Beratungsstelle

Einsatz von Open Source Software in der Hamburger Verwaltung

Aus der Antwort des Senats auf meine Kleine Anfrage Drucksache 16/2278 geht hervor, daß sich der Senat mit der Frage eines verstärkten Einsatzes des Betriebssystems Linux in der Hamburger Verwaltung nicht befaßt hat. Weiter meinte der Senat, dass bis 2002 mit einer Zahl von 30 000 lizenzpflichtigen Bildschirmarbeitsplätzen zu rechnen sei, bei einem Kostenaufwand von allein 27671 000 DM für Produkte der Firma Microsoft, wobei die Entscheidung über den Einkauf dieser Leistungen letztendlich bei der Finanzbehörde liege.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Einsatz von sogenannter Open Source Software (OSS) in der öffentlichen Verwaltung immer stärker an Bedeutung. Die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik (KBSt) hat der Bundesregierung in ihrem Brief Nummer 2/2000 dazu geraten, in der Verwaltung Open Source Software einzusetzen.

Die KBSt hat sich schon seit einiger Zeit diesem Thema zugewendet. Bei den Recherchen stellte sich heraus, dass OSS in der Bundesverwaltung eingesetzt werden kann, und zwar sowohl im Serverbereich als auch im Clientbereich.

Der Einsatz von Open Source Software bietet eine Reihe von Vorteilen:

­ Günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis (Wegfall von Lizenzgebühren, Rechner sind länger einsetzbar).

­ Unabhängigkeit vom Monopolisten Microsoft und Vermeidung der vielfältigen Nachteile, die aus dem Monopol herrühren.

­ Die Programmquellen sind einsehbar.

Mit der Entwicklung von komfortablen grafischen Oberflächen sind die freien Betriebssysteme auch im Desktop-Bereich den kommerziellen Systemen gleichwertig. Für den Büroalltag benötigte Anwendungssoftware, die auf solch einer grafischen Oberfläche aufsetzt, wird von verschiedenen Herstellern zur Verfügung gestellt. Da immer mehr Anbieter kommerzieller Software auch auf Linux als Plattform setzen und ihre Produkte ebenfalls für freie Betriebssysteme herstellen, sind mögliche Einsatzgebiete breit gefächert. Schon heute ist es möglich, den Büroalltag komplett mit freien Betriebssystemen zu beschreiten.

Als Fazit zieht die KBSt: Auf absehbare Zeit kann eine erfolgreiche Strategie, sich aus der Abhängigkeit eines Herstellers zu lösen, nur in der Koexistenz der Open Source Software in Verbindung mit anderen kommerziellen Produkten bestehen.

Mit Linux oder FreeBSD als Betriebssystem und ergänzender Open Source Software und kommerzieller Software auf OSS-Betriebssystemen steht ein stabiles, preiswertes, ressourcenschonendes, sichereres und von ausreichend vielen Beratungsfirmen unterstütztes Rechnersystem auch für die professionelle Büroumgebung zur Verfügung. Dies gilt sowohl für den Client- als auch für den Serverbereich. Insbesondere durch die große Resonanz im Umfeld der IT-Industrie bietet Linux heutzutage einen guten Investitionsschutz.

Vor diesem Hintergrund frage ich den Senat.

Die IuK-Infrastruktur der Hamburger Verwaltung hat einen anerkannt hohen Stand, der nur in einem homogenen Umfeld erreicht werden konnte, wie es in den letzten Jahren durch Standardisierung der IuK-Technik (und zwar in der gesamten Breite von der Übertragungstechnik, über das Betriebssystem bis hin zur Anwendungs-Software) geschaffen wurde. Voraussetzung hierfür war die Beschränkung auf wenige strategische Partner, die diesen Prozeß kompetent und kontinuierlich begleiten können.

Bei der wirtschaftlichen Betrachtung einer IuK-Infrastruktur machen die Lizenzen nur etwa 10 bis 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Der wesentliche Aufwand ergibt sich aus den Kosten für das erforderliche Personal für die Administration der Technik. Dieser Aufwand lässt sich nur durch strikte Standardisierung als Voraussetzung für Automatisierung von Betriebsabläufen begrenzen. Die Kosten müssen also jeweils in einer Gesamtbetrachtung aus Lizenz- und Administrationskosten beurteilt werden.

Bei der Frage des Lizenzierungstyps ­ Firmenlizenzen oder Open Source Software (OSS) ­ kommt es unter dem Gesichtspunkt von fachlicher Eignung und Zweckmäßigkeit auf eine alle Kostenfaktoren berücksichtigende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung an.

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat die Fragen wie folgt.

1. Sind dem Senat die Empfehlungen des KBSt-Briefes 2/2000 bekannt?

Der KBSt-Brief 2/2000 ist der zuständigen Fachbehörde bekannt. Es handelt sich hierbei laut KBSt um ein internes Diskussionspapier der Bundesverwaltung. Weiter führt die KBSt hierzu aus, dass sie sich in diesem Jahr intensiv mit den Fragen der Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit beim Einsatz von OSS befassen wird und ihre Erkenntnisse in den weiteren Prozeß einbringen will. Eine abschließende Bewertung steht entgegen der Aussage in der Vorbemerkung der Anfrage noch aus.

2. Gibt es einen Austausch mit anderen Bundesländern in diesen Fragen?

3. Gibt es einen Austausch mit der Bundesverwaltung in diesen Fragen?

Die Freie und Hansestadt Hamburg ist (gemeinsam mit den anderen Ländern, dem Bund und den kommunalen Spitzenverbänden) Mitglied im Kooperationsausschuß automatisierte Datenverarbeitung (KoopA ADV), der sich mit dem gesamten Spektrum aktueller Fragestellungen im Zusammenhang mit IuK-Technik in der öffentlichen Verwaltung befaßt.

4. Hat der Senat sich mit den Möglichkeiten des Einsatzes von Open Source Software in der Hamburger Verwaltung befaßt?

a) Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

b) Wenn nein, warum nicht?

Ausgehend von den in der Vorbemerkung dargestellten grundsätzlichen Erwägungen, kommen hierfür nur Aufgabenfelder in Betracht, bei denen der Einsatz von OSS entweder unabdingbar oder aber die Abkopplung von den in der Hamburger Verwaltung geltenden Standards unter Berücksichtigung des höheren Administrationsaufwandes und der eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit hinnehmbar ist.

Dies dürfte nur im Ausnahmefall in Betracht kommen.

5. Gibt es Bereiche in der Hamburger Verwaltung, in denen schon jetzt OSS zum Einsatz kommt?

a) Wenn ja, welche sind dies und welche Systeme laufen dort?

b) Wenn nein, ist der Einsatz geplant? Wann und wo? Wer ist für den Aufbau verantwortlich?

Eine entsprechende, flächendeckende Aufstellung lässt sich in der Kürze der für die Beantwortung einer Schriftlichen Kleinen Anfrage zur Verfügung stehenden Zeit nicht erstellen. Im übrigen siehe Vorbemerkung.

6. Teilt der Senat die Einschätzung, dass der Einsatz von OSS eine kostengünstige und gute Alternative zu den Microsoft-Produkten darstellt?

Siehe Vorbemerkung.

7. Wie schätzt der Senat die Folgen für die Abhängigkeit der Hamburger Verwaltung von Microsoft-Produkten ein:

a) im Hinblick auf das Kartellverfahren gegen Microsoft, dem eine wettbewerbswidrige Ausnutzung seiner Monopolstellung vorgeworfen wird?

Die Entscheidung im Kartellverfahren gegen Microsoft wird keine Auswirkungen auf die vertraglichen Verhältnisse mit der Stadt haben.

7. b) vor dem Hintergrund der häufigen und teuren Release-Wechsel und vielfach ungeklärten Inkompatibilitäten mit Produkten anderer Hersteller?

Durch das mit der Firma Microsoft geschlossene Vertragswerk sind alle Updates abgedeckt. Zusätzliche Updatekosten entstehen nicht. Gerade die Beschränkung auf einen Hersteller dient der Vermeidung von Inkompatibilitäten und den damit verbundenen Problemen.

8. Welche Pläne bestehen für das Jahr 2003, wenn die gegenwärtige Microsoft-Lizenz ausläuft? Ist die Verlängerung der Lizenz geplant?

Hierüber wird zu gegebener Zeit entschieden.

9. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, durch den Einsatz von OSS in der Hamburger Verwaltung Kosten einzusparen (bitte konkretisieren, nach welchen Bereichen und in welcher Höhe)?

Siehe Antwort zu 4. a) und b).

Bleibt der Senat vor diesem Hintergrund bei seiner in Drucksache 16/2278 geäußerten Ansicht, dass „die Förderung der lokalen Wirtschaftsstruktur" ­ durch Erwerb von Software, Betreuungs- und Anpassungsleistungen bei lokalen und regionalen Firmen ­ bei der Auswahl der Hard- und Software keine Rolle spielt?

Wie in der genannten Drucksache ausgeführt, würde das Kriterium „Förderung der lokalen Wirtschaftsstruktur" gegen die rechtlich verankerten Grundsätze des freien Wettbewerbs innerhalb der Bundesrepublik Deutschland bzw. der Europäischen Union verstoßen.