Kreditinstitut

Welche weiteren Möglichkeiten sieht der Senat beziehungsweise die zuständige Behörde, um die Attraktivität des Versicherungsplatzes zu verbessern?

Der Versicherungsplatz Hamburg ist nach wie vor sehr attraktiv und bietet gute Bedingungen für alle Bereiche der Versicherungswirtschaft. Dies scheint jedoch selbst in der Fachöffentlichkeit nicht hinreichend bekannt zu sein. Vor diesem Hintergrund wirkt sich die Tatsache, dass Konzernentscheidungen über Umstrukturierungen in der Regel nicht in Hamburg getroffen werden, für den Standort häufig negativ aus. Die großen Veränderungen in der Hamburger Versicherungslandschaft haben die zuständige Behörde im April 2006 veranlasst, gemeinsam mit der Handelskammer Hamburg eine Initiative zur Stärkung des Versicherungsplatzes ins Leben zu rufen. In der Initiative arbeiten neben der Kammer und der Behörde vor allem die Vorstände der Hamburger Unternehmen der Versicherungsbranche an der Umsetzung folgender Ziele:

Unter der Themensäule 1 „Standort der Makler und Assekuradeure, Transportgeschäft und Versicherungsbörse" sollen Maßnahmen entwickelt werden, die diesen speziellen Bereich der Hamburger Versicherungswirtschaft fördern.

Hierzu gehören unter anderem die Verbesserung der berufsbezogenen Ausbildung und Forschung, bessere Vernetzung der Akteure und Ausweitung der Aktivitäten der Versicherungsbörse.

Unter der Themensäule 2 „Life Science, Gesundheits- und Krankenversicherungsdienstleistungen" sollen vor allem Synergiepotenziale gehoben werden, die sich aus dem Aufeinandertreffen eines exzellenten Gesundheitsdienstleistungsbereichs mit einer sehr gut aufgestellten Medizintechnikindustrie und bedeutenden privaten (PKV) und gesetzlichen (GKV) Krankenversicherungen (vergleiche auch Antwort zu I. 4) am Standort ergeben. Die Gesundheitsreform hat die Unterschiede in den Geschäftsmodellen von PKV und GKV abgeflacht (unter anderem Basistarif und Portabilität von Altersrückstellungen in der GKV; individuelle Zusatztarife in der GKV) und zugleich die Möglichkeiten zum Aushandeln spezieller Leistungen mit den Leistungserbringern erweitert. Die Vernetzung von Versicherern, Leistungserbringern und Produzenten von Medizintechnik und Medizinprodukten eröffnet die Möglichkeit zur Entwicklung integrierter hamburgspezifischer Angebote, die zur Schärfung des Standortprofils beitragen können.

Themensäule 3 „Bildung und Ausbildung als Standortfaktor" Forschung und Lehre sowie die berufsnahe Ausbildung in überbetrieblichen Einrichtungen sind ein wesentlicher Standortfaktor. Sie sind mit prägend für das Renommee eines Versicherungsstandorts sowie im Hinblick auf seine Attraktivität für den talentierten Nachwuchs. Die Arbeitsgruppe zur Themensäule 3 hat eine Analyse der vorhandenen Qualifikationen, der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten am Standort sowie der künftigen Qualifikationsanforderungen an Fachkräfte für die Versicherungswirtschaft erstellt. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Anforderungen in Richtung höherer und akademischer Qualifikation verschoben haben und weiter verschieben. Die vorhandenen Qualifikationsmöglichkeiten zum Beispiel an der Universität Hamburg oder an der Hamburg School of Business Administration der Handelskammer Hamburg sollen in diesem Sinne fortentwickelt und gegebenenfalls weitere Angebote geschaffen werden.

Unter dem Querschnittsthema „Rahmenbedingungen" wird ein Bündel von Aktivitäten und Maßnahmen zusammengefasst, das zugleich das Renommee des Standorts stärkt und die Bedingungen für die Branche verbessert. So hat Hamburg sein Engagement im Hinblick auf die versicherungsrelevante Gesetzgebung weiter verstärkt und hierzu im Rahmen der Initiative die Zusammenarbeit zwischen Versicherungswirtschaft, Politik und Verwaltung intensiviert.

Gemeinsam mit den bestehenden einschlägigen Einrichtungen in Hamburg werden Maßnahmen zur Verbesserung von Image und Bekanntheitsgrad des Versicherungsplatzes entwickelt. Dabei wird an vorhandenen Stärken ­ wie etwa Hamburg als Sportstadt ­ angeknüpft, indem bedeutende Ereignisse und Einrichtungen zum Beispiel durch Sponsoring mit der Versicherungswirtschaft am Standort verbunden werden. Politik und Wirtschaft unternehmen auch gemeinsame Anstrengungen, um am Messe- und Kongressstandort Hamburg künftig verstärkt bedeutende versicherungsrelevante Veranstaltungen dieser Art zu etablieren.

Darüber hinaus ist die Ansiedlungsstrategie Hamburgs um die gezielte Akquisition von Unternehmen der Versicherungswirtschaft erweitert worden. Im Rahmen eines bestehenden Dienstleistungsvertrags hat ein Akquisiteur den Auftrag, gezielt ausgewählte deutsche und internationale Unternehmen für eine Niederlassung in Hamburg zu gewinnen.

6. Wie steht der Senat beziehungsweise die zuständige Behörde zu Bestrebungen innerhalb der Branche, den Standort gemeinsam mit den Kreditinstituten und weiteren Finanzdienstleistern durch Bildung einer Clusterinitiative zu stärken?

Wie bereits unter VI. 2 und VI. 3 ausgeführt, birgt gerade die Tatsache, dass Hamburg

­ anders als alle anderen deutschen Finanzplätze ­ sowohl im Bereich der Versicherungs- als auch der Kreditwirtschaft sowie bei den sonstigen Finanzdienstleistungen gleich gut aufgestellt ist, ein großes Potenzial an Synergien. Ungeachtet der Notwendigkeit bei der Förderung der einzelnen Finanzbranchen deren Besonderheiten zu berücksichtigen und gezielte Maßnahmen zu entwickeln, spricht die Vielzahl an Berührungspunkten und Schnittmengen für eine Zusammenführung der Bemühungen in den einzelnen Bereichen.

Zu diesem Zweck ist am 31. Oktober dieses Jahres der „Finanzplatz Hamburg e.V." gegründet worden. Mitglieder des Vereins sind die Handelskammer Hamburg, der Präses der Behörde für Wirtschaft und Arbeit und Vorstände aus allen Bereichen der Hamburger Finanzwirtschaft sowie aus den einschlägigen Verbänden. Die Aktivitäten der Versicherungsplatzinitiative werden im bisherigen Rahmen fortgesetzt. Vergleichbare Initiativen für die übrigen Bereiche sollen entwickelt und alles unter dem Dach des Vereins koordiniert werden. Mit der Frage, ob die Finanzwirtschaft als ein weiteres Cluster in den Clusterkreis des Senats aufgenommen werden soll, hat sich der Senat nicht befasst.