Wohnhaus

Fontenay 183

Auf der Grundlage des umstrittenen Bebauungsplans Rotherbaum 25 und zu Ehren eines einflußreichen Investors wurde 1994 das bedeutsame Stadtquartier Fontenay abgetragen und durch eine eher beliebige Neubebauung ersetzt.

Zeugnis von dem aufgegebenen Quartier legt noch das damals vom Abriß ausgenommene klassizistische Wohnhaus Mittelweg 183 aus der Zeit John Fontenays ab, das nun auch gefährdet erscheint.

Ich frage den Senat:

1. Welche stadt- und architekturhistorische Bedeutung erkennt der Senat in dem leerstehenden Gebäude Fontenay 183?

Das Gebäude ist Teil der seit 1818 auf dem Gelände der ehemaligen Klosterbleiche entstandenen Landhauskolonie von John Fontenay; diese in der Geschichte und für die Entwicklung Rotherbaums sehr bedeutende Landhausansiedlung ist heute nur noch durch die Häuser Mittelweg 183 und 185 vertreten. Das Gebäude Mittelweg 183 zeigt die Architektur eines derartigen klassizistischen Landhauses und dokumentiert darüber hinaus den Neubeginn der räumlichen Entwicklung und der Bebauung nach dem Abzug der Franzosen, nämlich die Fortführung der seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert im stadtnahen Rotherbaum bekannten Besiedelung mit Sommerhäusern, eine Phase in der Entwicklung des Gebiets am westlichen Alsterufer, die auf die räumliche und bauliche Weiterentwicklung der Stadtteile Harvestehude und Rotherbaum starken Einfluß gehabt hat.

Das Gebäude ist am 13. Dezember 1954 unter Nummer 421 in die Denkmalliste eingetragen worden.

2. Aus welchen Gründen wird das Haus seit längerer Zeit nicht bewohnt?

3. Seit wann wird dieses Gebäude nicht mehr genutzt?

Die Stadt hat an dem Gesamtgrundstück Mittelweg 183 bis 188 ein Erbbaurecht. Sie steht mit der JohnFontenays-Testament-Stiftung als Grundstückseigentümerin seit 1995 in Verhandlungen über eine Rückübertragung des Gebäudes Mittelweg 183 und des damit verbundenen Grundstücksanteils. Die Verhandlungen dauern bis heute an.

Da die Grundeigentümerin eine Rücknahme des Gebäudes frei von Mietverhältnissen anstrebt, wurde die Nutzung nach einvernehmlicher Umquartierung der letzten Mieterin zum 31. August 1997 durch die SAGA beendet.

4. Wie hoch sind die seither aufgetretenen Schäden?

Der Zustand des leerstehenden Gebäudes wird regelmäßig durch die SAGA überwacht. Nach deren Aussage sind nach Auszug der Mieterin erkennbar keine weiteren Schäden aufgetreten.

5. Besteht die Absicht, den Erhalt des Gebäudes durch allmählichen Verfall unwirtschaftlich zu machen?

Nein.

6. Wenn ja: Aus welchen Gründen? Wenn nein: Auf welche Weise verfolgt der Senat das Ziel, das Gebäude zu erhalten und seine Restaurierung zu ermöglichen?

Entfällt. Siehe Antwort zu 2. und 3.

Anlage zur Anfrage des Abgeordneten (Foto: Archiv CDU-Bürgerschaftsfraktion) „Bis heute gehört die Fontenay... mit der Fontenay-Allee zu den reizvollsten kleinen Vierteln, angesichts der Geschäftshäuser in der Nähe ein merkwürdig liegengebliebenes Idyll" (Professor Hermann Hipp: „Freie und Hansestadt Hamburg ­ Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster", 1989, erschienen vor dem Abriß).