Herausforderungen des demografischen Wandels annehmen ­ den Arbeitsmarkt für die Zukunft gestalten

Die Zahl der 55 ­ 64-Jährigen wird bundesweit bis zum Jahr 2020 um rund 40 Prozent wachsen. Die Unternehmen müssen sich endlich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen. Die Erfahrungen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden gebraucht. Es kann nicht sein, dass die Wirtschaft auf der einen Seite zwar einen zunehmenden Fachkräftemangel in bestimmten Branchen beklagt, sich ein guter Teil der Unternehmen aber grundsätzlich nicht vorstellen kann, Arbeitsnehmerinnen oder Arbeitnehmer über 50 Jahren einzustellen. Bei größeren Unternehmen findet hier teilweise ein Mentalitätswandel statt und Ältere profitieren zunehmend vom konjunkturellen Aufschwung. Auch die vom ehemaligen Bundesarbeitsminister Müntefering gestartete Initiative „50 Plus" zeigt Erfolge.

Bundesweit und in Hamburg ist die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen im vergangenen Jahr überproportional zurückgegangen, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen älteren Beschäftigten steigt. Die Arbeitsplätze von Älteren sind sicherer geworden, sie werden nicht mehr so leicht entlassen. Zudem schafft der sich in vielen Bereichen abzeichnende Fachkräftemangel, neue Chancen auch für ältere Arbeitslose. In vielen Branchen, insbesondere im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Handel und in der Logistikbranche, könnten sie neu einsteigen.

Insgesamt sind Unternehmen aber nur unzureichend auf den demografischen Wandel vorbereitet. Angesichts der in Zukunft zwangsläufig älter werdender Belegschaften in einer sich immer schneller verändernden Arbeitswelt, muss sehr viel stärker in die Gesundheitsprävention im Betrieb investiert werden. Flexible Arbeitszeiten, Verdichtung der Arbeit, ständige Neuerungen, Zeitdruck und so weiter lassen neue Gesundheitsrisiken entstehen, mit denen umgegangen werden muss. Auf der anderen Seite können nicht mehr so leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht einfach ausgemustert werden. Es muss also im Interesse der Allgemeinheit, des Einzelnen als auch der Betriebe sein, hier vorzubeugen. Die Bundesregierung wird im ersten Halbjahr 2008 „Eckpunkte zur Humanisierung der Arbeitswelt" vorlegen.

Neben der Gesundheit muss auch die Qualifikation erhalten bzw. an die sich verändernden und in vielen Bereichen gewachsenen Anforderungen angepasst werden.

Sowohl im nationalen wie im internationalen Vergleich wird in Hamburg zu wenig in die Qualifikation von Beschäftigten investiert. Ältere sind zudem in der beruflichen Weiterbildung unterrepräsentiert. Vor allem in kleinen und mittleren Betrieben werden sie besonders selten weitergebildet. Mit dem Job AQTIV-Gesetz von 2002 stehen gezielte Instrumente zur Förderung der Weiterbildung für Ältere zur Verfügung. Damit sollen zusätzliche Qualifizierungsaktivitäten angeschoben und unterstützt werden. Mit „WeGebAU" wurde im Jahr 2006 ein Programm aufgelegt und 2007 leicht verändert, das die präventiven Elemente der Weiterbildung stärken soll. Leider werden die Instrumente zum Erhalt von Qualifikationen von den Betrieben kaum genutzt.

Knapp die Hälfte der Betriebe weiß überhaupt nur von diesen Fördermöglichkeiten.

Nur ein Viertel von diesen nutzt sie dann auch. Hauptgrund der Betriebe: Sie sehen keinen Bedarf. Besonders kleine Betriebe nutzen die Instrumente kaum.

Vor diesem Hintergrund möge die Bürgerschaft beschließen:

Der Senat wird aufgefordert,

- gemeinsame Initiativen mit Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Trägern der Gesundheitsförderung zu starten, um die betriebliche Gesundheitsförderung und Stressprävention auszubauen.

- Anreize für Unternehmen für die altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen zu schaffen und gegebenenfalls sogenannte Schonarbeitsplätze für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzurichten, die gesundheitliche Einbußen erlitten haben.

- dort wo die Stadt selbst Arbeitgeberin ist, die betriebliche Gesundheitsförderung und Stressprävention auszubauen und altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen.

- gemeinsam mit Handwerks- und Handelskammer und dem Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit in Hamburg eine Informationskampagne, insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe zu starten, um bestehende Instrumente der Förderung der Weiterbildung für Ältere bekannter zu machen und für deren Inanspruchnahme zu werben,

- die außerbetriebliche Weiterbildung zu stärken und einen Hamburger Weiterbildungs-Pass einzuführen.