Konzept für Kunst im öffentlichen Raum bei der Projektplanung von Kreisverkehren

Im Jahr 1981 beschloss der Hamburger Senat das Programm Kunst im öffentlichen Raum und hat damit Hamburg zum Vorreiter für progressive Ansätze zeitgenössischer Kunst im Stadtraum gemacht. Im Gegensatz zur tradierten „Kunst am Bau", die heute noch in vielen Kommunen und Ländern praktiziert wird, ermöglicht das Hamburger Modell die Nutzung des gesamten urbanen Raums als künstlerischen Präsentationsund Interventionsort. Für eine gute und konsequente Umsetzung von Projekten sorgt seither die beratende Tätigkeit der Kunstkommission, eines Gremiums von kunstsachverständigen Experten, die maßgeblich zur Qualitätssicherung des Programms Kunst im öffentlichen Raum beigetragen hat. So sind in Hamburg eine Vielzahl von Arbeiten entstanden, die zum Teil internationale Beachtung fanden und immer wieder urbane, architektonische, soziale sowie historische Bedingungen aufgreifen und sich künstlerisch mit dem gesellschaftlichen Wandel des öffentlichen Raums auseinandersetzen. Insgesamt konnten bereits mehrere hundert Einzelwerke von Künstlern wie beispielsweise Waldemar Otto, Stephan Balkenhol, Jörg Immendorff oder Sol LeWitt realisiert werden. Ebenso entstanden Orte des lebendigen Austausches und der sozialen Integration wie Park Fiction auf St. Pauli, an dem unter anderem der Künstler Christoph Schäfer maßgeblich beteiligt war. Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch das Projekt AUSSENDIENST im Jahr 2000/2001 das erstmals konzeptionell und programmatisch gezielt nationale und internationale Künstler in ein zentrales Projekt zu Kunst im öffentlichen Raum eingebunden hat.

Derzeit beabsichtigt der Hamburger Senat, die Herstellung von Kreiseln zu fördern und erarbeitet ein Programm zur Realisierung von Kreisverkehren in den nächsten Jahren. Kreisverkehre haben verschiedene Nutzeffekte. Sie reduzieren nicht nur die Unfallgefahr, sie sind zudem auch kostengünstiger als Ampelkreuzungen und fördern darüber hinaus den Verkehrsfluss, so dass sie energiesparend und umweltfreundlicher sind. Mit der Förderung von Kreisverkehren im Zuge der Senatskonzepte zum Klimaschutz und zur Verflüssigung des Straßenverkehrs bietet sich für Hamburg die Gelegenheit, das Programm Kunst im öffentlichen Raum einzubinden und unter Einbeziehung der Kunstkommission Hamburgs internationales Renommee hinsichtlich der Kunstwerke im öffentlichen Raum zu stärken. Auch andere Städte wie beispielsweise Münster, Telgte oder auch Herford nutzen bereits die neu entstehenden Flächen als neue Interventionsräume für die Kunst. Zur Nutzung dieser Möglichkeit ist ein Konzept erforderlich, dass die Bedeutung der Bildenden Kunst in diesem Zusammenhang stärkt und eine Instrumentalisierung von Kunst zur bloßen Stadtverschönerung verhindert. So sollen Arbeiten entstehen, die speziell für den Ort entwickelt werden, kontext- und ortsspezifisch sind und Blickbeziehungen herstellen. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, die mit der Planung und Realisierung der Kreisverkehre in Kooperation mit den Bezirken beauftragt ist, möge hierfür in Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde ein entsprechendes Konzept entwickeln.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird ersucht,

1. zu prüfen, inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen die Einbindung des Programms „Kunst im öffentlichen Raum" und der Kunstkommission in die Planungsvorgänge zur Realisierung von Kreisverkehren in Hamburg erfolgen kann;

2. zu prüfen, inwieweit die Finanzierung und der Unterhalt und die Pflege durch Öffentliche-Private-Partnerschaft, Sponsoring oder Patenschaften sichergestellt werden können;

3. der Bürgerschaft zu berichten.