Fortbildung

Umsetzung der Rechtschreibreform in der Hamburger Verwaltungspraxis „Der eine hat eine falsche Rechtschreibung und der andere eine rechte Falschschreibung." Georg Christoph Lichtenberg

Im Juli 1996 wurde in Wien von den zuständigen Stellen der deutschsprachigen Länder eine zwischenstaatliche Erklärung über die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung unterzeichnet. Stichtag für die Einführung der neuen Regeln war der 1. August 1998.

Die neue amtliche Rechtschreibung ist verbindlich für diejenigen Institutionen, für die der Staat Regelungskompetenz besitzt. Das sind einerseits die Schulen und andererseits die Behörden.

An Schulen wird seitdem nur noch nach den neuen Regeln unterrichtet. Ab dem Ende des Schuljahres 2004/05 gilt dann nur noch die neue Schreibweise als richtig.

In der Hamburger Verwaltung gibt es zur Zeit verschiedene Variationen der deutschen Rechtschreibung. In etlichen Texten werden nach wie vor traditionelle Regeln angewendet, anderen liegen offensichtlich bereits die neuen zu Grunde. In einer Stellungnahme der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales zur Eingabe Nr. 840/99 vom 2000-01-25 wurde eine für mich ganz neue Variante praktiziert, die vollständig auf die Verwendung des „ß" verzichtete und statt dessen konsequent „ss" schrieb.

Dies vorausgeschickt, frage ich:

1. Gibt es zur Zeit eine einheitliche Regelung für die deutsche Rechtschreibung im Bereich der Hamburger Verwaltung? Wenn ja: Welche?

Bis zum 31. Juli 2005 gilt entsprechend dem Beschluss der Innenministerkonferenz vom 6. Juni 1997 eine Übergangsregelung. Damit sollen unter anderem kostenträchtige Umstellungsmaßnahmen wie z. B. die Anpassung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften, Veröffentlichungen, Vordrucken, Merkblättern usw. zu einem Stichtag vermieden werden. Bis dahin gelten alte Schreibweisen nicht als falsch, wohl aber zunehmend als überholt. Den Behörden und Ämtern der hamburgischen Verwaltung wurde mit Rundschreiben der Finanzbehörde vom 29. Juli 1998 die Einführung der neuen Rechtschreibregeln zum 1. August 1998 empfohlen. Zur Wahrung der Einheitlichkeit wurde durch Staatsrätebeschluss vom 4. Oktober 1999 die Umstellung in allen Behörden auf den 1. Januar 2000 festgesetzt.

Der Umstellungsprozess wird darüber hinaus in vielen Behörden durch die Bereitstellung einer neuen Version der Rechtschreibprüfung für das in der hamburgischen Verwaltung eingesetzte Programmpaket MS Office 97 unterstützt. Dieses Zusatzprodukt wird vom Hersteller kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt.

2. Gibt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hamburger Verwaltung Schulungsprogramme in der neuen Rechtschreibung?

Wenn ja:

Aus welchem Haushaltstitel werden sie finanziert?

Welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden vorrangig geschult?

Ist eine Schulung obligatorisch, ggf. für wen?

Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind bereits geschult worden?

Gibt es Erfolgskontrollen nach den Schulungen?

Es gehört zu den Pflichten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich selbst fortzubilden, um veränderten Anforderungen gewachsen zu sein. Unabhängig davon werden Schulungen zur Neuen Rechtschreibung sowohl im zentralen Fortbildungsprogramm und in den Abendkursen des Personalamtes als auch in den dezentralen Fortbildungsprogrammen der Behörden und Ämter angeboten. Sie werden entweder durch eigene Beschäftigte durchgeführt oder aus den entsprechenden Haushaltstiteln für Aus- und Fortbildung bezahlt. Sie sind nicht obligatorisch. Im Jahr 2000 werden im Rahmen des zentralen Schulungsprogramms zwei Schulungen für Beschäftigte, die umfangreiche Publikationen bearbeiten, angeboten und drei Schulungen für Beschäftigte in den Aufgabenbereichen Vorzimmer, Protokollführung, Textverarbeitung und dergleichen.

Erfolgskontrollen werden nicht durchgeführt. Die Entscheidung über den Gebrauch der in dem neuen Regelwerk enthaltenen Varianten ist in die Verantwortung der jeweiligen Verfasserin oder des Verfassers eines Dokuments gestellt (vgl. Antwort zu 1.).

3. Beabsichtigt der Senat sicher zu stellen, dass etwa zeitgleich zur obligatorischen Einführung der neuen Rechtschreibregeln an den Schulen auch in der Hamburger Verwaltung Texte nur noch nach diesen Regeln erstellt werden? Wenn ja: Wie soll dies sicher gestellt werden?

Siehe Antwort zu 1.

4. Gemäß DINEN 28601 bzw. für Deutschland DIN 5008 sollen Kalenderdaten bei nummerischer Schreibweise mit Mittestrich gegliedert sowie Tag und Monat zweistellig angegeben werden. Soll dies auch in der gesamten Hamburger Verwaltung realisiert werden?

Wenn ja: Wann wird die Umstellung vollendet sein?

Bei der durch IuK-Technik unterstützten Erstellung von Briefen wird das Datum automatisch in alphanumerischer Form gebildet. Weitergehende Normierungen sind nicht geplant.