Altersvorsorge

Teilweise werden, zum Beispiel an der Fachhochschule Köln, auch betriebswirtschaftliche Studiengänge mit dem Schwerpunkt Versicherungswesen angeboten. Ein solches Angebot ist in Hamburg nicht vorhanden (siehe auch die Antwort zu V.3.).

Für die berufliche Weiterbildung bieten die Industrie- und Handelskammern die Fortbildung zum „Versicherungsfachwirt/-in" und die Deutsche Versicherungsakademie (DVA) GmbH ein berufsbegleitendes Studium mit dem Abschluss „Versicherungsbetriebswirt/-in" an. Beide Fortbildungen können in Hamburg absolviert werden. Von den jährlich etwa 1.300 Absolventen des „Versicherungsfachwirtes" stammen c 90 aus Hamburg. Von den jährlich rund 150 Absolventen des „Versicherungsbetriebswirtes" entfallen etwa 20 auf Hamburg. Die Angaben beruhen auf Zusammenstellungen der Handelskammer Hamburg im September 2007.

2. Wie viele Ausbildungsplätze gibt es in Hamburger Versicherungsunternehmen im Vergleich zu anderen Hamburger Dienstleistungssektoren?

Zahlen zum Bestand an Ausbildungsverhältnissen in verschiedenen Dienstleistungssektoren in der Freien und Hansestadt Hamburg liegen der zuständigen Behörde nicht vor. Folgende Tabelle zeigt die jeweils zum 30. September 2005, 2006 und 2007 bei der Handelskammer Hamburg neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse nach Dienstleistungssektoren:

Quelle: Handelskammer Hamburg

Da der zuständigen Behörde keine Informationen darüber vorliegen, über welche Dauer die Ausbildungsverhältnisse jeweils abgeschlossen wurden und wie viele Ausbildungsverhältnisse vorzeitig gelöst wurden, führt die Summierung der Zahlen nicht zu einem Wert, der den Bestand an Ausbildungsverhältnissen in der Versicherungswirtschaft wiedergibt.

Es handelt sich um die Anzahl der Ausbildungsverhältnisse in der Versicherungswirtschaft handelt. Diese Zahlen umfassen neben den Ausbildungsberufen „Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen" und „Versicherungskaufmann/kauffrau" auch weitere Ausbildungsberufe wie etwa den „Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation".

3. Welche Stellung nimmt die Hamburger Universität dabei ein?

a) Welche versicherungsspezifisch ausgerichteten Lehrstühle gibt es?

An der Universität Hamburg gibt es die folgenden versicherungsspezifisch ausgerichteten Lehrstühle:

b) Ergeben sich Synergien durch einschlägige wissenschaftliche Angebote an anderen, auch privaten, Hamburger Hochschulen?

Nach Abfrage gibt es derzeit an anderen Hamburger Hochschulen, auch privaten, keine Forschungsprogramme oder Ausbildungsangebote, die sich spezifisch mit versicherungswissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigen.

4. Gibt es in Hamburg nennenswerte Forschungseinrichtungen, die sich mit Versicherungsthemen befassen?

Die drei in der Antwort zu V.3.a) genannten Lehrstühle haben 2006 das Hamburger Zentrum für Versicherungswissenschaft (HZV) gegründet. Die Hauptaufgabe des HZV liegt in der aktiven Durchführung und Förderung interdisziplinärer und anwendungsorientierter Forschung in den Versicherungswissenschaften. Besonderer Wert wird dabei auf eine enge Kooperation mit Versicherern und versicherungsnahen Unternehmen gelegt. Das versicherungswissenschaftliche Kompetenzzentrum HZV kann somit für die Versicherungswirtschaft als zentraler Ansprechpartner an der Universität Hamburg fungieren.

Die unter dem Dach des HZV kooperierenden Lehrstühle führen zudem auch gemeinsame Lehrveranstaltungen durch, um so die Studierenden bereits in der universitären Ausbildung mit fachübergreifenden Lösungsansätzen vertraut zu machen, wie sie die Herausforderungen der Zukunft in der Versicherungswirtschaft erfordern.

Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht (MPI), insbesondere Professor Dr. Dr. h.c. Jürgen Basedow LL.M. (Harvard), befasst sich speziell mit versicherungsrechtlichen Fragen. In diesem Zusammenhang findet eine punktuelle Zusammenarbeit mit dem HZV statt. Die Forschungsschwerpunkte des MPI liegen im deutschen, europäischen und internationalen Versicherungsvertragsrecht.

Professor Basedow wirkt außerdem in der 1999 gegründeten „Project Group Restatement of European Insurance Contract Law" mit. Ausgehend von den erwähnten rechtsvergleichenden Vorarbeiten legt die Projektgruppe eine wissenschaftliche Grundlage für eine zukünftige Harmonisierung des europäischen Versicherungsvertragsrechts. Im Jahre 2005 hat die Europäische Kommission die Projektgruppe in ein neugegründetes Netzwerk von Wissenschaftlergruppen aufgenommen, das bis Ende 2008 einen gemeinsamen Referenzrahmen für das Europäische Vertragsrecht ausarbeiten soll.

VI. Entwicklung des Versicherungsplatzes Hamburgs

1. Wie ist der Standort Hamburg in Bezug auf das an Bedeutung gewinnende Thema Versicherungsvertrieb aufgestellt?

Das Dienstleistungsangebot der Versicherungsgesellschaften entwickelt sich gegenwärtig in verschiedene Richtungen. Auf der einen Seite schreitet der Prozess der „Industrialisierung" bei Standardprodukten wie etwa Kraftfahrt- oder Hausratversicherungen schnell voran. Der Direktvertrieb über das Internet oder andere Medien reduziert den Beratungs- und damit den Vertriebsaufwand für die Gesellschaften enorm.

Auf der anderen Seite gewinnen aber sehr beratungsintensive Produkte, wie etwa die verschiedenen Altersvorsorgeprodukte, Kontrakte zur Deckung spezieller Risiken, Industrie- und Transportversicherungen stark an Bedeutung. Dies bringt sowohl für die eigenen Vertriebssysteme der Gesellschaften als auch für Versicherungsmakler und freie Vermittler einen deutlichen Zuwachs an Nachfrage nach ihren Leistungen. Auch der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anbietern von Versicherungsdienstleistungen wird zunehmend über vertriebliche Maßnahmen geführt. Das Wachstumspotenzial der einzelnen Gesellschaften hängt also in starkem Maße von der Optimierung ihrer Vertriebswege ab.

Der Versicherungsplatz Hamburg ist im Hinblick auf den Versicherungsvertrieb besonders gut aufgestellt. Mit 1.123 Versicherungsmaklern und 3.274 Versicherungsvertretern (vergleiche auch die Antwort zu II. 2) ist Hamburg Deutschlands Vermittlerhochburg. Auch in einer europäischen Rangfolge dürfte Hamburg einen der ganz vorderen Plätze einnehmen. Der größte deutsche Versicherungsmakler hat seinen Sitz hier. Auch die beiden Weltmarktführer der Branche haben ihren Deutschlandsitz in Hamburg. Allein diese drei Versicherungsmakler beschäftigen circa 1.300 Mitarbeiter.

Branchenschätzungen zufolge vermitteln die Hamburger Versicherungsmakler jährlich ein Prämienvolumen in Höhe von 10 bis 15 Milliarden Euro, das sind circa 10 Prozent des bundesweit vermittelten Prämienvolumens.

Eine weitere Stärke im Bereich des Vertriebs ist die Hamburger Versicherungsbörse.

An der Versicherungsbörse sind zurzeit 226 Versicherer und Makler sowie spezielle See- und Transportversicherungsfachleute (Assekuradeure und Dispacheure) zugelassen, die hier im Wesentlichen Transport- und industrielle Risiken zeichnen.

2. Welche Synergien zu anderen in Hamburg starken Wirtschaftsbereichen gibt es?

3. Gibt es Alleinstellungsmerkmale des Standorts Hamburg? Wenn ja, kommen diese speziell der Versicherungsbranche zugute?

Hamburg ist nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Versicherungsplätze sondern auch Deutschlands zweitgrößter Bankenplatz hinter Frankfurt am Main. In der Rangfolge der deutschen Finanzplätze steht Hamburg auf dem zweiten Platz. Zwischen den unterschiedlichen Bereichen der Finanzdienstleistungen (der Versicherungswirtschaft mit den oben beschriebenen Branchen und Einrichtungen, der Kreditwirtschaft mit den verwandten Dienstleistern, den Emissionshäusern und der Wertpapierbörse) bestehen vielfältige geschäftliche Beziehungen. Die einmalige Konzentration der gesamten Palette an Finanzdienstleistungen an einem Ort erleichtert die Geschäfte der Finanzdienstleister. Dies ist ein Synergieeffekt des Hamburger Branchenmixes.

Darüber hinaus ergeben sich vielfältige Anknüpfungspunkte zu anderen Bereichen, in denen die Hamburger Wirtschaft führend ist. In erster Linie ist hier der Bereich Hafen/Schifffahrt/Logistik zu nennen. Transport- und Seeversicherungen sind eine Spezialität des Versicherungsplatzes Hamburg. So gibt es zum Beispiel Assekuradeure und Dispacheure fast ausschließlich in Hamburg. Assekuradeure haben früher Transportrisiken auf eigenen Namen und auf eigene Rechnung gezeichnet. Heute sind sie mit weitgehend unbeschränkten Vollmachten ausgestattete Agenten, die auf eigenen Namen, jedoch auf Rechnung von Versicherungsgesellschaften, gegen Gewinnbeteiligung Risiken zeichnen und Schäden abwickeln. Dispacheure sind spezielle Schadensabwickler für Schifffahrtsschäden.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Versicherungsplatzes Hamburg ist die Hamburger Versicherungsbörse, die die einzige Einrichtung ihrer Art in Deutschland ist (siehe hierzu auch Antwort zu VI.1.).

4. Welche Bedeutung misst der Senat beziehungsweise die zuständige Behörde der Versicherungsbörse zu?

Die zuständige Behörde misst der Hamburger Versicherungsbörse große Bedeutung zu. Die Tatsache, dass die dort praktizierte flexible Art der Geschäftsabwicklung in Deutschland ohne Konkurrenz ist, macht sie zu einem Standortvorteil für den Versicherungsplatz. Zurzeit wird an der Versicherungsbörse Hamburg lediglich nationales Geschäft abgewickelt. Das internationale Geschäft läuft über Lloyds in London. Die zuständige Behörde ist aber davon überzeugt, dass das Potenzial der Einrichtung noch nicht ausgeschöpft ist. Gemeinsam mit der Wirtschaft wird nach Wegen gesucht, die Geschäftstätigkeit an der Versicherungsbörse auszuweiten und nach Möglichkeit zu internationalisieren.