Studiengang

18. Wahlperiode 18. 01. 08

Bericht des Wissenschaftsausschusses zum Thema Hochschulübergreifender Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (HWI) Sachstandsbericht des Senats (Selbstbefassung) Vorsitzender: Thilo Kleibauer i. V. Schriftführung: Prof. Dr. Barbara Brüning

I. Vorbemerkungen:

Der Wissenschaftsausschuss beschloss in seiner Sitzung am 10. Januar 2008 einstimmig, sich in Selbstbefassung gemäß § 53 Absatz 2 der Geschäftsordnung der Hamburgischen Bürgerschaft mit dem Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (HWI) zu beschäftigten. Er befasste sich in der oben genannten Sitzung abschließend mit dem Thema.

II. Beratungsinhalt:

Die Senatsvertreter erinnerten eingangs daran, dass der Studiengang „Wirtschaftsingenieur" (HWI) in Hamburg in den Siebzigerjahren zunächst als gemeinsamer Studiengang der Universität Hamburg (UniHH) und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gegründet worden sei. Später sei die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) hinzugekommen.

In den Neunzigerjahren habe es zunehmend Konflikte zwischen diesen drei Partnern gegeben. Ende der Neunzigerjahre kam mit dem Bologna-Prozess erstmals die Frage auf, wie ein Bachelor/Master-Modell im Bereich des HWI eingeführt werden könne.

Im Jahr 2003 sei der Bachelor/Master-Studiengang das Regelangebot in Hamburg geworden. Der Beginn des Moderationsprozesses beziehungsweise der Reformdiskussion zwischen den Hochschulvertretern und der Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF) datiere aus dem Jahr 2005. Schließlich sei im Oktober 2006 eine Vereinbarung über zwei unterschiedlich strukturierte Wirtschaftsingenieurstudiengänge vereinbart worden: Zum einen die Fortsetzung des integrierten Systems, ein gleichzeitiges Studium von Betriebswirtschaft und Ingenieurwissenschaften an UniHH und HAW, und zum anderen ein international kompatibleres konsekutives Modell, beginnend mit dem Studium der Ingenieurwissenschaften und darauf folgend ein betriebswirtschaftliches Studium an der TUHH.

Das im Rahmen der Beratung des Themas im März 2007 beschlossene bürgerschaftliche Ersuchen habe das Ziel verfolgt, das vorgeschlagene Reformmodell um zwei Komponenten zu ergänzen. Erstens sollte die Technische Universität weiterhin einige profilbildende Vorlesungen im Rahmen des HWI anbieten, und zum Zweiten sollte der Übergang von einem HWI-Bachelor zu einem Masterstudiengang an der TUHH geebnet werden.

Der Stand heute stelle sich wie folgt dar: Es gebe das integrierte Studiengangmodell von UniHH und HAW, das mit einem Bachelor abgeschlossen werde. Die Stärke die ses Studiengangs liege darin begründet, dass weiterhin zwei verschiedene Hochschulkulturen ­ die einer Universität und einer Fachhochschule ­ kennengelernt würden; die UniHH biete eine Hälfte, nämlich den betriebswirtschaftlichen Teil, die HAW die andere Hälfte, den ingenieurwissenschaftlichen Teil, an.

Was das Thema „Schnittstellen" im ingenieurwissenschaftlichen Bereich betreffe, seien die Probleme nunmehr beseitigt, denn es gebe einen Kooperationsvertrag mit der TUHH, der regle, dass profilbildende Vorlesungen dort auch angeboten würden.

Zudem gebe es die Anschlussmöglichkeit von dem UniHH-HAW-Bachelor zum Master an der TUHH, insbesondere zum Master of International Production Management. Ab 2010 würden UniHH und HAW hierfür im Übrigen einen eigenen Masterstudiengang anbieten.

Es gebe 150 Plätze für Studienanfänger im integrierten Studiengangmodell. Im letzten Wintersemester, als dieses erstmals angeboten worden sei, sei die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber gleich hoch wie in den beiden Vorjahren gewesen.

Daraus könne geschlossen werden, dass der Studiengang durch die aus dem alten Modell wegfallenden 13 Prozent Lehrinhalte der TUHH nicht an Attraktivität verloren habe.

Das zweite, konsekutive Modell, das sich stärker an internationalen Vorbildern orientiere, sei an der TUHH etabliert worden. Dieses baue auf einem „normalen" ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudium auf und eröffne die Chance, nicht nur einen Master in den Ingenieurwissenschaften zu absolvieren, sondern auch alternativ einen Studiengang zu wählen, der überwiegend aus Betriebswirtschaft bestehe. Dieser beinhalte die betriebswirtschaftlichen Elemente, die für Ingenieure eine besondere Relevanz hinsichtlich industrieller Berufsfelder hätten. Es werde angestrebt, ab etwa 2010 hierfür 50 Studienplätze bereitzustellen, also ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem der Bachelorabsolvent den Regelabsolventen der TUHH darstellen werde. Da der Bachelorstudiengang aber sehr neu an der TUHH sei, benötige man noch nicht so viele Masterstudienplätze. Gleichwohl habe man in diesem Jahr schon mit 10 Studierenden in diesem Masterstudiengang begonnen und auch die entsprechenden Professuren würden nach und nach hinzukommen. Im Moment befänden sich noch drei der betriebswirtschaftlichen Professuren in Berufungsverfahren kurz vor dem Abschluss.

Ein noch zu ergänzender Aspekt, der in den vorangehenden Diskussionen im März 2007 noch keine Rolle gespielt habe, sei die Frage, welche Impulse diese Reform für andere Aktivitäten an der TUHH gegeben habe. Hier sei beispielsweise auf die 30 Millionen-Euro-Spende von Herrn Kühne zur Stärkung der logistischen Kompetenz zu verweisen, die an den Aufbau einer betriebswirtschaftlichen Kompetenz der TUHH anknüpfe.

Zusammenfassend erklärten die Senatsvertreter, sie seien sehr froh darüber, dass der Studiengang des Wirtschaftsingenieurs in Hamburg erhalten bleibe und zwei unterschiedliche Programme dafür hätten etabliert werden können, was eine Erweiterung des Angebots darstelle. Sie seien der Überzeugung, dass hinsichtlich der Themen „Studierfähigkeit", „Studiendauer" und „Studienerfolg" in zwei bis drei Jahren Verbesserungen zu verzeichnen seien, weil Schnittstellen, mithin Abstimmungsbedarfe, reduziert und flexiblere Ausbildungsverläufe geschaffen worden seien. Mit den Programmen sei man auch für das Ausland attraktiver geworden, was eine Steigerung von 35 Prozent der Studierenden aus dem Ausland in den letzten sechs Jahren belege.

Beide Punkte aus dem bürgerschaftlichen Ersuchen seien damit von ihnen erfüllt beziehungsweise umgesetzt worden, schlossen sie ihre Ausführungen.

Die SPD-Abgeordneten sprachen zunächst dem Senat ihren Dank für die Beantwortung des Ersuchens noch in dieser Legislatur aus. Auch wenn sich aus Sicht des Senats „alles zum Guten gewandelt habe", habe es zwischenzeitlich doch viel Kritik an dem Vorgehen desselben gegeben. Vor diesem Hintergrund hätten sie durchaus Verständnis dafür gehabt, wenn der Senat aus politisch-taktischen Gründen und angesichts der bevorstehenden Bürgerschaftswahl die Entscheidung getroffen hätte, das Thema der Diskontinuität anheim fallen zu lassen.

Ob die gefundenen Reformmodelle allerdings tatsächlich tragfähig seien, werde erst später beurteilt werden können. Mit einiger Skepsis betrachteten sie auch die Übergangsvereinbarungen zwischen dem neuen „Rest-Wirtschaftsingenieur" und der TUHH. Ihnen sei bekannt, dass es an der TUHH immer noch nicht schriftlich doku2 mentierbare Überlegungen darüber gebe, wie Hürden erhöht werden könnten, um einen Wechsel zur TUHH möglichst zu erschweren. Sie wünschten sich daher, dass die BWF dieses im Blick behalten möge.

Sie bedauerten zwar, dass sie nicht den Erhalt des alten Modells hätten durchsetzen können, aber die nun gefunden Modelle hielten sie für „erträglich", schlossen die SPD Abgeordneten ihre Anmerkungen.

Die GAL-Abgeordnete erklärte, auch sie bedauere noch immer, dass das ursprüngliche Modell nicht einfach auf den Bachelor/Master hätte umgestellt werden können. An diesem alten Studiengang des HWI sei nämlich besonders die „Vereinigung" von drei Hochschulen begrüßenswert gewesen. Dessen ungeachtet beurteilte auch sie es als positiv, dass zwischenzeitlich „einiges geschehen sei". Sie bewertete die Vereinbarungen als sehr interessant, da das, was künftig geschehe, an ihnen gemessen werde könne.

III. Ausschussempfehlung:

Der Wissenschaftsausschuss bittet die Bürgerschaft, von dem vorstehenden Bericht Kenntnis zu nehmen.