Systems der leistungsbasierten Hochschulfinanzierung

Im Jahr 2010 hat die Laufzeit neuer Hochschulverträge begonnen, in denen das Land die Aufnahme zusätzlicher Studienanfängerinnen und -anfänger und die Einführung eines neuen Systems der leistungsbasierten Hochschulfinanzierung mit den staatlichen Hochschulen vereinbart hat. Sofern die Hochschulen die angestrebten Leistungssteigerungen erreichen, erhalten sie nach diesen Verträgen im Zeitraum bis zum Jahr 2013 zusätzliche Mittel in Höhe von insgesamt 406,7 Mio. Euro, darunter 205,2 Mio. Euro vom Land und 201,5 Mio. Euro vom Bund im Rahmen des Hochschulpakts 2020. Nach mehreren Jahren der strukturellen Konsolidierung im Hochschulbereich und des Abbaus von Personal und Studienplätzen wurde damit im Jahr 2010 eine Trendwende eingeleitet.

Die vorliegenden Berichte der Hochschulen, aber auch die Auswertungen des Statistischen Bundesamtes belegen eindrucksvoll, dass die Hochschulen die neuen Herausforderungen angenommen haben und bestrebt sind, der durch die doppelten Abiturientenjahrgänge und durch die Aussetzung der Wehrpflicht zu erwartenden erhöhten Nachfrage nach zusätzlichen Studienanfängerplätzen gerecht zu werden. Bis zum Jahr 2010 haben die Berliner Vertragshochschulen den im Rahmen des Hochschulpakts 2020 und des Masterplans ­ Ausbildungsoffensive vereinbarten Ausbau von Studierchancen mehr als erfüllt.

Auch das seit vielen Jahren angestrebte bildungspolitische Ziel des Ausbaus der Studienplätze an Fachhochschulen wurde durch die mit dem Land geschlossenen Vereinbarungen zur Umsetzung des Hochschulpaktes, durch den Masterplan sowie durch die Fortführung des Fachhochschulstrukturfonds erfolgreich verfolgt. Der Anteil der Studienanfängerinnen und -anfänger im ersten Fachsemester in grundständigen Studiengängen an Fachhochschulen hat sich von 31 % im Jahre 2005 auf 37 % im Jahr 2010 erhöht. Die Empfehlung des Wissenschaftsrates zum Ausbau des Fachhochschulbereiches ist damit umgesetzt. In den kommenden Jahren gilt es, an allen Hochschulen die zusätzlich angebotenen Studienplätze weiter zu finanzieren und den Anteil der Fachhochschulen am Berliner Lehrangebot zu verstetigen.

Der starke Anstieg der Studierendenzahlen zeigt, dass die Berliner Hochschulen als Studienort für junge Menschen hoch attraktiv sind. Berlin nimmt mehr Studienanfängerinnen und ­anfänger aus anderen Bundesländern auf, als von Berlin in andere Städte gehen. Auch ist Berlin international ein gefragter Studienort. Der Anteil der Studienanfängerinnen und -anfänger an der gleichaltrigen Berliner Bevölkerung ist mit ca. 60 % im Bundesvergleich überdurchschnittlich hoch und wird gegenwärtig nur von den Stadtstaaten Bremen und Hamburg übertroffen. Der Anteil ausländischer Studierender lag im Jahr 2010 mit 16,6 % auf dem bundesweiten Spitzenplatz.

Durch das leistungsbasierte Finanzierungsmodell haben die Hochschulen die Sicherheit, die von ihnen geschaffenen Kapazitäten voll auskömmlich finanziert zu bekommen und eine qualitativ hochwertige Lehre anbieten zu können. Die relativ guten Studienbedingungen und das starke Engagement der Hochschulen in der Lehre führen im Ergebnis zu der bundesweit höchsten Studienerfolgsquote. Der Anteil der erfolgreich bis zum Examen Studierenden beträgt an den Berliner Hochschulen 83,7 %, während der Bundesdurchschnitt nur bei 75,5 % liegt.

Die Veränderungen in der Struktur der Hochschulabschlüsse und Studiengänge zeigen, dass die Umstellung auf das gestufte Studiensystem an den Vertragshochschulen faktisch abgeschlossen ist. Nur noch rund 20 % der Studierenden befanden sich im Jahr 2010 in auslaufenden, ungestuften Studiengängen. Die Hochschulen haben eine Vielzahl und große Vielfalt an Bachelor- und Masterstudiengängen eingerichtet. Mittlerweile gilt es das Augenmerk darauf zu richten, dass einzelne Fächer ihre Angebote nicht überspezialisieren, damit Übergänge zu anderen Hochschulen und zu affinen Fächern möglich bleiben und sich die beruflichen Perspektiven nicht zu stark einengen. Weiterhin setzen die Hochschulen einen Schwerpunkt darauf, ihre Studienangebote stärker auf neue Zielgruppen, insbesondere für beruflich Qualifizierte, auszurichten.

Auch auf dem Gebiet der Forschung zeigt der Fünfjahresvergleich zwischen 2005 und 2010 die enorm positive Entwicklung der Berliner Hochschulen und macht deutlich, dass sie sich den schwierigen finanziellen Bedingungen, vor denen das Land Berlin steht, gestellt haben und dennoch erfolgreich waren. Die Berliner Hochschulen haben ihre in den Kuratorien beschlossenen Strukturpläne aus den Jahren 2001 bis 2003 umgesetzt und die Sparvorgaben bis zum Jahre 2010 erfüllt. Sie konnten trotzdem über mehr finanzielle Mittel verfügen, weil sie sich im Wettbewerb um Drittmittel insbesondere der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Bundes außerordentlich erfolgreich behauptet haben. Innerhalb der letzten fünf Jahre haben sich die Drittmitteleinnahmen insgesamt von 277,9 Mio. Euro auf 524,9 Mio. Euro nahezu verdoppelt. Allein bezogen auf das Volumen des Vorjahres 2009 in Höhe von 439,2 Mio. Euro beträgt die Steigerung 20 %.

In der Exzellenzinitiative waren die Berliner Universitäten sehr erfolgreich. In beiden Runden des Wettbewerbs zusammengenommen haben sie vier Exzellenzcluster und sieben Graduiertenschulen eingeworben. Dabei spielen die Geistes- und Sozialwissenschaften mit zwei Exzellenzclustern und vier Graduiertenschulen im überregionalen Vergleich eine besondere Rolle: Mehr als ein Drittel der Gesamtmittel der Exzellenzinitiative im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften gehen an Berliner Universitäten. Der Freien Universität Berlin ist es als einer von neun Universitäten gelungen, im bundesweiten Exzellenzwettbewerb den Status Exzellenzuniversität zu erreichen. Nach den eingeworbenen Drittmitteln je Professorin bzw. Professor liegen die Berliner Universitäten im bundesweiten Vergleich auf dem zweiten Platz hinter Baden-Württemberg.

Die über den Masterplan ­ Forschungsoffensive und die Einstein-Stiftung zur Verfügung gestellten Landesmittel zur Förderung der Spitzenforschung unterstützen diesen Trend zur erfolgreichen Drittmitteleinwerbung. An den Universitäten liegt der Anteil von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Mittelbau, die nur in der Forschung tätig sind und keine Lehrverpflichtung haben, bereits bei 54 %. Die öffentlichen Mittel, die den Berliner Hochschulen allein über die Deutsche Forschungsgemeinschaft und über Programme des Bundes zur Forschungsförderung zufließen, ohne der Lehre zugute zu kommen, haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt, während gleichzeitig die regulären Zuschüsse des Landes an die Hochschulen stagnieren bzw. zum Teil reduziert werden mussten. Diese Trends entsprechen den bundesweit beobachtbaren Entwicklungen in der Hochschulfinanzierung. Die Hochschulen sehen kritisch, dass mit der zunehmenden Drittmittelfinanzierung die Zunahme befristeter Beschäftigungsverhältnisse und von Teilzeitbeschäftigung verbunden ist. Auch wird die Abhängigkeit der Forschung von der Projektfinanzierung problematisiert.

Ebenfalls herausragend sind die Leistungen der Berliner Vertragshochschulen auf dem Gebiet der Gleichstellung von Frauen und Männern im Wissenschaftssystem. Bei den besetzen Professuren insgesamt haben die Berliner Hochschulen in den zurückliegenden Jahren im bundesweiten Vergleich wiederholt die höchste Frauenquote erreicht. Mit dem Prozentsatz von 26,4 % lagen sie im Jahr 2009 mehr als 6 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt in Höhe von 18 %.

Mit mehr als 31.000 hauptberuflich Beschäftigten und 134.000 Studierenden sind die staatlichen Berliner Hochschulen ein wirtschaftlich bedeutender Faktor in Berlin. Die Kooperation der Hochschulen mit anderen Großforschungseinrichtungen, der Wirtschaft und der Kulturszene in Berlin, aber auch im nationalen und internationalen Rahmen ist ein Motor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes Berlin.

Insgesamt spiegelt dieser Datenbericht die gute Entwicklung des gesamten Berliner Hochschulsystems der letzten fünf Jahre wider, die es fortzuführen gilt.