Studiengang

Die CDU-Abgeordneten meinten, aus Studentenkreisen gehört zu haben, dass die Zuweisung von Studienplätzen in der zurückliegenden Zeit in Hamburg zügig und gut koordiniert funktioniert habe, auf jeden Fall besser, als in anderen Bundesländern.

Durch die Reformierung der ZVS in Richtung einer Informationsaustauschstelle wäre es sinnvoll, statt wie bisher nur für die Numerus clausus-Fächer dann für alle Studienfächer zuständig zu sein. Die einzelnen Universitäten hätten eigene Vergabestrukturen und stünden dadurch in Konkurrenz mit der ZVS. Würden die Universitäten selber ihre Studienplätze vergeben, wären Spareffekte sichtbar, denn die ZVS brauche in gleicher Sache nicht mehr tätig werden. Gegebenenfalls wären die Universitäten bei guter und schneller Arbeit auch effektiver. Die Universitäten hätten dabei aber keinen Vorteil, wenn an anderer Stelle Einsparungen stattfänden. Andererseits könnten die Hochschulen die Kosten, unter anderem auch für Hamburg, hochschrauben, schließlich würde die ZVS gemeinsam finanziert. Sie hätten durch ihre eigene Untätigkeit keinen Nachteil, wenn die ZVS an ihrer Stelle aktiv werden müsse und solle. Die Kapazitäten der ZVS würden strapaziert und der Personalkörper müsse aufgestockt werden. Die Dienstleistung, die erbracht werde, müsse mit den Kosten, die sie verursache, gekoppelt werden. Die Frage nach der Kompensation stelle sich hier.

Die Senatsvertreter meinten, die ZVS werde weiterhin nur in den eingangs schon genannten zulassungsbegrenzten Fächern, das seien Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie, Psychologie und Biologie, eine Zuweisungsfunktion haben.

Ansonsten seien die Hochschulen zuständig. Dass das aufwändige Vergabeverfahren eine Last für die Hochschulen sei, sei nicht von der Hand zu weisen, allerdings könnten die Hochschulen dahingehend profitieren, dass die ZVS möglicherweise gewisse Leistungen anbiete, zum Beispiel die Vorprüfungen der Bewerbungen nach einheitlichem Schema. Die ZVS würde den Hochschulen dann einen Teil ihrer Arbeit abnehmen und im Interesse der Hochschulen und der Studierenden optimierte Informationen für schnellere Entscheidungen hinsichtlich der Auswahl zur Verfügung stellen.

Eine finanzielle Koppelung bestehe allerdings nicht. Hinsichtlich der ZVS handele es sich um eine isolierte Bund-Länder-Finanzierung, die Finanzierung der Hochschulauswahlverfahren obliege den Ländern. Bei der zukünftigen Ausgestaltung der Auswahlverfahren und der dafür benötigten Ressourcen sei zu bedenken, dass ein gutes Auswahlverfahren im Nachhinein den Unterricht und die Studiensituation erheblich erleichtere und zu besseren Ergebnissen und zu geringeren Abbrecherquoten führe.

Letztendlich seien gute Hochschulauswahlverfahren effizienter.

Die GAL-Abgeordnete hoffte, dass sich im noch ausstehenden Gesetzentwurf zum Kapazitätsrecht keine Modelle wieder fänden, nach denen sich die Hochschulen unterordnen müssten. Interessant sei zu erfahren, wie es sich mit den Durchschnittsstudenten und den Durchschnittshochschulen beziehungsweise mit den diesbezüglichen Kapazitäten verhalte. Es höre sich an, als ob die Hochschulen nun die „Sahne abschöpfen" würden, aber was sei mit dem Recht auf Bildung für diejenigen, die nicht zur „Sahne" gehören würden. Davon abgesehen sei es auch für die Universitäten nicht zu schaffen, nur die Besten zu locken, denn die Elitestudierenden suchten sich selbst die Hochschulen aus, die sie für angemessen hielten. Und wenn die passende Hochschule gefunden sei, werde abgesagt, früher oder später.

Die Senatsvertreter erläuterten, letztendlich führe alles auf einen Wettbewerb hinaus, und nicht nur in qualitativer Hinsicht, sondern auch bezüglich des Profils. Nicht alle Hochschulen hätten dasselbe Profil. Die Schwerpunkte der einzelnen Universitäten würden das Auswahlverfahren beeinflussen. Es gehe daher nach Geeignetheit der Studenten. Dieses System könne für Einzelne auch negativ sein, zum Beispiel wenn sich der Bewerber eine Hochschule nach anderen Kriterien als nach seiner offensichtlichen Geeignetheit suchen würde, aber man könne unsere Gesellschaft nicht nach „Nettigkeitsaspekten" organisieren. Die Bundesrepublik habe den Anspruch, genügend Studienplätze zur Verfügung zu stellen, sodass jeder, der studieren möchte, dies auch tun könne. Unklar sei, inwieweit der gewünschte Studiengang oder -ort dann auch erreicht werden könne. Für die Berücksichtigung dahingehender besonderer Wünsche gebe es eine Härtefallklausel und Härtefallquoten, die unter Umständen bewirken könnten, dass diese Wünsche berücksichtigt werden könnten. Soziale Effekte würden berücksichtigt. Es werde aber auch Konkurrenz unter den Studienbewerbern geben. Diese Konkurrenz werde sich auch in die Schulen hinein fortpflanzen, mit, so die Hoffnung, positivem Effekt, weil sich die Schüler schon in frühen Jahren orientieren würden in Richtung ihrer Neigungen, Fähigkeiten und Stärken und dadurch früher auf ihr zukünftiges Berufsleben einschwenken könnten.

Die GAL-Abgeordnete äußerte sich skeptisch über das frühzeitige Einschwenken in Richtung des zukünftigen Berufswunsches schon in der Schule, zumal die Abiturienten durch die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre sowieso schon jünger seien, wenn sie sich entscheiden müssten. Die angestrebten Veränderungen in der Hochschullandschaft stelle ihrer Meinung nach ein viel zu mechanistisches Weltbild dar, der humanistische Bildungsgedanke komme zu kurz. Es sei zu hoffen, dass sich die Hochschulen nicht durchgängig so organisierten, wie geschildert worden sei, sondern im Auswahlverfahren zum Beispiel auch charakterliche Eigenschaften oder das Interesse der Bewerber an einer möglichst breiten Bildung berücksichtigt werde. Die Sicht allein auf gute Noten in bevorzugten Fächern reiche nicht aus. Dazu komme, dass es längst nicht so viele Chemie- und Physikleistungskursabsolventen gebe, wie sich die Ingenieurhochschulen wünschen mögen. Sie hoffe, dass sich die Studierendenquote in Deutschland durch die angestrebten Änderungen nicht noch weiter verschlechtere, zumal diese sowieso gering sei. Dieses System unter Einbeziehung entsprechend gradliniger Lebensläufe „werde Deutschland als Hochschulnation nicht nach vorne bringen". Sie sei nicht überzeugt, ihre Bedenken würden bestehen bleiben. In Amerika sei es gerade umgekehrt. Dort werde nicht erwartet, dass die Highschool-Absolventen schon wüssten, welchen Beruf sie anstrebten. Mit dem Bachelorabschluss könne dort auch ein fachfremder Masterabschluss erreicht werden.

Die SPD-Abgeordneten fragten nach den Gründen, warum die Berücksichtigung der beruflichen Qualifikation als Wartezeit nicht mehr berücksichtigt werde, wie es bisher geschehen sei, zumal sich der Hochschulzugang öffnen solle, zum Beispiel auch für Berufstätige ohne Abitur.

Die Senatsvertreter erläuterten, die berufliche Qualifikation werde nicht mehr als Wartezeit berücksichtigt, dafür aber als Kriterium für das Auswahlverfahren gewertet.

Wie eingangs schon erklärt worden sei, betrage die Wartezeitquote 20 %, die Quote des Auswahlverfahrens aber 60 %.

III. Ausschussempfehlung:

Der Wissenschaftsausschuss empfiehlt der Bürgerschaft einstimmig mit den Stimmen der CDU-Abgeordneten und der SPD-Abgeordneten bei Enthaltung der GAL-Abgeordneten, das Gesetz aus der Drs. 18/4809 ­ Gesetz zum Staatsvertrag über die Vergabe von Studienplätzen ­ zu beschließen.