In seiner Sitzung am 13 September 2007 befasste sich der Umweltausschuss abschließend mit dieser

18. Wahlperiode 22. 10. 07

Bericht des Umweltausschusses zum Thema Hamburgische Wasserversorgung aus der Nordheide (Selbstbefassungsangelegenheit) Vorsitzender: Christian Maaß Schriftführer: Hartmut Engels

I. Vorbemerkungen:

Der Umweltausschuss beschloss in seiner Sitzung am 12. Juni 2007 die Selbstbefassung mit dem Thema „Hamburgische Wasserversorgung aus der Nordheide" gemäß § 53 Absatz 2 der Geschäftsordnung der Hamburgischen Bürgerschaft.

In seiner Sitzung am 13. September 2007 befasste sich der Umweltausschuss abschließend mit dieser Thematik.

II. Beratungsinhalt:

Der Vorsitzende stellte zunächst das Einvernehmen über die Anhörung zweier Vertreter von Hamburg Wasser, zum einen Herrn Dr. Michael Beckereit, ein Geschäftsführer, und zum anderen Herrn Dr. Jörg Grossmann, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, fest.

Die SPD-Abgeordneten begründeten die Selbstbefassung insbesondere mit der Diskussion über den hohen Wasserimport aus der Nordheide, wobei die Wasserentnahmen innerhalb Hamburgs ständig abnähmen. Der Anteil des Wassers aus der Nordheide sei gleichbleibend mit 20 Millionen Kubikmetern angesetzt gewesen. Die Anteile hätten sich nunmehr verschoben.

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter bestätigten die Wasserliefermenge aus der Nordheide in Höhe von circa 20 Millionen Kubikmetern. Der ursprüngliche Antrag sei abgelaufen, ein Nachfolgeantrag sei aber rechtzeitig bei der damals zuständigen Bezirksregierung Lüneburg gestellt worden. Der Antrag sei an den Landkreis Harburg, der als untere Wasserbehörde die Entscheidungsinstanz darstelle, weitergeleitet worden. Hamburg Wasser habe Berechnungen über die notwendigen Fördermengen aufgestellt, diese würden von der unteren Wasserbehörde geprüft und beschieden.

Herr Dr. Beckereit begrüßte die Möglichkeit, über den Wasserbedarf der Stadt Hamburg aus dem Gebiet der Nordheide sprechen zu dürfen. Diese Thematik beschäftige die Bürger in der Nordheide wie auch die Hamburgs.

Die Zusammenhänge wurden mithilfe einer Power-Point-Präsentation dargestellt (Anlage).

Begleitend zu dieser Präsentation sei nachfolgendes anzumerken:

Der Wasserverbrauch sei seit 1985 von über 150 Liter auf nunmehr circa 110 Liter pro Person und Tag gesunken, insbesondere sei diese Entwicklung auf die Einbaupflicht von Wasserzählern in den Haushalten zurückzuführen. Der Durchschnittswert innerhalb der Bundesrepublik liege derzeit bei 125 bis 128 Litern pro Person und Tag.

In früheren Zeiten sei der Verbrauch in Ostdeutschland höher gewesen als in Deutschland, mittlerweile sei es genau umgekehrt. In Leipzig würden derzeit circa 90

Liter pro Person und Tag verbraucht, allerdings zu höheren Gebühren als in Westdeutschland.

Hamburgs gesamter Wasserverbrauch liege derzeit bei circa 120 Millionen Kubikmetern pro Jahr. 60 Prozent davon würden innerhalb des Stadtgebiets gefördert, 25 Prozent kämen aus Schleswig-Holstein und 15 Prozent aus der Nordheide.

Die Wassermenge werde sich in naher Zukunft nur wenig verändern, zum einen, weil mittlerweile die meisten Haushalte mit Wasserspargeräten und -armaturen ausgestattet seien, sodass zukünftig nur noch geringe Einsparungen zu erwarten seien, zum anderen, weil die Bevölkerung Hamburgs zumindest bis 2020, so sei es prognostiziert, weiter wachse. Auch Hamburg Wasser selbst habe seine eigenen Verbräuche weitestgehend verringert. In Hamburg gebe es einen leicht schwankenden Rohrnetzverlust von 4 Prozent. Der Durchschnittswert für Wasserverluste aus dem Rohrnetz in der gesamten Bundesrepublik liege zwischen 8 und 9 Prozent, der Durchschnitt in Europa betrage circa 14 oder 15 Prozent. Es seien Spitzenverluste bekannt, beispielsweise London mit 33 Prozent.

Von der Gesamtmenge des Grundwasserdargebots in Höhe von 132,4 Millionen Kubikmetern beabsichtige man, 16,6 Millionen Kubikmeter aus der Nordheide zu beziehen. So sei es beantragt. Dies sei eine Verringerung gegenüber den vorherigen 20 Millionen Kubikmetern, allerdings sei in der derzeitigen Berechnung auch die Wassermenge des Wasserwerks Schierhorn mit 2,5 Millionen Kubikmetern berücksichtigt.

Auf Basis der neuen Untersuchungen und Zahlen, die in der Präsentation vorgestellt worden seien, werde derzeit der Antrag überarbeitet. Aller Voraussicht nach könne der abgestimmte Antrag noch dieses Jahr an den Landkreis übergeben werden. Die dortige Bearbeitung werde schätzungsweise mindestens ein, vielleicht aber auch zwei Jahre dauern. Der Landkreis Harburg sei die Entscheidungsebene, Einfluss auf die Dauer des Verfahrens habe die Stadt Hamburg nicht.

Da es zu Beginn der Wasserentnahme aus der Nordheide vielerlei Befürchtungen über negative Begleiterscheinungen gegeben habe, sei in der Vergangenheit begleitend ein Monitoring durchgeführt worden. Bei Benennung von möglichen Schädigungen sei die Begebenheit durch einen unabhängigen Gutachter überprüft worden. Alle Gutachten seien dokumentiert worden. Man habe keine relevanten Auswirkungen feststellen können.

Zusammenfassend sei noch hinzuzufügen, dass Hamburg Wasser eine ökologisch orientierte Grundwasserförderung in der Nordheide beabsichtige.

Nur mit dem Wasser aus Hamburg sei der Bedarf der Stadt nicht zu decken. Hamburg biete aber auch vielen Menschen aus dem Umland breit gefächerte Möglichkeiten, beispielsweise in der Unterhaltung oder in der Weiterbildung. Hamburg und das Umland würden eine Metropolregion bilden, dieses müsse berücksichtigt werden.

Der Vorsitzende untergliederte den Komplex in drei Themenbereiche,

1. das Wasserdargebot,

2. die Nachfrage und

3. die Auswirkungen der Förderung.

Wasserdargebot

Die SPD-Abgeordneten erinnerten, in der bisherigen Diskussion habe es geheißen, Hamburg hätte keinen Wassermangel zu verzeichnen. Nach der vorangegangenen Darstellung sei das Dargebot in den letzten 20 Jahren gesunken, hinzu kämen beschränkende Faktoren durch Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft oder durch die Versalzung des Grundwassers durch natürlich vorkommende Salzstöcke im Untergrund. Früher sei appelliert worden, Wasser zu sparen, nunmehr höre man Gegensätzliches. Wenn sich das Dargebot soweit verringert habe, müsse doch wieder Wasser gespart werden, meinten sie.

Der GAL-Abgeordnete wollte wissen, ob sich das Dargebot in Zukunft noch weiter verringern könne.

Herr Dr. Beckereit erwiderte, dies sei nicht ausgeschlossen.

Die Ansicht der SPD-Abgeordneten hinsichtlich widersprüchlicher Aussagen könne nicht geteilt werden. Deutlich gemacht worden sei, dass in der Region Hamburg eine Wassermenge von 700 bis 900 Millionen Kubikmetern Wasser verfügbar sei. Es seien dazu aber nicht überall Brunnen vorhanden und es gebe auch nicht überall Trinkwasserschutzgebiete. Daraus ergebe sich eine tatsächlich geringere verfügbare Menge, das Dargebot. Die Kriterien, nachdem sich das Dargebot bestimme, hätten sich nicht verändert. Man könne aber nicht sagen, Hamburg leide an einem Wassermangel. Mit allen Reserven gebe es genügend Trinkwasser, um alle Verbrauchsanforderungen zu erfüllen. Des Weiteren bestehe auch die Möglichkeit, zusätzliche Trinkwasserfelder zu erschließen und weitere Brunnen zu bohren. Dies sei bisher nicht umgesetzt worden, weil zunächst vorhandene Grundwasserleiter zu nutzen seien.

Strategieveränderungen auf der Ebene der Geschäftsleitung von Hamburg Wasser seien ihres Erachtens nicht eingetreten. Es sei nicht dafür geworben worden, dass mehr Trinkwasser verbraucht werden solle, es stehe nur nicht mehr wie früher im Vordergrund. Aus anderen Gründen, im Bereich der Abwasserentsorgung etwa oder hinsichtlich der Wasserqualität in den Trinkwasserleitungen, müsse aus Sicht des Unternehmens festgestellt werden, dass nunmehr eine Grenze erreicht sei. Werde noch weniger Wasser verbraucht, so würden sich unter Umständen qualitative und hygienische Probleme durch längere Aufenthaltszeiten in den Trinkwasser führenden Leitungen und in den Sielen ergeben.

Die CDU-Abgeordneten brachten hinsichtlich des Dargebots und der Vergleichszeiträume vor, dass in Hamburg im Wesentlichen aus dem dritten Grundwasserstockwerk gefördert werde. In der Vergangenheit sei auch das erste hoch liegende Grundwasserniveau genutzt worden. In frühester Zeit habe es Probleme mit der Uferfiltratförderung, die zur Sicherstellung der Wasserversorgung genutzt worden sei, gegeben.

Diese Grundwassergewinnung und auch die Förderung aus den ersten Grundwasserleitern sei dann nicht mehr genutzt worden. Die Frage sei, ob es Reserven in diesen Bereichen gebe.

Des Weiteren sei nicht verständlich, inwiefern anthropogene Schadstoffeinflüsse ein Problem darstellen könnten, wo doch diese Stoffe gar nicht in das dritte Grundwasserstockwerk gelangen könnten, sondern höchstens im obersten Grundwasserstock eine Rolle spielen würden.

Herr Dr. Beckereit erläuterte, seit 1964 werde Hamburgs Trinkwasserbedarf aus dem Grundwasser bedient. Eine direkte oder indirekte Trinkwasserentnahme aus der Elbe werde seitdem nicht mehr praktiziert.

Herr Dr. Grossmann informierte darüber, dass drei Grundwasserleiterniveaus genutzt würden. Das obere Niveau werde auch genutzt, zu einem Anteil von 40 Prozent. Prozent würden aus dem zweiten Niveau und weitere 40 Prozent aus den tieferen Schichten gefördert. Teilweise bestehe das obere Niveau aus sehr flachem Grundwasser, wie zum Beispiel in Curslack, Haseldorf oder Süderelbmarsch. Dort seien die sogenannten Flachbrunnen zwischen 15 und 30 Meter tief. Man sei in allen Niveaus mit den jeweilig spezifischen Problemen vertraut.