Eine zweite Frage beziehe sich auf die Wasserquantität in Bezug auf den Klimawandel

Der GAL-Abgeordnete sprach die gegenwärtigen, aber auch zukünftig möglichen Bedrohungen des derzeit genutzten Grundwassers an. Interessant sei der Umfang eventuell bestehender Risiken, die das Dargebot weiter verringern könnten. Es handele sich dabei um 40 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Gegebenenfalls gebe es noch Defizite im Schutzstatus hinsichtlich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln oder anderer anthropogenen Schadstoffe.

Eine zweite Frage beziehe sich auf die Wasserquantität in Bezug auf den Klimawandel. Niederschläge würden sich, so sei es prognostiziert, saisonal verändern: demnach gebe es zukünftig trockenere Sommer und nassere Winter. Ob diese Veränderungen Einfluss auf die Wiederauffüllung der Grundwasserleiter hätten, sei wissenswert.

Herr Dr. Beckereit meinte, die Grundwasserneubildung finde im Winter statt. Das bedeute hinsichtlich der Klimaprognosen für unseren Lebensraum, dass feuchtere Winter Vorteile im Hinblick auf das Dargebot durch ein Mehr an Wasserneubildung mit sich brächten. Sommer, ob feucht oder trocken, trügen nicht sehr zur Wasserneubildung bei. Sommerniederschläge würden ob ihrer Heftigkeit eher oberflächlich abfließen.

Neben den bestehenden über 400 Brunnen würden eine Vielzahl an Probebrunnen betrieben werden, mithilfe derer kontinuierlich Informationen über mögliche Veränderungen von Grundwasserleitern gewonnen würden. Dadurch könne man aufgrund rechtzeitiger Erkenntnisse frühzeitig agieren, sodass zeitnah über die Außerbetriebnahme eines Brunnens oder über einen Neubau entschieden werden könne.

Herr Dr. Grossmann stellte dar, 1986 sei vor dem Hintergrund anthropogener Einflüsse eine Studie angefertigt worden. In dieser sei eine größere Menge des Dargebots als unsicher oder sogar gefährdet eingestuft worden. Damals habe man eine Prognose zur weiteren Entwicklung gewagt. Der sichere wie auch der unsichere Teil des Dargebots könne sich verringern, sei eine Aussage gewesen. Im Jahre 2000 sei diese Studie mithilfe verbesserter Methoden und mit größeren Erkenntnissen neu aufgelegt worden. Der gefährdete Anteil des Dargebots habe sich tatsächlich auch verringert.

Von 132,4 Millionen Kubikmetern des nutzbaren Dargebots seien nach aktuellen Schätzungen circa 1,4 Millionen Kubikmeter als anthropogen und circa 0,5 Millionen Kubikmeter als geogen gefährdet eingestuft. Das unsichere Dargebot sei demnach kontinuierlich gesunken.

Zu den verbesserten Methoden im Hinblick auf mögliche Versalzungen des Grundwassers würden unter anderem Grundwassermodelle zählen, mit denen man Grundwasserströmungen simulieren könnte. Damit könne man heutzutage genauere Konzepte für den Betrieb von Wasserwerken ausarbeiten. Man habe daraus auch Erkenntnisse gewonnen, die dazu geführt haben, dass die Förderung deutlich verringert worden sei, um das bestehende Dargebot vor dem Salz zu schützen.

Herr Dr. Beckereit wies darauf hin, dass all diese Unwägbarkeiten in den vorgestellten Berechnungen enthalten seien. Durch die hohe Beprobungsdichte seien die Risiken sehr gering.

Die SPD-Abgeordneten erkundigten sich, ob in den genannten Zahlen für das Jahr 2007 mit einem Dargebot von 132,4 Millionen Kubikmetern das abgängige Wasserwerk Wilhelmsburg berücksichtigt worden sei, welche konkreten durch Versalzungen oder durch anthropogene Schadstoffe hervorgerufenen Potenziale noch erwartet würden und welche Wasserwerke gefährdet seien, beispielsweise sei Stellingen im Gespräch.

Herr Dr. Beckereit bestätigte, dass das Wasserwerk Wilhelmsburg berücksichtigt worden sei.

Herr Dr. Grossmann legte dar, Stellingen liege in einem schwierigen Umfeld, dennoch würden erhebliche Anstrengungen unternommen. Das Wasserwerk sei auch durch Versalzung gefährdet, erst in der Folge seien die Erkenntnisse über die Altlasten hinzugetreten. Bedingt durch das Monitoring und die erfolgreiche Sanierung sei man sicher, dass die dem Wasserwerk zugeschriebene Fördermenge auch dauerhaft gehalten werden könne. Stellingen habe zu seiner besten Zeit 10 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, nun seien es nur noch 4 Millionen Kubikmeter.

Im Umfeld von Curslack befinde sich eine Untersuchung über die Fortführung der Wasserwerkbetriebe in der Endphase. Rücknahmen im Dargebot seien vorgenommen worden. Nun müsse man mithilfe von Grundwassermodellen sehen, wie man mit den Reduktionen umgehen könne, gegebenenfalls werde ein Wasserwerk stillgelegt.

Herr Dr. Beckereit fügte hinzu, dass die Stillegung nicht wegen des Dargebots geschehe, sondern vielmehr aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Derzeit gebe es 18 Wasserwerke. Vor dem Hintergrund der sinkenden Wassermenge müsse die Zuordnung der einzelnen Brunnen neu überdacht werden, gegebenenfalls könne man durch Verlängerung von Leitungen Brunnen von verschiedenen Wasserwerken zusammenlegen. Dadurch könnten Kosten gespart werden.

Die CDU-Abgeordneten sprachen das Wasserwerk in Bostelbek an. Um 1986 habe es dort Probleme mit der Sickergalarie, den sogenannten Flachbrunnen, die mit Trichloräthylen belastet gewesen seien, gegeben. Wissenswert sei, ob es noch betrieben werde, ob die Belastung fortbestehe und ob dort weiterhin Wasser gewonnen werde.

Des Weiteren sei interessant, ob es noch Probleme mit den Altspülfeldern gebe. Das Wasserwerk Süderelbe beispielsweise liege am Rande solcher Altspülfelder, einige Brunnen des Wasserwerks seien dadurch stark belastet gewesen.

Herr Dr. Grossmann trug vor, dass der Schadensfall im Wasserwerk Bostelbek, speziell die Sickergalerie, saniert worden sei. Die Schadstoffgehalte seien nachfolgend deutlich abgesunken und seien bereits seit Jahren auf einem sehr geringen Niveau, nahe der Nachweisgrenze. Wasser werde dort wieder gefördert. In der Sickergalerie gebe es aber mittlerweile ein anderes Problem, und zwar seien dort mikrobiologische Belastungen festgestellt worden. Es seien, bisher erfolglos, viele Maßnahmen eingeleitet worden, um die Ursache zu finden und abzustellen. Die Konsequenz sei, dass die Sickergalerie durch tiefere Brunnen ersetzt werden müsse, die Sickergalerie werde außer Betrieb genommen. Belastungen von Brunnen durch Spülfelder im Bereich des Wasserwerk Süderelbmarsch seien nicht bekannt.

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter ergänzten, der Schadensfall in Bostelbek sei bei der Altlastsanierung erledigt worden. Danach habe es das Verkeimungsproblem gegeben. Bisher sei die Ursache nicht gefunden. Ein Regenrückhaltebecken in der Nähe der Autobahnauffahrt Heimfeld sei saniert worden, die Verkeimung habe sich danach verringert, nach einiger Zeit seien die Keime wieder zurückgekehrt. Man habe eine Zeitlang die Keime mit ultravioletter Strahlung abgetötet, allerdings seien hierfür die Energiekosten sehr hoch.

Es habe seinerzeit eine Untersuchung zu den Altspülfeldern hinsichtlich der gefährlichen Stoffe und der gefährdeten Bereiche gegeben. Bei den Grundwasserleitern beziehungsweise den Brunnen habe man festgestellt, dass von den Altspülfeldern keinerlei Gefahr ausgehe.

Die CDU-Abgeordneten erinnerten sich hinsichtlich der Spülfelder, dass es seinerzeit bestimmte Indikatormesswerte gegeben habe, was nicht heiße, dass das Wasser sofort unbrauchbar gewesen sei. Man habe dann daraus den Schluss gezogen, dass es sich hierbei um einen gefährdeten Bereich handele, der unter Beobachtung stehen müsse.

Herr Dr. Grossmann meinte, eine Gefährdung sei zumindest theoretisch nicht ausgeschlossen gewesen, weil es in den Achtzigerjahren einen Anstrom aus Richtung der Spülfelder in südlicher Richtung zu den dort befindlichen Brunnen gegeben habe. Da der Brunnenbetrieb in der Süderelbmarsch an die dort mittlerweile vorhandenen Naturschutzgebiete angepasst worden sei, könne heutzutage und auch für die Zukunft, selbst wenn es Einträge aus Spülfeldern geben sollte, eine Gefährdung ausgeschlossen werden, da das Wasser aus südlicher Richtung anströme.

Die CDU-Abgeordneten wollten den Begriff des Dargebots näher erläutert wissen.

Herr Dr. Grossmann erläuterte, es handele sich dabei um erschlossenes Trinkwasser.

Das theoretisch zur Verfügung stehende und durch Wasserneubildung entstehende

Wasser sei um den Faktor 8 höher. Das wesentliche Hindernis zur Neuerschließung von Grundwasser und für den Bau eines Brunnens sei die Erlangung eines Grundstücks.

Nachfrage

Der GAL-Abgeordnete gab zu Bedenken, dass die Nachfrage nach Trinkwasser politisch beeinflussbar sei. Erfolge seien bisher durch den Einbau von Wasserzählern und durch Wasser sparende Armaturen und Haushaltsgeräte zu verzeichnen.

Denkbar sei, dass die Nachfrage nach Trinkwasser durch weitergehende Technologien weiter sinken könne, insbesondere wenn man über das Recycling von Grauwasser nachdenke oder über Möglichkeiten der Regenwassernutzung. Diese Technologien seien bisher in Hamburg eher selten zur Anwendung gekommen, sie könnten sich aber bei einer entsprechenden politischen Steuerung durchaus stärker durchsetzen. Die Frage sei, inwieweit solche Technologien zur Oberflächenwassernutzung und zum Grauwasserrecycling bei den Prognosen von Hamburg Wasser mitberücksichtigt worden seien oder ob Hamburg Wasser keine weiteren Einsparungen erwarte.

Herr Dr. Beckereit erläuterte, dass weitere Einsparpotenziale in der Trinkwasserstudie berücksichtigt worden seien.

Hinsichtlich der Regen- oder Brauchwassernutzung werde es immer ambitionierte Bürgerinnen und Bürger geben, dies sich solche Anlagen anschaffen würden, dennoch dürfe man die wirtschaftliche Komponente, die bei der Entscheidung jedes Einzelnen auch wichtig sei, nicht übersehen. Es sei immer noch kostengünstiger, das Trinkwasser zu nutzen, als eine Aufbereitungs- oder Auffanganlage zu kaufen. Vor diesem Hintergrund seien dahingehende Einsparmöglichkeiten als gering erachtet worden.

Die SPD-Abgeordneten erinnerten an die Einsparmöglichkeiten von Waschmaschinen und anderen Haushaltsgeräten, die noch große Potenziale bergen würden. Es werde zukünftig weitaus bessere Techniken geben. Dies dürfe man nicht außer Acht lassen.

Herr Dr. Beckereit bestätigte, heutzutage seien noch nicht überall die allerneuesten Technologien anzutreffen. Es gebe allerdings keine außergewöhnlichen Einsparmöglichkeiten mehr, die es auszuschöpfen gelte ­ eine durchschnittliche Waschmaschine verbrauche heute 40 bis 45 Liter pro Waschgang, ein reduzierter Verbrauch auf 20 Liter oder gar ohne Wasserverbrauch sei auch mit neuer Technologie heutzutage nicht realistisch. Verbesserungen würden nur noch in kleinen Schritten erfolgen.

Herr Dr. Grossmann trug vor, dass es diverse Untersuchungen und Projekte dazu gegeben habe. Vor dem großen Erfahrungshintergrund kämen die Sachverständigen zu dem Schluss, dass die technologischen Möglichkeiten weitestgehend ausgeschöpft seien. Dazu sei der Veränderungsdruck relativ gering.

Der Anreiz für ein sparsames Verhalten werde durch die geringeren Energiekosten gegeben. Das Sparverhalten sei insgesamt gesehen eher starr. Während die Älteren eher Energie oder Wasser sparen würden, sei dies bei den jüngeren Generationen nicht mehr so stark ausgeprägt, besonders bei den Kindern nicht, obwohl sie das Wassersparen von Anfang an durch die Schule oder das Umfeld mit auf den Weg bekämen.

Herr Dr. Beckereit gab zu Bedenken, dass es immer mehr Ein-Personenhaushalte gebe, die ebenfalls moderne Haushaltsgeräte, wie die Geschirrspül- oder Waschmaschine, nutzen würden, auch wenn diese nicht immer voll ausgelastet seien.

Herr Dr. Grossmann fügte hinzu, die Erkenntnis sei, dass die modernen Maschinen nicht zur Ersparnis beitrügen, eben weil sie oftmals nur halbgefüllt arbeiten würden.

Der nächste größere technologische Fortschritt sei die Vakuumtoilette. Die breite Nutzung dieser Innovation liege aber noch in ferner Zukunft, für die heutige Wasserverbrauchsplanung könne dies nicht berücksichtig werden.

Herr Dr. Beckereit meinte, Hamburg Wasser könne nur beobachten, die Beeinflussung des Verbrauchsverhaltens erfolge über die Industrie.