Zentralabitur: Ergebnisse in Biologie

Der Schulausschuss fasste in seiner Sitzung am 24. Mai 2005 einstimmig den Beschluss, eine Selbstbefassung gemäß § 53 Abs. 2 GO zum Thema „Zentralabitur: Ergebnisse in Biologie" durchzuführen. Diese fand in den Sitzungen am 24. Mai 2005 und am 1. November 2005 statt.

II. Beratungsinhalt:

Die SPD-Abgeordneten trugen vor, dass es Pressemeldungen zufolge Probleme beim Zentralabitur im Fach Biologie gegeben habe und die Schülerinnen und Schüler die fehlenden Auswahlmöglichkeiten beklagt hätten. Die SPD-Abgeordneten fragten nach den Gründen für die Wahleinschränkung sowie für die Änderung der Korrekturanweisung, von der sie gehört hätten. Außerdem wollten sie wissen, ob die Änderung der Korrekturanweisung Auswirkungen auf die Gutachten gehabt habe.

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter hielten einleitend fest, dass dieses erste Zentralabitur eine erfreuliche Zustimmung erfahren habe. Die Schulen hätten bestätigt, dass ihre Befürchtungen nicht eingetreten seien. In Biologie habe es aufgrund der Aufgabenstellung in einem der drei Aufgabenbereiche für die Biologie-Leistungskurse an wenigen Standorten Irritationen gegeben. Nur zwei von über hundert beteiligten Lehrern hätten am Prüfungsmorgen Rückfragen gehabt und Kritik geäußert. Als problematisch seien allerdings von 18 Lehrerinnen und Lehrern die Erwartungshorizonte beurteilt worden. Darauf habe die BBS durch den Hinweis reagiert, dass jeder Erstkorrektor es dem Zweitkorrektor mitteilen solle, wenn er Abweichungen zwischen dem Erwartungshorizont und den unterrichtlichen Voraussetzungen festgestellt habe.

Außerdem hätten sie die Korrekturzeit für die Erstkorrektoren verlängert, wovon aber nur vier Schulen Gebrauch gemacht hätten. Hinsichtlich der Auswahlmöglichkeiten erläuterten sie, dass diese in dem gesamten mathematisch-naturwissenschaftlich Teil fehlten und dies den Schülerinnen und Schülern schon im vorhinein bekannt sei. Ein Grund liege z. B. in Mathematik darin, dass schon Teilrechnungen durchgeführt werden müssten, um überhaupt eine Auswahl treffen zu können. Ihrer Meinung nach könne man nicht sagen, dass die Biologieanforderungen im Vergleich mit anderen Fächern besonders hoch gewesen seien. Die Schwerpunktthemen seien vor zwei Jahren bekannt gegeben und die Anforderungen im Einklang mit den geltenden Vorschriften formuliert worden. Sie betonten, dass weder die Hinweise aus den Schulen während der Korrekturphase Besorgnis erregend noch die Endergebnisse im Vergleich zu der Zeit vor Einführung des Zentralabiturs schlechter ausgefallen seien.

Die Presse habe die Vorgänge unzutreffenderweise so dargestellt, als habe es sich insgesamt um ein großes Problem mit hektischen Reaktionen der BBS gehandelt. Sie sähen keinen Anlass für die Aussage, dass Schülerinnen und Schüler benachteiligt und in ihren Chancen beschnitten worden seien.

Der Bitte der SPD-Abgeordneten, das Antwortschreiben auf die in der Presse erwähnte Beschwerde einer Schülerin zu Protokoll zu bekommen, wollten die Senatsvertreterinnen und -vertreter entsprechen, wenn ­ wie zu prüfen sei ­ keine Bedenken wegen des Briefgeheimnisses bestünden (siehe Anlage).

Die CDU-Abgeordneten würdigten abschließend die problemlose Durchführung des ersten Zentralabiturs als eine besondere Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung.

Im Nachgang zu der Beratung am 24. Mai 2005 hatte der Vorsitzende signalisiert, dass das Thema nach Vorliegen aller Ergebnisse des Zentralabiturs noch einmal aufgegriffen werden könne. In der Sitzung am 1. November 2005 kam der Ausschuss überein, dass zu dem Thema gegenwärtig kein weiterer Beratungsbedarf bestehe.

III. Ausschussempfehlung:

Der Schulausschuss empfiehlt der Bürgerschaft einstimmig, den vorstehenden Bericht zur Kenntnis zu nehmen.

Britta Ernst, Berichterstatterin Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg ­ 18. Mit Interesse habe ich die Fragen in Ihrem erfreulich sachlichen Schreiben wahrgenommen. Sie sind zusammen mit weiteren Fragen von den zuständigen Fachleuten geprüft und erörtert worden. Wie Sie vielleicht wissen, läuft eine umfassende Evaluation dieses ersten Durchganges. Erste Ergebnisse werden demnächst vorliegen.

Hier ein kurzer Zwischenstand zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen:

a) Keine freie Wahl der Aufgaben:

In allen Fächern des 3. Aufgabenfeldes haben die Schülerinnen und Schüler keine Auswahlmöglichkeit unter den Aufgabenstellungen, alle vorgelegten Aufgaben müssen bearbeitet werden. Dennoch gibt es auch in diesen Fächern eine Auswahl unter den verschiedenen Aufgabenstellungen, nur wird sie nicht von den Prüflingen sondern im Falle von zentralen gestellten Aufgaben durch die jeweilige Fachkraft, bei dezentral gestellten Aufgaben von der zuständigen Schulaufsicht getroffen.

Dies ist auch bisher so gewesen und unterscheidet sich ­ wie Sie zutreffend bemerken ­ von den Fächern des 1. und 2. Aufgabenfeldes, in dem die Schülerinnen und Schüler aus zwei bzw. drei Aufgabenstellungen auswählen können.

Der Unterschied erklärt sich aus den unterschiedlichen Anforderungen bei der Auswahl von Aufgabenstellungen in den verschiedenen Fächern. Am deutlichsten kann dies am Fach Mathematik erläutert werden:

Eine begründete Auswahl der Aufgaben durch den Prüfling würde ein „Antesten" aller Aufgaben erfordern, teilweise mit umfangreichen Rechnungen, das in einer zumutbaren Vorphase vor Arbeitsbeginn nicht angemessen zu leisten ist (nach Vereinbarung der Kultusministerkonferenz maximal 30 Minuten). Für die drei Naturwissenschaften wird dieses ähnlich wie für Mathematik gesehen. Ob zukünftig für Biologie eine andere Regelung gefunden werden kann, wird erneut geprüft werden.

b) Differierende Auflagen für die Fächer

Für alle Fächer gilt die Vorschrift der Richtlinien über die Aufgabenstellung und Bewertung der Leistungen in der Abiturprüfung: "Die Prüfungsaufgabe, die die einzelne Abiturientin bzw. der einzelne Abiturient zur Bearbeitung erhält, ist so gestellt, dass sie nicht nur den Unterricht eines Halbjahres berücksichtigt." Die Prüflinge können sich deshalb keineswegs nur auf ein Semesterthema vorbereiten. Da sie nicht wissen, aus welchem Semester ihnen Aufgaben vorgelegt werden, müssen sie sich ­ wie in Mathematik und den Naturwissenschaften ­ auf alle drei Semesterthemen bzw. Semesterschwerpunktthemen vorbereiten. Im Übrigen gehen die Meinungen darüber auseinander, ob ein Schüler, der drei Aufgaben zu bearbeiten hat, nicht besser gestellt ist als ein Schüler, der nur eine Aufgabe zu bearbeiten hat ­ mit dem Risiko, mit dieser nicht zurecht zu kommen.

Auch beim Abitur mit zentral gestellten Aufgaben kann nur Vergleichbares verglichen werden, also alle Leistungen in Biologie untereinander aber nicht Biologie- mit Deutscharbeiten.

c) Zukunftsorientierter Unterricht

Die Genetik-Aufgaben und ihre Bewertung haben unter den Fachlehrern Diskussion ausgelöst.

Dies betrifft einmal die inhaltliche Seite. Hier wird in der Hamburger Lehrerschaft sehr unterschiedlich Stellung genommen. Keinesfalls kann die Diskussion auf ein „zukunftsorientiert" versus „tradiert" oder gar „überholt" fokussiert werden. Dieses ist nicht der Schwerpunkt der Kritik.

Es betrifft zum anderen Bewertungsfragen. Hier sind Freiräume zur Berücksichtigung der jeweiligen unterrichtlichen Voraussetzungen eröffnet worden.

Die bisherigen Rückmeldungen über den Ausfall der Arbeiten lassen kein stadtweites Problem erkennen. Eine genauere Überprüfung im Rahmen der Evaluation des neuen Verfahrens ist in Arbeit.

Zentral gestellte Aufgaben haben ihren Vorlauf durch Bildungspläne, Festlegung von Schwerpunktsthemen, Musteraufgaben, Verständigung auf Operatoren, die den Lehrkräften sowie den Schülerinnen und Schülern rechtzeitig bekannt gegeben werden.

Auf dieser Grundlage werden Erwartungshorizonte als Grundlage für die Bewertung formuliert. Individuelle Erwartungshorizonte sind in den Fächern mit zentraler Aufgabenstellung nicht zulässig („Ausbildungs- und Prüfungsordnung zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife ­APO-AH - Änderung vom 6.12.04).

Die besonderen Aspekte des vorausgegangenen Unterrichts finden Berücksichtigung in der Korrektur und in dem Gutachten des jeweiligen Kurslehrers bzw. der Kurslehrerin (Erstkorrektur). Sollten erhebliche Differenzen bei der Zeitkorrektur auftreten, kann durch den Drittkorrektor die Leistungsbewertung des Erstkorrektors bestätigt werden ­ oder auch nicht.

Bei diesem Vorgehen haben die Fachlehrkräfte die „Möglichkeit für kurs- und unterrichtsangemessene Leistungsbewertung", wie Sie es in Ihrem Schreiben fordern.

Ich hoffe, dass sich für Sie und Ihre Mitschüler und Mitschülerinnen im weiteren Verlauf des Semesters ihre Enttäuschung und Frustration, von der Sie in Ihrem Schreiben berichtet haben, wieder gelegt haben.

Mit freundlichen Grüßen Alexandra Dinges-Dierig.