Fördermittel

Abwertung deutscher Minderheiten (etwa von Obdachlosen) oder Islamphobie werden zu zentralen sozialpädagogischen Bearbeitungsgegenständen.

b. Das Erarbeiten von Integrationsoptionen wird als eine entscheidende Maßnahme der Förderung von Distanzierung gegenüber rechtsextremen und menschenfeindlichen Haltungen gesehen, weil so Erfahrungen von Zugehörigkeit, Partizipation und Anerkennung den Versprechungen rechtsextremer Offerten Paroli bieten können.

c. Von hoher Bedeutung ist Beziehungsarbeit sowie im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe die Vermittlung eines Erfahrungsraums, in dem die Plan- und Beeinflussbarkeit der eigenen Lebensbedingungen und die Kompetenzentwicklungen in Richtung auf Reflexivität, Verantwortungsübernahme, Empathie, Impulskontrolle, Kommunikativität u.ä.m. für Integration und Kontrolle empfunden werden kann.

Die Arbeit von VAJA nach Maßgabe dieser Konzeption (Konzept, Praxis und Evaluation seit 2004) wird im Jahr 2008 mit dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis (Kategorie: Praxispreis) ausgezeichnet.

b) Jugendbildungsstätte Die Jugendbildungsstätte hat schon seit vielen Jahren einen Schwerpunkt in der Auseinandersetzung mit Themen wie Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Zu diesen Themen werden regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der Jugendarbeit, aber auch für Polizistinnen und Polizisten oder Lehrerinnen und Lehrer durchgeführt. Gleichzeitig werden zu diesen Themen Kurse und Kulturveranstaltungen für Jugendliche selbst durchgeführt. Das versteht einen Großteil dieser Arbeit mit Jugendlichen als Präventionsmaßnahme gegen autoritäres oder ausgrenzendes Denken. Hierbei stehen dann auch die Lebenswelten und Zukunftsperspektiven von Jugendlichen im Mittelpunkt der Jugendbildungsarbeit.

Im Rahmen der vielfachen Aktivitäten der Jugendbildungsstätte ist eine Fortbildungsveranstaltung erwähnenswert, die sich insbesondere an pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Trägern der Mädchen- und Frauenarbeit richtet. Unter dem Titel Von Freundinnen und Feindinnen: Mädchen und Frauen in der rechten Szene wurde 2007 über die Veränderungen im Rollenverständnis von Frauen und Mädchen in der Rechten Szene berichtet. Gleichzeitig wurden Strategien entwickelt, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Veränderungen in ihrer pädagogischen Praxis berücksichtigen können.

Das hat inzwischen wiederum einen Ausbildungslehrgang für Beraterinnen und Berater in der Aussteigerhilfe gestartet, nachdem 2006 bereits ein solcher Kurs erfolgreich durchgeführt wurde. Hierbei werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Organisationen und Trägern der Jugendarbeit in Bremen und Niedersachsen zu Beraterinnen und Beratern ausgebildet, die in der Lage sind, potentielle Aussteigerinnen und Aussteiger oder deren Angehörige, Freundinnen und Freunde beim Ausstieg aus der rechten Szene zu unterstützen.

2008 hat die Jugendbildungsstätte eine Broschüre gedruckt, in der strategische Schritte aufgezeigt werden, wie gegen Störungen und Beeinträchtigungen von Veranstaltungen durch rechte Gruppierungen oder Einzelpersonen vorgegangen werden kann. Die Broschüre ist mit Fördermitteln des Lokalen Aktionsplans unter dem Titel Wortergreifung der extremen Rechten ­ Erläuterung der Strategie & (rechtliche) Hinweise zur Auseinandersetzung herausgegeben worden.

c) Fanprojekt Bremen e.V.

Die Arbeit des Fan-Projekts Bremen findet auf fünf verschiedenen Ebenen statt. Im Rahmen der aufsuchenden Jugendarbeit begegnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fanprojekts den verschiedenen Fan-Gruppen im Stadion und an deren Treffpunkten, um die Situation der Fans einschätzen zu können, Kontakte zu knüpfen, bei Problemen zu helfen und Angebote zu offerieren.

In der offenen Jugendarbeit werden den Fans verschiedenste Möglichkeiten für eigene Aktivitäten, Freizeitbeschäftigungen und Weiterbildungen angeboten, etwa Reisen, oder Fußballturniere. In diesem Rahmen werden aber auch unterbreitet, wie z. B. der internationale Jugendaustausch mit vergleichbaren Gruppierungen in Israel oder Frankreich. Durch ein Moderationsangebot vermittelt das Fan-Projekt zwischen der Welt der Fans und der Welt der Erwachsenen, wie beispielsweise gegenüber Werder Bremen, der Polizei, den privaten Sicherheitsdiensten und den Medien.

Das Fanprojekt fördert die Eigenverantwortung von Fans bei ihren Aktivitäten als Hilfe zur Selbsthilfe. Hierzu gehören u.a. die Herausgabe einer selbsterstellten Fanzeitschrift, die Durchführung von Kurvenshows, Turniere, Treffen, Veranstaltungen oder auch die Gründung neuer Fanclubs.

Bei der gezielten Einzelfallhilfe, die von den pädagogisch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fanprojekts angeboten wird, finden die Fans mit ihren Sorgen oder Nöten Gehör und werden bei Bedarf auch an entsprechende fachliche Einrichtungen vermittelt. Das Bremer Fanprojekt konnte 2006 sein 25-jähriges Jubiläum feiern. Es gehört zu den ältesten Fanprojekten in Deutschland und war maßgeblich beteiligt an der Gründung der Koordinierungsstelle sämtlicher deutscher Fanprojekte. In der Übersicht der Einzelmaßnahmen sind seine Aktivitäten ausführlich dargestellt. Dort wird beispielsweise über eine Veranstaltung im Herbst 2007 berichtet, die sich speziell mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt hat und an der 100 Jugendliche teilgenommen haben.

d) Stand Up-Festival:

Das Stand-Up-Festival ist eine 2002 gegründete Initiative von Einrichtungen und Projekten der Jugendarbeit und Schulen sowie Jugendinitiativen, die mit diversen Veranstaltungen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt und für Demokratie, Courage und Freiheit setzen wollen. Sie will auf rechtsextreme, menschenfeindliche und ausgrenzende Tendenzen in unserer Gesellschaft aufmerksam machen und ihnen entgegenwirken. Stand Up begreift Partizipation als Basis und profitiert von dem Wissen und dem Engagement interessierter Jugendlicher. Neben der Einbindung in die inhaltliche Vorbereitung gestalten die Jugendlichen auch das kulturelle Rahmenprogramm alljährlich aktiv mit und bieten dieses als Plattform für andere interessierte Jugendliche.

e) Express Yourself

Das Festival Express Yourself im Bremer Ostertor fand im Jahr 2005 mit Beteiligung einer rechtsextrem orientierten Clique statt. Diese Gruppe wurde begleitet von einem Projektteam von VAJA. Während der Präsentation kam es zu Begegnungen mit anderen Szenen und Cliquen. Obwohl ihre Beteiligung umstritten war, konnte sich die rechtsextreme Clique produktiv zeigen und lernte, anhand der Konfrontation Vorurteile und Barrie26 ren gegenüber Andersdenkenden abzubauen. Nebenbei erfuhren die Jugendlichen durch die Wertschätzung der Zuschauer und Gäste Anerkennung und Respekt.

f) Bündnis Rote Karte gegen Rechts ­ Bunte Karte für Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit

Mit der Roten und Bunten Karte will das Bündnis ein Mittel zur Verfügung stellen, das insbesondere jungen Leuten Impulse geben kann, ihre eigenen Vorstellungen von Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit zu artikulieren. Im Bündnis kooperieren u.a. das VAJA, Fanprojekt Bremen sowie das Jugendhaus Buchte. Speziell für VAJA bieten die Karten mit den plakativen Motiven aber noch mehr: Sie sorgen immer wieder für Konfrontation mit dem Thema Rechtsextremismus, gerade bei den rechtsorientierten Jugendlichen. Die Erfahrungen zeigen, wie wichtig eine solch kleine Aussage auf einer Postkarte sein kann, um mit Jugendlichen in ein Gespräch zu kommen. Nicht zuletzt, da über das Schildern der jeweiligen Einstellung immer auch ein Reflexionsprozess initiiert wird.

g) Pro.Meile Projekt

Seit Ende 2006 führt VAJA auf der sog. Discomeile in Bremen das Projekt Pro.Meile durch. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten sich an 2 Wochenendnächten insbesondere Jugendlichen als Ansprechpartner an. Als Anlaufpunkt dient ein mobiler Wohnwagen, in dem bei Bedarf Beratungsgespräche durchgeführt werden können. Das Projekt erhielt in der Öffentlichkeit eine große Aufmerksamkeit, insbesondere auch weil es der Gewaltprävention dient. Aber auch im Bereich Rechtsextremismus verdient dieses Projekt Erwähnung, denn auf der Meile befindet sich ein stadtbekannter Treffpunkt rechtsextremer Personen. Außerdem hat es in der Vergangenheit auch Probleme mit Türstehern gegeben, die nachweisbar über Verbindungen zu rechtsextremistisch eingestellten Gruppierungen verfügen. Die finanzielle Absicherung des Projekts geschieht aus Mitteln des Amtes für Soziale Dienste sowie voraussichtlich aus Sponsormitteln der Diskothekenbetreiber auf der Meile.

h) Virtuelle Plattform www.jugendinfo-gegen-rechts.de

Mit finanzieller Unterstützung der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales aus dem Bereich Modellmaßnahmen des Kinder- und Jugendschutzes hat das Jugendinformation Ende 2006 die virtuelle landesweite Plattform geschaffen. Die Seite richtet sich an Jugendliche und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Jugendarbeit, aber auch an Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen, Lehrer und Eltern. Sie informiert über aktuelle Entwicklungen im Bereich des Rechtsextremismus im Land Bremen, aber auch über Aktivitäten gegen solche Entwicklungen, wie Festivals oder Diskussionsforen. Bei der Erstellung dieses virtuellen Angebots sind Jugendliche aktiv beteiligt gewesen.

Weitere Maßnahmen in der Stadtgemeinde Bremerhaven im Bereich Soziales: Engagierte Arbeit gegen angstschürende Fremdenfeindlichkeit, Vorurteilsbildung und Verbreitung antidemokratischer, rechtsextremer Weltanschauungen sind ständige Herausforderungen für ehren-, hauptamtliche und nebenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der verbandlichen und öffentlichen Jugendarbeit.