Kürzungen der BWF beim Erwerbungsetat der Staats- und Universitätsbibliothek

Einem Bericht in der Januar-Ausgabe der „uni hh" zufolge sollen die Kürzungen des Erwerbungsetats der StaBi durch die Behörde für Wissenschaft und Forschung zu einer „Abbestellaktion in unerhörtem Ausmaß" geführt haben. In diesem Zusammenhang wird die Befürchtung geäußert, dass die Literaturversorgung der Universität Hamburg sich dem Niveau einer Provinzbibliothek nähert.

Dies vorausgeschickt, frage ich den Senat:

1. Wie hat sich der Erwerbungsmitteletat der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg im Zeitraum von 1990 bis 2000 jeweils entwickelt? hätte zu anderen, schwerer wiegenden Nachteilen (Verringerung von Öffnungszeiten, Service-Einschränkungen) geführt. Im Haushaltsplan für das Jahr 2000 sind im Erwerbungstitel der SUB 3150 TDM eingestellt. Die SUB beabsichtigt, diesen Titel durch eine Entnahme aus ihren Rücklagen um 300 TDM zu erhöhen. Die Erwerbungsmittel werden durch eine Zuweisung aus dem Bibliotheksfonds in Höhe von 200 TDM verstärkt. Daher werden im Jahr 2000 insgesamt mindestens 3650 TDM für Erwerbungen zur Verfügung stehen. Im übrigen siehe Antwort zu 6.

2. Wie hat sich im Zeitraum 1990 bis 2000 die Preissteigerung im Bereich der wissenschaftlichen Literatur jeweils entwickelt?

Bei der Bewertung der folgenden Aufstellung der Preissteigerungen für Monographien und Zeitschriften ist darauf hinzuweisen, dass sich in dieser Entwicklung zusätzlich zu den reinen Preissteigerungen, die als solche bereits einkalkuliert waren, erhebliche Kaufkraft- bzw. Wechselkursverluste niederschlugen. Die Ausgaben sind auch insofern nicht unmittelbar vergleichbar, da zum Teil aus Gründen der Kostenersparnis zum Kauf broschierter Ausgaben übergegangen wurde.

Durchschnittspreise pro bibliographische Einheit in DM Monographische Literatur Zeitschriften.

3. In welcher Höhe sollen der StaBi im Jahr 2001 Mittel für den Erwerb von Literatur zur Verfügung gestellt werden?

Über den Haushaltsplan-Entwurf 2001 und insbesondere die Entwicklung des Erwerbungsetats der SUB innerhalb der MAP hat der Senat noch nicht entschieden.

4. In welchem Umfang mußte die StaBi aufgrund der Sparverpflichtungen in den Jahren 1990 bis 2000 jeweils Abonnements von Zeitschriften kündigen? (Bitte sowohl den finanziellen Umfang angeben als auch die Zahl der abbestellten Publikationen absolut.)

Die Preissteigerungen insbesondere bei wissenschaftlichen Zeitschriften, die in den letzten Jahren jährlich zwischen 10 und 15 v.H. betrugen, belasten alle wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland, so dass überall Abbestellungen erforderlich werden.

Für die Konzentration der Abbestellungen auf das Jahr 1999 ist zu berücksichtigen, dass der Zufluß von Sondermitteln in den vorangegangenen Jahren mit den dadurch gebotenen Umschichtungsmöglichkeiten eine frühere Reduktion der Abonnements bereits in den Jahren 1995 bis 1998 erspart hat.

Bei der Entscheidung über die jeweiligen Abbestellungen wurde zur Begrenzung der Nachteile so verfahren, dass zuerst entlegene, selten genutzte und von anderen Bibliotheken beschaffbare Zeitschriften abbestellt wurden und in zweiter Linie Zeitschriften, die an anderen Bibliotheken der Universität Hamburg weiter vorhanden sind.

5. Trifft die Aussage in der „uni hh" zu, dass der Kauf monographischer Literatur mengenmäßig ebenfalls drastisch reduziert werden mußte und in einen kaum aufholbaren Rückstand geraten ist? Wenn nein, weshalb nicht? Wenn ja, lässt der Senat dies zu und was plant er gegen die Unaufholbarkeit des Rückstands zu tun?

Der durch Mittelknappheit bewirkte Bestellrückstand betrug nach Angaben der SUB am 31. Dezember 1999 bei deutschsprachiger Literatur ca. fünf Monate, bei englischsprachiger Literatur ca. sieben Monate und bei französischer Literatur mehr als zwölf Monate.

6. Stimmt der Senat der Aussage zu, dass die universitäre Grundversorgung mit Literatur eklatant gefährdet ist? Wenn nein, weshalb nicht und wie bewertet der Senat die Versorgungslage statt dessen?

Die starke Beanspruchung der Etats wissenschaftlicher Bibliotheken erfolgt durch eine Kumulation von überdurchschnittlichen Preissteigerungen in diesem Markt, Wechselkursverlusten des Euro insbesondere gegenüber dem englischen Pfund und dem US-Dollar sowie zusätzlichen Anforderungen durch elektronische Medien. Dies traf mit den Anforderungen des Konsolidierungsprogramms des Hamburger Haushalts zusammen. Die Bemühungen zur Reduktion der Auswirkungen ­ in den zurückliegenden Jahren durch die Zuweisung von Sondermitteln aus dem Hamburger Bibliotheksfonds und dem Bibliothekserneuerungsprogramm ­ werden fortgesetzt.

7. Welchen Vorteil sieht der Senat darin, den Erwerbungsetat der StaBi zunächst zu reduzieren, um anschließend aus dem Sondermittelfonds „Bibliotheksmittel" der StaBi Gelder zum Literaturerwerb zur Verfügung zu stellen?

Die oben skizzierte Entwicklung von Kosten der Literaturbeschaffung und des Euro im Bibliotheksbereich waren seinerzeit in diesem Umfang nicht zu erwarten. Die teilweise Verwendung von Mitteln des Bibliotheksfonds für Erwerbungszwecke ist aufgrund dieser nicht vorhersehbaren Kaufkraftverluste notwendig, war aber nicht primär Intention des Fonds. Im übrigen sind insbesondere die Mittel des Bibliothekserneuerungsprogramms zweckgebunden zur Substanzerhaltung (Restaurierung, Entsäuerung von Buchbeständen) verwendet worden.