Geothermie

Diese könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht im Einzelnen prognostiziert werden, da das Ausschreibungsverfahren gerade erst begonnen habe. Die Europäische Union sehe für ein derartiges Ausschreibungsverfahren zwei Stufen vor: Zuerst finde eine pauschale Ausschreibung statt, in der die Dimensionen und die Hauptaufgaben des Projekts beschrieben seien und in der Unternehmen aufgefordert würden, ihr Interesse an einem solchen Verfahren zu bekunden. In einem zweiten Schritt würden aus dem Bewerberkreis voraussichtlich im April 2008 vier bis sechs ausgewählt, die die Aufforderung erhielten, ein konkretes Angebot abzugeben. Erst die diesen Unternehmen zugesandten Ausschreibungsunterlagen verfügten über den Präzisionsgrad, der es ermögliche, die gestellten Fragen zu beantworten. Ein privater Projektsteuerer sei zur Unterstützung bei der Realisierung dieses Projekts herangezogen worden. Dieser habe zu Beginn der Vertragsverhandlungen den gesetzten Zeitrahmen als unrealistisch beurteilt. Seitens des Senats sei man jedoch stolz darauf, dass es bislang bei diesem zeitehrgeizigen Projekt zu keinerlei Verzögerungen gekommen sei. Die Architekten hätten in der Fertigung der Detailplanungen Erstaunliches geleistet, damit die europaweite Ausschreibung habe starten können.

Der wirtschaftliche Vorteil der PPP gegenüber der konventionellen Realisierung sei mit 10 bis 15 Prozent anzusetzen, aber ebenso wichtig sei die Sicherstellung eines dauerhaft guten Zustands des Gebäudes. Zurzeit sei es schwierig, die Gesamtkosten zu beziffern, weil man sich gerade durch die Ausschreibung diesbezüglich mehr Klarheit erhoffe. Wenn man die Aspekte wie Wasserlage, Uferbefestigung, Tiefgarage et cetera berücksichtige, werde eine 6 vor der zweistelligen Millionensumme stehen. Es werde also von „60 Millionen Euro plus" auszugehen sein. Das Grundstück sei im Tausch mit frei werdenden Grundstücken in der Hebebrandtstraße zur Verfügung gestellt worden.

Die Problematik des Baus der U4 und der Randbebauung sei ihnen durchaus bewusst, äußerten die Senatsvertreter. Diese habe durchaus Einfluss auf den Zeitplan und auch auf die Gebäudeform. Das Gebäude werde einen Knick zur Straße hin aufweisen, was durch den Schacht der U4 bedingt sei. Auch die möglichen Mehrkosten durch Baustellenverkehre seien in die Berechnungen eingeflossen. Während der Bauphase von zwei Jahren seien „komplexe Dinge zu berücksichtigen", die jedoch hinzunehmen seien, weil sich das Gebäude in der Folgezeit in einer grandiosen Umgebung befinden werde. Das Bauwerk sei offen für die an der Elbe am Magdeburger Hafen flanierende Bevölkerung gestaltet. Mensa und Bibliothek seien von der Promenade an der Elbseite aus begehbar und offerierten der HCU aufgrund dieser Besonderheit die Chance, mehr als jede andere Universität Teil der Öffentlichkeit zu werden. Alle Arbeitsräume für die Studierenden seien zur Elbe hin orientiert und böten aufgrund des inspirierenden Blicks ein sehr kreatives Umfeld. Nicht zuletzt der Umstand, die U-Bahn-Station HafenCity direkt vor dem Gebäude zu haben, sei für Studierende von großer Attraktivität. Alle diese Vorteile rechtfertigten einige Beeinträchtigungen während der Bauphase und damit einhergehende geringfügige Mehrkosten im EinProzent-Bereich.

Die SPD-Abgeordneten wollten wissen, für welchen Zeitraum die Ausschreibung erfolge.

Die Senatsvertreter antworteten, dass der Ansatz hierfür bei 20 bis 30 Jahren liege.

Die CDU-Abgeordneten erbaten Erläuterungen zu der verteilten Tischvorlage und merkten an, dass Fotovoltaik durchaus gehobene Technik sei. Unter Geothermie sei ihrem Verständnis nach die Nutzung der Erdwärme im eigentlichen Sinne, wie sie in den Geysiren Islands Ausdruck finde, zu verstehen. Die Elbe und ein hoher Grundwasserstand brächten ein sehr großes Wärme- respektive Kältereservoir mit sich, weshalb eine normale Wärmepumpe zur Ausnutzung sinnvoll sein könnte. Sie fragten, ob dies unter dem Begriff Geothermie subsumiert sei. Sie gingen dann auf die in dem verteilten Dokument enthaltene Information ein, dass durch Lehm als Baustoff eine Feuchtesteuerung stattfinde. Auch diesbezüglich interessierte sie zu erfahren, wie man sich dies genau vorstellen müsse.

Zur Geothermie erläuterten die Senatsvertreter, dass die Elbe sich im Sommer zum

Teil auf 23 bis 25 Grad erwärme, wodurch keine Kühlleistung mehr zu erwarten sei.

Geothermie finde Anwendung, um den Kältebedarf der PC-Pools, Server und der Hörsaalbereiche zu decken. Dies geschehe zum Teil durch das Erdreich, in das im Sommer überschüssige Wärme abgegeben und dem im Winter Wärme entzogen und dem Gebäude zugeführt werde. Hier komme insbesondere die Bauteilaktivierung zum Einsatz, die umfasse, dass in den Betondecken PE-Schläuche eingebracht seien, durch die Wasser ströme. Dieses System sei mit dem Erdreich gekoppelt. Ursprünglich seien Überlegungen angestellt worden, die Spundwand der U-Bahn zu nutzen, was sich aber als nicht praktikabel erwiesen habe. Es werde einfacher sein, die Rammpfähle für die Geothermie einzubinden. Alternativ hierzu kämen unter Umständen Erdsonden zum Einsatz, die nicht 15, sondern 85 Meter tief in das Erdreich eindringen könnten. Diese Möglichkeit werde im Zuge der augenblicklichen Untersuchungen jedoch erst im Detail geprüft.

Zu der Frage nach Lehm als Baumaterial führten die Senatsvertreter aus, dass das Material große Vorteile in der Feuchtesteuerung aufweise. Dies sei in der Speicherfähigkeit des Lehms begründet, die bei 50 bis 60 Prozent liege. Diese natürliche Eigenschaft des Materials führe dazu, dass sich eine Klimaanlage erübrige, was eine passive Energiesparmaßnahme darstelle.

Die CDU-Abgeordneten wiesen auf das Kohlekraftwerk in Moorburg hin und wollten wissen, ob die dort anfallende überschüssige Fernwärme in die Überlegungen mit einbezogen worden sei.

Die Senatsvertreter antworteten, dass ein Fernwärmeanschluss vorhanden sei, der den Hauptanschluss darstelle.

Die GAL-Abgeordnete brachte ihre Freude über die dargelegten Planungen zum Ausdruck und betonte, dass sie es für richtig erachte, in breitem Umfang auf Nachhaltigkeit zu setzen. Zu der Finanzierung der HCU merkte sie an, dass anfangs seitens der Behörde vorgesehen gewesen sei, diese komplett über das Sonderinvestitionsprogramm (SIP) abzuwickeln, und fragte nach, was nun die Entscheidung für ein PPPModell ausgelöst habe. Dieses Verfahren entspreche der ursprünglich von ihrer Fraktion vorgeschlagenen Vorgehensweise.

Die Senatsvertreter führten aus, dass das PPP-Modell eine kontinuierliche Finanzierung über den gesamten Nutzungszeitraum vorsehe. Die Behörde bringe das zum Ansatz, was im SIP zurückgestellt worden sei. Die im SIP veranschlagte Summe werde nicht einmalig, sondern über einen Zeitraum von 25 Jahren verbraucht.

Die SPD-Abgeordneten interessierte der kalkulatorische Preis des Grundstücks, das für den Bau der HCU vorgesehen sei. Zudem fragten sie nach, ob die Temperatur des Elbwassers tatsächlich keinerlei Einfluss auf die Planungen zur Nachhaltigkeit habe.

Die Senatsvertreter bestätigten Letzteres. Zu dem kalkulatorischen Wert des Grundstücks teilten sie mit, dass dieser mit 19,5 Millionen Euro zu beziffern sei.

III. Ausschussempfehlung:

Der Wissenschaftsausschuss bittet die Bürgerschaft, von dem vorstehenden Bericht Kenntnis zu nehmen.

Prof. Dr. Barbara Brüning, Berichterstatterin Maßnahmen zur Nachhaltigkeit - HafenCity Universität Hamburg (Stand 15.10.2007) Kosten für Nachhaltigkeit insgesamt betragen ca. 4 Mio. Euro.

Die Amortisationszeiträume der Maßnahmen liegen zwischen 6 und 20 Jahren.