In allen anderen Bundesländern seien im Jahr 2006 keinerlei Mittel für ähnlich gelagerte Projekte vorgesehen gewesen ergänzte die

Herr Dr. Schäfer führte aus, dass das Bundesarchiv ebenso wie das Land Niedersachsen in Kooperation mit einem privaten Anbieter Entsäuerungsanlagen betreibe.

Der Bund habe im Jahr 2006 dem Bundesarchiv für aktive Maßnahmen 400.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Niedersächsische Landesarchiv hatte im Jahr 2006 lediglich 90.000 Euro zur Verfügung, während das Land Nordrhein-Westfalen in dem genannten Zeitraum erstmalig und nun in der Folge für mehrere Jahre 1 Million Euro bereitgestellt habe. Diese Summe gelte nicht nur für das Nordrhein-Westfälische Landesarchiv, sondern für alle Nordrhein-Westfälischen öffentlichen Archive. Zu vermuten sei, dass die Kommunen zu dem genannten Betrag noch Gelder zusteuerten. Insgesamt stünden damit in Nordrhein-Westfalen weit mehr als 1 Million Euro für Entsäuerungszwecke zur Verfügung, was zur Folge habe, dass die dortigen Massenentsäuerungsanlagen zurzeit überbucht seien. Der Kulturstaatssekretär Nordrhein-Westfalens, Herr Große-Brockhoff, habe sich der Problematik angenommen, was deutlich zeige, dass der Einsatz einzelner Persönlichkeiten viel bewegen könne.

In allen anderen Bundesländern seien im Jahr 2006 keinerlei Mittel für ähnlich gelagerte Projekte vorgesehen gewesen, ergänzte die Senatorin.

III. Ausschussempfehlung:

Der Kulturausschuss bittet die Bürgerschaft, von der vorstehenden Beratung Kenntnis zu nehmen.

Brigitta Martens, Berichterstatterin Schriftgut Hamburger Archive und Bibliotheken retten ­ Säurefraß stoppen!" ­ Drucksache 18/4851

(Senatsvorlage) Vorsitzender: Wolfgang Beuß Schriftführerin: Prof. Dr. Barbara Brüning

I. Vorbemerkung:

Die Drs. 18/7511 wurde am 11. Dezember 2007 im Vorwege durch den Präsidenten der Bürgerschaft dem Kulturausschuss federführend und dem Wissenschaftsausschuss mitberatend überwiesen.

Der Wissenschaftsausschuss befasste sich in seiner Sitzung am 10. Januar 2008 abschließend mit der Drucksache.

II. Beratungsinhalt:

Die Senatsvertreter riefen in Erinnerung, dass der Senat mit dem am 24. August 2006 beschlossenen Ersuchen aufgefordert worden sei, eine Schadensanalyse durchzuführen sowie einen Bestandssicherungsplan zu erarbeiten, der eine Erhaltungsstrategie und einen Überblick über die voraussichtlichen Kosten beinhalten solle. Ebenso sei an den Senat die Bitte herangetragen worden, einen Zwischenbericht zu erstatten, der mit den folgenden Ausführungen entsprochen werde.

Auf Seiten der wissenschaftlichen Bibliotheken seien von 7,3 Millionen Bänden ungefähr 4 Millionen säuregeschädigt, wovon ein Drittel entsäuerungsbedürftig, aber auch entsäuerungsfähig sei. Die Kosten hierfür beliefen sich hochgerechnet auf etwa 20 Millionen Euro. Für die dringend erforderliche und vorrangig durchzuführende Entsäuerung von 800.000 Bänden werde ein Bedarf in Höhe von 10 bis 12 Millionen Euro veranschlagt.

Herr Dr. Schäfer, Direktor des Staatsarchivs, ergänzte, es sei bemerkenswert, dass die Staats- und Universitätsbibliothek bereits im April 2007 in der Lage gewesen sei, einen Bericht vorzulegen. Die Bibliotheken, insbesondere die Staats- und Universi5 tätsbibliothek, seien auf diesem Gebiet schon viel weiter als die Staatsarchive insgesamt. Das Staatsarchiv Hamburg sei ein relativ kleines Amt, das sich 2003 vorgenommen habe, in den nächsten 10 Jahren eine Reihe von Projekten abzuwickeln, darunter auch die Erstellung einer umfassenden Schadensanalyse. Personell sei es jedoch bisher nicht in der Lage gewesen, dieses in Angriff zu nehmen. Vor diesem Hintergrund sei man dankbar, dass die Bürgerschaft im Doppelhaushalt 2007/2008 hierfür 160.000 Euro bewilligt habe. Schon im Jahr 2006 sei begonnen worden, das entsprechende Konzept zu erstellen. Hierbei sei zu beachten, dass die Übernahme von Archivgut nicht so geregelt vollziehbar sei wie der Erwerb und die Erschließung von Bibliotheksgut: Bücher seien vom Material her relativ einheitlich, während Archivgut ganz unterschiedliche Formen von Materialien aufweise. Im Gegensatz zu einer vollständig erschlossenen Bibliothek sei für das Archiv daher nicht in jedem Detail bekannt gewesen, wie die Grundgesamtheit ausgesehen habe. Bekannt sei nur die Gesamtlänge von 31 Regalkilometern gewesen, die allerdings keine geeignete Grundgesamtheit dargestellt habe, um eine wissenschaftlich vertretbare Analyse zu erstellen. Aufgrund dieser Ausgangssituation sei eine geeignete Grundgesamtheit letztlich durch ein Zählen erlangt worden. Wegen der Beschränkung des finanziellen Rahmens und aus wissenschaftlichen Gründen habe man verschiedene Wege eingeschlagen, so zum Beispiel die Auswahl von 26 Beständen, die als repräsentativ in Hinblick auf die Frage des Schadensbefalles eingeschätzt worden seien. Zwei von diesen Beständen seien im Probedurchlauf von dem archiveigenen Personal durchgesehen worden, wodurch der Zeitaufwand einer Bestandsdurchsicht habe ermittelt werden können. Daraufhin seien zwei verschiedene Restauratorenteams dafür gewonnen worden, die restlichen 24 Bestände ­ jeweils 12 Bestände pro Team ­ durchzusehen. Ein Restauratorenteam sei im Dezember des letzten Jahres zum Abschluss gekommen. Das zweite Team sei seit dieser Woche tätig und gehe konventionell vor, das bedeute, man wende den „Knicktest" und einen Stift zur Ermittlung des Papiersäuregehalts an. Im Rahmen der Vorbereitungen werde ein Schadenskatasters erstellt, das von den Restauratoren ausgefüllt werden solle, sodass nicht nur die Frage des Säurebefalls, sondern auch aller anderen Schadensarten wie Schimmelbefall geklärt sein werde. Damit werde allerdings nur ein kleiner Teil ermittelt, der zwar exemplarisch, aber nicht repräsentativ sei. Aus diesem Grunde habe man überlegt, wie mit dem großen anderen Teil umgegangen werden solle. Eine Reihe von Beständen sei daraufhin von vorneherein ausgeschlossen worden, weil diese so stark befallen gewesen seien, dass sie ohnehin nur noch durch eine Konversion in ein anderes Medium wie den Mikrofilm hätten gerettet werden können.

Von der verbleibenden Grundgesamtheit sei eine Stichprobe ermittelt worden, die wissenschaftlich zuverlässige Angaben geliefert habe. Dieser Teil werde in diesem neuen Jahr maschinell mit einem sogenannten NIR-Gerät ­ Near Infrared Spectral Analysis beziehungsweise Nahe Infrarotspektralanalyse ­ bearbeitet. Die Durchleuchtung einer Akteneinheit mit dem NIR-Gerät gebe nicht nur Aufschluss darüber, ob eine Akte sauer sei oder nicht, sondern auch über den genauen ph-Wert und die unterschiedlichen Arten der Papiere in der Akte. Außerdem werde automatisch eine Schadensklassifizierung gegeben, die darüber informiere, wie dringlich ein Bestand einer Bearbeitung unterzogen werden müsse.

Mithilfe dieser Analyse werde in dem Endbericht Auskunft über den Grad des Befalls erteilt werden, was wiederum eine Einschätzung des Bearbeitungsprocedere, mithin des Bearbeitungszeitraums und der Kosten ermöglichen werde.

Die CDU-Abgeordneten erkundigten sich danach, ob es auf nationaler oder möglicherweise auch auf internationaler europäischer Ebene Überlegungen und Forschungsansätze zur Entwicklung eines ökonomisch sinnvollen Verfahrens gebe, das in absehbarer Zeit dazu beitragen könne, diesen Nachlass zu retten.

Frau Prof. Dr. Beger, Direktorin der Staats- und Universitätsbibliothek, antwortete, es sei in der Tat ein internationales Problem, zu dem viele Tagungen stattfänden. Die Vertreter der Bibliotheken beschäftigten sich zum einen mit Fragen zum Verfahren, zum anderen mit der Frage, wie man Verlage überzeugen könne, ihre Publikationen nicht mehr auf säurehaltigem Papier anzubieten. Hierzu seien schon erhebliche Erfolge zu verzeichnen, denn seit 1994 gebe es kaum noch Publikationen, gerade auch wissenschaftliche Fachliteratur, auf säurehaltigem Papier.

Bei den Verfahren sei die Weiterentwicklung in den letzten zehn Jahren sehr weit vorangekommen, indem man nunmehr mehrere Gänge wie Entsäuerung und Entschimmelung in einem Verfahren vornehmen könne.

Um das Problem national wie auch international angehen zu können, sei in Deutschland eine sogenannte Allianz zur Bestandserhaltung gegründet worden. Zudem werde bei der Kultusministerkonferenz über eine Finanzierung nachgedacht. Des Weiteren müssten Dateien aufgesetzt und Verfahren abgestimmt werden, um zu gewährleisten beziehungsweise sicherzustellen, dass jeder Titel einmal in die Hand genommen werde. Man befinde sich auf einem guten Wege und die Staatsbibliothek in Berlin sei hierbei führend. Die Staatsbibliothek in München bemühe sich insbesondere um die Koordination von derartigen Fragen, bis diese Aufgabe beim Kompetenznetzwerk des Deutschen Bibliotheksverbands in einen Regelbetrieb überführt werden könne.

In Hamburg seien die Bestände zu einem großen Teil elektronisch verzeichnet. Da man in einem gemeinsamen Bibliotheksverbund arbeite, werde jedes entsäuerte Buch in einem entsprechenden Feld des elektronischen Kataloges eingetragen und sei damit weltweit recherchierbar. Auf diese Weise würden die Verbünde immer weiter ausgebaut werden.

III. Ausschussempfehlung:

Der Wissenschaftsausschuss empfiehlt dem federführenden Kulturausschuss der Bürgerschaft zu empfehlen, von der Drucksache Kenntnis zu nehmen.

Darüber hinaus bittet der Wissenschaftsausschuss den federführenden Kulturausschuss, von seinen Beratungen Kenntnis zu nehmen.

Prof. Dr. Barbara Brüning, Berichterstatterin.