Welche Pläne verfolgt der Senat zur Förderung von Hochbegabten?

Die Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren erfolgt nach den von der KMK für alle Phasen der Lehrerbildung festgelegten Standards. Im Kompetenzbereich Beurteilen wird ausdrücklich auf die Kenntnis von Formen der Hoch- und besonderen Begabung verwiesen. Diagnostische Verfahren und Maßnahmen zur Förderung von Hochbegabung spiegeln sich deshalb in den Ausbildungscurricula des Landesinstituts für Schule (LIS) wider, sowohl für die Unterrichtsfächer als auch für den Bereich Bildungswissenschaften. Im Weiteren gibt es im Wahlpflichtbereich integrative Pädagogik für alle Referendarinnen und Referendare ein spezielles Seminarangebot, das auch auf Fragen des Umgangs mit Hochbegabungen abhebt.

Das Fortbildungsangebot für Lehrkräfte des Landesinstituts für Schule (LIS) setzt seit einigen Jahren einen ausgewiesenen Schwerpunkt im Umgang mit Heterogenität in den Lerngruppen. In den umfangreichen Fortbildungen werden Grundstrukturen individualisierender Lernarrangements erarbeitet und in konkrete Unterrichtsplanungen umgesetzt.

Wie an allen anderen deutschen Universitäten werden an der Universität Bremen Psychologinnen und Psychologen ausgebildet, die sich je nach gewählter Spezialisierung intensiv mit der Erkennung von Hochbegabungen beschäftigen und später als Schulpsychologinnen oder Schulpsychologen arbeiten können.

Da die Entwicklung von Intelligenztests von internationaler Bedeutung ein Forschungsfeld ist, auf dem sich die Universität Bremen profiliert hat, finden dort regelmäßig überregionale Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte und Psychologinnen und Psychologen, insbesondere zu neuropsychologischen Aspekten der Förderung und Erkennung von Hochbegabungen statt.

15. Welche Pläne verfolgt der Senat zur Förderung von Hochbegabten?

Siehe hierzu die Ausführungen in der Vorbemerkung.

16. Wie beurteilt der Senat die Einrichtung von Kompetenzzentren für Hochbegabte, so wie es in Schleswig-Holstein vorgesehen ist?

Die Einrichtung von Kompetenzzentren für Hochbegabte führt zu einer Entmischung der Schülerschaft. Zudem haben hochbegabte Schülerinnen und Schüler nicht selten Schwierigkeiten im sozialen Miteinander, im Akzeptieren von Unterschiedlichkeit, z. B. schwächerer Leistungsfähigkeit, geringerer Arbeitsgeschwindigkeit. Gerade die dafür notwendigen sozialen Fähigkeiten können im Klassenverband erlernt werden. Aus diesem Grund ist eine Einrichtung von Kompetenzzentren für Hochbegabte nicht beabsichtigt. Im Rahmen des Projektes wurden Themen als Projektarbeit angeboten, die das Lernen auf unterschiedlichen Leistungsniveaus ermöglichen. So nimmt schon der Übergang von der Kita in die Grundschule mit differenzierten Angeboten die unterschiedlichen Begabungen von Kindern in den Fokus.

17. Welche Kooperationsmodelle zwischen Schulen und Hochschulen gibt es für Hochbegabte?

Die Universität Bremen bietet neben dem Frühstudium (siehe auch Frage 8) gemeinsam mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen die Sommerakademie für begabte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in der ersten Woche der Sommerferien an. Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, eine Woche lang auf wissenschaftlichem Niveau zu forschen. Am Ende der Veranstaltung werden die Ergebnisse präsentiert.

Außerdem gibt es zwei Profilkurse im Bereich der gymnasialen Oberstufe, die den Schülerinnen und Schülern den nahen Kontakt zu Wissenschaft und Forschung ermöglichen. Zur Kooperation zwischen Hochschulen und gymnasialen Oberstufen bei der Gestaltung von Profillerngruppen siehe Frage 13.

Im Bereich der Naturwissenschaften unterstützen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Schülerinnen und Schüler bei Jugend-forscht-Projekten und bieten ihnen Experimentiermöglichkeiten in den Laboren der Universität.

Die Hochschule Bremen unterhält zahlreiche Kooperationen mit Schulen in Bremen und dem Umland. Diese Kooperationen umfassen neben der Information zu Studienprogrammen auch die Durchführung bzw. Entwicklung von Lehrveranstaltungen, Projekten oder Arbeitsgruppen. Sie tragen damit dazu bei, Hochbegabte zu fördern, deren Weg in die Hochschule zu erleichtern und sie dabei individuell zu betreuen.

Kooperationen gibt es in den Bereichen Schiffbau und Meerestechnik, Bionik, Technische und Angewandte Biologie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften und Architektur. Dabei geht es zum Beispiel um die Entwicklung neuer Unterrichtsveranstaltungen, um die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen, um Nachwuchswettbewerbe und Informations- und Lehrkooperationen.

Die Hochschule Bremerhaven versucht, Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen für bestimmte Themen bzw. Fachbereiche zu interessieren. So fand im Februar des Jahres eine Veranstaltung für hochbegabte Schülerinnen und Schüler ab 10 Jahren zum Thema Meeresforschung statt.

Die Hochschulen setzen daher sowohl auf Kooperationsmodelle mit ausgewählten Schulen als auch auf schwerpunktmäßig frei wählbare Angebote, die auf die Neigungen und Talente der jungen Menschen mit besonderen Begabungen abzielen, die sich nicht unbedingt an nur einer Schule befinden müssen (abgesehen von Schulen mit speziellen Oberstufenprofilen). Die letztgenannte Form der Begabungsförderung erweist sich als sehr zielführend, weil sie einem breiten Spektrum von Interessentinnen und Interessenten offensteht, während Kooperationsmodelle sich auf den Kreis der jeweiligen Schulangehörigen beschränken.

18. Wie wird die durchgehende individuelle Förderung von hochbegabten Kindern beim Übergang vom Elementar- in den Primarbereich sichergestellt?

Da die Hochbegabungsdiagnostik im Bereich der Kindertagesstätten, wie oben dargestellt, nicht systematisch stattfindet, hat die Zusammenarbeit zwischen Elementar- und Primarbereich die Hochbegabtenförderung nicht ausdrücklich im Fokus. Die Sicherung der Kontinuität der kindlichen Bildungsbiografie beim Übergang vom Elementar- in den Primarbereich gehört gleichwohl generell zu den Zielen und Aufgaben der pädagogischen Arbeit in Kindergärten und Grundschulen und umfasst damit auch die besonders begabten Kinder. Im Rahmen von Modellprojekten (z. B. konnten geeignete Verfahren und Instrumente erarbeitet werden, die inzwischen in die Formulierung von Qualitätsstandards eingeflossen sind. Die Senatorin für Bildung und Wissenschaft und die Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales erarbeiten gegenwärtig die Normierung von Qualitätsstandards für den Übergang durch rechtliche Vorgaben bzw. durch Verträge mit Trägern.

Wie auch mit dem Projekt verfolgt, arbeiten die umliegenden Kindertagesstätten und die Grundschulen eng zusammen. Damit gibt es nicht nur eine Verständigung zwischen Lehrerinnen und Lehrern und Erzieherinnen und Erziehern, sondern auch das Angebot gemeinsamer Projekte, bei denen sowohl besonders begabte wie auch leistungsschwächere Kinder gefördert werden. Es gibt Projekte zum Beispiel zum Mathematiklernen wie auch zum frühen Lernen phonologischer Bewusstheit. Da die phonologische Bewusstheit eine wichtige Grundlage allen Lesens und Schreibens darstellt, ist dieses Projekt für alle Niveaustufen geeignet. Im Rahmen eines solchen Projektes ist gewährleistet, dass Kinder sowohl in ihren intellektuellen Fähigkeiten gefordert werden, wie auch im sozialen Miteinander mit einer gemischten Kindergruppe aller Niveaustufen.

19. Gibt es bzw. ist eine Zusammenarbeit mit der Karg-Stiftung geplant?

Eine Zusammenarbeit mit der Karg-Stiftung findet auf der fachlichen Ebene seit mehreren Jahren statt. Eine konkrete Zusammenarbeit der Karg-Stiftung mit Schulen unter besonderer Berücksichtigung der Umsetzung der Inklusion ist geplant. Sie soll an einer Grundschule zusammen mit einer weiterführenden Oberschule stattfinden. Beide Schulen liegen in einer Region mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunft sowie aus einkommensschwachen Elternhäusern. Die besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schülern sollen speziell gefördert werden, um ihnen höhere Bildungschancen zu eröffnen.