Touch & Travel

Betreff: Touch & Travel ­ welche Kenntnisse haben der Senat und der Hamburger Verkehrsverbund über dieses Modellprojekt der Deutschen Bahn?

Wie kann dieses Projekt mit Einführung eines Elektronik-TicketingVerfahrens beim Hamburger Verkehrsverbund gegebenenfalls kombiniert werden?

Touch & Travel ist ein derzeit in der Erprobungsphase befindliches bargeldloses Bezahlsystem zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Der Erwerb der Fahrkarte erfolgt bei diesem System ausschließlich per Mobiltelefon. Dieses Projekt wurde im Jahre 2006 von der Deutschen Bahn AG und einigen vornehmlich aus der Telekommunikationsbranche stammenden Firmen initiiert.

Medienberichte zufolge soll die Erprobungsphase Ende 2010 abgeschlossen sein; die Marktreife und der flächendeckende Regelbetrieb werden für 2011/2012 angestrebt.

Getestet wird dieses Verfahren aktuell in Berlin, Potsdam, vom Rhein-MainVerkehrsverbund, in Teilgebieten Nordrhein-Westfalens und auf einigen ausgewählten Fernverkehrsverbindungen ­ jedoch nicht in Hamburg, wo der HVV derzeit ebenfalls an der versuchsweisen Einführung eines ElektronikTicketing-Verfahrens im Hamburger Verkehrsverbund arbeitet und ein entsprechender Senatsantrag in der Hamburgischen Bürgerschaft mit Stimmen der SPD, CDU und GAL gegen die Stimmen DER LINKEN angenommen wurde (vergleiche Drs. 19/2573).

Es stellt sich daher beispielsweise die Frage, ob es zwischen diesen beiden Projekten Synergieeffekte gibt, ob der Hamburger Verkehrsverbund in beiden involviert ist oder ob Hamburg hier gegebenenfalls an einer „technischen Insellösung" arbeitet, die mit Entwicklungen in anderen Verkehrsverbünden nicht kompatibel wäre und wie der aktuelle Sachstand zu diesen Projekten aussieht.

Daher fragen wir den Senat:

Sowohl die Feldversuche zu Touch & Travel als auch das sogenannte HVV-eTicketingProjekt basieren auf dem einheitlichen technischen Standard für elektronisches Fahrgeldmanagement des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der VDVKernapplikation. Dort sind die Varianten elektronische Bezahlung, elektronisches Ticket (wie im HVV-Projekt) und automatisierte Fahrpreisfindung über Check in ­ Check out (zum Beispiel Touch & Travel) vorgesehen. Damit sind beide Ansätze grundsätzlich kompatibel sowohl miteinander als auch mit weiteren eTicketing-Projekten in Deutschland (Verkehrsverbünde Rhein-Ruhr/Rhein-Sieg; Raum Schwäbisch Hall, Halle/Leipzig et cetera).

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen auf Grundlage von Auskünften der Deutsche Bahn AG (DB AG) und des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) wie folgt: Projekt E-Ticket im Hamburger Verkehrsverbund

1.) Wie ist der aktuelle Sachstand bezüglich des Elektronik-Ticket-Verfahrens? Bitte ausführen.

Sämtliche technischen Spezifikationen, wie ein Systemkonzept zur technischen Gesamtlösung und Rahmenlastenhefte zur Aufrüstung der Verkaufs- und Kontrollgeräte, wurden erstellt und darauf aufbauende Aufträge vergeben. Derzeit werden die ersten Komponenten bereitgestellt und miteinander verbunden. Nach erfolgreichem Abschluss aller Systemtests voraussichtlich im Herbst 2010 werden erste Chipkarten an Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen sowie des HVV ausgegeben, um das Gesamtsystem unter realen Bedingungen zu erproben. Insgesamt handelt es sich um einen technisch sehr komplexen Ansatz, bei dem allein in der Pilotregion sechs Verkehrsunternehmen (Hamburger Hochbahn AG, S-Bahn Hamburg GmbH, metronom Eisenbahngesellschaft mbH, DB Regio AG, KVG Stade GmbH & Co. KG, Verkehrsbetriebe Buchholz i.d.N. GmbH) und elf Hersteller für die Verkaufs- und Kontrollgeräte sowie die Chipkarten beteiligt sind. Mit Rücksicht auf die Übernahme des Vertriebs für das Hansenetz durch metronom im Dezember 2010, über die im Frühjahr 2010 endgültig entschieden wurde, und die damit verbundenen technischen Umstellungen soll der Marktstart mit externen Kunden abweichend von ursprünglichen Planungen nunmehr im Frühjahr 2011 erfolgen.

2.) Das Projekt „E-Ticketing im Hamburger Verkehrsverbund (HVV)" wird in einer Pilotphase erprobt, die zunächst auf den Bezirk und den Landkreis Harburg beschränkt ist.

a) Bis zu welchem Zeitpunkt ist diese Pilotphase angesetzt?

Zunächst ist eine Laufzeit von einem Jahr ab Marktstart vorgesehen.

b) Wann hat diese Pilotphase begonnen?

c) Wie und mit welchem technischen Aufwand wurde diese Pilotphase begonnen?

3.) Welche aktuellen Erfahrungen hat der Hamburger Verkehrsverbund (des Weiteren HVV) mit diesem Pilotprojekt und wie beurteilt er dieses zum aktuellen Zeitpunkt?

Siehe Antwort zu 1.).

4.) Haben der Senat, die zuständigen Behörden oder der HVV zu diesem Projekt Gutachten vergeben?

Wenn ja, welche, zu welchem Inhalt, wann, an wen, über welche Auftragssumme und mit welchen Inhalten? Bitte ausführen.

Wenn nein, warum nicht?

5.) Sind dem Senat, den zuständigen Behörden oder dem HVV zu diesem Thema Studien und wissenschaftliche Untersuchungen bekannt?

a) Wenn ja, welche und mit welchen Inhalten?

Ja, dem HVV liegen das Lastenheft „Interoperable ÖPV-Kernapplikation für das Elektronische Fahrgeldmanagement" aus dem April 2002 sowie sämtliche darauf aufbauende Dokumente, die den Standard näher definieren, vor.

b) Sind die dortigen Ergebnisse veröffentlicht?

Wenn ja, wo?

Ja, sie können beim VDV bezogen werden.

6.) Ist der Hamburger Datenschutzbeauftragte bezüglich der etwaigen datenschutzrechtlichen Auswirkungen dieses Projekts befasst worden?

Wenn ja, seit wann und wie?

Wenn nein, warum nicht?

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte wurde von Beginn an in die Entwicklung des HVV-eTicketing-Konzepts einbezogen. Im Übrigen siehe Drs. 19/2573.

Projekt „Touch & Travel"

7.) Welche Kenntnisse haben der Senat, die zuständigen Behörden und der Hamburger Verkehrsverbund (des Weiteren: HVV) zu dem dargestellten „Touch & Travel-Projekt"? Bitte darstellen.

Die zuständige Behörde und der HVV haben Kenntnis über den aktuellen Stand der Feldtests zu Touch & Travel. Es handelt sich dabei um ein Check in ­ Check outVerfahren bei Beginn und Ende jeder Fahrt. Der Fahrpreis wird nachträglich aus diesen Informationen sowie den Fahrplandaten errechnet. Notwendig sind dazu bestimmte Handys mit der Fähigkeit, auf kurze Distanz kontaktlos Daten zu übertragen (Near Field Communication ­ NFC). Dazu dienen an den Bahnhöfen montierte Kontaktflächen (sogenannte Touch Pads). Die technische Praktikabilität konnte mit Testnutzern und -geräten nachgewiesen werden.

8.) Wie beurteilen der Senat und die zuständigen Behörden dieses Projekt grundsätzlich?

9.) Wie beurteilt der HVV dieses Projekt grundsätzlich?

Die zuständige Behörde und der HVV begrüßen das Touch & Travel-Projekt im Grundsatz, da hier auf Basis der VDV-Kernapplikation eine weitere Möglichkeit zur Gewinnung technologieaffiner Nutzer für das eTicketing geschaffen wird. Mittelfristig könnten so relativ teure Chipkarten durch Nutzermedien in der Hand des Kunden (insbesondere Handys) ersetzt werden.

10.) Warum hat der HVV an diesem Testversuch nicht teilgenommen? Bitte ausführen.

Mit dem HVV-eTicketing-Pilotprojekt soll ein neues Tarifangebot für alle regelmäßigen Gelegenheitsnutzer am Markt erprobt werden. Bei Erfolg sollen auch alle weiteren regelmäßigen HVV-Kunden (Inhaber von Monats- und Abo-Karten) einbezogen werden. Aufgrund der noch sehr geringen Verbreitung von NFC-Handys wäre mittelfristig keine vollständige Abdeckung bestimmter Kundengruppen über die Handy-Technologie möglich. Zudem erfordert das Check in ­ Check out-Verfahren bei jedem Beginn und Ende einer Reise die aktive Handlung des Kunden. Dies würde gerade für die hohe Zahl von Zeitkartenkunden im HVV einen Rückschritt bedeuten.

11.) Wurde der HVV von der Deutschen Bahn AG oder einer anderen Einrichtung hierauf angesprochen?

Wenn ja, von wem und wann?

Ja, im Rahmen der Abstimmungsgespräche zur Integration der DB AG in das HVVProjekt im Herbst 2008 seitens der relevanten Ansprechpartner bei DB Vertrieb, Frankfurt und Hamburg.

12.) Haben der Senat, die zuständigen Behörden oder der HVV zu diesem Projekt Gutachten vergeben?

Wenn ja, welche, zu welchem Inhalt, wann, an wen, über welche Auftragssumme und mit welchen Inhalten? Bitte ausführen.

Wenn nein, warum nicht?

Nein, im Übrigen siehe Antwort zu 10.). 13.) Sind dem Senat, den zuständigen Behörden oder dem HVV zu diesem Thema Studien und wissenschaftliche Untersuchungen bekannt?

a) Wenn ja, welche und mit welchen Inhalten?

b) Sind die dortigen Ergebnisse veröffentlicht?

Wenn ja, wo?

14. Liegen dem Senat, den zuständigen Behörden oder dem HVV erste Erfahrungen und Einschätzungen der beteiligten Verkehrsverbünde zu dem dargestellten „Touch & Travel-Projekt" vor?

Wenn ja, welche und mit welchen Inhalten? Bitte ausführen.

Wenn nein, wurden diese erfragt?

Wenn nein, warum (noch) nicht?

Nein, da eine Umsetzung im HVV kurzfristig nicht absehbar ist. Im Übrigen siehe Antwort zu 10.

15.) Soll das System „Touch & Travel", das vollständig über das Mobiltelefon des Bahnkunden läuft, mittelfristig Personal an den Ticketschaltern der Deutschen Bahn einsparen?

Der zuständigen Behörde liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.

16.) Ist der Hamburger Datenschutzbeauftragte bezüglich der etwaigen datenschutzrechtlichen Auswirkungen dieses Projekts befasst worden?

Wenn ja, seit wann und wie?

Wenn nein, warum nicht?

Nein. Zur Begründung siehe Antwort zu 10.).