Sexualerziehung in der Schule

Seit 1996 findet im Verbund mit den Ländern Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein ein Modellversuch zur Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren schulischer Sexualerziehung statt.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1. Wie ist die Konzeption dieses Modellversuchs? Welche inhaltlichen Ziele werden verfolgt?

Wie ist der zeitliche Rahmen dieses Modellversuchs?

Das Modellprojekt „Berufsbegleitende sexualpädagogische Fortbildung" in Kooperation der Länder Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein wird in Hamburg durchgeführt von der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung in enger Zusammenarbeit mit der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales und dem Landesverband Hamburg von PROFAMILIA. Es wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefördert und läuft vom 15. Februar 1996 bis zum 30. Juni 2000.

Ziele des Modellprojekts sind die Erarbeitung und Erprobung eines Grundlagencurriculums für die sexualpädagogische Fortbildung von Lehrkräften und die Qualifizierung einer Gruppe von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für sexualpädagogische Beratungs- und Fortbildungstätigkeit sowie die Vernetzung der schulischen und der außerschulischen Sexualpädagogik.

2. Welche Veränderungen wurden vorgenommen, nachdem am 1. August 1996 die neue Richtlinie für Sexualerziehung an Hamburger Schulen in Kraft getreten ist?

Den 1996 verabschiedeten Richtlinien für die Sexualerziehung liegt ein umfassender Begriff der menschlichen Sexualität zu Grunde. Ein diesem Begriff verpflichtetes Konzept, das auch seinen Niederschlag im Hamburgischen Schulgesetz von 1997 (§ 5) gefunden hat, war bereits für die Ausgestaltung des Modellprojekts in Hamburg maßgebend, so dass Änderungen in diesem Zusammenhang nicht notwendig waren.

3. a) Welche Veranstaltungen wurden im Rahmen des Modellversuchs 1999 durchgeführt?

Nach Abschluss der zentralen Fortbildung für die Gruppe der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Jahr 1998 wurden 1999 im Rahmen eines neu gegründeten Multiplikatorenarbeitskreises zwei Veranstaltungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durchgeführt, und zwar zu den Themen „Intervision" und „Neuerscheinungen zur Sexualpädagogik". Weiterhin fanden für alle Lehrkräfte offene Veranstaltungen zu folgenden Themen statt:

­ Vorträge zu den Themen „Interkulturelle Sexualpädagogik in der schulischen Sexualerziehung", „Selbstwahrnehmung, Sexualwissen und Körpergefühl von 8- bis 14-Jährigen", „Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Gewalt ­ jugendliche Mädchen und Jungen berichten" und „Leit- und Leid-Bilder von Weiblichkeit in den Medien".

­ Einzelveranstaltungen zu den Themen „Schwangerschaftsabbruch ­ Mythos, Praxis, Prävention", „Neue Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I und II", „Aids-Prävention ­ Vorstellung eines Projekttages" und „Helle und dunkle Seiten der Sexualität ­ über Sexualität reden und Missbrauch zum Thema machen".

3. b) Wie viele Hamburger Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben teilgenommen?

An der berufsbegleitenden sexualpädagogischen Fortbildung zur Erprobung des Curriculums (Multiplikatorenarbeitskreis) haben 14 Personen, an den offenen Veranstaltungen insgesamt 110 Personen teilgenommen.

4. Welche Haushaltsmittel stehen in 2000 für den Modellversuch zur Verfügung?

Bundesmittel in Höhe von 36 658 DM und für Veröffentlichungen Hamburger Mittel in Höhe von 11 000 DM.

5. Wie sind die weiteren Planungen über die Fortführung des Modellversuchs?

Der 1999 gegründete Multiplikatorenarbeitskreis wird im Rahmen der Arbeit der Beratungsstelle für Aids-Prävention und Sexualerziehung des Instituts für Lehrerfortbildung seine Arbeit fortsetzen und steht den Schulen für schulinterne und regionale Fortbildungsmaßnahmen zur Sexualerziehung zur Verfügung.

6. Wie beurteilt der Senat die Auswirkungen des Modellversuchs auf die Hamburger Schulen?

7. Welche Auswirkungen hat der Modellversuch auf die schulische Ausbildung und die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern?

Der Modellversuch verläuft erfolgreich: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden ausgebildet und stehen den Schulen zur Verfügung; das Curriculum zur sexualpädagogischen Fortbildung der Lehrkräfte wurde erarbeitet und erfolgreich erprobt; die Vernetzung mit einschlägigen außerschulischen Beratungseinrichtungen in Hamburg (PROFAMILIA, Familienplanungszentrum, Kinderschutzzentrum, Allerleirau) wurde intensiviert. Die Fortbildungsveranstaltungen haben ihre Zielgruppe erreicht. Der Qualifizierung der Lehrkräfte dienen auch fünf im Rahmen des Modellprojekts erstellte Fachhefte zu den Themen „Jugendsexualität und sexuelle Sozialisation", „Sexuelle Gewalt gegen Kinder", „Sexualpädagogik" und „Lebensformen und Sexualität" sowie „Weiblichkeit und Sexualität" (befindet sich derzeit noch im Druck). Die vier bisher erschienenen Hefte stießen auf große Resonanz. Für die Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer wurde außerdem die Handreichung „Sexualerziehung in der Schule gestalten" entwickelt. Sie findet zugleich in der Ausbildung von Referendarinnen und Referendaren Anwendung, und zwar in den Fächern Biologie und Ethik sowie im Rahmen der Arbeit der Hauptseminare im Themenschwerpunkt „Entwicklungspsychologie" und im Schwerpunktbereich „Aufgaben der Klassenlehrerin/ des Klassenlehrers".