II Beratungsinhalt. Die Senatsvertreterinnen und vertreter referierten eingangs die vorliegende Stellungnahme des Senats

18. Wahlperiode 22. 01. 08

Gemeinsamer Bericht des Schulausschusses und des Familien-, Kinder- und Jugendausschusses über die Drucksache 18/6804: Stellungnahme des Senats zu dem Ersuchen der Bürgerschaft vom 24. August 2006 Drucksache 18/1202

- Einheitliche Bildungspläne für Kitas und Vorschule Vorsitzende: Marino Freistedt Schriftführer: Wilfried Buss (Schulausschuss) (Schulausschuss) Bettina Bliebenich Carola Veit (Familien-, Kinder- (Familien-, Kinder- und Jugendausschuss) und Jugendausschuss)

I. Vorbemerkungen:

Die Drs. 18/6804 wurde auf Antrag der SPD-Fraktion durch Beschluss der Bürgerschaft vom 12. September 2007 dem Schulausschuss federführend und dem Familien-, Kinder- und Jugendausschuss mitberatend überwiesen. Die Ausschüsse berieten die Drucksache gemeinsam und abschließend in der Sitzung am 18. Dezember 2007.

II. Beratungsinhalt:

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter referierten eingangs die vorliegende Stellungnahme des Senats. Zurzeit würden 6.946 Kinder in Kindertagesstätten (Kitas) gefördert, 23.000 Exemplare der einheitlichen Bildungsempfehlungen seien an die entsprechenden Träger, Verbände und Kindertagesstätten verteilt worden. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liege ­ da 25 Prozent der Kinder in den Kitas einen Migrationshintergrund hätten ­ in der Sprachförderung.

Die CDU-Abgeordneten fragten nach, ob es bereits Rückmeldungen aus den Schulen und den Kitas zu den seit 2007 eingeführten Sprachförderungen gebe. Ihrer Beobachtung nach existierten Vorbehalte zwischen den Institutionen Kita und Grundschule, diese seien durch die gemeinsamen Bildungspläne rückläufig. Bezüglich der Bildungshäuser wollten sie wissen, ob es durch diese Einrichtung verstärkte Kooperationen zwischen den einzelnen Kita-Trägern gebe.

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter führten zu der Frage der Rückmeldungen aus den Schulen und den Kitas und der damit implizierten Frage nach dem Stand der Evaluationen aus, dass die Auswertungen noch nicht abgeschlossen, positive Tendenzen aber bereits erkennbar seien. Auf Rückfrage der SPD-Abgeordneten antworteten die Senatsvertreterinnen und -vertreter, dass der Evaluationsbericht aus der Behörde für Bildung und Sport im Januar 2008 vorliegen werde.

Die manchmal als schwierig erfahrene Schnittstelle zwischen Kitas und Grundschulen sei aus Sicht der Behörde für Bildung und Sport inzwischen bedingt durch gemeinsame Fortbildungen und einer erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit mit einer deutlich größeren Bereitschaft zur Annäherung zu beschreiben. Die Senatsvertreterinnen und -vertreter aus der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz (BSG) bestätigten diese Feststellung, eine enge Zusammenarbeit zwischen den Institutionen sei äußerst wichtig und den Arbeitsergebnissen förderlich.

Die SPD-Abgeordneten hoben auf die unterschiedlichen der Drucksache zu entnehmenden Schwerpunktsetzungen der beteiligten Behörden für KitaS und Vorschulen ab, man frage sich, wie unter diesen Umständen die Vernetzung zwischen den Behörden funktioniere und eine inhaltliche Deckungsgleichheit zustande kommen könne. Von den Senatsvertreterinnen und -vertretern der BSG erbaten sie nähere Ausführungen zu bereits erreichten oder nicht erreichten Zielen in den Kitas in Folge der aktualisierten Richtlinien.

Die Kooperation zwischen den Behörden funktioniere sehr gut, so die Senatsvertreterinnen und -vertreter der BSG, Störungen würden aufgegriffen und geklärt. Erklärtes Ziel seien gleichwertig gute Ausgangsbedingungen für die Kinder aus Kitas und Vorschulen. Durch zahlreiche Besuche in den Kitas hätten sie den Eindruck gewonnen, dass die Maßnahmen griffen, qualitativ hochwertige Angebote vorlägen und zahlreiche Erfolge erzielt würden.

Die SPD-Abgeordneten fragten nach, aus welchen Gründen die beteiligten Behörden zwei ganz unterschiedliche Bildungsberichterstattungsformen für die Bürgerschaft anstrebten, die BBS werde eine jährliche, die BSG eine anlassbezogene Berichterstattung vornehmen. Sie bezogen sich dabei explizit auf den Punkt 3 der vorliegenden Stellungnahme des Senats.

Die Begründung liege in den zwei ganz unterschiedlichen Konzepten für Kitas und Vorschulen, so die Antwort der Senatsvertreterinnen und -vertreter, deshalb könnten die beiden Systeme nicht direkt miteinander verglichen werden. Vonseiten der BBS habe man eine schuljahrsbezogene Sicht auf die Entwicklung der Maßnahmen, auch die Sprachförderungskonzepte seien jährlich angelegt, mit Ziel- und Leistungsvereinbarungen untermauert und würden jährlich in Form eines Berichts evaluiert. Die Kitas hätten hingegen diese schuljahresbezogene zeitliche Taktung nicht. Wesentlich sei aus ihrer Sicht zunächst nicht die Form der Evaluation, sondern dass die Kinder mit dem Eintritt in die Grundschulen die notwendigen, in den Bildungsempfehlungen beschriebenen Kompetenzen aufwiesen. Unter Punkt 2.4.3 der vorliegenden Drucksache sei deutlich aufgeführt, dass die Entwicklung einer gemeinsamen Evaluation angestrebt werde, was unter den gegebenen Umständen nur mangelhafter wissenschaftlicher Grundlagen relativ schwierig sei.

Die SPD-Abgeordneten schilderten ihre in Gesprächen mit Eltern erfahrenen Rückmeldungen zur Umsetzung der Bildungsempfehlungen in den Kitas, elternseitig seien die Einschätzungen zur Qualität und Umsetzung sehr heterogen. Sie erbaten von den Senatsvertreterinnen und -vertretern Auskunft darüber, wie man diesem Phänomen begegnen wolle, denn es müsse aus ihrer Sicht eine Verbindlichkeit in der Umsetzung der Bildungsempfehlungen für alle Kitas hergestellt werden.

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter führten an, dass zum einen durch das Kita-Gutscheinsystem ein Wettbewerb entstanden sei, der die Nachfrage nach einzelnen Kitas in Abhängigkeit von ihrer Qualität differenziere. Zum anderen überlege man eine Form der Überprüfung der Einrichtungen unter Vermeidung schwerfälliger bürokratischer Strukturen. Man werde ein Feststellungsverfahren einführen, das am Ende des 6. Lebensjahres Aufschluss über die Einzelkompetenzen der Kinder geben werde.

Möglicherweise werde man dieses Verfahren auf längere Zeiträume ausdehnen und damit Angaben über die Wirkungsweise der Kindertagesbetreuung auf die Kompetenzentwicklung der Kinder gewinnen. Wissenschaftlich seien diese Verfahren aber noch nicht genügend abgesichert, deshalb strebe man eine anlassbezogene und keine zeitbezogene Berichterstattung an.

Die GAL-Abgeordneten schlossen sich den Äußerungen der SPD-Abgeordneten zu der Problematik der unterschiedlichen Berichterstattungen an: Wenn einerseits gleiche Bildungsstände unabhängig von der besuchten Institution für den Einstieg in das erste Schuljahr gefordert würden, könne dieses letzte Jahr vor dem Schulbesuch nicht mit unterschiedlichen Berichterstattungsformen abgehandelt werden.

Die CDU-Abgeordneten warfen die Grundsatzfrage auf, ob zukünftig die bisher existierende freie Trägerlandschaft im Kita-Bereich Bestand haben solle oder ein staatliches Vorschul-/Kita-System mit direktem Anschluss an die Grundschulen geschaffen werden solle. Sie würden Letzteres nicht begrüßen, man möchte die Kooperationen im Kita-Bereich auf freiwilliger Ebene weiterführen. Die SPD-Abgeordneten erwiderten darauf, dass sie kein einheitliches staatliches System, aber einen angemessenen Kita-Platz und einheitliche Bildungsstandards für jedes Kind forderten.

Die SPD-Abgeordneten fragten nach, in wie vielen Fällen von der in der Drs. 18/6804 unter Punkt 2.3.4 erwähnten Ausnahmeregelung zum verpflichtenden Besuch einer Vorschulklasse mit besonderem Sprachförderangebot Gebrauch gemacht worden sei.

Darin eingeschlossen sei die Überlegung, ob der alternative Besuch einer Kita mit gleichen Bildungszielen zu einem ähnlich hohen Erfolg in der Sprachkompetenz des Kindes geführt habe. Dazu gaben die Senatsvertreterinnen und -vertreter eine Protokollerklärung ab (Anlage).

Die SPD-Abgeordneten fragten darüber hinaus nach, wie der Übergang von der Kita in die Vorschule insbesondere hinsichtlich der Sprachförderungsmaßnahmen in den Bildungsempfehlungen gestaltet sei und ob es doch möglich sei, bereits jetzt eine Einschätzung zu der Umsetzungsqualität der Bildungsempfehlungsmaßnahmen auch in Relation zu Gruppengrößen, Standorten und den bewilligten Zuschussmitteln zu geben.

Die Senatsvertreterinnen und -vertreter gaben an, dass es bisher keine konkreten Erkenntnisse über den Erfolg der Maßnahmen gebe, die Rückmeldungen der Träger seien heterogen, die Tendenz aber durchaus positiv. Die Investitionsmittel über 370 Millionen Euro und die zu betreuende Kinderanzahl hätten einen Höchststand erreicht, bundesweit und darüber hinaus erfahre das Hamburger System große Anerkennung. Die Investitionsmittel stünden den Trägern zur freien Verfügung, das sei eine Neuerung im Rahmen dieses Systems.

Auf die Nachfrage der SPD-Abgeordneten, wie der von Grundschullehrern in Kitas abgehaltene Sprachunterricht gestaltet und aufgenommen werde, wie der Weiterbildungsstand der im Sprachförderunterricht tätigen Lehrerinnen und Lehrer sei und inwieweit eine Sprachstandsfeststellung stattfinde, antworteten die Senatsvertreterinnen und -vertreter, dass in den Kitas in der Regel kein Frontalunterricht stattfinde, sondern eine Spielsituation geschaffen werde, die zur Förderung des Spracherwerbs genutzt werde. Zumeist seien die Kontakte zwischen den Sprachlehrerinnen und -lehrern und Kitas bereits durch gemeinsame Fortbildungen und Kooperationen gewachsen, so dass es unter den Fachkräften keine Berührungsängste gebe. Zu den Sprachstandsfeststellungen habe es Verhandlungen mit den Kita-Trägern gegeben, so dass die Arbeit im Sprachförderungsbereich weiter professionalisiert werde. Ab 2008 würden diese Feststellungen verbindlich stattfinden und finanziell gefördert.

III. Ausschussempfehlung:

Der federführende Schulausschuss bittet die Bürgerschaft, von seinen Beratungen Kenntnis zu nehmen.

Wilfried Buss, Berichterstatter Schulausschuss Carola Veit, Schriftführerin Familien-, Kinder- und Jugendausschuss Sitzung des Schulausschusses am 18. Dezember 2007

Im Rahmen der Sitzung des Schulausschusses am 18. Dezember 2007 wurden folgende Rückmeldungen zu Protokoll zugesagt: 1.

Mitteilung der Anzahl der Fälle, die von der Ausnahmeregelung (Seite 4 der Drs. 18/6804, Pkt. 2.3.4) Gebrauch gemacht haben und den verpflichtenden Besuch einer VSK im Jahr vor der Einschulung (bei ermitteltem „ausgeprägten" beziehungsweise „besonders ausgeprägtem" Sprachförderbedarf) durch den Besuch einer Kita ersetzt haben.

Es handelt sich um 522 von insgesamt 1.653 Kindern (gemäß der vorläufigen Auswertung zur Herbststatistik 2007).