Der Gewerberaumleerstand konnte verringert und der Anteil an Dienstleistungen konnte insgesamt erhöht werden

Die Bibliothek erhielt ihren Standort im ehemaligen Jüdischen Waisenhaus. Mit Fördermitteln wurden die „Alte Bäckerei" an der Wollankstraße zum Museum umgebaut und die Fassade der denkmalgeschützten Kirche auf dem Anger saniert.

Gewerbe

Das Sanierungsziel „Zentrumsentwicklung" ist für das historische Zentrum Breite und Berliner Straße überwiegend umgesetzt. Mit dieser Entwicklung konnten Einzelhandelsangebotslücken geschlossen werden. Die Fläche des Garbátyplatzes befindet sich in der Realisierungsphase. Dringender Abstimmungs- und Handlungsbedarf besteht nach wie vor für die Fläche der ehemaligen Kaufhalle an der Breite Straße sowie für die östlichen Grundstücke der Berliner Straße, die eine Schlüsselrolle für die Entwicklung der „zweiten Hüfte" der „Geschäftsstraße" spielen.

Der Gewerberaumleerstand konnte verringert und der Anteil an Dienstleistungen konnte insgesamt erhöht werden. Ärzte und Gesundheitsdienstleistungen stellen heute über 10 % des Gewerbeangebotes. Im Bereich zwischen Garbátyplatz und Mühlenstraße hat sich die Florastraße bereits als Nahversorgungszentrum etabliert.

Grün- und Freiflächen

Im Gebiet sind 6 Kinderspielplätze saniert worden bzw. neu entstanden, so dass die Versorgung des Gebietes entsprechend dem Bedarf gesichert ist. Zwei öffentliche Grünanlagen (Bleichröderpark, Paule-Park) wurden neu gestaltet und bieten Spielflächen und grüne Wege zum Zentrum. Der Spielplatz Pestalozzistraße wurde mit einer Grünfläche erweitert. Die großen Parkanlagen (Bürgerpark, Schlosspark) am Rand des Sanierungsgebiets stellen ein zusätzliches Angebot dar.

Verkehr und öffentlicher Straßenraum

Die Florastraße erhielt eine Tempo-30-Zone, wurde in einem Teilabschnitt neu gebaut und bekam einen Pocketpark, der zum Verweilen einlädt. Die Neue Schönholzer Straße wurde umfassend erneuert und ist Teil des Fernradwanderweges Berlin - Usedom. Große Investitionen waren der Umbau der Kreuzungen Breite Straße/Berliner Straße und Breite Straße/Mühlenstraße. Auf der westlichen Angerspitze entstand eine kombinierte Bus- und Tramhaltestelle. Die Breite Straße erhielt beidseitig neue Rad-/Fußwege und der Marktplatz ein Rondell mit Bänken und einer Skulptur. Die Verlängerung der U 2 bis zum S-Bahnhof Pankow verbesserte die ÖPNV-Anbindung. Seit 2009 werden die Wollankstraße und die Berliner Straße umgebaut (Rad-/Fußweg, Stellplätze, Fahrbahn, Tramtrasse). Weitere Maßnahmen zur Verbesserung im öffentlichen Raum konnten mit Städtebaufördermitteln und Mitteln der Beschäftigungsförderung umgesetzt werden.

Soziale Ergebnisse:

Das Gebiet zeichnet sich durch eine stabile Gebietsbevölkerung mit einer hohen Gebietsbindung und durch ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum aus. Der Anteil der Bevölkerung, der bereits vor der förmlichen Festlegung des Sanierungsgebiets im Gebiet lebte, ist mit 19 % hoch. Von den ehemals sanierungsbetroffenen Haushalten sind heute noch etwa 40 % im Gebiet. Hinzu kommt der Zuzug von 800 Haushalten (1.250 Personen seit 2001).

Die Neu-Pankower sind mehrheitlich Familienhaushalte (unter ihnen 16 % selbständige und freischaffende Personen aus der Kreativwirtschaft), die das Gebiet sozial aufwerten und das von jeher vorhandene spezifische Image des Pankower Zentrums als Kunst- und Kulturszenerie bereichern.

Die Modernisierungs- und Neubautätigkeit hat dazu geführt, dass der Wohnungsschlüssel dem im Gebiet vorhandenen Bedarf angepasst wurde. Das Angebot an familien- und generationengerechtem Wohnraum hat sich durch Wohnungszusammenlegungen und Neubauten deutlich verbessert. Das Sanierungsziel der Versorgung von älteren Bewohnerinnen und Bewohnern und Familien wurde erfüllt.

Von Beginn an wirkte die Gebietsbevölkerung aktiv am Sanierungsprozess mit. Das Gebiet zeichnet sich durch ein großes Engagement verschiedenster Akteursgruppen aus. % der sanierten Altbauwohnungen wurden mit umfassender öffentlicher Förderung erneuert. Sie bilden den Anteil von ca. 780 belegungsgebundenen Wohnungen im Gebiet und sind damit ein wichtiges Instrument zur weiteren Bereitstellung von Wohnraum auch für geringer Verdienende. Sozialplanverfahren garantierten die soziale Verträglichkeit von Maßnahmen und milderten soziale Härten.

Die im Sanierungszeitraum unterstützten Netzwerk-Aktivitäten der Bewohnerinnen und Bewohner und Gewerbetreibenden zur Stabilisierung des Gebiets sind auch zukünftig wichtig und verdienen weiterhin Unterstützung.

4. Sanierungsgebiet Prenzlauer Berg-Bötzowstraße

Historische Entwicklung

Das Bötzowviertel mit seinen repräsentativen Jugendstilhäusern entstand im Unterschied zu den anderen Sanierungsgebieten in Prenzlauer Berg erst nach 1900. Grundlage war der Fluchtlinienplan von James Hobrecht aus dem Jahr 1862. Die Wohnbebauung erfolgte jedoch erst 40 Jahre später und nahm an der radial aus der Stadt führenden Greifswalder Straße und der Straße Am Friedrichshain ihren Anfang.

Der bereits damals ausgewiesene Stadtplatz A, heute der Arnswalder Platz, wurde zu einem prägenden Element für das Quartier. Aufgrund der besonderen topographischen Bedingungen, der Barnimer Hangkante, legte um 1850 der Braumeister Lipps einen Bierkeller zur „Aufbewahrung von Bairischem Bier" an. Später entstand an diesem Standort die „Aktienbrauerei Friedrichshain" und auf dem benachbarten Grundstück das Ausflugslokal „Schweizer Garten". Auf dem Gelände der Aktienbrauerei wurde 1890 der „Saalbau Friedrichshain" errichtet. Im hinteren Grundstücksbereich des „Schweizer Gartens" entstand 1892 die zweite Brauerei des Bötzowviertels, die Brauerei Schneider. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße Am Friedrichshain wurde 1848 der große Volkspark Friedrichshain eröffnet.

Die weitere Bebauung des Bötzowviertels erfolgte zumeist mit fünfgeschossigen Wohnhäusern. Auch wurden drei Schulen vom damaligen Stadtbaurat Ludwig Hoffmann errichtet, die heute unter Denkmalschutz stehen. 1908 - 1909 entstand an der Bötzowstraße/ Greifswalder Straße eine Gemeindedoppelschule. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden die Brauereien stillgelegt und die Gebäude für andere Zwecke genutzt. Ende der 1930er Jahre wurde die Aktienbrauerei gesprengt und das Gelände mit den heute noch vorhandenen Wohnblöcken der ehemaligen „Goebbels Heimstätten" und einem Verwaltungsgebäude, das der NSDAP als Kreishaus diente, bebaut. Brüche in der historischen städtebaulichen Struktur waren vor allem in den Randbereichen des Sanierungsgebietes Bötzowstraße zu finden. In den durch Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges entstandenen Baulücken wurden während der DDR-Zeit eine Kaufhalle, ein größerer Spielplatz, aber auch eine Wohnhauszeile in Plattenbauweise errichtet.

Gebietsdaten

Das Gebiet Bötzowstraße wurde im Oktober 1995 als Sanierungsgebiet im umfassenden Verfahren festgelegt (veröffentlicht im GVBl. vom 25.10.1995, S. 711):

Die Einwohnerzahl hat sich seit Beginn der Sanierung um knapp 20 % erhöht.

Durch die Parzellierung des ehemaligen Schweizer Gartens im Zuge der Neubebauung erhöhte sich die Anzahl der Grundstücke um 34 %.