Situation des „Team Hamburg" des Hamburger Sportbundes

I. Vorbemerkungen:

Der Sportausschuss beschloss in seiner Sitzung am 21. September 2006 einstimmig die Selbstbefassung nach § 53 Abs. 2 der Geschäftsordnung. In gleicher Sitzung führte der Ausschuss die Beratung durch und hörte dazu nach § 58 Abs. 2 der Geschäftsordnung zwei Auskunftspersonen an.

II. Beratungsinhalt:

Der Ausschussvorsitzende begrüßte Herrn Lehnert von Hamburger Sportbund und Frau Unkelbach vom Olympiastützpunkt Hamburg und Schleswig-Holstein als Auskunftspersonen.

Die CDU-Abgeordneten führten aus, dass ihre Fraktion ­ auch vor dem Hintergrund einer Neubesetzung des Präsidiums des Hamburger Sportbundes (HSB) ­ ein verstärktes Interesse habe, über die Situation des Leistungssports, des Team Hamburgs beim HSB und Näheres zum Olympiastützpunkt Hamburg und Schleswig-Holstein (OSP) zu erfahren. Wie funktioniere die Zusammenarbeit zwischen HSB und OSP bezüglich des Team Hamburg aktuell?

Das Team Hamburg existiere seit dem 6. Februar 2001 beim HSB, so Herr Lehnert, man habe damals dafür mit dem Ziel der Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Leistungssport ein Förderprogramm aufgesetzt. Beim Team Hamburg trainierten 27 Spitzensportler, 18 A-Kader und neun B-Kader, der vom HSB und der Stiftung Leistungssport finanzierte Etat belaufe sich auf 56 Tsd. Euro. Die Vereinbarungen mit den Team-Mitgliedern beträfen die Arbeit am Image und Bekanntheitsgrad des Team Hamburg und es ginge dabei auch darum, entsprechende Vermarktungsmöglichkeiten zu erschließen. Diese angesprochenen Vereinbarungen stünden zurzeit in einer aktuellen Diskussion, ein Maßnahmenkatalog solle dazu erarbeitet werden. Es würden momentan ­ auch im Zusammenhang mit der Kooperation mit dem OSP ­ strukturelle Überlegungen zu den Zuständigkeiten und Betreuungssituationen im Team Hamburg getätigt, man gehe hier von einem Klärungs- und Verbesserungsbedarf aus. Das Team Hamburg stehe in einer Gesamtsituation des Leistungssports in Hamburg, die einer Klärung innerhalb der beteiligten Institutionen HSB, OSP, der Handelskammer und der Behörde für Bildung und Sport bedürfe.

Die GAL-Abgeordneten fragten nach, ob es abgegrenzte Förderzeiträume beim Team Hamburg gebe, wie sei die Geschlechterverteilung innerhalb des Teams, welche Sportarten seien vertreten, wovon hänge der Eintritt in das Team ab und wer treffe hierzu die Entscheidung. Der zur Verfügung stehende Etat über 56 Tsd. Euro jährlich erscheine recht gering, wie laufe hierfür das Bewilligungsverfahren? Die SPD-Abgeordneten ergänzten den Fragenkomplex mit der Bitte um Erläuterung zur Kooperation mit dem OSP. Herr Lehnert beschrieb den Förderzeitraum mit sechs Monaten, die olympischen Fachverbände machten Vorschläge zur Besetzung des Team Hamburg, eine Arbeitsgruppe des Landesausschusses Leistungssport gebe anhand der Vorschläge eine Empfehlung ab. Aufnahmekriterium sei die Mitgliedschaft in einem nationalen Kader und die Startberechtigung bei einem Hamburger Verein. Die monatliche leistungssportbezogene Zuwendung pro Sportler betrage 200 Euro für A-Kader Mitglieder, 100 Euro für B- und C-Kader Mitglieder. Hockey sei zurzeit mit zehn Mitgliedern beim Team Hamburg vertreten, Rudern mit sieben Sportlern, Radsport, Schwimmen, Segeln, Volleyball und Beach-Volleyball seien weitere vertretene Sportarten. 17 Männer und zehn Frauen würden beim Team Hamburg aktuell gefördert, 18 davon seien im A- und neun im B-Kader angesiedelt. Der HSB erledige die Verwaltungsaufgaben für das Team Hamburg, die fachliche und sportliche Betreuung liege beim OSP. Frau Unkelbach betonte die enge Zusammenarbeit zwischen den erwähnten Institutionen, beim OSP existiere ein sehr guter Überblick über die Situation der A-, B- und C-Kader der olympischen Sportarten in Hamburg. Man strebe durch eine Öffentlichkeitskampagne für den OSP an, die Athleten mit dem Ziel einer Leistungssteigerung verstärkt an den OSP zu binden.

Warum gebe es zurzeit keine Sportler im C-Kader, so die Nachfrage der CDU-Abgeordneten, und wie seien die finanziellen Förderanteile beim HSB und bei der Stiftung Leistungssport verteilt? Warum existiere keine engere Verzahnung zwischen dem HSB und dem OSP?

Es gebe keine Unterstützung für C-Kader Mitglieder, da die Fördermittel so begrenzt seien. Der HSB halte einen Anteil von 25 600 Euro und die Stiftung Leistungssport einen Anteil von 30 400 Euro an den jährlichen Fördermitteln. Eine engere Zusammenarbeit mit dem OSP hielte der HSB für sinnvoll, historisch habe der HSB aber das Fördersystem aufgebaut und möchte seine Vorstellungen weiterhin in das Team Hamburg einbringen. Eine sportliche Betreuung durch den OSP sei auf jeden Fall optimal.

Die CDU-Abgeordneten hinterfragten die aktuellen Überlegungen des HSB zu einer strategischen Neuausrichtung, welche konkreten Vorstellungen existierten hier, gebe es hier zwischen dem HSB und dem OSP verschiedene Ansätze. Sei es möglicherweise sinnvoll, dem HSB die Nachwuchsförderung aus dem großen Pool des Breitensports, dem OSP komplett die Betreuung der A-, B- und C-Kader zu überlassen?

Die SPD-Abgeordneten fragten ergänzend nach den Empfehlungen des Ausschusses Leistungssport, denn tatsächlich halte der HSB die Verantwortung für den gesamten Bereich des Breitensports und man könne es als Widerspruch begreifen, wenn der HSB sich nicht in der Lage sähe, die Kompetenz für das Team Hamburg sinnvoll zu organisieren.

Das Präsidium des HSB habe in seiner strategischen Zielplanung klar festgelegt, die Rahmenbedingungen für den Leistungssport in Hamburg zu verbessern, so Herr Lehnert. Diese Grundsatzaussage beziehe sich auch auf das bestehende Fördersystem für das Team Hamburg, man werde Verbesserungen vornehmen, aber gleichzeitig seinen sportpolitischen Anspruch nicht aufgeben.

Die CDU-Fraktion begrüßten den strategischen Standpunkt des HSB, trotzdem sei es für die Sportstadt Hamburg möglicherweise sinnvoll, dieses hier diskutierte Segment des Spitzensports in die Betreuung des OSP zu geben. Könne man sich nicht ein so genanntes Nachwuchsteam Hamburg beim HSB, also eine Rekrutierungsstelle aus dem Breitensport, mit einem gleitenden Übergang zum Team Hamburg beim OSP vorstellen? Dies bedeute keine Trennung, sondern eine kooperative Ergänzung beider Institutionen.

Dieser Vorschlag entspreche nicht der aktuellen sportpolitischen Position des HSB, so die Aussage von Herrn Lehnert.

Wie seien die Marketingstrategien des Team Hamburg für die Sportstadt Hamburg gestaltet, so der Erläuterungsbedarf der GAL-Abgeordneten. Gebe es hier eine Zusammenarbeit mit der Handelskammer und der Stiftung Leistungssport? Und sei es möglicherweise sinnvoll, das Team um weitere Mitglieder, die zunächst keine finanzielle Förderung erhielten, zu ergänzen?

Die Teammitglieder würden bei Aufnahme in das Team Hamburg verpflichtet, an entsprechenden PR- und Marketingmaßnahmen teilzunehmen, so Herr Lehnert. Nachhaltige Präsentationen an die Öffentlichkeit seien geplant, um den Bekanntheitsgrad des Teams in der Stadt zu steigern, denn dadurch würden verbesserte Vermarktungsund eine Sponsorenmöglichkeiten geschaffen. Das Sportamt und die Handelskammer seien an diesen Überlegungen beteiligt und man sei dabei zu der Auffassung gelangt, dass es eines koordinierten Vorgehens bedürfe, um sinnvolle Marketingstrukturen aufzubauen. Aktionen einzelner Institutionen oder Sportarten würde man für nicht sinnvoll erachten. Die Förderung von Spitzensportlern durch das Team Hamburg habe die ursprüngliche Idee verfolgt, die Sportler dadurch verstärkt an Hamburg zu binden, allerdings sei die Fördersumme im Vergleich zu anderen Bundesländern eher gering.

Ob der Umstand, Mitglied des Team Hamburgs zu sein, einen eigenen Wert darstelle, dürfe bezweifelt werden.

Die SPD-Abgeordneten fragten nach, warum das Team Hamburg in der Vergangenheit nicht stärker vermerktet worden sei. Habe es diesbezüglich Bemühungen mit welcher Wirkung gegeben?

Gezielte Marketing- und Vermarktungsfragen seien in der Vergangenheit nicht bearbeitet worden, so Herr Lehnert, der Focus beim HSB richte sich erst kürzlich verstärkt darauf.

Frau Unkelbach verwies auf die bürgerschaftliche Drucksache zum OSP und betonte, dass sich die Stadt Hamburg verstärkt in den Bereich des olympischen Spitzensports einbringen müsse. Man halte die Entwicklung des Teams Hamburg für nicht optimal, denn man stehe als OSP Hamburg in Konkurrenz zu anderen Standorten und müsse den Standort Hamburg den Spitzensportlern immer wieder begründen. Die Aktionen des HSB für das Team Hamburg halte man für ungenügend, dazu gehörten die Aspekte Teambildung und Öffentlichwirksamkeit. Deshalb habe man dem HSB den Vorschlag gemacht, das Team Hamburg an den OSP zu übergeben, die Beschlussfassung im Landesausschuss Leistungssport korrespondiere damit. Der HSB stimme dem aber nicht zu, vielmehr wolle der HSB sich bezüglich des Team Hamburg neu und optimaler organisieren. Dies erhoffe man dringend, denn das Team Hamburg ­ aktuell umbenannt in Team Peking 2008 ­ brauche mit seinen 27 Mitgliedern dringend eine verbesserte, vor allem finanzielle Unterstützung. Sonst würden weitere Mitglieder aufgrund besserer Angebot abwandern.

Werde der Förderbetrag jährlich neu ausgehandelt, so die Nachfrage der SPD-Abgeordneten, und warum beteilige sich die Stadt Hamburg nicht an der finanziellen Förderung. Und wie viele Sportler würden für das Team Hamburg als Bewerber genannt?

Der jährliche Förderbetrag und die individuelle Förderhöhe blieben konstant, so die Aussage von Herrn Lehnert, und man habe etwa eine doppelte Nennung von Bewerbungen für das Team Hamburg. Die Leistungspalette dieser Nennungen sei sehr breit, man müsse eine sorgfältige Auswahl vornehmen.