Müllabfuhr zu Hauptverkehrszeiten?

Der Verkehrsfluss wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Einige lassen sich durch konsequente Anwendung der Gesetze und Vorschriften steuern, andere machen es nötig, gewisse Beeinträchtigungen im Straßenverkehr hinzunehmen. Zur zweiten Gruppe gehört die Müllabfuhr, die für die Stadthygiene eine zentrale Rolle spielt. Immer wiederkehrende Beschwerden von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern betreffen die Müllabfuhr auf Hauptverkehrsstraßen während der Hauptverkehrszeiten.

Daher frage ich den Senat.

Auf der Grundlage von Auskünften der Stadtreinigung Hamburg (SRH) beantwortet der Senat die Fragen wie folgt.

1. Welche Parameter bestimmen die Fahrtroutenplanung der Stadtreinigung Hamburg und wie werden sie gewichtet?

2. Wie wird gewährleistet, dass der Verkehr auf den Hauptverkehrsstraßen insbesondere während der Hauptverkehrszeiten möglichst nicht durch Abfuhrfahrzeuge behindert wird?

Zur Abfuhr von Haus- und Biomüll setzt die SRH pro Arbeitstag im Durchschnitt 164 Müllfahrzeuge im Zweischichtsystem in der Zeit von 6 bis 21 Uhr sowie 14 Biomüllfahrzeuge ein. Innerhalb einer Woche sind insgesamt 385278 Tonnenleerungen durchzuführen.

Die Entsorgung von ca. 900000 Haushalten auf 754 km2 Fläche erfordert bei der Sammeltourenplanung und -optimierung eine komplexe Logistik. Die SRH verfolgt dabei das Ziel, die Hauptverkehrsstraßen zu den Hauptverkehrszeiten so weit wie möglich zu meiden. Dieses Ziel konkurriert jedoch mit anderen Planungskriterien, wie z. B. der Verpflichtung der SRH zu einer möglichst kostengünstigen und kundenorientierten Betriebsführung.

Unter diesen Voraussetzungen werden bei der Tourenplanung insbesondere berücksichtigt:

­ Fahrzeugauslastung / Personalauslastung

­ Gleich bleibender Bedarf an Fahrzeugen und Mitarbeitern je Schicht und Werktag

­ Zusammenhängende Sammelgebiete einzelner Kolonnen zur Minimierung unproduktiver Regiewege

­ Abfuhr in Gebieten, in denen die Gefäße durch Dritte (z.B. Hausmeister) herausgestellt werden (Standplätze in Kellern, Hinterhöfen und auf Firmengeländen), während der üblichen Arbeitszeit der Hausmeister in der Frühschicht

­ Bedienung von Gebieten mit zweimal wöchentlicher Entsorgung in gleichen Abständen (Mo/Do oder Di/Fr)

­ Abfuhrzeit im eng bebauten und stark von parkenden Kraftfahrzeugen betroffenen Kerngebiet an den verkehrsärmeren Vormittagen.

Die genannten Kriterien haben im Einzelfall für das jeweilige Stadtgebiet eine unterschiedliche Bedeutung. Eine durchgehende einheitliche Gewichtung ist daher nicht möglich und zweckmäßig.

3. Welche Maßnahmen organisatorischer oder anderer Art hat die Stadtreinigung Hamburg durchgeführt, um eventuell bestehende Verkehrsbehinderungen zu minimieren?

Zur Minimierung von Verkehrsbehinderungen wird bei der Tourenplanung darauf geachtet, die Müllbehälter an den Hauptverkehrsstraßen lediglich auf kurzen Straßenabschnitten zu entleeren und die Müllfahrzeuge nach Möglichkeit wieder in Seitenstraßen abbiegen zu lassen, um so den Verkehrsfluss nur kurzzeitig zu beeinträchtigen. Zusätzlich werden die Müllbehälter zur Verkürzung der Standzeiten der Müllfahrzeuge am Straßenrand bereitgestellt, bevor ein Müllfahrzeug die Straße entlang fährt.