Herr Dr Beckereit wies darauf hin es könnten keine absoluten Werte dahingehend genannt werden

Die CDU-Abgeordneten sprachen die Probleme bei der Abwasserbeseitigung an.

Interessant sei der Grenzwert, ab dem die Verringerung des Wasserverbrauchs kritisch sei.

Herr Dr. Beckereit wies darauf hin, es könnten keine absoluten Werte dahingehend genannt werden. Es gebe bereits einzelne Bereiche, die heute schon problematisch seien, es gebe aber auch viele andere Bereiche, in denen der Zustand noch entspannt sei. Man könne aber aussagen, dass es zu vermehrten Problemen kommen werde, wenn der Wasserverbrauch weiter absinke.

Für die problematischsten Gebiete, rund um den Rathausmarkt und um das Hotel Vier Jahreszeiten, in denen eine überwiegend punktuelle Nutzung durch Geschäftsgebäude erfolge, seien zwei Abluftbehandlungsanlagen installiert worden. Diese würden einerseits Unterdruck im Sielsystem erzeugen und andererseits die Abluft reinigen.

Dies erfolge unterirdisch. Die Abluft werde in einem Bereich durch eine Litfasssäule entlassen, im anderen Bereich über die Dächer der Europapassage abgeführt. Die Gesamtkosten für die Installation hätten sich auf 1 Millionen Euro belaufen, damit sei ein Gebiet von circa 3 Hektar abgedeckt. Eine flächendeckende Installation solcher Systeme sei unbezahlbar.

Der GAL-Abgeordnete meinte, der Wasserpreis habe ebenfalls Auswirkung auf die Nachfrage. Die zu erwartende zukünftige Preisentwicklung sei interessant, des Weiteren ob die Verteuerung der Energiepreise auch Auswirkungen auf den Wasserpreis habe, speziell für das Wasser aus der Nordheide, das einen langen Weg nach Hamburg zurücklege. Wissenswert sei neben der Energiebilanz des Nordheidewassers der Energieverbrauch, der für die Sicherstellung der gesamten Hamburger Wasserversorgung nötig sei.

Herr Dr. Beckereit bestätigte den Einfluss der Energiekosten auf die Wasserpreisentwicklung. Hamburg Wasser hätte eine Energierechnung in Höhe von etwa 14 bis 15 Millionen Euro bei einem Gesamtumsatz von 460 Millionen Euro.

Für das Trinkwasser würden circa 60.000, für das Abwasser circa 110.000 bis 120.000 Megawattstunden pro Jahr verbraucht, davon würden circa 60.000 Megawattstunden pro Jahr durch Eigenproduktion mithilfe der Schlammvergasung und der Klärschlammverbrennung abgedeckt. Die Eigenproduktion solle erweitert werden.

Das Wasser aus der Nordheide sei trotz der langen Förderstrecke mit günstigen Produktionskosten lieferbar, in anderen Bereichen sei dies teurer. Für eine verbesserte Energieeffizienz würden die Pumpwerke überarbeitet, weil sie vor einigen Jahren noch viel mehr Wasser fördern mussten. Heute werde nur noch drei Viertel der ehemaligen Wassermenge gefördert, die Pumpen seien darauf nicht optimal eingestellt und würden dadurch mehr Energie als notwendig verbrauchen. Dadurch entstünden kontinuierliche Investitionen.

Insgesamt gesehen sei die Lage so, dass dem Aufsichtsrat vorgeschlagen werden solle, die Preise für das nächste Jahr stabil zu halten. Unter der Voraussetzung, der Vorstand folge den Vorschlägen, sei man dann im Bereich des Abwassers im zehnten Jahr der Gebührenstabilität. Im Bereich des Trinkwassers seien die Preise in derselben Zeit zweimal erhöht worden, insgesamt um circa 5 Cent pro Kubikmeter auf den jetzigen Preis von 1,42 Euro. Dass seien etwa 4,5 Prozent Erhöhung in diesem Zeitfenster, die Wassermenge dagegen sei um 10 Prozent reduziert worden. Durch eine verbesserte Wirtschaftlichkeit konnten die Preise bisher gehalten werden. Das werde in Zukunft wohl aber nicht mehr zu schaffen sein und hänge von der weiteren Verbrauchsentwicklung ab.

Die CDU-Abgeordneten wollten in Erfahrung bringen, ob über Brauchwassernutzung beispielsweise für die Toilettenspülungen in den Haushalten und ein damit notwendig werdendes zweites Leitungsnetz noch nachgedacht werde.

Herr Dr. Beckereit verneinte dies. Das vorhandene Trinkwassernetz habe ein Anlagevermögen von etwa 300 Millionen Euro. Für die Brauchwassernutzung müsste in jedem Haushalt ein Anschluss bereitgestellt werden. Aufgrund dessen werde der Gedanke nicht weiter verfolgt.

Herr Dr. Grossmann fügte hinzu, das Wasserwerk Kaltehofe sei eine Zeitlang vorgehalten worden, um für größere Abnehmer unter günstigen Bedingungen eine Brauchwasserversorgung sicherzustellen. Da sei letztendlich auch an wirtschaftlichen Abwägungen gescheitert.

Auswirkungen der Förderung

Der GAL-Abgeordnete wollte wissen, welche Abflussminderungen im Bereich der Oberflächengewässer durch die Wasserförderung aufträten und wie sich die Auswirkungen auf die Ökosysteme darstellen würden. Die Problematik der niedrigen Wasserstände, beispielsweise der Este, wegen der Wasserentnahme aus der Nordheide sei bereits des Öfteren thematisiert worden.

Herr Dr. Grossmann berichtete, bis zur Vorlage des Wasserrechtsantrags, indem die Auswirkungen beschrieben worden seien, sei die Frage nach der Abflussminderung in der Öffentlichkeit nie ein Thema gewesen. Abflussminderungen träten „nördlich der Brunnenreihe" auf. Das dort geförderte Grundwasser würde ohne Eingriffe weiter nördlich mit dem natürlichen Abstrom die Gewässer erreichen, es exfiltriert aus dem Grundwasserraum in die Gewässer. In den überwiegenden Bereichen hätten die Wasserentnahmen keine Auswirkungen, nur am Oberlauf der Este gebe es eine Zone, in der Absenkungen und Abflussreduktionen deutlich würden. Im Ort Welle gebe es eine Abflussmessstelle, die eine Reduktion um 30 Prozent festgestellt habe. Dies höre sich gravierend an, sei es aber nicht unbedingt. Es gebe in anderen Bereichen durchaus auch Reduktionen von bis zu 90 Prozent. Man müsse vielmehr die Reaktionen der Vegetation prüfen. Im Vorfeld des neuen Wasserrechtsantrags sei in den Jahren 2000 bis 2002 eine Umweltverträglichkeitsstudie durchgeführt worden. Ergebnis dieser Studie sei, dass keine relevanten Auswirkungen festzustellen seien. Tatsächlich handele es sich bei dem Abschnitt heutzutage um ein künstliches Gewässer, einen Entwässerungsgraben. Der natürliche Lauf der Este beginne nördlich davon. In den beiden anschließenden Messstellen nehme die Reduktion schrittweise ab, in Höckel seien es noch 18 Prozent und in Langeloh ungefähr 15 bis 16 Prozent. Die Abflussmenge sei nicht unbedingt entscheidend, sondern vielmehr die Wasserstände, die aber fast gar nicht beeinflusst würden, oder die Fließgeschwindigkeit. Auf letztere würden sich auch andere Faktoren auswirken, wie beispielsweise die Gewässerbegradigung.

Der GAL-Abgeordnete begehrte zu wissen, wo das FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) beginne.

Herr Dr. Grossmann meinte, das FFH-Gebiet beginne nördlich von Welle, mittlerweile seien Gebiete dazugekommen, sodass sich der Bereich weiter nach Süden ausdehne.

Der Prozess sei neu. Die Umweltverträglichkeitsstudie werde derzeit überarbeitet, Grenzverschiebungen würden dabei mitberücksichtigt. In der Bewertung stehe nicht mehr die Schädigung im Vordergrund, sondern die Beeinträchtigung von Entwicklungspotenzialen.

Die CDU-Abgeordneten sprachen den Süderelbebereich an. Dort habe es früher kleine Gewässer, die Fischbek, die Emme oder die Falkenbek, gegeben. Im günstigsten Fall seien noch Tümpel übrig. Das gesamte Gelände sei oberflächlich trocken gefallen. Von Interesse sei, ob dies wissenschaftlich belegt sei und ob sich diese Entwicklung, ungeachtet der Wasserversorgung aus der Nordheide, gegebenenfalls in die Heidegebiete fortsetze.

Herr Dr. Grossmann stellte in Abrede, dass die genannten Gewässer früher durchgehend Wasser geführt hätten. Die Gewässer seien in frühester Zeit entstanden, in der eine deutlich höhere Grundwasserneubildung stattgefunden habe. Danach seien diese Gewässer immer wieder trocken gefallen. Sie würden wieder Wasser führen, wenn die Bereiche außergewöhnlich nass würden. Ein Trend sei nicht zu erkennen, auch in der Nordheide gebe es Gewässer, die nur episodisch flössen. Die Trockenperioden hätten aber nichts mit der Wasserförderung aus der Region zu tun. Dies sei auch nachgewiesen.

Zu berücksichtigen sei zudem aber die Auswirkungen durch die Besiedelung, die dadurch bedingte Drainage oder die Versiegelung der Böden. Das Wasser werde dadurch nicht dem Grundwasser zugeführt, sondern den Sielen.

Die SPD-Abgeordneten wollten wissen, wer letztendlich über den Konflikt, ob das Trockenfallen von der Besiedelung oder von der Wasserentnahme herrühre, entscheide. Für beide Seiten gebe es Gutachten.

Herr Dr. Beckereit versicherte, alle Auflagen seien innerhalb des damaligen Feststellungsverfahrens erfüllt worden. Nunmehr seien sie im Rahmen der erneuten Beantragung komplett ausgewertet und begutachtet worden. Die Auswahl der Gutachter und die Verfahrensbegleitung seien gemeinsam mit den Behörden, die über das Wasserrecht zu entscheiden haben, erfolgt, sodass sie zu eigenen Bewertungen hätten kommen können. Es werde darüber hinaus immer Bürgerinnen und Bürger geben, die sich besonders betroffen fühlen würden. Hamburg Wasser sei daran interessiert, in Abstimmung mit dem Landkreis die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und so offen und so deutlich wie möglich alle Fragen zu klären. Es werde eine ökologisch vertretbare Grundwasserentnahme angestrebt, es solle nicht zu Lasten von Bürgerinnen und Bürgern zu Einschränkungen kommen. Die letztendliche Entscheidung über den Wasserrechtsantrag liege allein beim Landkreis.

III. Ausschussempfehlung:

Der Umweltausschuss bittet die Bürgerschaft, von vorstehendem Bericht Kenntnis zu nehmen.