Ausbildung

Mädchen in Handwerksberufen und Schnupperlehre Mädchen sind in handwerklichen so genannten männertypischen Ausbildungsberufen nach wie vor unterrepräsentiert. Im Zusammenhang mit der Berufsmesse „Mädchenwirtschaft" wurde deutlich, dass die Förderung des weiblichen Nachwuchses erforderlich ist, um den Bedarf an gutem und qualifiziertem Nachwuchs ausreichend zu decken. Schule und Elternhaus kommen bei der Berufswahl von Mädchen und jungen Frauen immer noch entscheidende und prägende Bedeutung zu. Ein Projekt, Mädchen an diese Berufsfelder heranzuführen, ist die so genannte Schnupperlehre, bei der Mädchen auf Zeit an diese für sie bisher weniger interessanten Berufe herangeführt werden und sich ausprobieren können. Der Bestand dieser Einrichtung scheint gefährdet zu sein.

Ich frage den Senat:

1. Wie groß ist aus Sicht des Senats der Bedarf an qualifiziertem Handwerkernachwuchs in Hamburg in den nächsten zehn Jahren und wie kann dieser gedeckt werden?

Nach Auskunft der Handwerkskammer Hamburg umfasst die Zahl der handwerklich Qualifizierten ­ einschließlich der Leitungspersonen ­ im Hamburger Handwerk gegenwärtig rund 110 000 Personen.

Hiervon ist gut ein Viertel älter als 50 Jahre, so dass in den kommenden zehn Jahren allein im Hamburger Handwerk voraussichtlich 27 000 bis 30000 Fachkräfte benötigt werden. Die Sicherung eines in quantitativer wie qualitativer Hinsicht ausreichenden Berufsnachwuchses liegt vor allem in der Verantwortung der Wirtschaft. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass das Handwerk seinen Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs durch Information, Nachwuchswerbung und -förderung und eine quantitativ und qualitativ angemessene Ausbildung stets in ausreichendem Maße decken konnte.

2. Welche Erfahrungen wurden in Hamburg mit der so genannten Schnupperlehre in den letzten eineinhalb Jahren (1999 und 2000) gemacht?

Die vergangenen 18 Monate waren von der Umstrukturierung des Projekts „Schnupperlehre" gekennzeichnet, mit der im Wesentlichen eine inhaltliche Anpassung an die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und eine stärkere Ausrichtung der beruflichen Orientierung junger Frauen auf die zukunftsfähigen, attraktiven Ausbildungsberufe im Medien-, Informations- und Telekommunikationsbereich vollzogen wurden. Um eine größere Betriebsnähe zu erreichen, sollen künftig verstärkt ausbildungsinteressierte Betriebe akquiriert werden, die Praktikumsplätze in für Mädchen eher untypischen technikorientierten Berufsfeldern anbieten.

3. Wie viele Mädchen haben in den letzten fünf Jahren in welche Berufe „hineingeschnuppert"?

Die Teilnehmerinnen an der Schnupperlehre erhielten die Möglichkeit, erste berufsfeldbezogene praktische Erfahrungen in der handwerklichen Metall- und Elektrobranche und seit 1998 auch im EDVBereich zu sammeln. Die Teilnehmerinnenzahlen in den vergangenen fünf Jahren stellen sich wie folgt dar.

Neuere Zahlen liegen nicht vor, da die Daten schuljahresbezogen erhoben werden.

Das Projekt Schnupperlehre hat sich 1999 an den Berufsfindungs-Aktionstagen nicht beteiligt.

4. Hat sich eine Veränderung im Berufswahlverhalten der Mädchen ergeben, die eine „Schnupperlehre" absolviert haben? Wenn ja, inwiefern und welche Berufe wurden gewählt? Wenn nein, welche Erkenntnisse liegen hierzu vor?

Hierzu liegen keine empirisch gesicherten Daten vor.

5. Welche Erfahrungen wurden mit dem Selbstbeteiligungsanteil von 50 DM pro Schnupperlehre gemacht?

Die im Bericht zur Ausbildungssituation 1998 (vgl. Abschnitt 3.3.1 der Drucksache 16/1934) angekündigte Kostenbeteiligung der entsendenden Schulen wurde nicht umgesetzt.

6. Trifft es zu, dass das Programm der „Schnupperlehre" eingestellt und nicht weiter unterstützt werden soll? Wenn ja, aus welchen Gründen und wie sollen statt dessen Mädchen für diese Berufsfelder interessiert werden? Wie verträgt sich dies mit den im Gleichstellungsausschuss vom Februar 2000 seitens des Senats getätigten Aussagen, dass es keine Einstellung des Programms geben werde? Wenn nein, wie und durch wen soll es in der Zukunft ausgeführt und finanziert werden?

Nein. Der Senat hat im Bericht zur Ausbildungssituation 1999 (Abschnitt 4.3.4 der Drucksache 16/3842) ausführlich dargelegt, dass für das Projekt „Schnupperlehre" ein neues Konzept entwickelt worden ist.

Es sieht eine regionalisierte, mädchenspezifische Berufsorientierung in Kooperation mit den Schulen und mit zielgruppenspezifischen Institutionen im Stadtteil vor. Trägerschaft und Finanzierung bleiben unverändert.