden ergänzt durch weitere Einrichtungen des Gesundheitssektors (insgesamt 196 Gesundheitseinrichtungen), mit Konzentration entlang der Karl-Marx-Straße. Auffällig ist eine Abwanderung von Ärzten in Gebiete mit höherer Kaufkraft. Da Gesundheitseinrichtungen haben eine hohe Bedeutung für die Stärkung von Zentren haben, sollten Verbesserungsmaßnahmen diesen Nutzungsbereich berücksichtigen, um eine weitere Abwanderung zu verhindern.

Im untersuchten Gebiet sind 232 Dienstleistungsunternehmen und 43 Büros freier Berufe, mit Konzentration an der Karl-Marx-Straße, tätig. Der Bereich um das Rathaus Neukölln ist bedeutender Verwaltungsstandort.

Soziale und kulturelle Infrastruktur

Das Untersuchungsgebiet, inklusive der angrenzenden Quartiersmanagementgebiete sind mit zahlreichen Einrichtungen der sozialen Infrastruktur ausgestattet, die insgesamt dem hohen Bedarf der Bevölkerung entsprechen, jedoch in Teilen erhebliche Defizite aufweisen.

Spielplätze Auffällig ist eine hohe Unterversorgung bei den öffentlichen und privaten Spielplätzen. Die Bereiche nördlich der Lessinghöhe (Rollbergviertel, angrenzendes Gelände an ehem. KindlBrauerei) sowie östlich der Karl-Marx-Straße zwischen Hermannplatz und Anzengruber Straße sind völlig unzureichend ausgestattet. Lediglich im Bereich Richardplatz und rund um die Lessinghöhe ist die Versorgung gut. Eine Kompensation der Unterversorgung durch Erschließung weiterer öffentlicher Freiflächen ist aufgrund der hohen Baudichte des Gebietes sehr schwierig.

Vier von sechs Spielplätzen sind sanierungsbedürftig. Alle Spielplätze werden intensiv genutzt, mit dem sich daraus ergebenden hohen Pflege- und Instandsetzungsaufwand. Da kein Raum für zusätzliche Spielplätze zur Verfügung steht, sollten Eigentümer und Eigentümerinnen mit geeigneten Höfen motiviert werden zusätzliche Spielangebote für Kinder zu schaffen.

Kindertagesstätten

Von den sieben Kitas weisen vier einen mittleren Erneuerungsbedarf auf. Alle Kitas konzentrieren sich südlich der Werbellinstraße bzw. Ganghofer Straße. Der nördliche Untersuchungsbereich verfügt über keine Kita und hat ein Angebotsdefizit. Auch in einem erweiterten Betrachtungsbereich mit 33 Kitas zeigt sich eine auffallende Konzentration der Kitas südlich der Werbellinstraße/Ganghofer Straße. Insgesamt ist der Versorgungsgrad des Gebietes hoch und in einigen Einrichtungen ist ein leichter Platzüberhang zu verzeichnen. Kapazitäten sind vor allem in den Kitas westlich der Karl-Marx-Straße vorhanden.

Schulen

Im Untersuchungsgebiet liegen die Hermann-Boddin-Grundschule (Boddinstr.50-56), die Albrecht-Dürer-Oberschule (Emser Str.137) und die Albert-Schweitzer-Oberschule (Karl-Marx-Straße14). Bauliche Erweiterungen sind bei allen drei Schulstandorten wünschenswert, lassen sich jedoch aufgrund fehlender Erweiterungsflächen nur bedingt umsetzen. Die Schulen weisen einen mittleren bis hohen Erneuerungsbedarf auf. Das AlbertSchweitzer-Gymnasium ist mit einem hohen und die Hermann-Boddin-Grundschule mit einem mittleren Erneuerungsbedarf eingestuft.

Jugendfreizeit

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Untersuchungsgebiet finden sich zahlreiche Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die vielseitige Angebote bereithalten. Innerhalb des Gebiets liegen keine Jugendfreizeiteinrichtungen.

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit gibt es Bedarf an Jugendsozialarbeit für die älteren Jugendlichen. Die Einrichtungen Outreach/Blueberry Inn, die unmittelbar an das Untersuchungsgebiet angrenzen, benötigen eine Ausweitung ihrer Kapazitäten. Zu prüfen wäre, ob das Grundstück der Karl-Marx-Straße 52 für eine Einrichtung der Familien- und Jugendarbeit genutzt werden könnte. Unterstützungsnotwendigkeiten sind im Einzelnen mit dem Quartiersmanagement und den Einrichtungen zu klären.

Senioreneinrichtungen

Im Untersuchungsgebiet gibt es zwei Seniorenfreizeiteinrichtungen sowie eine weitere im näheren Umfeld. Angaben zum Erneuerungsbedarf liegen für diese Einrichtungen nicht vor.

Kultur

Die Karl-Marx-Straße ist Standort zahlreicher Kultureinrichtungen. Das Angebot reicht von etablierten Kultureinrichtungen über Theater- und Musikcafes, Galerien und Ateliers bis zur Kulturarbeit im Kiez. Die kulturellen Angebote haben ihren Schwerpunkt im so genannten „Kulturdreieck" zwischen Richardstraße, Karl-Marx-Platz/Richardplatz und Karl-Marx-Straße.

Einrichtungen wie die Neuköllner Oper und der Saalbau Neukölln besitzen eine überbezirkliche Ausstrahlungskraft. Neben diesen etablierten Kultureinrichtungen finden sich kleinteilige Kulturangebote auch in den Seitenstraßen der Karl-Marx-Straße. Die kulturelle Ausstrahlungskraft mit internationaler Reichweite wird vor allem das Kulturevent „48 Stunden Neukölln" deutlich. Der Kulturbereich profitiert vom derzeitig günstigen Mietniveau.

Die „Passage" gilt als ein kultureller Leuchtturm. Ihre Wahrnehmbarkeit und Aufenthaltsqualität muss verbessert werden. Für die kulturelle Bedeutung der Karl-Marx-Straße ist es wichtig, die Zukunft des Puppenmuseums zu sichern, alternative Nutzungskonzepte für die Galerie im Saalbau zu finden und das Leitsystem der Helene-Nathan-Bibliothek zu verbessern.

Entwicklungspotenziale wie die ehemalige Kindl-Brauerei und die ehemalige Post sind für die kulturelle Entwicklung und Intensivierung der Ausstrahlungskraft der Karl-Marx-Straße von besonderer Bedeutung.

Grün- und Freiflächen Öffentlichen Grünflächen, Spielplätze und Stadtplätze müssen verbessert werden.

Die beiden Parkanlagen im Untersuchungsgebiet Thomashöhe und Comeniusgarten sind in einem guten Zustand und bieten eine hohe Aufenthaltsqualität. Kleine Grünanlagen wie der Boddinplatz und der Albert-Schweitzer-Platz mit untergeordneter Bedeutung sind hingegen in mittlerer bis geringer Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität. In der Umgebung finden sich weitere Grünanlagen, wie die Lessinghöhe und der Körnerpark. Insgesamt ist die Versorgung mit öffentlichen Grünanlagen unzureichend. Im Untersuchungsgebiet gibt es weder Sportplätze noch Kleingartenanlagen. In der Umgebung befinden sich mit der Hasenheide, dem Tempelhofer Feld, dem Neuköllner Schifffahrtskanal künftige attraktive Grün- und Freiflächen. Der Magdalenen Friedhof und der Bethlehem Friedhof im alten Dorf Rixdorf sowie der St. Jakobi-Kirchof nahe des Hermannplatzes weisen einen hohen Erholungswert auf.

Westlich der Thomashöhe grenzen weitere, große Friedhofsflächen an.

Angesichts der Unterversorgung mit Grün- und Erholungsflächen ist die Vernetzung der verschiedenen Grünräume wichtig. Vor allem ist die Grünverbindung zwischen dem zukünftigen Park auf dem Tempelhofer Feld und dem Neuköllner Schifffahrtskanal von großer Bedeutung. An dieser Achse liegen die großen Friedhöfe, die Thomashöhe und der Richardplatz.

Diese Verbindung sollte sowohl für Radfahrer und Radfahrerinnen als auch für Fußgänger und Fußgängerinnen gestalterisch und nutzungsspezifisch verbessert werden (z. B. gleichartige Baumpflanzungen, aufgelockerte Böschungsbepflanzung, einladende Eingangsbereiche).

Eine weitere Verbindung verläuft von der Biebricher Straße über den Sasarsteig und den Spielplatz Reuterstraße zur Weichselstraße bis zum Neuköllner Schifffahrtskanal. Für die Verbesserung der Nutzbarkeit ist der Eingangsbereich an der Karl-Marx-Straße zu verbessern, die Zuwegung zu sichern Freiflächen an der Reuterstraße einschließlich Sasarsteig qualitativ aufzuwerten.

Die Schulhöfe im Gebiet und in der Umgebung sind überwiegend stark versiegelt. Ihre Gestaltungs- und Aufenthaltsqualitäten sind gering bis mittel.

Die Seitenstraßen zwischen der Sonnenallee und der Herrmannstraße haben weitgehend einen geschlossenen Straßenbaumbestand. An der Karl-Marx-Straße stehen Bäume zwischen Hermannplatz und Neuköllner Rathaus sowie südlich des Karl-Marx-Platzes in häufig sehr kleinen Baumscheiben. Der unbestritten positiven Bedeutung der Straßenbäume ist in Pflege, Ergänzung und Entwicklung stärker Rechnung zu tragen. Folgende Straßenzüge sind dabei einzubeziehen: Fuldastraße, Falkstraße, Donaustraße, Rollbergstraße, Erkstraße, Kienitzer Straße, Richard- und Saltykowstraße.

Im nördlichen Abschnitt der Karl-Marx-Straße dient ein begrüntes Hochbeet als Mittelstreifen.

Es ist in einem unzureichenden Pflegezustand und wirkt wie eine Barriere. Zumindest eine gestalterische Verbesserung ist zu prüfen.

Vor dem denkmalgeschützten Stadtbad Neukölln in der Ganghofer Straße sollte die Eingangssituation durch eine symmetrische Baumpflanzung zu prüfen. Hierzu ist auf der Ostseite eine Ergänzungspflanzung erforderlich.