Auszubildenden

Ist Berufsschulsport nicht gut für Olympia?

Eine Entscheidung über die Änderung der Berufsschulen zu Berufsbildungszentren mit möglicherweise eigener Rechtsform ist nach meiner Kenntnis zwar bisher noch nicht getroffen worden. Entsprechende Verlautbarungen lassen aber erkennen, dass von der zuständigen Behörde eine erweiterte Staatsferne des Berufsschulwesens angestrebt wird. Welches der in der Diskussion befindlichen Modelle auch immer gewählt werden wird, der Einfluss von Handelskammer und Handwerkskammer wird steigen. Es ist davon auszugehen, dass die Kammern ein stärkeres Mitspracherecht auf die Auswahl von Unterrichtsfächern und der Unterrichtsorganisation zugestanden bekommen. Damit ist zu befürchten, dass die bisherigen Einschränkungen des Sportunterrichts an Berufsschulen weiter bestehen bleiben, vielleicht sogar noch erweitert werden. Dies steht vor dem Hintergrund der Olympia-Bewerbung Hamburgs mit der Einführung der dritten Sportstunde an allgemein bildenden Schulen in Widerspruch.

Die zum 31. Juli 2002 ausgelaufene Vereinbarung mit dem Hamburger Sportbund betraf nur die Schulform Berufsschule. Die für diesen Zweck gesperrten Stellen wurden den betroffenen Schulen wieder zur Verfügung gestellt. Damit werden auch die in der KMK-Rahmenvereinbarung festgelegten MindestUnterrichtsvolumina zur Vergabe der Berechtigungen des Realschulabschlusses im Rahmen einer Berufsausbildung in der traditionellen Form erfüllt. Die jetzt wieder in der vorangehenden Form bestehenden Bedarfsgrundlagen (zusätzlich eine Stunde pro Woche bei Teilzeitunterricht, zwei Stunden bei Blockunterricht) können für eine berufsbezogene gesundheitliche und sportliche Förderung der Auszubildenden im Rahmen des Wahlpflichtbereichs verwendet werden. Wie bei allen Fächern des Lernbereichs II entscheidet die Schulkonferenz über Art und Umfang der Verwendung der insgesamt im Lernbereich II zur Verfügung stehenden Stundenvolumina. Die Betonung der Berufsbezogenheit erfordert sehr unterschiedliche Konzepte. Es ist deshalb erforderlich, diese curricularen Fragen im Rahmen der Lernortkooperation berufsspezifisch zu erarbeiten.

In den beruflichen Vollzeit-Bildungsgängen hatte es durch die Vereinbarung mit dem Hamburger Sportbund keine Veränderungen im Unterrichtsangebot gegeben. Grundsätzlich werden je Woche zwei Stunden Sportunterricht gegeben.

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen wie folgt.

1. Welche Bedeutung misst der Senat dem Sportunterricht an Berufsschulen für die geistige und körperliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler bei?

Mit der Berufsausbildung stehen die Jugendlichen in einem neuen Lebensabschnitt, der vielfältige geistige und körperliche Veränderungen mit sich bringt. Kurse im Bereich Gesundheit und Sport sollen vor allem präventiv ­ auch im Sinne lebenslangen Lernens ­ auf die im jeweiligen Beruf typischen Belastungen wirken.

2. Aus welchen Vorschriften ergibt sich, dass nicht nur an allgemein bildenden Schulen, sondern auch an Berufsschulen Sportunterricht gegeben werden soll?

In der Stundentafelverordnung für die Berufsschule wird unter anderem geregelt, wie die Verwendung der in der Stundentafel nur pauschal ausgewiesenen Unterrichtsvolumina des Lernbereiches II zu erfolgen hat.

3. In welchen Ausbildungsgängen an welchen Schulen wurde vor 1997 Sport mit welcher Stundenzahl erteilt und in welchen Ausbildungsgängen wurde Sport mit welcher Begründung gar nicht vorgesehen?

Für die an den Schulen mit den Kurzbezeichnungen G20, H01, H02, H06, H08, H11, H12, H13, H14, H16, H19 und W01 geführten Berufe wurde auch schon vor 1997 an Stelle von Sport verstärkter Fachunterricht gegeben. Auslöser waren insbesondere hohe Abbrecherzahlen, die im Rahmen der Lernortkooperation zu Vereinbarungen über Förderunterricht führten. An den übrigen 30 die Schulform Berufsschule führenden Schulen wurden in der Regel eine Stunde Sportunterricht in der Teilzeitform und zwei Stunden in der Blockform gegeben. In den beruflichen Vollzeit-Schulformen wurden grundsätzlich je Woche zwei Stunden gegeben.

4. Wie entwickelt sich zurzeit der Sport an Berufsschulen, nachdem der Hamburger Sportbund die Vereinbarung im Rahmen des Bündnisses für Ausbildung und Arbeit aus dem Jahre 1997 zwischen ihm, den Kammern und der zuständigen Behörde gekündigt hat?

Welche Bemühungen mit welchem Ergebnis hat der Senat unternommen, um zumindest die Ausgangslage vor Abschluss des Vertrages wieder herzustellen?

Die betroffenen Schulen waren aufgefordert worden, für die wieder zur Verfügung stehende so genannte 12. Stunde Verwendungskonzepte im Rahmen der Lernortkooperation zu erarbeiten und diese in der zuständigen Behörde einzureichen. Etwa die Hälfte der betroffenen Schulen bietet heute schon Kurse für Gesundheit und Sport im Wahlpflichtbereich an. Weniger als 10 Prozent führen nach einem entsprechenden Beschluss der Schulkonferenz verstärkten Fachunterricht (in der Regel Förderunterricht) durch. Die übrigen Schulen befinden sich noch in der Konzeptions- und Genehmigungsphase.

5. Welche Bedeutung misst der Senat im Zeichen der Bewerbung Hamburgs als Austragungsort für die Olympischen Spiele dem Sportunterricht an Berufsschulen bei? Hält er eine derart gravierende unterschiedliche Behandlung des Sportunterrichts zwischen den allgemein bildenden Schulen (Stichwort: Ausweitung mit Einführung der dritten Sportstunde) und den Berufsschulen für die Bewerbung Hamburgs für förderlich?

Die meisten Berufsschulen organisieren den Unterricht als den schulischen Teil der dualen Ausbildung in Blockform, d.h., die Auszubildenden haben jährlich elf bis 13 Wochen Unterricht in der Berufsschule.

Selbst wenn Berufsschülerinnen und -schüler in diesem Zeitraum Kurse in Gesundheit und Sport wählen, so sind sie als junge Menschen, die ihre persönliche Entwicklung zunehmend in Eigenverantwortung gestalten, für den überwiegenden Teil des Jahres auf gesundheitliche und sportliche Aktivitäten außerhalb der Schule, z. B. in Sportvereinen, verwiesen. Schon aus diesen Zahlen wird deutlich, dass Vergleiche mit dem allgemein bildenden Schulwesen nicht sinnvoll sind. Im Übrigen geht die zuständige Behörde davon aus, dass der Erfolg der Bewerbung Hamburgs um die Austragung der Olympischen Spiele von Art und Umfang des Unterrichts in der Berufschule nicht wesentlich beeinflusst wird.