Erprobungsräume für die Jugendlichen

Dabei ist in den ersten sechs bis acht Wochen kein eigenständiger Ausgang vorgesehen. Nach acht bis 15 Wochen können die Jugendlichen bei entsprechender Zuverlässigkeit und Kooperation unbegleitete Ausgänge unternehmen. Nach der 15. Woche bis zum Ende seines Aufenthaltes in der Geschlossenen Unterbringung wird für den Jugendlichen ein Bezugsbetreuer bestimmt, der den Jugendlichen während seiner Dienstzeit in der offenen Gruppe beaufsichtigt.

In dem Konzept des LEB für die GUF heißt es dort zum Phasenmodell: "Je nach Fortschritt der Hilfeplanung werden Frei- und Erprobungsräume für die Jugendlichen ausgeweitet, um ihnen so die Möglichkeit zu eröffnen, Eigenverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit auch ohne direkte Kontrolle zu erproben und weiter zu entwickeln. Die individuelle Planung orientiert sich an vier Phasen, die durch jeweils eigene Inhalte, Erziehungsziele, Regeln und Erwartungen an die Jugendlichen gekennzeichnet sind".

In den beiden Konzepten der Einrichtungen Rummelsberg und Martinistift sind das "Phasenmodell" sowie das "Punktesystem" nicht vorhanden.

Personelle Ausstattung sowie Kooperation mit anderen Institutionen Allen vier Einrichtungen ist gemeinsam, dass sie eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung anbieten. Es gibt keine betreuungsfreien Zeiten.

Im Angebot der GUF ist "die Anwesenheit von mindesten zwei Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen rund um die Uhr gewährleistet". Das Jugendheim Mühlkopf erläutert die Frage des Personals recht unkonkret, indem es dort heißt: "Die Zahl der Mitarbeiter einer Erziehungsgruppe richtet sich nach dem Bedarf [...] Soweit in "erziehungsschwachen Zeiten" eine geringe Betreuungsdichte möglich ist, kann die der Mitarbeiter in einer Gruppe geringer sein, als in einer Gruppe (z. B. der geschlossenen), in welcher dies nicht möglich ist. In der geschlossenen, intensivpädagogischen Gruppe kann es notwendig werden, je nach Aufgabenstellung an die Einrichtung, eine zusätzliche Intensivbetreuung zu vereinbaren".

Über die Anzahl der Betreuer in der Einrichtung Rummelsberg werden in deren Konzept keine Angaben gemacht. Das Betreuungsverhältnis im Martinistift beträgt 1 : 1. Allen Einrichtungen ist gemeinsam, dass das Mitarbeiterteam aus Erzieherinnen bzw. Erziehern, Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeitern, Sozialpädagoginnen bzw. Sozialpädagogen sowie einem Psychologen besteht. Im Martinistift werden die Mitarbeiter im letzten Punkt der Aufzählungen vom psychologischen Dienst der Einrichtung beraten.

In der GUF erhält jeder Jugendliche zwei Bezugsbetreuer. Diese Konstellation findet sich auch in dem Konzept der Rummelsberger Kinder- und Jugendhilfe wieder. Dort wird jedem Jugendlichen ein "Vertrauenserzieher" zur Seite gestellt.

Jede der vier untersuchten Einrichtungen legt sehr viel Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern der Kinder und Jugendlichen, die in den Geschlossenen Unterbringungen untergebracht sind bzw. werden sollen. Die GUF stellte die Elternarbeit bzw. Angehörigenarbeit unter die Prämisse: "Es gilt, die Eltern beratend zu unterstützen und sie aktiv an der weiteren Hilfeplanung zu beteiligen, um eine fortlaufende Betreuung zu gewährleisten".

Die Eltern werden oftmals schon vor Beginn der Einweisung ihres Kindes in die Geschlossene Unterbringung über das Phasenmodell, die Regeln und Grenzen innerhalb der Unterbringung unterrichtet. Sie werden durch Informationen seitens der Einrichtung über den Entwicklungsstand und die allgemeine Lebenssituation ihres Kindes informiert. Auch werden die Eltern in die Schul- bzw. Berufswahl ihres Kindes durch die Mitarbeiter einbezogen.

Es gibt ein Angebot für regelmäßige Elterngespräche sowie die Möglichkeit, regelmäßige Besuchstermine in der Einrichtung zu vereinbaren. In diesen Treffen soll die Eltern-Kind-Beziehung durch Wertschätzung neu aufgebaut werden. Weiter wird die Vorbereitung zur Rückkehr der Jugendlichen in die Familien bzw. die Möglichkeit weiterer Anschlussmassnahmen besprochen.

Einen sehr breiten Raum nimmt auch die Familienarbeit in der Rummelsberger Kinder- und Jugendhilfe ein. In deren Konzept ist nachzulesen: "Wenn sinnvoll und möglich, streben wir neben regelmäßigen Familiengesprächen im Haus auch Besuche im Heimatort an. Die geplante Familienarbeit beginnt bereits im Vorstellungsgespräch und bezieht sich auf das Gesamtsystem von Heim und Familie".

Die Mitarbeiter des Martinistiftes sehen sich in der Rolle als Kooperationspartner und Unterstützer für die Eltern.

Des Weitern besuchen die Mitarbeiter des Martinistiftes die Familien vor Ort, bevor die Kinder und Jugendlichen nach frühestens acht Wochen ihren Aufenthalt bei den Eltern verbringen können.

Die Kooperation mit den Eltern nimmt in der Konzeption der einzelnen Unterbringungen einen hohen Stellenwert ein. So heißt es beispielsweise im Konzept des Martinistiftes: "Familiäre Beziehungsklärung, Neudefinition von Beziehung, gemeinsame Absprachen, gemeinsame Arbeitsplanung fördern maßgeblich die Entwicklung der jungen Menschen".

Im Konzept des LEB für die GUF ist eine enge Kooperation mit dem FIT (Gründung 1. Januar 2003) vorgesehen. Des Weiteren wird die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Einrichtungen, Ämtern und Diensten als notwendig angesehen.

Die Zusammenarbeit der anderen Einrichtungen, wie beispielsweise mit den Jugendämtern zu regelmäßigen Hilfeplangesprächen, wird als sehr wichtig angesehen.

Anschlussperspektiven:

Bei der Beendigung der Geschlossenen Unterbringung für die Kinder und Jugendlichen gibt es zum Teil unterschiedliche Verfahren.

Laut Konzept betreut das Jugendheim Mühlkopf die Kinder und Jugendlichen intensiv weiter. So heißt es dort: "In der Entwicklung der Verselbständigung können entsprechende Vereinbarungen über eine Betreuung auf der Basis von Fachleistungsstunden mit dem Kostenträger vereinbart werden".

Es ist erkennbar, dass das Jugendheim Mühlkopf eine sehr enge Nachbetreuung anstrebt, die auch die Jungendlichen bei der Suche nach eigenem Wohnraum, bei geeigneten Übergangs- oder weiterbetreuenden Einrichtungen unterstützt sowie Hilfestellungen bei Bewerbungsgesprächen oder Behördengängen gibt. So heißt es dazu: "Der Jugendliche hat auch nach der Verlegung die Möglichkeit, Kontakte zu den Bewohnern und Mitarbeitern der geschlossenen Gruppe zu pflegen".

Das Martinistift bietet den Kindern und Jugendlichen nach der geschlossenen Unterbringung offene Betreuungsmaßnahmen an.

In der Konzeption der Rummelsberger Kinder- und Jugendhilfe fällt die Nachbetreuung recht kurz aus. Dort ist zu lesen: "Wichtig ist auch die individuelle Zukunftsplanung jedes Jungen und die konkrete Vorbereitung auf einen Wechsel, beispielsweise in den Auszubildendenbereich der Rummelsberger Kinder- und Jugendhilfe, in andere geeignete Einrichtungen der Jugendhilfe oder nach Hause in die Familie".

In der Konzeption der GUF heißt es zu diesem Punkt nur kurz, dass die Kinder und Jugendlichen Unterstützung bei Anschlussperspektiven erhalten sollen. Stattdessen gibt es einige Abschnitte in dem Konzept der GUF, die sich mit Krisenintervention und den für die Jugendlichen daraus resultierenden Konsequenzen beschäftigen. So ist im Konzept der GUF nachzulesen: "Bei dramatischen Zuspitzungen der Betreuungssituation bzw. in Krisen, in denen auch die Sicherheit und die weitere Entwicklung der Jugendlichen, aber auch die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährdet werden können, haben sofortige Maßnahmen zur Deeskalation und zur Krisenbearbeitung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Priorität".

Die Punkte finden sich weder in dem Konzept von Rummelsberg noch in den Konzepten des Jugendheimes Mühlkopf oder des Martinistiftes wieder.

Die Ausrichtung des Konzeptes der GUF orientiert sich mithin in mehrfacher Hinsicht an den Konzepten der übrigen Einrichtungen. Die Grundlagen der Einweisungen der Kinder und Jugendlichen basieren alle auf § 1631b BGB. Auch sollten die Aufenthalte der zu Betreuenden auf ein Jahr beschränkt sein. Die Altersstruktur der Kinder und Jugendlichen ist homogen. In psychischer Hinsicht zeichnen sich die Jugendlichen durch traumatische und massive Gewalterfahrungen, gestörte Familienverhältnisse, delinquentes Verhalten und tiefgreifende Persönlichkeitsstörungen aus. Im Mittelpunkt der therapeutischen Arbeit der einzelnen Einrichtungen steht, einen strukturierten Tagesablauf für die Kinder und Jugendlichen zu organisieren und zu garantieren. Diesem Punkt kommt auch im Konzept der GUF ein hoher Stellenwert zu.

5. Personalien:

Zusammensetzung des Untersuchungsausschusses:

Der Untersuchungsausschuss setzte sich nach dem Beschluss der Bürgerschaft aus neun Mitgliedern und neun stellvertretenden Mitgliedern nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen zusammen. Als Vorsitzender des Ausschusses wurde der Abgeordnete Dr. Manfred Jäger (CDU) gem. § 9 Abs. 1 UAG gewählt. Der Abgeordnete KaiHendrik Voet van Vormizeele (CDU) wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden ernannt.